Wechsel in PKV?

  • Die BBG liegt mittlerweile bei über 175k€. Da bin ich mit meiner Rente deutlich drunter. Der Beitrag für GKV und GPV liegt mittlerweile bei stolzen 32%. Da immer in der GKV gewesen fallen Beiträge "nur" für die gesetzl. Rente und die Betriebsrente an.

    Bei 32% wird die Abgabenlast so hoch sein. dass sozialversicherungspflichtige Arbeit nicht mehr bezahlbar sein wird. Ceteris paribus, muss es hier zu drastischen Leistungseinschränkungen kommen.

    Schon jetzt ist absehbar, dass sich die Einnahmesituation in der GKV weiter verschlechtern wird. Der Verlust gutbezahlter Jobs in der Industrie, ausgelöst durch die politisch gewollte Deindustrialisierung, wird sich schon in Kürze auswirken. Ins Ausland abgewanderte Produktion wird nicht zurückkehren, daher wirkt dieser Effekt dauerhaft. Aktuell habe ich in einer Umfrage gelesen, dass sich ca. 20% der jungen Leute vorstellen können, Deutschland dauerhaft zu verlassen. Das werden zum größten Teil gut ausgebildete Menschen sein. Demographisch gesehen ist das kein gutes Szenario.

  • Hallo Sternich,

    vielen Dank für deine gut verständlichen Erläuterungen. Ich habe meine Excel Rechnung nun erweitert. Für meine erste Auswertung gilt für mich mal das folgende Szenario:

    Startkosten ab 2026 monatl. für PKV mit 2 Kindern: 1280€; weiterhin angenommen: Eintritt mit 35J, Kinder (2J) fallen mit 20 J raus, ich sterbe mit 85, regulärer Renteneintritt mit 67, PKV und GKV steigt je 4% p.a.,

    Was hier erst mal festzuhalten wäre: Bis zur Rente mit 67 liegen die Beiträge für die PKV (Phase mit Kinder etwas teurer, Phase ohne Kinder deutlich günstiger) und die GKV fast genau auf einem Niveau (knapp 270k€)

    Danach werden die Unterschiede dann tatsächlich groß. Bei meiner ersten Eingabe mit der 1% Rente aus meinem Bescheid ergibt sich in der Rentenzeit eine Differenz von ca. 330k€ (860k€ vs. 520k€).

    Auffällig war für mich aber schon die Rente im Vergleich zu den Beiträgen.

    Der PKV Beitrag von heute 1284€ liegt bei der Steigerung kurz vor Renteneintritt bei 3914€ (ja, in der Rente wird es dann weniger, trotzdem kann dann was nicht passen, wenn du als Gutverdiener deine 1% annehmen willst und rund 4,5k€ Rente bekommst. Das liegt für die Realität zu nah beieinander, ein Faktor muss sich eigentlich anders entwickeln, damit das System irgendwie funktionieren kann, wenn auch schlecht. Da wir nicht wissen, was nicht funktioniert und was bis in ferner Zukunft zusammenbricht müsste man aus meiner Sicht für die Rechnung aber schon eine deutlich höhere Rente annehmen. Natürlich kann man die >4% plus des Rentenwertes jährlich aus den letzten Jahren nicht nehmen, aber nach etwas Recherche habe ich mal den 2% Wert aus dem Bescheid und für die Zeit der Rente eine jährl. Erhöhung von 2,3% angesetzt.

    Dann ergeben sich statt 340k€ Differenz "nur" noch gut 200k€. Die Rechnung mit der 6% Rendite hat sicher seine Berechtigung, möchte ich für mich so aber nicht ansetzen. Für meine Entscheidung möchte ich einfach wissen, wie viel ich in meinem Leben mehr ausgebe. Ich werde noch etwas mit Werten spielen (früherer Tod, frühere Rente etc.) und dann hoffentlich zu meiner Entscheidung kommen. Das ist sicherlich eine subjektive Entscheidung.

    Es ist eben schwer zu beziffern, wie viel einem die höheren Leistungen wert sind. Aber vom Gefühl ist man bei 400k€ bei einer Entscheidung pro GKV mit dem Wissen, sich auch mal eine Behandlung selbst zu bezahlen oder eine Zusatzversicherung für Dinge abzuschließen, die einem wichtig sind, die dann auch mal was kosten können und man trotzdem noch weit darunter ist. Bei <200k€ ist man natürlich schon geneigt, in Richtung PKV zu denken. Allein der materielle Ausgleich von Kieferorthopädenbehandlungen, vielen Brillen etc, die natürlich in einigen Jahrzehnten auch erheblich teurer sein werden (wäre auch mal interessant zu betrachten, aber da wird es immer theoretischer und mehr Glaskugel), zeigt da schon seinen Anteil, dazu kommen natürlich noch die "weichen" Faktoren zur Behandlung, Terminen, etc.

    Also weiterhin spannend...

    Wenn ich mit 80 statt 85 ablebe, wären es noch ca 130k€

    wie ist euer Gefühl zu den Zahlen?

    Einmal editiert, zuletzt von dachshund90 (4. April 2026 um 21:06)

  • Mir kommen die Rentenhöhen im Vegleich zu den PKV-Beiträgen auch zu niedrig vor. Bei den Zahlen ist man trotzdem geneigt einfach in der GKV zu bleiben, sich im Rentenalter über jeden gesparten Euro zu freuen und lieber was von dem gesparten in Selbstzahlerleistungen zu investieren.

  • Trotzdem glaube ich persönlich, dass die PKV deutlich resilienter bezüglich der zukünftigen Probleme sein wird, was man in den Jahren bis zum Renteneintritt und auch danach sowohl an den Beiträgen als Gutverdiener als auch v.a. an den Leistungen im Vergleich zu GKV spüren wird.

  • Bei einer Rentensteigerung von 2% (statt bisher 1%) bis zum Renteneintritt läge meine gesetzl. Rente dann 5.590€.

    Eine jährliche Steierung von 2% ab dem Rentenbeginn hatte ich schon vorher einkalkuliert. Bei der Betriebsrente bin ich von 1% jährlicher Steigerung ab Rentenbeginn ausgegangen.

    Das erhöht natürlich die Abgaben für Kranken- und Pflegeversicherung, aber es gibt auch zwei dämpfende Effekte: Der Zuschuss der Rentenversicherung würde sich ebenfalls erhöhen, da proportional zur gesetzl. Rente. Zusätzlich wäre auch wegen der höheren Steuerlast ein größerer Betrag absetzbar. Bei der Steuer sollte ich vllt sowieso "großzügiger" sein, da die 23% der angenommene durschnittliche Steuersatz sind, nicht der Grenzsteuersatz, der eher relevant sein dürfte. Aber auch hier würde das eher der GKV helfen, da bei der PKV nur 80% abgesetzt werden können.

    Ich lasse die 23% jetzt aber einfach mal. Mit der höheren gesetzlichen Rente von 5.590€ wären die Werte für 2071 dann 285.000€ (reine Differenz der Zahlung) bzw. 813.000€ (bei Anlage der Ersparnis mit 6% Rendite).

    Man muss dabei sagen, dass die jährl. Beitragssteigerung für die PKV den größten Hebel hat. Wenn ich die Steigerung von 5.0% auf 4.5% reduziere, sehen die Werte für 2071 schon deutlich anders aus: 85.000€ und 386.000€.

    Als Angestellter würde ich aber nie von weniger als 4.5% ausgehen. Der PKV-Verband nennt selbst Steigerungen von 3,1%, aber da sind auch die Beamten dabei (die mehr als 50% des Kollektivs ausmachen), welche wegen der Beihilfe den Schnitt ordentlich nach unten ziehen. Ein Beamter muss schließlich im Erwerbsleben von 100€ Gesundheits-Mehrkosten nur 40-50€ mehr versichern, ab der Pension sogar nur 30€ (Beihilfe steigt auf 70%). Als Angestellter/Selbstständiger muss man das komplett selbst tragen und es gibt keinen Arbeitgeber mehr, der die Hälfte der Mehrkosten abpuffert.

    Mein Fazit

    • Kostentechnisch günstiger als die GKV kann die PKV für eine Angestellten-Familie mit 2 Kindern in meinen Augen kaum werden.
    • Um wieviel sie teurer wird, hängt stark von den Annahmen ab. Kleine Änderungen potenzieren sich über die lange Betrachtungsdauer von 40-50 Jahren.
    • Am besten man rechnet mal einen best-case, einen most-likely case und einen worst-case aus und überlegt sich, ob es einem das "wert" ist. Auch ggü. von Alternativen wie Selbstzahlung bei Bedarf (wg. Einzelzimmer etc würde ich z.B. nie eine PKV abschließen, das zahlt man im Zweifel einfach so).
    • Wenn eine Entscheidung so "schwer" fällt, dann sind beide Alternativen meistens auch nicht deutlich unterschiedlich. Bei einem Angstellten mit 2 Kindern ist das in meinen Augen so ein Fall. Ich denke, man macht mit keiner der beiden Entscheidungen ein groben Fehler.
  • Das erhöht natürlich die Abgaben für Kranken- und Pflegeversicherung, aber es gibt auch zwei dämpfende Effekte: Der Zuschuss der Rentenversicherung würde sich ebenfalls erhöhen, da proportional zur gesetzl. Rente. Zusätzlich wäre auch wegen der höheren Steuerlast ein größerer Betrag absetzbar. Bei der Steuer sollte ich vllt sowieso "großzügiger" sein, da die 23% der angenommene durschnittliche Steuersatz sind, nicht der Grenzsteuersatz, der eher relevant sein dürfte. Aber auch hier würde das eher der GKV helfen, da bei der PKV nur 80% abgesetzt werden können.

    Richtig wäre hier mit dem Grenzsteuersatz zu rechnen.


    Man muss dabei sagen, dass die jährl. Beitragssteigerung für die PKV den größten Hebel hat. Wenn ich die Steigerung von 5.0% auf 4.5% reduziere, sehen die Werte für 2071 schon deutlich anders aus: 85.000€ und 386.000€.

    Logisch. Da Problem ist, dass man über solch lange Zeiträume keine valide Annahmen treffen kann. Gerade für Werte die so sensibel reagieren hat dsd Ergebnis eine massive Streuung.

    Als Angestellter würde ich aber nie von weniger als 4.5% ausgehen. Der PKV-Verband nennt selbst Steigerungen von 3,1%, aber da sind auch die Beamten dabei (die mehr als 50% des Kollektivs ausmachen), welche wegen der Beihilfe den Schnitt ordentlich nach unten ziehen. Ein Beamter muss schließlich im Erwerbsleben von 100€ Gesundheits-Mehrkosten nur 40-50€ mehr versichern, ab der Pension sogar nur 30€ (Beihilfe steigt auf 70%). Als Angestellter/Selbstständiger muss man das komplett selbst tragen und es gibt keinen Arbeitgeber mehr, der die Hälfte der Mehrkosten abpuffert.

    Die Beihilfe dürfte keinen Einfluss auf prozentuale Beitragssteigerungen haben. Aus meiner Sicht hängt die Steigerung ganz wesentlich von der medizinischen Inflation, der Entwicklung der Lebenserwartung und dem Zinsniveau ab. Das sind alles Größen die über so lange Zeiträume kaum valide zu schätzen sind.

    Mein Fazit

    • Kostentechnisch günstiger als die GKV kann die PKV für eine Angestellten-Familie mit 2 Kindern in meinen Augen kaum werden.

    Im aktuellen Regime in jedem Fall. Man kann das so aber auch nicht vergleichen, da die Leistungsniveau ganz andere sind.

    • Um wieviel sie teurer wird, hängt stark von den Annahmen ab. Kleine Änderungen potenzieren sich über die lange Betrachtungsdauer von 40-50 Jahren.

    Genau. Siehe oben.

    • Am besten man rechnet mal einen best-case, einen most-likely case und einen worst-case aus und überlegt sich, ob es einem das "wert" ist. Auch ggü. von Alternativen wie Selbstzahlung bei Bedarf (wg. Einzelzimmer etc würde ich z.B. nie eine PKV abschließen, das zahlt man im Zweifel einfach so).

    Unbedingt. In der GKV gibt es ja heute schon an sehr vielen Stellen Zuzahlungen oder gar komplette Selbstzahlerleistungen. Das sollte meiner Meinung nach unbedingt berücksichtigt werden.

    • Wenn eine Entscheidung so "schwer" fällt, dann sind beide Alternativen meistens auch nicht deutlich unterschiedlich. Bei einem Angstellten mit 2 Kindern ist das in meinen Augen so ein Fall. Ich denke, man macht mit keiner der beiden Entscheidungen ein groben Fehler.

    Das würde ich auch so sehen. Letztendlich ist die Frage welches System einem selbst mehr liegt und was die eigenen Ansprüche an Gesundheitsversorgung sind.

  • Die Beihilfe dürfte keinen Einfluss auf prozentuale Beitragssteigerungen haben. Aus meiner Sicht hängt die Steigerung ganz wesentlich von der medizinischen Inflation, der Entwicklung der Lebenserwartung und dem Zinsniveau ab. Das sind alles Größen die über so lange Zeiträume kaum valide zu schätzen sind.

    Der Beitragsverlauf eines Beihilfeberechtigten sieht auf jeden Fall anders aus als der eines Angestellten/Selbstständigen. Letzterer sichert während der gesamten Vertragslaufzeit durchgehend 100 % des Risikos ab. Beim Beihilfeberechtigten ändert sich dies im Laufe der Vertragslaufzeit von z. B. 50 % auf 30 % bei Eintritt in die Pension. Daher sind die absoluten Beitragssteigerungen in diesen Fällen bei z. B. einer allgemeinen Kostensteigerung von 12 % unterschiedlich, da der Beihilfeberechtigte über seinen PKV-Vertrag nur 50 % bzw. 30 % der Kostensteigerung abdecken muss.

    Ein gutes Beispiel dafür, dass die medizinische Inflation "über so lange Zeiträume kaum valide zu schätzen" ist, zeigt sich gerade im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Es gibt Experten, die davon ausgehen, dass die allgemeine Inflation auf 5-6 % steigen wird. Aber keiner weiß es genau, da unklar ist, wie lange der Krieg noch gehen wird und was die Folgen sein werden. Jedenfalls wird die medizinische Inflation dann auch wieder auf ein hohes Maß springen, d. h. die Wahrscheinlichkeit für weitere Beitragssteigerungen in der PKV in den Jahren 2027/2028 erhöht sich.

  • Der Beitragsverlauf eines Beihilfeberechtigten sieht auf jeden Fall anders aus als der eines Angestellten/Selbstständigen. Letzterer sichert während der gesamten Vertragslaufzeit durchgehend 100 % des Risikos ab. Beim Beihilfeberechtigten ändert sich dies im Laufe der Vertragslaufzeit von z. B. 50 % auf 30 % bei Eintritt in die Pension. Daher sind die absoluten Beitragssteigerungen in diesen Fällen bei z. B. einer allgemeinen Kostensteigerung von 12 % unterschiedlich, da der Beihilfeberechtigte über seinen PKV-Vertrag nur 50 % bzw. 30 % der Kostensteigerung abdecken muss.

    Ich habe nichts anderes behauptet. Meine Aussage war, dass es für die prozentualen Steigerungen keinen wesentlichen Unterschied macht ob Beihilfe oder nicht. Das im Laufe der Zeit der Beihilfesatz erhöht wird spielt dafür keine Rolle.

    Ein gutes Beispiel dafür, dass die medizinische Inflation "über so lange Zeiträume kaum valide zu schätzen" ist, zeigt sich gerade im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Es gibt Experten, die davon ausgehen, dass die allgemeine Inflation auf 5-6 % steigen wird. Aber keiner weiß es genau, da unklar ist, wie lange der Krieg noch gehen wird und was die Folgen sein werden. Jedenfalls wird die medizinische Inflation dann auch wieder auf ein hohes Maß springen, d. h. die Wahrscheinlichkeit für weitere Beitragssteigerungen in der PKV in den Jahren 2027/2028 erhöht sich.

    Im Gegenzug sind auch die Zinsen gestiegen...

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