Private Kran­ken­ver­si­che­rung Kosten

Das kostet eine private Kran­ken­ver­si­che­rung

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Ver­si­che­rungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kosten einer privaten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) hängen von Deinem Alter und Deiner Gesundheit beim Abschluss ab sowie vom gewählten Tarif.
  • Für einen leistungsstarken Tarif musst Du mit 450 bis 700 Euro Beitrag im Monat rechnen, wenn Du die PKV mit 35 Jahren abschließt.
  • Wer jung und gesund ist, zahlt als Privatversicherter womöglich weniger als in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung. Doch die PKV musst Du Dir auch langfristig leisten können, denn mit der Zeit steigen die Beiträge.

So gehst Du vor

  • Nutze unsere Anleitung in unserem Ratgeber Wechsel in die PKV, um zu entscheiden, ob eine private Kran­ken­ver­si­che­rung langfristig die richtige Wahl für Dich ist.
  • Überlege in Ruhe, welche Leistungen Du brauchst. Das später zu ändern, ist schwierig. Wir haben für Dich eine Übersicht zum Herunterladen erstellt.

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  • Wähle ein finanzstarkes Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men. Wichtige Informationen dazu findest Du in unserem PKV-Ratgeber.
  • Lass Dich beraten! Triff die Entscheidung für oder gegen die PKV am besten mit einem Honorarberater. Bei der Suche nach einem passenden Tarif kann Dir auch ein Ver­si­che­rungsmakler helfen.

Für junge, gesunde Menschen ist die private Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) oft günstiger als die gesetzliche. Da wirkt ein Wechsel verlockend. Doch langfristig ist die PKV kein Sparmodell, sondern eine Möglichkeit, Dir lebenslang Zugang zu einer hochwertigen medizinischen Versorgung zu sichern. Ob Du dabei wirklich günstiger wegkommst als bei einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se, hängt von vielen Faktoren ab.

Wie wird der PKV-Beitrag berechnet?

Wie viel Du für eine private Kran­ken­ver­si­che­rung zahlen musst, entscheiden vor allem drei Dinge:

  • Dein Alter beim Abschluss der Ver­si­che­rung,
  • Dein Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss und
  • die Leistungen des PKV-Tarifs.

Während das Leistungsspektrum der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung in weiten Teilen gesetzlich vorgegeben ist, hast Du bei der PKV die Wahl: Du kannst entscheiden, welche Leistungen Dir wichtig sind. Wenn Du genau wissen willst, was Dich eine PKV kosten würde, kommst Du nicht drumherum, individuelle Angebote einzuholen.

Selbst wenn Du Deine Daten bei Vergleichsrechnern im Internet eingibst, siehst Du nicht unbedingt die finalen Kosten. Denn der angezeigte Beitrag gilt nur für kerngesunde Menschen. Vor Abschluss einer privaten Kran­ken­ver­si­che­rung musst du allerdings eine Reihe von Gesundheitsfragen beantworten. Hast Du Allergien, Vorerkrankungen oder andere Gesundheitsprobleme, kann das die PKV teurer machen.

Überlegst Du also ernsthaft, in die private Kran­ken­ver­si­che­rung zu wechseln, ist es ratsam, mit einem Ver­si­che­rungsberater oder Makler zusammenzuarbeiten. Er sollte beim PKV-Vergleich Deine Krankengeschichte berücksichtigen und kann Dir dann konkret die Kosten für verschiedene Tarife nennen.

Lass Dich aber nicht mit Billigtarifen locken. Es gibt auch PKV-Tarife, die weniger bieten als den Standard für Kassenpatienten. Eine besonders günstige PKV zahlt meist auch wenig. Möglicherweise bist Du dann schlechter versichert als in einer gesetzlichen Kran­ken­kas­se. Wie sich die Leistungen von GKV und PKV im Detail unterscheiden, liest Du in unserem Ratgeber zur Kran­ken­ver­si­che­rung.

Leistungsübersicht

Wir haben außerdem eine Übersicht zusammengestellt, welche Leistungen bei einer PKV unverzichtbar sind und welche eher ein netter Bonus. Das Dokument kannst Du herunterladen und mit in die Beratung nehmen.

Zum Download

Was kostet eine private Kran­ken­ver­si­che­rung?

Wie weiter oben schon erwähnt: Wie viel Beitrag Du für eine private Kran­ken­ver­si­che­rung zahlen musst, ist individuell. Wir wollen aber versuchen, Dir einen groben Eindruck des Preisniveaus zu verschaffen.

Auch wenn es Billigtarife für 250 Euro im Monat gibt, bei leistungsstarken Tarifen musst Du als Angestellter mit einem Monatsbeitrag von 500 bis 700 Euro rechnen, wenn Du die private Kran­ken­ver­si­che­rung mit 35 Jahren abschließt. Den Beitrag teilst Du Dir mit Deinem Arbeitgeber. Nach Abzug des Ar­beit­ge­ber­zu­schusses bleiben Dir also etwa 250 bis 350 Euro Kosten für die PKV. In der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung liegt der Höchstbeitrag für Arbeitnehmer 2022 bei rund 769 Euro (inklusive 1,3 Prozent durchschnittlichem Zusatzbeitrag). Die Hälfte übernimmt auch hier der Arbeitgeber, es bleiben dann 385 Euro im Monat für Dich.

Bei gutverdienenden Selbstständigen ist die Ersparnis oft größer, denn sie müssen ihren Kran­ken­ver­si­che­rungsbeitrag vollständig selbst zahlen. In der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung ist der Beitrag abhängig vom Einkommen. Mindestens 174 Euro, höchstens 769 Euro werden im Monat fällig, wenn sie bei einer Kran­ken­kas­se mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag Mitglied sind. In der PKV hat das Einkommen keinen Einfluss auf den Beitrag. Selbstständige müssen für leistungsstarke PKV-Tarife mit 460 bis 640 Euro im Monat rechnen.

Falls Du als Selbstständiger mit der PKV liebäugelst, solltest Du bedenken, dass Du nur wenige Möglichkeiten hast, zurück in die GKV zu wechseln, falls Dein Geschäft mal schlecht läuft oder Du Dich arbeitslos melden musst. Zahlst Du nicht in die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung ein, bekommst Du im Alter auch keinen Zuschuss zu Deinen PKV-Beiträgen.

Kosten der „gut“ und „sehr gut“ bewerteten PKV-Tarife bei Finanztest

 Monatsbeitrag für gesunden 35-Jährigen
Angestellter510-639 €¹
Selbstständiger468-639 €²
Bundesbeamter

224-288 €³

¹Tarife mit einem Selbstbehalt von 400 bis 600 Euro im Jahr, 110 Euro Krankentagegeld ab dem 43. Tag
²Tarife mit einem Selbstbehalt von 600 bis 960 Euro im Jahr, 110 Euro Krankentagegeld ab dem 43. Tag
³ Beihilfeanspruch von 50 Prozent, kein Selbstbehalt
Quelle: Finanztest/test.de (Stand: Juli 2022)

Wie entwickeln sich die Kosten im Alter?

Für alleinstehende, gutverdienende Angestellte ist die private Kran­ken­ver­si­che­rung meist billiger als die gesetzliche. Den gesparten Beitrag solltest Du aber nicht ausgeben, sondern fürs Alter ansparen. Denn mit den Jahren kostet die PKV immer mehr. Zwischen 2000 und 2020 stiegen die Beiträge laut Branchendienst Map-Report für privatversicherte Angestellte durchschnittlich um rund 3,8 Prozent pro Jahr, für Beamte um rund 2,9 Prozent. Auch die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung wurde in einem ähnlichen Maße teurer.

Der Unterschied: Wenn Du in Rente bist und niedrigere Einnahmen hast, hängt der Kran­ken­ver­si­che­rungsbeitrag in der gesetzlichen von Deinem Einkommen ab. In der PKV zahlst Du immer gleich viel, egal ob Du gerade viel oder wenig Geld hast.

Die Versicherer versuchen den Kostensteigerungen im Alter zu begegnen, indem sie einen Teil Deines Beitrags für später zurücklegen: die sogenannten Altersrückstellungen. Diese Rücklagen decken allerdings nur einen Teil der Kosten, die im Laufe der Jahre durch höhere Ausgaben für die Versicherten und den medizinischen Fortschritt entstehen. Trotz Altersrückstellungen stieg der Beitrag für privatversicherte Rentner laut Map-Report um durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr. Als Privatversicherter solltest Du deshalb unbedingt ein Finanzpolster für die Kosten der PKV im Alter ansparen. Denn angenommen, Deine Kran­ken­ver­si­che­rung wird jedes Jahr 3 Prozent teurer, dann zahlst Du in 30 Jahren mehr als den doppelten Beitrag im Vergleich zu heute.

Entscheidest Du Dich, gesetzlich versichert zu bleiben, dann lohnt sich ein Blick in unseren Ratgeber zu empfehlenswerten Zu­satz­ver­si­che­rung­en.

Weitere Tipps im Ratgeber Kran­ken­zu­satz­ver­si­che­rungen

 Zum Ratgeber

Das solltest Du außerdem über PKV-Kosten wissen

Um realistisch einzuschätzen, welche Kosten mit einer privaten Kran­ken­ver­si­che­rung auf Dich zukommen, solltest Du folgende Punkte bedenken.

Jedes Familienmitglied kostet extra

Wenn Du eine Familie planst oder bereits Partner und Kinder hast, solltest Du genau rechnen. In der gesetzlichen Fa­mi­lien­ver­si­che­rung sind Kinder kostenfrei mitversichert. Dasselbe gilt für Ehepartner, wenn ihr Einkommen unter der Verdienstgrenze bleibt. In der PKV ist hingegen für jeden Versicherten ein eigener Beitrag fällig, also auch für Ehepartner und Kinder. Es ist also möglich, dass Ihr als Familie in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung insgesamt günstiger wegkommt.

Beachten solltest Du auch, dass bei privatversicherten Angestellten in der Elternzeit der Ar­beit­ge­ber­zu­schuss wegfällt und Du dann Deinen gesamten Beitrag selbst zahlen musst. Auch beim Mut­ter­schafts­geld sind Privatversicherte im Nachteil.

Selbstbehalt nicht zu hoch ansetzen

Ein Selbstbehalt (auch Selbstbeteiligung genannt) hilft, den Beitrag für eine private Kran­ken­ver­si­che­rung zu reduzieren. Es ist ein Tauschgeschäft: Du trägst einen Teil Deiner Gesundheitskosten selbst, im Gegenzug bekommst Du die PKV günstiger.

Damit sich dieser Deal für Dich lohnt, sollte auch noch eine Ersparnis übrigbleiben, wenn Du die volle Selbstbeteiligung zahlen musst. Die Beitragsersparnis muss also größer sein als die Selbstbeteiligung. Denn je älter Du wirst, desto häufiger musst Du voraussichtlich zum Arzt. Früher oder später wirst Du die Selbstbeteiligung dann ausschöpfen.

Geh also sicher, dass Du das Geld für den Selbstbehalt langfristig übrig hast. Denn der Eigenanteil lässt sich nicht einfach senken. Dafür ist eine erneute Gesundheitsprüfung nötig.

Wenn Du angestellt bist, solltest Du außerdem berücksichtigen, dass Du Dir die Beitragsersparnis durch einen Selbstbehalt mit Deinem Arbeitgeber teilst. Die Kosten für die Selbstbeteiligung trägst Du hingegen allein. Deshalb ist ein Selbstbehalt für Selbstständige attraktiver.

Arztrechnungen muss Du vorstrecken

Wenn Du Dich privat versicherst, musst Du bereit sein, finanziell in Vorleistung zu gehen. Rechnungen für Arztbesuche, Medikamente oder Hilfsmittel gehen nicht direkt an die Kran­ken­ver­si­che­rung, sondern an Dich. Du musst das Geld dann in den meisten Fällen vorstrecken und holst es Dir anschließend von Deiner PKV zurück.

Unangenehm wird es, wenn die Ver­si­che­rung etwas an der Rechnung beanstandet und sich weigert, die vollständigen Kosten zu übernehmen. Bei einem Streit zwischen Arztpraxis und Ver­si­che­rung stehst Du zwischen den Stühlen und musst gegebenenfalls mit beiden Parteien verhandeln. Kannst Du keine Einigung erreichen, bleibst Du schlimmstenfalls auf einem Teil der Kosten sitzen.

Ein solches Szenario ist gar nicht so unwahrscheinlich. Streitigkeiten darum, ob eine Arztrechnung zu hoch ist oder eine Behandlung wirklich medizinisch notwendig war, führen seit Jahren die Liste der Beschwerdegründe beim PKV-Ombudsmann an. Der Ombudsmann fungiert als Schlichtungsstelle für Streitigkeiten mit der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung. Viele solcher Fälle lassen sich nur vor Gericht klären, denn der Ombudsmann konnte 2021 nur in jedem fünften Schlich­tungs­ver­fahr­en eine Einigung erzielen.

Mehr dazu im Ratgeber Private Kran­ken­ver­si­che­rung

 Zum Ratgeber

Lassen sich die Kosten der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung senken?

Falls Du bereits Privatpatient bist und Dir die Kosten der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung über den Kopf wachsen, gibt es einige Möglichkeiten, den Beitrag zu reduzieren. Im Detail erklären wir sie in unserem Ratgeber PKV-Beitrag senken.

Zahlst Du beispielsweise wegen einer Erkrankung einen Risikozuschlag, aber bist inzwischen wieder genesen, dann kannst Du diesen Zuschlag streichen lassen. Eine andere Option ist, nach anderen PKV-Tarifen bei Deinem Versicherer zu suchen, die ähnliche Leistungen bieten wie Dein aktueller Tarif aber günstiger sind. Ein solcher interner Tarifwechsel kann sich vor allem für ältere, langjährig Versicherte lohnen.

Kannst Du die Kosten für die PKV langfristig nicht mehr stemmen, solltest Du über einen Wechsel in die gesetzliche Kran­ken­ver­si­che­rung nachdenken. Falls Du die Voraussetzungen dafür nicht erfüllst, kommen als letzte Auswege vielleicht der Standardtarif oder der Basistarif der PKV für Dich infrage.

Autor
Julia Rieder

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