Wechsel in die PKV

Wer sich privat versichern sollte – und wer besser nicht

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 09. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • In die private Krankenversicherung (PKV) dürfen Beamte, Selbstständige und Studenten sowie Angestellte ab einem bestimmten Jahreseinkommen.
  • Wenn Du verbeamtet bist, ist die PKV oft die beste Option. Für alle anderen lohnt sich der Wechsel in die Private nur unter bestimmten Voraussetzungen. Welche das sind, erklären wir weiter unten im Text.
So gehst Du vor
  • Prüfe, ob Du Dich überhaupt privat krankenversichern darfst.
  • Sieh Dir dann die Punkte an, die eine private Krankenversicherung besonders teuer machen: Wie steht es um Dein Alter, Deinen Gesundheitszustand, Deine Familienplanung? Arbeitest Du in einem riskanten Beruf?
  • Rechne durch, ob Du Dir steigende PKV-Beiträge auch in Zukunft leisten kannst.
  • Erst danach solltest Du Dich über konkrete Tarife der verschiedenen Anbieter informieren. Dabei hilft Dir unsere Übersicht wichtiger Leistungsmerkmale

Nur weil Du in die private Krankenversicherung darfst, bedeutet das noch nicht, dass es auch sinnvoll ist, dorthin zu wechseln. Eine private Krankenversicherung musst Du Dir langfristig leisten können. In den meisten Fällen ist die gesetzliche Krankenversicherung die bessere Wahl – zum Beispiel wenn Deine Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist oder Du Dich gerade selbstständig gemacht hast und Dein Unternehmen noch auf wackligen Füßen steht.

Wer darf sich privat versichern?

Es gibt gesetzliche Auflagen, die regeln, wer sich privat versichern darf und wer nicht. Allerdings gelten je nach Art der Berufstätigkeit unterschiedliche Regelungen.

Beamte - Als Beamter hast Du grundsätzlich die Wahl, ob Du Dich privat oder gesetzlich versichern willst. Der Dienstherr leistet eine Beihilfe zu den Krankheitskosten von mindestens 50 Prozent, allerdings nur für die private Krankenversicherung (PKV). Beamte und andere Beihilfeberechtigte schließen daher in der Regel eine sogenannte Restkostenversicherung bei einem privaten Krankenversicherer ab. Wenn Du auf Dauer verbeamtet bist und keine großen gesundheitlichen Probleme hast, lohnt sich eine private Krankenversicherung. Dein gesichertes Einkommen und die hohe Beihilfe schützen Dich vor den finanziellen Nachteilen der PKV.

Selbstständige - Wenn Du hauptberuflich selbstständig arbeitest, kannst Du ebenfalls wählen, ob Du Dich privat oder freiwillig gesetzlich versicherst. Denn die Wahl der Versicherung ist bei Selbstständigen nicht an den Verdienst gebunden. Eine Ausnahme von dieser Regel gilt für Freiberufler, die einer künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit nachgehen: Sie unterliegen unter Umständen der Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse (KSK).

Angestellte – Als Angestellter hast Du erst dann die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, wenn Dein Bruttoeinkommen oberhalb der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Diese Grenze steigt jedes Jahr. 2020 liegt sie bei 62.550 Euro, das entspricht einem durchschnittlichen Monatsverdienst von rund 5.213 Euro. Dazu zählen auch regelmäßige Zahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, nicht jedoch Sonderzahlungen wie Gewinnausschüttungen.

Die Versicherungspflicht endet mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem Dein Gehalt erstmals die Grenze übersteigt. Das gilt aber nur dann, wenn Dein Gehalt auch über dem Grenzwert für das kommende Jahr liegt.

Ein Beispiel: Du bekommst im Oktober 2020 eine Gehaltserhöhung auf 64.000 Euro im Jahr. Damit kannst Du Dich ab dem 1. Januar 2021 privat krankenversichern. Allerdings nur, wenn die Jahresarbeitsentgeltgrenze 2021 weiterhin unter 64.000 Euro liegt.

Studenten - Zu Beginn Deines Studiums kannst Du Dich für eine private Krankenversicherung entscheiden. Du bist dann für die Dauer der Hochschulausbildung an diese Entscheidung gebunden. Wenn Du nach Deinem Abschluss zum ersten Mal hauptberuflich angestellt wirst, dann kannst Du zurück zu einer gesetzlichen Kasse wechseln. Falls Du Dich direkt nach dem Studium selbstständig machst, musst Du hingegen privat versichert bleiben, selbst wenn Du wenig verdienst. Sinnvoll ist die private Krankenversicherung für Studenten vor allem dann, wenn Deine Eltern verbeamtet sind. In dem Fall erhältst Du nämlich bis zu 80 Prozent Beihilfe.

Für wen ist die private Krankenversicherung sinnvoll?

Das wohl wichtigste Argument für eine private Krankenversicherung ist der Zugang zu umfassenderen medizinischen Leistungen in vielen Bereichen. Doch Tarife, die wirklich eine gute Absicherung bieten, gibt es in der Regel nicht zum Schnäppchenpreis.

Insbesondere im Alter steigen die Beiträge – unabhängig davon, wie viel Du verdienst oder als Rente bekommst. Nur wenn Du sicher bist, dass Du Dir die Beiträge langfristig leisten kannst, ist die PKV eine sinnvolle Wahl. Über den Wechsel zu einem privaten Krankenversicherer solltest Du daher erst nachdenken, wenn Du die folgenden fünf Kriterien erfüllst:

1. Du bist jünger als 40 Jahre

Die private Krankenversicherung wird mit den Jahren immer teurer. Ein Teil des Beitrags fließt deshalb in sogenannte Altersrückstellungen, die dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter nicht zu stark ansteigen. Damit die Rechnung aufgeht, muss allerdings möglichst lange möglichst viel Geld angespart werden. Zins und Zinseszins spielen jungen Versicherten in die Hände. Wer nur eine kurze Zeit privat versichert ist, kann keine ausreichenden Altersrückstellungen aufbauen. Wenn Du erst spät in die PKV wechselst, musst Du einen größeren Teil Deines Beitrags als Altersrückstellung ansparen. Der Beitrag ist dadurch viel höher.

Daher solltest Du möglichst nicht älter als 40 Jahre, besser noch 35 Jahre sein, wenn Du Dich für die private Krankenversicherung entscheidest. Bist Du älter, kommt eine private Krankenversicherung nur noch in Ausnahmefällen infrage. Etwa wenn Du durch ein Erbe finanziell sehr gut abgesichert bist und Dir den Preisaufschlag leisten kannst.

2. Du bist weitgehend gesund

Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung darf sich jeder private Versicherer seine Kunden aussuchen. Vor der Aufnahme in die private Krankenversicherung gibt es daher eine ausführliche Gesundheitsprüfung in Form eines Fragenkatalogs. Damit wollen die Anbieter sich Kunden suchen, die möglichst gesund sind. Denn wer bereits Vorerkrankungen mitbringt, verursacht wahrscheinlich höhere Kosten als ein komplett gesunder Mensch. Daher lehnen private Krankenversicherungen Interessenten mit Vorerkrankungen ab oder verlangen Risikoaufschläge auf den Beitrag.

Wenn Du Dich zu annehmbaren Konditionen privat krankenversichern möchtest, solltest Du daher möglichst gesund sein. Wurdest Du in den vergangenen drei Jahren wegen einer psychischen Krankheit behandelt oder hast Du eine akute oder noch nicht vollständig ausgeheilte Krebserkrankung, dann bekommst Du in der Regel keinen Vertrag.

Schwierig kann es auch bei folgenden Erkrankungen werden:

  • Bluthochdruck
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Diabetes
  • Asthma
  • Allergien
  • Rückenleiden
  • Wirbelsäulenerkrankungen
  • körperliche oder geistige Behinderungen

Falls die Behandlung dieser Erkrankungen nicht mindestens seit einem Jahr abgeschlossen ist, musst Du mit einem Risikoaufschlag rechnen. Der Aufschlag macht in der Regel 10 bis 30 Prozent aus und wird nur auf den Teil des Beitrags erhoben, der von der Krankheit betroffen ist. So wirkt sich eine Asthma-Erkrankung beispielsweise auf den Beitrag für ambulante und stationäre Behandlungen aus.

Beamte mit Vorerkrankungen nehmen viele Versicherer im Rahmen einer sogenannten Öffnungsaktion zu erleichterten Bedingungen auf.

3. Deine Familienplanung steht bereits fest

Wenn Du weder Ehepartner noch Kinder hast und auch in Zukunft keine haben möchtest, hast Du es bei der Entscheidung für die Privatversicherung sehr viel einfacher. Hast Du aber Familie oder planst, eine zu gründen, dann solltest Du genau rechnen: Denn eine kostenlose Familienversicherung wie in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der privaten nicht. Du musst daher auch Deine Kinder privat krankenversichern und für sie Beiträge zahlen.

Während der Elternzeit musst Du Deine Versicherungsbeiträge weiterzahlen. Bist Du angestellt, fällt in dieser Zeit auch der Zuschuss Deines Arbeitgebers zur Krankenversicherung weg und Du musst den gesamten Beitrag alleine zahlen. Einige wenige private Tarife bieten zwar eine Beitragsbefreiung in der Elternzeit an, jedoch meist nur für sechs Monate.

Berücksichtige bei Deiner Entscheidung für oder gegen die PKV also die Beiträge für die gesamte Familie. Und mach Dir gemeinsam mit Deinem Partner Gedanken darüber, wer von Euch wie lange wegen der Kinder zuhause bleiben möchte.

4. Du verdienst gut oder hast Vermögen

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung musst Du Dir sowohl jetzt als auch in Zukunft leisten können. Denn der Entschluss, sich privat zu versichern, ist eine Entscheidung fürs Leben. Zwar gibt es Wege, durch Tarifwechsel den Beitrag zu senken oder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Doch das ist oft nicht so einfach. Da sich der Versicherungsbeitrag nicht an das niedrigere Einkommen im Ruhestand anpasst, solltest Du vor einem Wechsel in die private Versicherung alles genau durchrechnen.

Wenn Du Dich privat versichern willst, solltest Du das möglichst früh tun, damit der Beitrag nicht zu hoch ist. Das Problem dabei: Anfang 30 sind viele gerade erst richtig ins Berufsleben gestartet, die Karriere steht noch nicht fest, und auch das Leben ist noch nicht durchgeplant. Dennoch musst Du Dich fragen: Bin ich mir sicher, dass ich langfristig gut verdienen werde? Kommen keine finanziellen Engpässe oder unvorhergesehenen Zahlungen auf mich zu?

Dabei solltest Du bedenken: Gute Tarife sind nicht so billig, wie es viele Lockangebote glauben machen. Mit 500 bis 600 Euro im Monat musst Du zum Einstieg durchaus rechnen. Hast Du Familie, kommt der Beitrag für jedes Familienmitglied noch obendrauf.

Wenn Du selbstständig bist, kann das zum Problem werden. Denn Du hast nur wenige Möglichkeiten, zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, falls Dein Geschäft mal schlecht läuft oder Du Dich arbeitslos melden musst. Zahlst Du nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, bekommst Du im Alter auch keinen Zuschuss zu Deinen PKV-Beiträgen.

Für alleinstehende Angestellte ist die private Krankenversicherung meist billiger als die gesetzliche. Den gesparten Beitrag solltest Du aber nicht ausgeben, sondern fürs Alter ansparen. Denn mit den Jahren kostet die Versicherung immer mehr. Zwischen 2000 und 2020 stiegen die Beiträge laut Branchendienst Map-Report für Angestellte durchschnittlich um rund 3,8 Prozent pro Jahr, für Beamte um rund 2,9 Prozent. Auch die gesetzliche Krankenversicherung wurde in einem ähnlichen Maße teurer.

Der Unterschied: Wenn Du in Rente bist und niedrigere Einnahmen hast, hängt der Krankenversicherungsbeitrag in der gesetzlichen von Deinem Einkommen ab. In der PKV zahlst Du immer gleich viel, egal ob Du gerade viel oder wenig Geld hast. Trotz der Altersrückstellungen stieg der Beitrag für privatversicherte Rentner laut Map-Report um durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr. Wenn Du in die private Krankenversicherung wechselst, musst Du daher auch die Gesundheitsausgaben in Deine Altersvorsorge mit einrechnen und ein entsprechendes Finanzpolster ansparen.

Wir haben für einen Beispielfall ausgerechnet, wie viel die Krankenversicherung im Alter kostet, wenn der Beitrag regelmäßig steigt. Wir gehen dabei von einem 35-Jährigen aus, der zu Vertragsbeginn 500 Euro Beitrag zahlte. Bis zur Rente mit 67 Jahren steigt sein Beitrag pro Jahr um 3 Prozent, während der Rente weiterhin um 2,3 Prozent. Zu Beginn der Rente liegt sein PKV-Beitrag bei gut 1.290 Euro pro Monat. Bis zu seinem 85. Geburtstag steigt dieser auf knapp 1.940 Euro.

Beispielrechnung: PKV-Beitrag im Alter

Beitrag bei 
Abschluss
Beitrag zu
Rentenbeginn
Beitrag mit
85 Jahren
500 Euro1.288 Euro1.939 Euro

Werte gerundet
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 8. Oktober 2020)

Bedenke deshalb: Du musst für das Alter vorsorgen. Je geringer Deine Rentenansprüche ausfallen werden, desto mehr solltest Du selbst zurücklegen. Wenn Du bereits Vermögen besitzt, solltest Du prüfen, ob Dein Finanzpolster ausreicht. Denn rechnet man alle Beiträge im Rentenalter zusammen, ergibt sich eine stattliche Summe.

5. Du arbeitest in keinem riskanten Beruf

Manche Berufsgruppen haben es schwer, sich privat zu versichern. Wenn Du einen Job mit einem hohen gesundheitlichen Risiko ausübst, beispielsweise als Sprengmeisterin oder Stuntman, musst Du mit hohen Risikozuschlägen rechnen. Zudem stehen Dir voraussichtlich nur wenige private Versicherungstarife offen.

Daneben gibt es noch andere – auf den ersten Blick unverfängliche – Berufe wie Kioskbesitzer oder Schaustellerin, die von privaten Anbietern nur ungern versichert werden. Der Grund: Die Versicherungswirtschaft betrachtet diese Klientel von vornherein als unsichere Zahler.

Im Zweifelsfall einen Honorarberater fragen

Nur wenn Du alle genannten Voraussetzungen erfüllst, solltest Du ernsthaft über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nachdenken. Falls Du unsicher bist, kannst Du zu einem Versicherungs- oder Honorarberater gehen. Dieser berät Dich neutral zu der Frage, ob Du Dich privat versichern solltest oder nicht. 

Die Beratung dauert meist nicht länger als zwei bis drei Stunden und kostet etwa 300 bis 450 Euro. Dieses Honorar sollte es Dir wert sein, schließlich triffst Du eine Entscheidung mit langfristigen Folgen für Dein Leben. Einen Versicherungsberater findest Du zum Beispiel über die Suche beim Bundesverband der Versicherungsberater. Achte darauf, dass er oder sie auf die Beratung zur privaten Krankenversicherung spezialisiert ist.

Für die Beratung brauchst Du eine Aufstellung Deiner Einnahmen und Ausgaben sowie eine Übersicht über Dein Vermögen. Solltest Du Dich letztendlich für die private Krankenversicherung entscheiden, dann schau doch mal in unseren Ratgeber zur PKV. Dort geben wir Dir viele Tipps, wie Du einen geeigneten Versicherer und einen guten Tarif findest. Außerdem haben wir für Dich eine Übersicht der wichtigsten Leistungen sowie eine Liste finanzstarker Versicherer erstellt. Bei der Suche nach einem passenden Tarif kann Dich ein Versicherungsmakler oder -berater unterstützen.

Mehr dazu im Ratgeber Private Krankenversicherung

 Zum Ratgeber

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 09. Oktober 2020


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.