Wechsel in die PKV

Wer sich privat versichern sollte – und wer besser nicht

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 27. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • In die private Krankenversicherung (PKV) dürfen Beamte, Selbstständige und Studenten sowie Angestellte ab einem bestimmten Jahreseinkommen.
  • Für Beamte ist die PKV oft die beste Option. Für alle anderen lohnt sich der Wechsel in die Private nur unter bestimmten Voraussetzungen. Welche das sind, erklären wir weiter unten im Text.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie, ob Sie sich überhaupt privat krankenversichern dürfen.
  • Schauen Sie dann auf die Punkte, die die Kosten einer privaten Krankenversicherung besonders treiben: Wie steht es um Ihr Alter, Ihren Gesundheitszustand, Ihre Familienplanung? 
  • Bestimmen Sie mit unserer Checkliste, ob Sie sich aktuell und in Zukunft die PKV-Beiträge leisten können.
  • Erkundigen Sie sich, ob Ihr Berufsrisiko dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung im Wege steht.
  • Erst als letzten Schritt sollten Sie sich über konkrete Tarife der verschiedenen Anbieter informieren.

Eine private Krankenversicherung (PKV) muss man sich langfristig leisten können. Nur weil Sie in die PKV dürfen, bedeutet das noch nicht, dass es auch sinnvoll ist, dorthin zu wechseln. Unter Umständen ist die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die bessere Wahl – zum Beispiel für junge Angestellte, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, oder für Existenzgründer, bei denen die Geschäftsgrundlage noch auf wackligen Füßen steht.

Wer darf sich privat versichern?

Es gibt gesetzliche Auflagen, die regeln, wer sich privat versichern darf und wer nicht. Allerdings gelten je nach Art der Berufstätigkeit unterschiedliche Regelungen.

Beamte - Beamte haben grundsätzlich die Wahl, ob sie sich privat oder gesetzlich versichern wollen. Der Dienstherr leistet eine Beihilfe zu den Krankheitskosten von mindestens 50 Prozent, allerdings nur für die private Krankenversicherung. Beamte und andere Beihilfeberechtigte schließen daher in der Regel eine sogenannte Restkostenversicherung bei einem privaten Krankenversicherer ab. Wer auf Dauer verbeamtet ist und keine großen gesundheitlichen Probleme hat, sollte sich also privat versichern. Das gesicherte Einkommen und die hohe Beihilfe schützen vor den finanziellen Nachteilen der PKV.

Selbstständige - Wer hauptberuflich selbstständig arbeitet, kann ebenfalls wählen, ob er sich privat oder freiwillig gesetzlich versichert. Denn die Wahl der Versicherung ist bei Selbstständigen nicht an den Verdienst gebunden. Eine Ausnahme von dieser Regel gilt für Freiberufler, die einer künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit nachgehen: Sie unterliegen unter Umständen der Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse (KSK).

Angestellte – Angestellte haben erst dann die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, wenn ihr Bruttoeinkommen oberhalb der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) oder Versicherungspflichtgrenze liegt. Die Grenze steigt jedes Jahr. 2020 liegt sie bei 62.550 Euro, das entspricht einem durchschnittlichen Monatsverdienst von rund 5.213 Euro. Dazu zählen auch regelmäßige Zahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, nicht jedoch Sonderzahlungen wie Gewinnausschüttungen.

Die Versicherungspflicht endet mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem das Gehalt erstmals die Grenze übersteigt. Das gilt aber nur dann, wenn das Gehalt auch über dem Grenzwert für das neue Jahr liegt.

Ein Beispiel: Sie bekommen im Juli 2020 eine Gehaltserhöhung auf 64.000 Euro im Jahr. Damit können Sie sich ab dem 1. Januar 2021 privat krankenversichern. Allerdings nur, wenn die Jahresarbeitsentgeltgrenze 2021 weiterhin unter 64.000 Euro liegt.

Studenten - Zu Beginn ihres Studiums können sich Studenten für eine private Krankenversicherung entscheiden. Sie sind dann für die Dauer der Hochschulausbildung an diese Entscheidung gebunden. Es gibt für sie spezielle Studententarife. Wenn frisch gebackene Akademiker zum ersten Mal eine hauptberufliche Tätigkeit aufnehmen, können sie zurück zu einer gesetzlichen Kasse wechseln. Machen sie sich direkt nach dem Studium selbstständig, müssen die Absolventen allerdings privat versichert bleiben, selbst wenn sie wenig verdienen. Sinnvoll ist die private Krankenversicherung vor allem für Studenten, die Kinder von Beamten sind, da sie bis zu 80 Prozent Beihilfe erhalten.

Für wen kommt die private Krankenversicherung infrage?

Das wohl wichtigste Argument für eine private Krankenversicherung ist der Zugang zu besseren medizinischen Leistungen in vielen Bereichen. Doch Tarife, die wirklich eine umfassende Absicherung bieten, gibt es in der Regel nicht zum Schnäppchenpreis. Insbesondere im Alter steigen die Beiträge – unabhängig davon, wie viel Sie verdienen oder als Rente bekommen. Nur wer sicher ist, dass er oder sie sich die Beiträge langfristig leisten kann, gehört in die PKV. Über den Wechsel zu einem privaten Krankenversicherer sollten Sie daher erst nachdenken, wenn Sie die folgenden fünf Kriterien erfüllen:

1. Sie sind noch jünger als 40 Jahre

Die private Krankenversicherung wird mit den Jahren immer teurer. Ein Teil des Beitrags fließt deshalb in sogenannte Altersrückstellungen, die dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter nicht zu stark ansteigen. Damit die Rechnung aufgeht, muss allerdings möglichst lange möglichst viel Geld angespart werden. Zins und Zinseszins spielen jungen Versicherten in die Hände. Wer nur eine kurze Zeit privat versichert ist, kann keine ausreichenden Altersrückstellungen aufbauen. Versicherte, die erst spät in die PKV wechseln, müssen einen größeren Teil des Beitrags als Altersrückstellung ansparen. Der Beitrag ist dadurch viel höher.

Daher sollten Sie möglichst nicht älter als 40 Jahre, besser noch 35 Jahre sein, wenn Sie zu einem privaten Krankenversicherer wechseln. Für diejenigen, die älter sind, kommt eine private Krankenversicherung nur noch in Ausnahmefällen infrage. Etwa wenn sie durch ein Erbe finanziell sehr gut abgesichert sind und sich den Prämienaufschlag leisten können.

2. Sie sind weitgehend gesund

Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung darf sich jeder private Versicherer seine Kunden aussuchen. Vor der Aufnahme in die private Krankenversicherung gibt es daher eine ausführliche Gesundheitsprüfung in Form eines Fragenkatalogs. Damit wollen die Anbieter unter den Interessenten diejenigen heraussieben, die möglichst gesund sind. Denn wer bereits Vorerkrankungen mitbringt, verursacht wahrscheinlich höhere Kosten als ein komplett gesunder Mensch. Daher lehnen private Krankenversicherungen Bewerber mit Vorerkrankungen ab oder verlangen Risikoaufschläge auf den Beitrag.

Wer sich zu annehmbaren Konditionen privat krankenversichern möchte, sollte daher möglichst gesund sein. Interessenten, die in den vergangenen drei Jahren psychisch behandelt wurden oder eine akute oder noch nicht vollständig ausgeheilte Krebserkrankung haben, bekommen in der Regel keinen Vertrag.

Schwierig kann es auch bei folgenden Erkrankungen werden:

  • Bluthochdruck
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Diabetes
  • Asthma
  • Allergien
  • Rückenleiden
  • Wirbelsäulenerkrankungen
  • körperliche oder geistige Behinderungen

Falls die Behandlung dieser Erkrankungen nicht mindestens seit einem Jahr abgeschlossen ist, müssen Sie mit einem Risikozuschlag rechnen. Der Aufschlag macht in der Regel 10 bis 30 Prozent aus und wird nur auf den Teil des Beitrags erhoben, der von der Krankheit betroffen ist. So wirkt sich eine Asthma-Erkrankung beispielsweise auf den Beitrag für ambulante und stationäre Leistungen aus.

Beamte mit Vorerkrankungen nehmen viele Versicherer im Rahmen einer sogenannten Öffnungsaktion zu erleichterten Bedingungen auf.

3. Ihre Familienplanung steht bereits fest

Wer weder Ehepartner noch Kinder hat und auch in Zukunft keine haben möchte, hat es bei der Entscheidung für die Privatversicherung sehr viel einfacher. Wer aber Familie hat oder plant, eine zu gründen, der muss genau rechnen: Denn eine kostenlose Familienversicherung wie in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der privaten nicht. Eltern müssen daher auch ihre Kinder privat krankenversichern und für sie Beiträge zahlen.

Auch während der Elternzeit müssen privat Krankenversicherte ihre Versicherungsbeiträge weiterzahlen. Bei angestellten Eltern fällt in dieser Zeit jedoch der Zuschuss des Arbeitgebers zur Krankenversicherung weg, sie müssen also den gesamten Beitrag alleine zahlen. Einige wenige private Tarife bieten zwar eine Beitragsbefreiung in der Elternzeit an, jedoch meist nur für sechs Monate.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Entscheidung für oder gegen die PKV also die Beiträge für die gesamte Familie. Besprechen Sie auch, wie lange welcher Ehepartner wegen der Kinder zuhause bleiben möchte.

4. Sie verdienen gut oder haben Vermögen

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung sollten Sie sich sowohl jetzt als auch in Zukunft leisten können. Denn der Entschluss, sich privat zu versichern, ist eine Entscheidung fürs Leben – und die bessere medizinische Versorgung in der privaten Krankenversicherung kann langfristig teuer werden. Zwar gibt es Wege, durch Tarifwechsel den Beitrag zu senken oder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Doch das ist nicht immer ganz einfach.

Wir haben eine Checkliste zusammengestellt, mit der Sie ermitteln können, ob Sie sich eine private Krankenversicherung auf Dauer leisten können.

5. Sie arbeiten in keinem riskanten Beruf

Manche Berufsgruppen haben es schwer, sich privat zu versichern. Wer einen Job mit einem hohen gesundheitlichen Risiko ausübt, beispielsweise als Sprengmeisterin oder Stuntman, muss mit hohen Risikozuschlägen rechnen. Zudem stehen Angehörigen dieser Berufe nur wenige private Versicherungstarife offen.

Daneben gibt es noch andere – auf den ersten Blick unverfängliche – Berufe wie Kioskbesitzer oder Schaustellerin, die von privaten Anbietern nur ungern versichert werden. Der Grund: Die Versicherungswirtschaft betrachtet diese Klientel von vornherein als unsichere Zahler. Berufstätige aus diesen Branchen nehmen deshalb besser Abstand von einer privaten Krankenversicherung.

Im Zweifelsfall einen Honorarberater fragen

Nur wer alle genannten Voraussetzungen erfüllt, sollte ernsthaft über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nachdenken. Wenn Sie unsicher sind: Gehen Sie zu einem Versicherungs- oder Honorarberater. Dieser berät Sie neutral zu der Frage, ob Sie sich privat versichern sollten oder nicht. Die Beratung dauert meist nicht länger als zwei bis drei Stunden und kostet etwa 300 bis 450 Euro.

Bringen Sie zu der Beratung vor allem Ihre Einnahmen-Ausgaben-Aufstellung und eine Übersicht über Ihr Vermögen mit. Rät Ihnen der Honorarberater im Ergebnis von einem Wechsel in die private Krankenversicherung ab, sparen Sie im Laufe Ihres Lebens möglicherweise Zehntausende Euro und vermeiden im Extremfall den finanziellen Ruin. Wenn Sie sich aber für den Wechsel entscheiden, kann ein Profi Sie auch bei der Auswahl eines geeigneten Versicherers und Tarifs beraten.

Mehr dazu im Ratgeber Private Krankenversicherung

 Zum Ratgeber

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 27. Februar 2020


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