Wechsel in die PKV

Wer sich privat versichern sollte – und wer nicht

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 02. Januar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • In die private Krankenversicherung dürfen Beamte, Selbstständige und Studenten sowie Angestellte mit einem Bruttojahreseinkommen von mehr als 60.750 Euro.
  • Für alle anderen gilt: Nur wer gewisse Voraussetzungen erfüllt, sollte überhaupt über einen Wechsel nachdenken. Meist ist die gesetzliche Krankenversicherung die bessere Alternative.
  • Zu diesen Voraussetzungen zählen: Jünger als 40 Jahre, weitgehend gesund, die Familienplanung steht bereits fest, jeden Monat bleibt viel Geld übrig oder es gibt ein sicheres Vermögen bei Renteneintritt sowie keine besonderen beruflichen Risiken.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie, ob Sie sich überhaupt privat krankenversichern dürfen.
  • Schauen Sie auch, ob Sie die Voraussetzungen wie Alter, Gesundheitszustand und Familienplanung erfüllen. Nur dann kommt die private Krankenversicherung für Sie infrage.
  • Bestimmen Sie mit unserer Checkliste, ob Sie sich aktuell und in Zukunft die PKV-Beiträge leisten können.
  • Erkundigen Sie sich, ob Ihr Berufsrisiko den Abschluss einer privaten Krankenversicherung verhindert.
  • Erst als letzten Schritt sollten Sie sich über Tarife verschiedener Anbieter informieren.

Eine private Krankenversicherung (PKV) muss man sich langfristig leisten können. Nur weil jemand die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, bedeutet das noch lange nicht, dass es für ihn auch sinnvoll ist, dorthin zu wechseln. Doch so mancher Makler, der von der Versicherung hohe Provisionen bekommt, verkauft Menschen einen Vertrag, die aufgrund ihrer persönlichen und finanziellen Lebensumstände besser in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geblieben wären. Dazu gehören junge Angestellte, deren Familienplanung noch längst nicht abgeschlossen ist, oder Existenzgründer, bei denen die Geschäftsgrundlage auf wackligen Füßen steht. Nur für wenige Versicherte ist ein Wechsel in die private Krankenversicherung auf Dauer tatsächlich sinnvoll.

Wer darf sich privat versichern?

Vorweg: Es gibt gesetzliche Auflagen, die regeln, wer sich privat versichern darf und wer nicht. Allerdings gelten nicht für alle Erwerbsgruppen dieselben Regelungen.

Beamte - Beamte haben grundsätzlich die Wahl, ob sie sich privat oder gesetzlich versichern wollen. Der Dienstherr leistet eine Beihilfe zu den Krankheitskosten von mindestens 50 Prozent, allerdings nur für die private Krankenversicherung. Beamte und andere Beihilfeberechtigte schließen daher in der Regel eine sogenannte Restkostenversicherung bei einem privaten Krankenversicherer ab. Wer auf Dauer verbeamtet ist und keine großen gesundheitlichen Probleme hat, sollte sich also privat versichern. Das gesicherte Einkommen und die hohe Beihilfe schützen vor den finanziellen Nachteilen der PKV.

Selbstständige - Wer hauptberuflich selbständig arbeitet, kann ebenfalls wählen, ob er sich privat oder freiwillig gesetzlich versichert. Denn die Wahl der Versicherung ist bei Selbstständigen nicht an den Verdienst gebunden. Eine Ausnahme von dieser Regel gilt für Freiberufler, die einer künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit nachgehen: Sie unterliegen unter Umständen der Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse (KSK).

Angestellte - In einem Angestelltenverhältnis muss das Bruttoeinkommen oberhalb der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) oder Versicherungspflichtgrenze liegen. Erst dann hat ein Angestellter die Wahl zwischen gesetzlicher oder privater Krankenversicherung. 2019 liegt diese Grenze bei 60.750 Euro jährlich, das entspricht einem durchschnittlichen Monatsverdienst von rund 5.063 Euro. Dazu zählen auch regelmäßige Zahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, nicht jedoch Sonderzahlungen wie Gewinnausschüttungen.

Die frühere Regelung, dass sich Angestellte erst nach drei Jahren Verdienst oberhalb der JAEG privat versichern dürfen, besteht nicht mehr. Stattdessen endet die Versicherungspflicht mit dem Jahr, in dem das Gehalt erstmals die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt, sofern es voraussichtlich für zwölf Monate über der Grenze liegt. Zusätzlich muss aber auch die Versicherungspflichtgrenze im neuen Jahr überschritten werden.

Ein Beispiel: Sie bekommen im Juli 2019 eine Gehaltserhöhung auf 62.000 Euro im Jahr. Damit können Sie sich ab dem 1. Januar 2020 privat krankenversichern. Allerdings nur, sofern die Jahresarbeitsentgeltgrenze 2020 weiterhin unter 62.000 Euro liegt.

Angestellte, die nicht sofort wechseln, sondern sich zuerst freiwillig in einer gesetzlichen Kasse versichern, müssen die Kündigungsfristen der GKV beachten.

Studenten - Zu Beginn ihres Studiums können sich Studenten für eine private Krankenversicherung entscheiden. Sie sind dann für die Dauer der Hochschulausbildung an diese Entscheidung gebunden. Es gibt für sie spezielle Studententarife. Wenn die frisch gebackenen Akademiker zum ersten Mal eine hauptberufliche Tätigkeit aufnehmen, können sie zurück zu einer gesetzlichen Kasse wechseln. Sinnvoll ist die private Krankenversicherung vor allem für Studenten, die Kinder von Beamten sind, da sie bis zu 80 Prozent Beihilfe erhalten.

Für wen kommt die private Krankenversicherung infrage?

Das wohl wichtigste Argument für eine private Krankenversicherung ist der Zugang zu besseren medizinischen Leistungen in vielen Bereichen. Doch für Tarife, die wirklich eine umfassende Absicherung bieten, zahlen die Versicherten in der Regel auch einen deutlich höheren Preis als bei einer gesetzlichen Kasse – besonders langfristig, da im Alter die Beiträge steigen. Nur wer sich diese medizinische Versorgung auch leisten kann, gehört in die PKV. Über den Wechsel zu einem privaten Krankenversicherer sollten Sie daher erst nachdenken, wenn Sie die folgenden fünf Kriterien erfüllen.

1. Sie sind noch jünger als 40 Jahre

Die private Krankenversicherung wird mit den Jahren immer teurer. Ein Teil des Beitrags fließt deshalb in sogenannte Altersrückstellungen, die dafür sorgen, dass die Beiträge im Alter nicht zu stark ansteigen. Damit die Rechnung aufgeht, muss allerdings möglichst lange möglichst viel Geld angespart werden. Zins und Zinseszins spielen jungen Versicherten in die Hände. Wer nur eine kurze Zeit privat versichert ist, kann keine ausreichenden Altersrückstellungen aufbauen. Versicherte, die erst spät in die PKV wechseln, müssen einen größeren Teil des Beitrags als Altersrückstellung ansparen. Der Beitrag ist dadurch viel höher.

Daher sollten Sie möglichst nicht älter als 40 Jahre, besser noch 35 Jahre, sein, wenn Sie zu einem privaten Krankenversicherer wechseln. Für diejenigen, die älter sind, kommt eine private Krankenversicherung nur noch in Ausnahmefällen infrage. Etwa wenn sie durch ein Erbe finanziell sehr gut abgesichert sind und sich den Prämienaufschlag leisten können.

2. Sie sind weitgehend gesund

Jeder private Anbieter darf sich seine Kunden aussuchen. Vor der Aufnahme in die private Krankenversicherung gibt es daher eine ausführliche Gesundheitsprüfung in Form eines Fragenkatalogs. Damit wollen die Versicherungen unter den Interessenten diejenigen heraussieben, die möglichst gesund sind. Denn wer bereits Vorerkrankungen mitbringt, verursacht wahrscheinlich höhere Kosten als ein komplett gesunder Mensch. Daher lehnen private Krankenversicherungen solche Bewerber ab, verlangen Risikoaufschläge auf den Beitrag oder schließen ganze Krankheitsbilder vom Versicherungsschutz aus.

Wer sich zu annehmbaren Konditionen privat krankenversichern möchte, sollte daher über einen durchweg guten Gesundheitszustand verfügen. Auf keinen Fall sollten Sie sich auf Leistungsausschlüsse für bestimmte Krankheiten oder Therapien einlassen, denn diese müssten Sie dann in Zukunft selbst bezahlen – ein unkalkulierbares Risiko.

Klare Ausschlusskriterien sind:

  • eine laufende oder in den letzten drei Jahren abgeschlossene psychische Behandlung,
  • eine akute oder noch nicht vollständig ausgeheilte Krebserkrankung,
  • eine versuchte Selbsttötung in den letzten drei Jahren.

Schwierig wird es unter anderem bei folgenden, vor allem chronischen Erkrankungen:

  • Bluthochdruck
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Diabetes
  • Asthma
  • Allergien
  • Rückenleiden
  • Wirbelsäulenerkrankungen
  • körperliche oder geistige Behinderungen

Falls die Behandlung dieser Erkrankungen nicht mindestens seit einem Jahr abgeschlossen ist, müssen Sie mit einem Risikozuschlag rechnen. Der Aufschlag macht in der Regel 10 bis 30 Prozent aus und wird nur auf den Teil der Prämie erhoben, der von der Krankheit betroffen ist. So wirkt sich eine Asthma-Erkrankung beispielsweise auf den Beitrag für ambulante und stationäre Leistungen aus.

3. Ihre Familienplanung steht bereits fest

Wer weder Ehepartner noch Kinder hat und auch in Zukunft keine haben möchte, hat es bei der Entscheidung für die Privatversicherung sehr viel einfacher. Wer aber Familie hat oder plant, eine zu gründen, der muss genau rechnen: Die Beiträge für die gesamte Familie müssen berücksichtigt werden. Besprechen Sie auch, wie lange welcher Ehepartner wegen der Kinder zu Hause bleiben möchte.

Denn eine kostenlose Familienversicherung wie in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der Privaten nicht. Die Eltern müssen daher auch ihre Kinder privat krankenversichern, der Beitrag für Kinder- und Jugendtarife liegt bei mindestens 100 Euro pro Monat. Auch während der Elternzeit müssen privat Krankenversicherte ihre Versicherungsbeiträge weiterbezahlen. Bei Angestellten fällt dann jedoch der Zuschuss des Arbeitgebers zur Krankenversicherung weg. Einige wenige private Tarife bieten zwar eine Beitragsbefreiung in der Elternzeit an, jedoch meist nur für sechs Monate.

4. Sie verdienen gut oder haben Vermögen

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung sollten Sie sich sowohl jetzt als auch in Zukunft leisten können. Denn der Entschluss, sich privat zu versichern, ist eine Entscheidung fürs Leben – und die bessere medizinische Versorgung in der privaten Krankenversicherung kann langfristig teuer werden. Zwar gibt es Wege, durch Tarifwechsel den Beitrag zu senken oder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Doch das ist nicht immer ganz einfach.

Wir haben eine Checkliste zusammengestellt, mit der Sie ermitteln können, ob Sie sich eine private Krankenversicherung auf Dauer leisten können.

5. Sie arbeiten in keinem riskanten Beruf

Manche Berufsgruppen haben es schwer, sich privat zu versichern. Wer einen Job mit einem hohen gesundheitlichen Risiko ausübt, beispielsweise als Sprengmeisterin oder Stuntman, muss mit hohen Risikozuschlägen rechnen. Zudem stehen Angehörigen dieser Berufe nur wenige private Versicherungstarife offen. Daneben gibt es noch andere – auf den ersten Blick unverfängliche – Berufe wie Kioskbesitzer oder Schaustellerin, die von privaten Anbietern nur ungern versichert werden. Der Grund: Die Versicherungswirtschaft betrachtet diese Klientel von vornherein als unsichere Zahler. Berufstätige aus diesen Branchen nehmen deshalb besser Abstand von einer privaten Krankenversicherung.

Im Zweifelsfall einen Honorarberater fragen

Nur wer alle genannten Voraussetzungen erfüllt, kann ernsthaft über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nachdenken. Dafür sollten Sie sich gründlich mit den Tarifen und Leistungen der Anbieter befassen und überlegen, ob diese die zusätzlichen Kosten wert sind. Wenn bei Ihnen zu viele Fragen offengeblieben sind: Gehen Sie zu einem Versicherungs- oder Honorarberater. Dieser berät Sie neutral zu der Frage, ob Sie sich privat versichern sollten oder nicht. Die Beratung dauert meist nicht länger als zwei bis drei Stunden und kostet etwa 300 bis 450 Euro.

Bringen Sie zu der Beratung vor allem Ihre Einnahmen-Ausgaben-Aufstellung und eine Übersicht über Ihr Vermögen mit. Rät Ihnen der Honorarberater im Ergebnis von einem Wechsel in die private Krankenversicherung ab, sparen Sie im Laufe Ihres Lebens möglicherweise Zehntausende Euro und vermeiden im Extremfall den finanziellen Ruin. Wenn Sie sich aber für den Wechsel entscheiden, kann ein Profi Sie auch bei der Auswahl eines geeigneten Versicherers und Tarifs beraten.

Mehr dazu im Ratgeber Private Krankenversicherung

 Zum Ratgeber

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 02. Januar 2019


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