Kapitalschutzzertifikate

  • Hallo!

    Ich beginne gerade meine Finanzen neu zu organisieren und im Zuge dessen möchte ich mich von Finanzprodukten trennen, die ich auch nach erfolgter Recherche im Internet nur unzureichend verstehe.

    Die freiwerdenden Ersparnisse möchte ich langfristig in einen breit gestreuten ETF investieren, da mir das nach derzeitigem Wissensstand (ich beginne gerade erst mich in das Thema Finanzen einzuarbeiten) am sinnvollsten erscheint. Ich gehe hier von einer vorsichtigen Rendite von ca. 5-6 % bei einem sehr langen Anlagehorizont aus.

    Derzeit stellt sich mir daher die Frage, ob ich auch meine abgeschlossenen Zertifikate auflösen soll.


    Hierzu folgende Eckdaten eines meiner Zertifikate (die restlichen sind ähnlich aufgebaut):

    Bezeichnung: Kapitalschutzzertifikat (Grenze unten 116%, Grenze oben 136%)

    Basiswert: Stoxx Global Select Dividend 100 EUR Price Index

    Laufzeit: 6 Jahre

    Restlaufzeit: 4 Jahre

    Kosten: Ausgabeaufschlag + Laufende Kosten + Ausstiegskosten (bei vorzeitigem Ausstieg von 0,2 %)

    Basiswert Stand aktuell: 135 %

    Entwicklung Zertifikat (Anlagesumme) Stand aktuell: + 13,64 %


    Meine Fragen:

    1. Es stellt sich mir grundsätzlich die Frage, ob die obere Grenze nach Laufzeitende in voller Höhe ausgezahlt wird (36 %) => 6 % p.a. Natürlich unter Berücksichtigung, dass der Ausgabeaufschlag als „separat anzusehendes Defizit“ berücksichtigt werden muss und die Basiswertobergrenze selbstverständlich erreicht wurde.

    2. Ist es richtig, dass die laufenden Kosten mit der Rendite verrechnet werden? Diese also nicht gesondert aufscheinen/verrechnet werden. (Ich meine hiermit, ob es überhaupt möglich ist, die Obergrenze von 36 % zu erhalten und diese im Nachhinein nicht um die laufenden Kosten gemindert werden muss. Ich denke hier an die vielen „guten“ Finanzprodukte, die sich erst einmal sehr lukrativ anhören, aber wenn man alle Kosten berücksichtigt, dann doch nicht so vorteilhaft sind.)

    3. Vielleicht kann mir jemand das Prinzip „Zertifikat“ ganz einfach/kurz erklären…insbesondere, was die Kostenstruktur betrifft!


    Ich bedanke mich schon jetzt für Eure Unterstützung! :)

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  • Vielen Dank für die beiden Antworten, auch wenn diese leider nicht hilfreich sind. :D;)

    "Schubs nach oben" ist vielleicht ein bisschen zu kurz geantwortet...da weiß ich nicht, was das zu bedeuten hat :D...

    Auch der Link aus der zweiten Antwort hilft mir leider nicht weiter...diesen hatte ich bereits vorher schon gelesen und es geht mir nicht um ALLGEMEINE Informationen!

    AUCH MÖCHTE ICH KEINE ZERTIFIKATE ABSCHLIESSEN - vielmehr ist die Frage, ob ich mich bei den genannten Informationen von diesen trennen soll.

    Falls jemand mit tieferem Finanzwissen meinen Eingangstext genau lesen möchte und mir die beiden Fragen beantworten kann, freue ich mich sehr! Vielen Dank! :)

  • Zu 3: Ein Zertifikat ist eine Inhaberschuldverschreibung, als eine Anleihe. Jedoch keine festverzinsliche Anleihe, bei der Du jedes Jahr einen festen Kupon ausbezahlt bekommst, sondern der Kupon und/oder die Rückzahlung hängt von den Bedingungen ab, die im Prospekt beschrieben sind.

    Dein Kapitalschutzzertifikat (auch strukturierte Anleihe genannt) ist zunächst ein Zero, d.h. Du bekommst keine Zinsen ausbezahlt, sondern nur eine (erhöhte) Rückzahlung. Dein Produkt ist in sofern konservativ, da Du eine Mindestrückzahlung von 116% hast.

    Diese Produkte werden üblicherweise über Filialbanken vertrieben und alle Kosten zahlst Du am Anfang. Es gibt keine laufenden Produktkosten. Bei einer Filialbank können aber ggf. laufende Depotkosten anfallen.

    Beispiel: Das Produkt soll für den Emittenten und die Vertriebsbank eine Provision von 4% haben und zu 101% verkauft werden. Dann muss der Herstellpreis (innerer Wert) 97% sein. Der Strukturierer hedget die Emission durch einen Zero plus Derivate (hier CaII long 116% und CalI short 136%) so, dass er auf den gewünschten Herstellpreis kommt. Die Variable, an der er schrauben kann, sind die Basispreise der Optionen. Die Provisionen sind auch im BIB ausgewiesen, dass Du beim Kauf erhalten hast. Die verbreitete Vorstellung, dass Du "gegen die Bank spekulierst" ist falsch, die Bank hat das Produkt voll abgesichert und die eingerechnete Provision am Emissionstag verdient.

    Ok, das war jetzt schon recht detailliert. Fakt ist, dass Du etwas für 101% kaufst, was 97% wert ist. Damit sind aber alle Produktkosten bezahlt.

    Zu 1 und 2: Ja, wenn der Index am Feststellungstag mindestens 36% über dem Stand vom Starttag ist, wird Dein Zertifikat zu 136% zurückgezahlt (abzgl. Steuer, aber keine weiteren Kosten).

    Beachte aber, dass der Basiswert ein Kursindex ist, d.h. alle Dividenden werden nicht berücksichtigt. Darüber hinaus enthält der Index gerade dividendenstarke Aktien, d.h. der Index entwickelt sich deutlich schlechter, als beispielsweise ein ETF auf Dividendenaktien!

    Für die Renditeberechnung musst Du natürlich den Ausgabeaufschlag berücksichtigen. Bei einem AA von 1% wäre die Rendite 5,08% (6. Wurzel aus 1,36/1,01).

    Der Emittent stellt ständig Geld- und (meistens auch) Briefkurse. In der Regel entspricht der Briefkurs dem inneren Wert und der Geldkurs liegt 1% niedriger. Bei einem heutigen Verkauf sollte Dir die Kostenkalkulation also dieses Prozent zzgl. der Brokerkosten (und ggf. Börsenkosten) anzeigen.

  • Ich halte mich auch an diese Regel, aber die TO Sucht aus diesem Grunde nun Rat. Ich wollte nur anmerken, dass die bisherigen Ausführungen eventuell nicht ausreichend sind.

    Zumindest reichen die dankenswert aufschlussreichen Ausführungen von Hornievollauf dazu aus, dass hoffentlich auch der letzte nichtverstehende Mitleser das Unterschreiben definitiv unterlässt, sobald ihm zuvor eine/r mit etwas, was sich auch nur entfernt wie "Zertifikat" anhört, um die Ecke gekommen ist. Capisce? ;)

    Ob sich die TE, deren Schützling sich die Dinger bereits hat andrehen lassen, sich in dessen Înteresse sofort, später oder nun besser doch nicht mehr von dem Zeugs trennen sollte?
    Keine Ahnung - daher auch kein Tipp. 8)

    Auch das kleinere von zwei Übeln kann ein größeres sein.

  • Ich halte mich auch an diese Regel, aber die TO Sucht aus diesem Grunde nun Rat. Ich wollte nur anmerken, dass die bisherigen Ausführungen eventuell nicht ausreichend sind.

    Ich ließ mir auch 2 solche Zertifikate andrehen.

    Ich hatte eine „Beratung“ Verkaufsgespräch bei der Bank und habe solange nachgefragt bis ich kapiert habe wann ich unter welchen Umständen was ausbezahlt bekomme.

    Das ist grundsätzlich eigentlich sehr einfach zu verstehen. Und steht auchbim Verkaufsprospekt sehr gut erklärt.

    Weniger einfach zu verstehen ist, dass man zwar das Risiko der Kursentwicklungen aber nicht die Renditechancen der Kursentwicklungen hat.

    Die TE hat hier umfangreiche Infos zur Selbstentscheidung erhalten. Wenn sie Details nicht verstanden hat kann sie nachfragen. So einfach wie auf der Bank, dass man ihr einfach sagt: Kauf es….oder:Verkauf es ….waren die Antwirten nicht, das stimmt.

    Aber ich mach es jetzt einfach: Sitze es aus, wird schon gut gehen. Und mach’s nie wieder.

    Meine Prognose: das Zertifikat wird vermutlich ohnehin bald vorzeitig beendet und mit Zinsen zurückbezahlt, wenn ich die Angaben richtig deute (Abstand zur oberen Grenze nur 1%)

  • Liebe Teilnehmer!

    Ich bedanke mich sehr, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, um meine Fragen zu beantworten.

    ...und auch für weitere Erkenntnisse gesorgt habt ("Schubs nach oben") ;)...

    An dieser Stelle ein Dankeschön an die "Hanseatin", dass sie meinen Beitrag wieder "sichtbar" gemacht hat und eine Entschuldigung dafür, dass ich es als "Neuling" nicht verstanden habe :D:)...

    Wie geschrieben, bin ich noch ganz am Anfang meiner Umstrukturierungen und hätte ich das Wissen von heute (das insgesamt immer noch sehr bescheiden ist :D) schon vor 15 Jahren gehabt, hätte ich mir viele Kosten gespart, über deren Einnahme sich die Filialbank gefreut hat. Man hat sich einfach (in gutem Glauben) sehr viele unsinnige Proukte verkaufen lassen ;(...

    Saidi sei Dank, dass er den Anstoß gegeben hat, diesen Umstand zu ändern!! ;):thumbup:

    Also, nochmals herzlichen Dank an alle (insbesondere an "Hornie" für den ausführlichen Beitrag und "Pepekeke" für den Tipp)!

    Ein schönes Wochenende! :)

  • Also, nochmals herzlichen Dank an alle (insbesondere an "Hornie" für den ausführlichen Beitrag und "Pepekeke" für den Tipp)!

    Ein schönes Wochenende! :)

    Ich muss mich aber an der Stelle aber vermutlich korrigieren. Es dürfte sich nicht um ein Zertifikat mit vorzeitiger Rückzahlung bei Erreichen oder oberen Barriere handeln, sondern um eines bei der die Rendite mit der Obergrenze begrenzt ist. Meine Prognose bzgl Rückzahlung dürfte daher falsch sein.

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