ETF Portfolio ab Mitte 50

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  • Aber lässt diese Betrachtung nicht den Korrelationsaspekt ausser Acht? Singular auf jede einzeln Anlageklasse betrachtet stimmt Deine Aussage (bezogen auf die Vergangenheit seit 2004) offensichtlich. Aber für die zu erwartenden Schwankungen des Gesamtportfolios muss man die Korrelationen zwischen den Assetklassen berücksichtigen.

    Du hast ja eine Unkorreliertheit zwischen geldmarktnaher Anlage bzw. kurzlaufenden Anleihen und dem Aktienmarkt. Und diese kannst du auf Portfolioebene 1 durch Rebalancing zwischen diesen beiden Anlageklassen nutzen. Wenn die Laufzeit-, Bonitäts- und politischen Risiken anderer Anleihen jedoch nicht ausreichend prämiert werden, warum soll ich mir diese dann ins Portfolio holen? Im Ergebnis hat man ein simples und einfach zu steuerndes Portfolio mit hoher risikoadjustierter Rendite. Vorausgesetzt man begnügt sich mit wenigen Produkten von im Extremfall je einem pro Anlageklasse, also bspw. einem Welt-Aktien-ETF und einem Geldmarkt-ETF.

  • Saarlaender Aber das war ja nicht immer so und wer kennt die Zukunft? Die letzten 15 oder 20 Jahre mit fallenden und dann niedrigen und sogar negativen Zinsen , super Aktienmärkten usw. sind vieleicht nicht ganz repräsentativ. Nicht nur die Korrelation zu Aktien, sondern auch die der verschiedenen Anleihearten untereinanden kann das Portfolio insegsamt beeinflussen. Unterschiedliche Anleihearten verhalten sich in unterschiedlichen Marktphasen halt anders. Am Ende kann dann eine Kombination aus verschiedenen volatilen Assetklassen weniger schwanken, als jede einzelne.

    Aber im Grunde bin ich bei Dir: im Zweifel immer lieber KISS. Wer prognosefrei in den Aktienmarkt geht mit individuell passender Aktienquote, das ganze kostengünstig gestaltet und eisern daran festhält bewegt sich auf sehr, sehr hohem Niveau so, dass alles andere nebensächlich wird. Ausschließlich in Nominalwerten zu sparen kostet ein Vermögen und birgt enorme Risiken. Aber selbst wer den Weg an die Aktienmärkte findet wird in aller Regel durch Gebühren aber - wird meist vergessen - durch sein eigenes Verhalten geschröpft. Schau mal mach Studien zu ETF Anlegern und Depotauswertungen! Morningstar ermittelte für Anleger in klassischen Fonds eine Verhaltenslück von bis zu 1,5% p.a.! Zusätzlich zu kosten und Underperformance! Durchschnittlich bleibt aber auch bei ETF Anlegern je nach Studie und Zeitraum im Schnitt gut Rendite liegen, teilweise weit mehr, als bei klassischen Fonds. Weil man halt doch mehr kauft, wenn die Märkte mal gut liefen, man glaubt schlauer zu sein, als die anderen und Sektor-, Branchen- oder Regionenwetten eingeht. Wie war die letzte Studie noch gleich? Durchschnittlich 5 ETF im Depot? Dazu haben die meisten dann noch Einzelaktien und/oder aktive Fonds. Von Rentenversicherungen usw. fange ich nicht an...

    Vor diesem Hintergrund über wenige Basispunkte in der Vola zu diskutieren ist wohl wenig sinnig. Lieber darauf konzentrieren möglichst wenig falsch zu machen. Und da ist die Kombi aus Aktien und Geldmarkt ziemlich schwer zu schlagen. Auch ohne Faktoren, Unternehmensanleihen und so weiter.

    Kurzum: ich weiß nicht, ob wir bezüglich Anleihen dem Rückschaufehler unterliegen und sie aktuell nicht negativer gesehen werden, als sie sind. Ich weiß aber schon, dass die Abbildung der Anleihemärkte speziell sein kann weil die Indexkonstruktionen die Eigenheiten verschiedener Anlegerarten nicht berücksichtigen, der Markt ist schließlic professionell bzw Insti getrieben. Da geht es um Regularien, konkrete nominale Verpflichtungen usw. Das passt so für den Privatanleger nicht unbedingt. Daher im Zweifel Finger davon.

  • Ich habe mir gerade den Eingangspost nochmals angesehen und nun beschleicht mich ein komisches Gefühl. Kann es sein, dass man hier versucht durch eine gezielte und deutliche Abweichung vom Marktportfolio Risiken zu minimieren? Oooohhh. Nicht, das das in Auge geht und genau das Gegenteil passiert.

    Ist es gemäß Kapitalmarktforschung nicht so, dass das Marktportfolio das Marktrisiko beinhaltet und prämiert (Equity Prämie) und dass eine Abweichung eher das Risiko erhöht?

    Auch fließen offensichtlich einige Meinungen und Prognosen ein in die Portfoliogestaltung. Auch das ist meist eher nicht soooo gut, wenn man den Erkenntnissen der Kapitalmarktforschung glauben schenkt.

    Wirklich sicher, zu versuchen das Risiko im Aktienteil zu senken in dem man basierend auf Erwartungen, Befürchtungen, Prognosen und Meinungen vom Marktportfolio abweicht? Oder vieleicht nicht doch lieber einfach das Aktieneyposure verringern und sich auf das Vereinnahmen der Equity Prämie beschränken?

    Statististisch gesehen wird der Plan wahrscheinlich nicht aufgehen, oder was meint ihr.

  • Und da ist die Kombi aus Aktien und Geldmarkt ziemlich schwer zu schlagen.

    Da sind wir uns einig. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass ein äußerst simples 2-Fonds-Portfolio aus einem Aktien-ETF der passiv den Weltmarkt nach Marktkapitalisierung abdeckt plus einer Anlage nah am risikofreien Zins, also bspw. einem Geldmarktfonds nur sehr schwer zu schlagen ist. Insbesondere nach Steuern und nach Kosten.

    Ich habe oft auch den Eindruck, dass viele Anleger mit den weiteren Komponenten auf der Aktien- und der Anleihenseite in Wirklichkeit insgeheim in irgendeiner Form Hoffnung auf risikolose Rendite haben. Und die gibt es nicht.

  • Wirklich sicher, zu versuchen das Risiko im Aktienteil zu senken in dem man basierend auf Erwartungen, Befürchtungen, Prognosen und Meinungen vom Marktportfolio abweicht? Oder vieleicht nicht doch lieber einfach das Aktieneyposure verringern und sich auf das Vereinnahmen der Equity Prämie beschränken?

    Danke. Du nimmst mir die Worte aus dem Mund :)

  • Aber selbst wer den Weg an die Aktienmärkte findet wird in aller Regel durch Gebühren aber - wird meist vergessen - durch sein eigenes Verhalten geschröpft. Schau mal mach Studien zu ETF Anlegern und Depotauswertungen! Morningstar ermittelte für Anleger in klassischen Fonds eine Verhaltenslück von bis zu 1,5% p.a.! Zusätzlich zu kosten und Underperformance!

    Interessant finde ich, dass Untersuchungen deutlich zeigen: Anleger, die ein Mischprodukt kaufen, weisen die geringste Performancelücke auf. Das spricht dafür, dass das KISS-Prinzip zu besseren Anlageergebnissen führt und dass jede zusätzliche Entscheidungsmöglichkeit tendenziell Rendite kostet (Quelle: Ben Felix).

  • Ist es gemäß Kapitalmarktforschung nicht so, dass das Marktportfolio das Marktrisiko beinhaltet und prämiert (Equity Prämie) und dass eine Abweichung eher das Risiko erhöht?

    Zur Info: Das Marktportfolio besteht hauptsächlich aus lang laufenden Anleihen und Immobilien. Da sind nur ganz wenige Aktien drin. Im Grunde weicht jeder Anleger hier deutlich von diesem ab. Sehr wahrscheinlich weil er oder sie das Marktportfolio schlagen will. ;)

  • Ich habe mir gerade den Eingangspost nochmals angesehen und nun beschleicht mich ein komisches Gefühl. Kann es sein, dass man hier versucht durch eine gezielte und deutliche Abweichung vom Marktportfolio Risiken zu minimieren? Oooohhh. Nicht, das das in Auge geht und genau das Gegenteil passiert.

    Ist es gemäß Kapitalmarktforschung nicht so, dass das Marktportfolio das Marktrisiko beinhaltet und prämiert (Equity Prämie) und dass eine Abweichung eher das Risiko erhöht?

    Auch fließen offensichtlich einige Meinungen und Prognosen ein in die Portfoliogestaltung. Auch das ist meist eher nicht soooo gut, wenn man den Erkenntnissen der Kapitalmarktforschung glauben schenkt.

    Wirklich sicher, zu versuchen das Risiko im Aktienteil zu senken in dem man basierend auf Erwartungen, Befürchtungen, Prognosen und Meinungen vom Marktportfolio abweicht? Oder vieleicht nicht doch lieber einfach das Aktieneyposure verringern und sich auf das Vereinnahmen der Equity Prämie beschränken?

    Statististisch gesehen wird der Plan wahrscheinlich nicht aufgehen, oder was meint ihr.

    Ja, das stimmt. Ganz uneingeschränkt. Wenn ich alle meine durch ein irrationales Bauchgefühl und durch Anschalten des Kopfes vielleicht auch etwas rationaleres Herangehen verursachten Kriterien berücksichtigen möchte, bleiben im Aktienbereich gar nicht mehr so viele Möglichkeiten. Ein FTSE AllWorld oder ACWI IMI ist jedenfalls nicht die Lösung.

  • Vor diesem Hintergrund über wenige Basispunkte in der Vola zu diskutieren ist wohl wenig sinnig. Lieber darauf konzentrieren möglichst wenig falsch zu machen. Und da ist die Kombi aus Aktien und Geldmarkt ziemlich schwer zu schlagen. Auch ohne Faktoren, Unternehmensanleihen und so weiter.

    Interessanterweise sieht der vielfach gelobte schwedische Pensionsfonds AP7 übrigens so aus:

    • Aktien einfach weltweit nach Marktkapitalisierung - etwa vergleichbar einem MSCI ACWI oder FTSE All-World ETF
    • Anleihen: kurzlaufende Staatsanleihen 1-3 Jahre in Heimatwährung

    Allerdings sind die Aktien sogar noch moderat mit Faktor ca. 1,2 gehebelt :huh:

  • Interessanterweise sieht der vielfach gelobte schwedische Pensionsfonds AP7 übrigens so aus:

    • Aktien einfach weltweit nach Marktkapitalisierung - etwa vergleichbar einem MSCI ACWI oder FTSE All-World ETF
    • Anleihen: kurzlaufende Staatsanleihen 1-3 Jahre in Heimatwährung

    Allerdings sind die Aktien sogar noch moderat mit Faktor ca. 1,2 gehebelt :huh:

    Wenn man A sagt, sollte man auch B sagen. Und bei Staatsfonds ist wohl nicht der von Schweden die ,,Benchmark" sondern der von Norwegen. Und die Norweger reduzieren den USA-Anteil deutlich und übergewichten Europa und AP/EM (Begründung vom Chef persönlich: Klumpenrisiken und Überbewertungen). Das läuft über Regionen-Faktoren und BIP. Sie haben auch die großen Werte auf knapp über 1% gecapped und arbeiten mit ESG. Woher kennen wird das nur? ;)

  • KENFO auch….das lädt zum Nachdenken ein.

    Ja, viele glauben halt nicht daran. Die Frage ‚,Warum sollte man die besten Rosen abschneiden?" ist ein unerschütterlicher Mythos, getrieben vom reinen Recency Bias. Dazu gibt es eindeutige Untersuchungen, z.B. von Wes Crill (Dimensional Fund Advisors) oder Rob Arnott (Research Affiliates): Die größten Unternehmen von heute sind tendenziell die Underperformer von morgen. Außerdem bringt Kopflastigkeit ganz bestimmte Risiken mit sich. Man darf sich aber nix vormachen: Auch der größere Small-Size-Faktor, der dadurch zwangsläufig entsteht, hat seine eigenen Risiken.

  • Du willst wissen warum der größte Fonds dieses Planeten, auf dessen Handelsaktivitäten jeder Asset-Manager schaut, wichtiger ist als kleine Schwede? :D

    Schweden ist nicht mal unter den Top 10. Aber er legt so an wie du es für richtig hältst. Was für ein Zufall. ;)

    Ein gigantisches Startkapital durch Öl-Milliarden ist ein Startvorteil, kein Beweis für kluges Management.

    PS: Nvidia macht derzeit übrigens etwa 3,8% des Aktienteils des norwegischen Staatsfonds aus

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