Moin ![]()
Es gibt ja so einige Finanzkennzahlen, und ein paar tracke ich bei meinen Anlagen und verstehe sie soweit auch, sowohl ihre Berechnung als auch ihre Aussage.
Normalerweise kann ich echt gut mit Zahlen und Mathe, und auch Excel ist mein Freund.
Mit dem IZF und TWR habe ich aber meine Probleme.
Die Berechnung via Excel ist erstmal kein Problem, ausser das es manchmal unerwartete und unlogische Ergebnisse gibt.
Ich kann aber nicht behaupten, die Berechnung und vor allem die Aussagekraft der beiden wirklich verstanden zu haben.
Zuerst hier mal ein Teil der Definitionen und Erklärungen, die ich zu den beiden Kennzahlen gefunden habe:
Die Kapitalgewichtete Rendite = Interner Zinsfuss (IZF) beantwortet die Frage: "Wie gut war das Timing?".
Auf das real eingesetzte Kapital wird die durchschnittliche Rendite pro Jahr berechnet. Zeitpunkt und Höhe aller Kapitalströme werden berücksichtigt.
Der IZF ist sinnvoll bei aktivem Markt-Timing, bei passivem Buy-and-Hold eher nicht.
Die Zeitgewichtete Rendite (TWR) beantwortet die Frage: "Wie gut war die Anlage, und wie hat sich die Investition real entwickelt, obwohl es weitere Ein- oder Auszahlungen gab?".
Die täglichen Renditefaktoren (basierend auf einfachen Renditen) werden multiplikativ miteinander verknüpft. Zeitpunkt und Höhe aller Kapitalströme werden nicht berücksichtigt.
Der TWR ist unabhängig von Einzahlungen und Auszahlungen, und ergibt für jedes Portfolio und jeden beliebigen Zeitraum eine vergleichbare, objektive Rendite.
Soweit die Theorie, hier jetzt die Praxis:
Die Berechnung des IZF ergibt manchmal 0% wenn ich im Verlust bin, aber auch nicht immer. Manchmal ergeben sich sinnvoller Weise dann auch negative Werte.
Wenn ich händisch den aktuellen Kurs so hoch setze, dass ich aus dem Verlust heraus wäre, ergeben sich auch wieder positive Werte. Die Formel sollte also korrekt sein, zumal sie ansonsten funktioniert.
Und ja, der Anlage- bzw. Berechnungszeitraum beträgt mehr als ein Jahr. Soll beim IZF ja wichtig sein.
Die Berechnung des TWR ergibt manchmal positive Werte obwohl ich im Verlust bin. Erscheint nicht wirklich logisch, aber auch hier halte ich die Formel für korrekt, nur das Ergebnis nicht.
Zum einen sagen mir also die Ergebnisse der beiden nichts, ich kann mir nichts darunter vorstellen, sie nicht einordnen (ausser höher oder niedriger im Vergleich mit einem anderen).
Zum anderen erhalte ich bei beiden in einigen wenigen Fällen Ergebnisse, die meiner Meinung nach einfach nur Quark sind.
Und obendrein empfinde ich die Definitionen/Erklärungen als teilweise widersprüchlich bzw. nicht sinnvoll.
Bsp. IZF: Warumm sollte der IZF bei Buy-and-Hold nicht sinnvoll sein, wenn er doch Zeitpunkt und Höhe aller Kapitalströme berücksichtigt?
Hört sich für mich ideal nach etwas an, was für Sparplaninvests oder gelegentliche Einmalzahlungen geeignet ist.
Bsp. TWR: Zeitpunkt und Höhe aller Kapitalströme werden nicht berücksichtigt. Das habe ich schon bei der durchschnittlichen Jahresrendite.
Nett, aber für Sparpläne etc. in meinen Augen nur begrenzt aussagekräftig.
Jetzt habe ich mir selber etwas überlegt was ich nachvollziehen kann, und bei dem das Ergebnis mir eine für mich sinnvoll verständliche Aussage gibt.
Zudem ist es egal wie lange man investiert ist. Man kann ab dem 1. Tag einen Vergleich mit anderen Anlagen machen, auch wenn diese schon Jahre bestehen.
Und es ist völlig egal ob es sich um einen Sparplan, unregelmäßige oder einmalige Investitionen handelt, oder ob man 1 € oder 100.000 € investiert hat.
Sowohl der Zeitpunkt (also die Dauer), als auch die Höhe des Kapitalflusses werden berücksichtigt.
Zuerst werden die Tage vom Kaufzeitpunkt bis heute berechnet (natürlich ginge auch jeder andere Zeitraum).
Dann wird das Ergebnis mit der Kaufsumme multipliziert. Das ergibt die Summe der investierten Tage aller Geldeinheiten (aller Euros).
Danach dividiert man die nominale Rendite (oder den Verlust) durch das Ergebnis der vorherigen Multiplikation.
Das Ergebnis ist dann die durchschnittliche Rendite (oder der Verlust) je investiertem Euro je Tag.
Der IZF ist kapitalgewichtet, der TWR ist zeitgewichtet. Meine Berechnung ist kapital- und zeitgewichtet.
1. Beispiel:
Investitionssumme 100,- €
Investitionsdauer 10 Tage
nominale Rendite 10,- €
Berechnung:
100 € * 10 Tage = 1000 Tage
10 € / 1000 Tage = 0,01 €
Jeder einzelne der investierten 100,- € hat also eine durchschnittlich tägliche Rendite von 0,01 € erbracht.
Gegenprobe: 0,01 € * 100,- € * 10 Tage = 10,- € (Rendite)
2. Beispiel:
Investitionssumme 50,- €
Investitionsdauer 10 Tage
nach 5 Tagen wird nachgekauft:
Investitionssumme 50,- €
Investitionsdauer 5 Tage
nominale Rendite nach den 10 Tagen ebenfalls 10,- €
Berechnung:
( 50 € * 10 Tage ) + ( 50 € * 5 Tage ) = 500 Tage + 250 Tage = 750 Tage
10 € / 750 Tage = 0,01333 €
Jeder einzelne der insgesamt investierten 100,- € hat also eine durchschnittlich tägliche Rendite von 0,01333 € erbracht.
Gegenprobe: ( 0,01333 € * 50,- € * 5 Tage ) + ( 0,01333 € * 50,- € * 10 Tage ) = 3,33333 € + 6,66666 € = 10,- € (Rendite)
In beiden Fällen wurde die gleiche nominale Rendite erzielt.
In beiden Fällen wurden insgesamt der gleiche Betrag investiert.
In beiden Fällen war die Gesamtanlagedauer seit 1. Kauf gleich.
Aber die durchschnittliche Investitionsdauer je Euro war unterschiedlich, und dadurch hat sich Beispiel 2 besser entwickelt als Beispiel 1.
Jetzt zum Vergleich zu Beispiel 1:
3. Beispiel:
Investitionssumme 10,- €
Investitionsdauer 100 Tage
nominale Rendite 10,- €
Berechnung:
10 € * 100 Tage = 1000 Tage
10 € / 1000 Tage = 0,01 €
Jeder einzelne der investierten 10,- € hat also eine durchschnittlich tägliche Rendite von 0,01 € erbracht.
Gegenprobe: 0,01 € * 10,- € * 100 Tage = 10,- € (Rendite)
4. Beispiel:
Investitionssumme 100,- €
Investitionsdauer 100 Tage
nominale Rendite 100,- €
Berechnung:
100 € * 100 Tage = 10.000 Tage
100 € / 10.000 Tage = 0,01 €
Jeder einzelne der investierten 100,- € hat also eine durchschnittlich tägliche Rendite von 0,01 € erbracht.
Gegenprobe: 0,01 € * 100,- € * 100 Tage = 100,- € (Rendite)
Der Vergleich von Beispiel 1, 3 & 4 zeigt, die durchschnittliche tägliche Entwicklung je eingesetztem Euro ist gleichgeblieben.
Alle drei Beispiele haben sich also über die Laufzeit gleich gut entwickelt.
Diese Rechnung funktioniert für unterschiedliche Beträge, unterschiedliche Anlagedauern, und unterschiedliche Renditen.
Immer erhält man eine Zahl in Euro, die anzeigt welche Rendite jeder einzelne Euro der Gesamtinvestition durchschnittlich pro Tag erwirtschaftet hat (oder verloren).
Die Investitionsdauer der Beispiele ist extrem kurzfristig und die Rendite unrealistisch hoch.
Durch längere Anlagedauern und realistische Renditen erhält man als Endergebnis extrem kleine Beträge in Euro.
Deshalb mulipliziere ich das Endergebnis noch mit 1000. So erhalte ich Werte (bisher) im einstelligen Euro-Bereich bis runter in den einstelligen Cent-Bereich.
Somit habe ich dann die durchschnittlich tägliche Rendite je 1000,- € (nominal).
Für eine Umrechnung in Prozent, als Angleichung an andere Renditekennzahlen, fehlt mir die Bezugsgröße, die die 100% darstellt. Da ist mir noch nichts eingefallen.
Natürlich könnte man das Endergebnis noch mit 365 multiplizieren und hätte dann die durchschnittlich jährliche Rendite (nominal) je Geldeinheit (oder 1000 Geldeinheiten).
Ob das irgendwie für mich sinnvoll wäre, muss ich noch weiter drüber nachdenken.
Ich hoffe, ich habe das ganze halbwegs verständlich dargestellt.
Und nun interessiert mich Euer Senf:
Habe ich einen Denkfehler?
Macht diese Berechnung überhaupt Sinn?
Gibt es diese Berechnung bereits?
Falls ja, wie nennt man Sie?
Falls nein, wie würdet Ihr meine Berechnung benennen? Mir ist bisher kein griffiges Kürzel eingefallen.
(Euro pro EuroTag = €/€T ist irgendwie unsexy)
Und ich habe bisher weder darüber nachgedacht, noch es ausprobiert, was passiert wenn Entnahmen (Verkäufe) zu berücksichtigen sind.