Desaster Riester?

  • Hallo zusammen!

    Überall liest man vom Desaster Riester und dass sich dieser wenn dann nur für Geringverdiener und Kinderreiche lohnt. Ich frage mich dann immer, ob ich falsch rechne: Ich verdiene nicht ganz schlecht und habe ein Kind, muss also 2.100 € einzahlen, davon sind 175 € Förderung und 300 € für das Kind, Eigenbeitrag also 1.625 €. Damit allein - ohne jegliche Wertsteigerung - bin ich bei einer jährlichen Rendite von 2,9%. Ja, das ist nicht megamegagut, aber immerhin garantiert. Und hinzu kommt die Steuerstundung, d.h. von den 1.625 € Eigenbeitrag bekomme ich vielleicht 500 € an Steuererstattung erstmal wieder, die ich dann noch in einen ETF legen kann. Die potenzielle Rendite in einem ETF ist größer, aber halt auch unsicherer. Ganz so desaströs hört sich das doch erstmal nicht an, oder?

  • Franziska_FT 23. September 2024 um 14:54

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Überall liest man vom Desaster Riester, und dass sich dieser wenn dann nur für Geringverdiener und Kinderreiche lohnt.

    Das ist so. :(

    Ich verdiene nicht ganz schlecht und habe ein Kind, muss also 2.100 € einzahlen, davon sind 175 € Förderung und 300 € für das Kind, Eigenbeitrag also 1.625 €. Damit allein - ohne jegliche Wertsteigerung - bin ich bei einer jährlichen Rendite von 2,9%.

    Es wird zwar überall geschrieben, es gebe für einen Riestervertrag Zulagen UND "Steuervorteile". Wenn ein Gutverdiener nachschaut, stellt er fest, daß die Zulagen von den "Steuervorteilen" abgezogen werden. Wenn "Steuervorteile" übrig bleiben, bedeutet das, daß die nachgelagerte Besteuerung die Zulagen komplett auffrißt. Hättest Du einen anderen "steuerbegünstigten" Sparvertrag ohne jegliche Zulagen, liefe der in diesem Fall arithmetisch genau gleich.

    Für einen Gutverdiener ist ein Riestervertrag schlicht ein schlechter Sparvertrag mit nachgelagerter Besteuerung. Nix Zulagen. :(

    Man lügt sich was in die eigene Tasche, wenn man aus vermeintlichen Zulagen eine Rendite herausrechnet - und dabei haben wir die Rendite des eigentlichen Vertrags noch nicht einmal angeschaut.

  • Es wird zwar überall geschrieben, es gebe für einen Riestervertrag Zulagen UND "Steuervorteile". Wenn ein Gutverdiener nachschaut, stellt er fest, daß die Zulagen von den "Steuervorteilen" abgezogen werden. Wenn "Steuervorteile" übrig bleiben, bedeutet das, daß die nachgelagerte Besteuerung die Zulagen komplett auffrißt. Hättest Du einen anderen "steuerbegünstigten" Sparvertrag ohne jegliche Zulagen, liefe der in diesem Fall arithmetisch genau gleich.

    Die Aussage/Logik versteh ich nicht ganz: Wo werden denn deiner Meinung nach „Zulagen“ von „Steuervorteilen“ abgezogen? Und wieso sollte das gleich sein? Den Steueraspekt kannst du final doch sowieso erst bewerten, wenn du deinen Steuersatz im Ruhestand kennst…

    Und hinzu kommt die Steuerstundung, d.h. von den 1.625 € Eigenbeitrag bekomme ich vielleicht 500 € an Steuererstattung erstmal wieder, die ich dann noch in einen ETF legen kann.

    Den Aspekt finde ich nicht ganz zu vernachlässigen und das sollte man für sich wirklich mal durchrechnen oder zumindest überschlagen… Bei thesaurierenden Aktien-ETF machen doch alle Werbung für zinslose Steuerstundung mit Erträgen, warum also nicht hier? 8o

  • Hallo.

    Die 2,9% basieren auf welchen Annahmen?

    Riester wird verrentet und kann nur im Rahmen einer Kleinstbetragsrente förderunschädlich als Einmalbetrag ausgezahlt werden. Also welche Annahmen für die Bezugszeit im Alter hast Du getroffen?

    Rentenfaktor? Kaufkraftverlust? Steuersatz im Alter?


    Das Du 500 EUR an Steuern sparst erscheint mir im Kontrast zum Paragraphen 10a im EStG zu stehen. Wie kommst Du auf diese Zahl?

    (2) 1Ist der Sonderausgabenabzug nach Absatz 1 für den Steuerpflichtigen günstiger als der Anspruch auf die Zulage nach Abschnitt XI, erhöht sich die unter Berücksichtigung des Sonderausgabenabzugs ermittelte tarifliche Einkommensteuer um den Anspruch auf Zulage. 2In den anderen Fällen scheidet der Sonderausgabenabzug aus. 3Die Günstigerprüfung wird von Amts wegen vorgenommen.

  • Den Aspekt finde ich nicht ganz zu vernachlässigen und das sollte man für sich wirklich mal durchrechnen oder zumindest überschlagen… Bei thesaurierenden Aktien-ETF machen doch alle Werbung für zinslose Steuerstundung mit Erträgen, warum also nicht hier? 8o

    Bei Riester muss man den Gesamtbetrag versteuern. Daher hat man hier keinen Vorteil durch Steuerstundung, sondern lediglich durch den ggf. geringeren Steuersatz.

    Bei thesaurierenden Aktienanlagen fällt die Steuer nur auf die Gewinne an. Daher hat man hier einen Vorteil durch die Stundung.

    Man kann das schlecht in Worte fassen, aber rechne es doch einfach mal nach ;).

  • Das Hauptproblem bei Riester sehe ich in den Auszahlungen.

    Mal davon ab dass die hinterher versteuert werden, muss man verdammt Alt werden um auch nur das eingezahlte kaptial wieder zu bekommen.

    Dazu passend am virtuellen schwarzen brett mal wieder eine Todesanzeige eines ehemaligen Mitarbeiters gesehn, gestorben mit 86…


    Aller spätestens wenn der kinderzuschalg wegfällt lohnt sich das Konstrukt nicht mehr.

    Ohne eine vernünftigen Wert Zuwachs, der nicht von den hohen Produkt kosten aufgefressen wird, bleibt bei Stilllegung dann meist nur der Garantie Betrag…

  • Bei Riester muss man den Gesamtbetrag versteuern. Daher hat man hier keinen Vorteil durch Steuerstundung, sondern lediglich durch den ggf. geringeren Steuersatz.

    Bei thesaurierenden Aktienanlagen fällt die Steuer nur auf die Gewinne an. Daher hat man hier einen Vorteil durch die Stundung.

    Das stimmt so nicht, beim Riestern hat man sogar einen viel größeren Steuerstundungseffekt als bei thesaurierenden ETFs:

    1) Man bekommt am Anfang der Anlage (zB 100 EUR) ein Steuergeschenk (zB 42 EUR), das man erst am Ende der Anlage (zB nach 30 Jahren) wieder zurückgeben muss (= Stundung der Steuer auf den Nominalbetrag, evtl. muss man sogar wg. des niedrigeren Steuersatzes gar nicht 42 EUR zurückzahlen, sondern nur 30 oder 25).

    2) In diesen 30 Jahren bekommt man Erträge (Kursgewinne, Zinsen und Dividenden) auf 100 EUR, obwohl man effektiv nur 58 EUR investiert hat (= Hebelwirkung)

    3) Diese Gewinne werden erst am Ende der Anlage versteuert und weiter verzinst (= ZInseszinseffekt, Stundung der Steuer auf die Gewinne).

    Im Vergleich dazu werden bei thesaurierenden ETFs nur die Steuern auf die Gewinne ein bißchen gestundet (selbst das nur teilweise, siehe Vorabpauschale). Einen Hebeleffekt gibt es gar nicht, d.h. die Gewinne fallen sowieso im Beispiel nur auf 58 EUR an, nicht auf 100.

    Der Stundungseffekt ist also bei Riester um ein Vielfaches (!) höher.

  • Ich verdiene nicht ganz schlecht und habe ein Kind, muss also 2.100 € einzahlen, davon sind 175 € Förderung und 300 € für das Kind, Eigenbeitrag also 1.625 €. Damit allein - ohne jegliche Wertsteigerung - bin ich bei einer jährlichen Rendite von 2,9%.

    Wieso jährliche Rendite? Das ist doch nur eine einmalige Rendite. Im folgenden Jahr bekommst Du auf den Betrag keine erneute Förderung.

  • Wieso jährliche Rendite? Das ist doch nur eine einmalige Rendite. Im folgenden Jahr bekommst Du auf den Betrag keine erneute Förderung.

    Gut möglich dass so gerechnet wurde. Allerdings ware das dann eine einmalige Rendite von 29% (= 475÷1625). Aber dann hast du Recht in den folgenden Jahren gibt es auf genau diese 1625 Euro keine Förderung mehr. Wenn dann (was wohl üblich ist) der Betrag im Riester Produkt schlecht (sagen wir Mal gar nicht) verzinst wird und dann 20 Jahre bis zu Rente liegenbleibt ergibt das ne Jahre Rendite von 1,5%. Und dann bekommst du das Geld ja nicht (komplett) sofort wieder. D.h. ein Grossteil bleibt dann weiterhin schlecht verzinst bei der Bank.

  • Ich verdiene nicht ganz schlecht und habe ein Kind, muss also 2.100 € einzahlen, davon sind 175 € Förderung und 300 € für das Kind

    Ich habe die gleiche Konstellation. Der Vertrag läuft nun seit rund 20 Jahren. In einem anderen Thread haben wir gerade intensiv darüber diskutiert ob sich dieser gelohnt hat. Mein Fazit: ich hatte Glück und habe einen der wenigen Verträge erwischt der sich inetwa gleich gut wie eine nicht geförderte und vom Risikoprofil vergleichbare Anlage entwickelt hat. Wenn ich nun in meiner Kalkulation ein paar Annahmen minimal verändere, kann ich mir das Ergebnis noch etwas besser oder schlechter rechnen, aber so richtig gut wird es nie ;) Die allermeisten hatten weniger Glück damit. Ich würde jedenfalls keinen solchen Vertrag mehr abschließen.

    Man sollte sich mit pauschalen Aussagen zurückhalten, aber es ist leider doch fast immer ein „Desaster Riester“ :rolleyes:

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