Geld vernünftig anlegen

  • Hallo zusammen,

    ich bin gerade mit 26 ins Berufsleben eingestiegen und bin nun nach unschöner Erfahrung mit einem Makler der drei Buchstaben dabei, Altersvorsorge und Bildung von Eigenkapital für eine eventuelle Immobilie in ca. 10 Jahren selbst in die Hand zu nehmen. Dabei bin ich schon relativ weit in meiner Entscheidungsfindung gekommen, aber ich würde mich nochmal über eure Einschätzung freuen. Eine BU ist vorhanden.

    Für meine Alterssicherung möchte ich derzeit 300 Euro investieren, was in Kombination mit verpflichtender VBL 17% meines Gehalts ausmacht. Da würde ich mich gerne einfach halten und in ein 70/30-Portfolio gehen (MSCI World/EM). Ich wäre aber auch für einen All-World offen. Ich bin generell ein entspannter Anleger in dem Fall und vertraue dem Markt.

    Für die Bildung von Eigenkapital habe ich etwas mehr Probleme mich festzulegen und sehe mich da in einer Mischung aus einem All-World ETF und einem Tagesgeld-Anteil von etwa 80/20%. Dafür habe ich gerade 260 Euro zur Verfügung. Den Anteil an ETFs möchte ich dann gegen Ende immer weiter reduzieren. Da ich grade in der Lage bin, dieses Geld zu sparen, schadet es ja nicht, da es auch ohne Immobilienkauf für Altersvorsorge oder anderes genutzt werden könnte. Dazu sparen meine Eltern 115 Euro pro Monat auf einem Bausparvertrag, was ich aber gerne einfach laufen lassen möchte.

    Für Meinungen oder Verbesserungen bin ich sehr offen und freue mich über einen Austausch. Vielen Dank!

  • Kater.Ka 29. November 2025 um 15:33

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • ich bin gerade mit 26 ins Berufsleben eingestiegen und bin nun nach unschöner Erfahrung mit einem Makler der drei Buchstaben dabei, Altersvorsorge und Bildung von Eigenkapital für eine eventuelle Immobilie in ca. 10 Jahren selbst in die Hand zu nehmen. Dabei bin ich schon relativ weit in meiner Entscheidungsfindung gekommen, aber ich würde mich nochmal über eure Einschätzung freuen. Eine BU ist vorhanden.

    Du bist sichtlich noch in der Phase des Gestaltungsdrangs.

    Ich würde den Schritt von der Theorie zur Praxis machen, einfach mal einen Sparplan anlegen und diesen vielleicht ein halbes Jahr laufen lassen. Damit vergibst Du Dir nichts, denn die Sparsumme dieses halben Jahres ist gering genug, daß Du sie dann noch ohne Verlust auch in eine andere Richtung Deiner Wahl schieben kannst.

    Better done than perfect.

    PS: Bausparverträge sind aus Anlegersicht eine Katastrophe. Damit spart man sich arm, von denen läßt man sinnvollerweise die Finger, auch wenn Opa damals erfolgreich sein Haus damit finanziert hat.

  • Du bist sichtlich noch in der Phase des Gestaltungsdrangs.

    Ich würde den Schritt von der Theorie zur Praxis machen, einfach mal einen Sparplan anlegen und diesen vielleicht ein halbes Jahr laufen lassen. Damit vergibst Du Dir nichts, denn die Sparsumme dieses halben Jahres ist gering genug, daß Du sie dann noch ohne Verlust auch in eine andere Richtung Deiner Wahl schieben kannst.

    Better done than perfect.

    PS: Bausparverträge sind aus Anlegersicht eine Katastrophe. Damit spart man sich arm, von denen läßt man sinnvollerweise die Finger, auch wenn Opa damals erfolgreich sein Haus damit finanziert hat.

    Vielen Dank für den Tipp! Das werde ich auf jeden Fall mal anfangen. Ich würde so langsam nur gerne mit einem fertigen Plan für die nächsten Jahre beginnen, da das jetzt schon über längere Zeit immer Thema ist.

    Ja das habe ich auch schon festgestellt, aber das meinen Eltern zu erklären ist schwierig & dann lasse ich es lieber weiterlaufen.

  • Ich würde den Schritt von der Theorie zur Praxis machen, einfach mal einen Sparplan anlegen und diesen vielleicht ein halbes Jahr laufen lassen. Damit vergibst Du Dir nichts, denn die Sparsumme dieses halben Jahres ist gering genug, daß Du sie dann noch ohne Verlust auch in eine andere Richtung Deiner Wahl schieben kannst.

    Das!

    Kein Witz, das ist aus meiner Sicht der absolut beste Tipp für Anfänger. Es ist mit einem gewissen Risiko behaftet, falls in dem halben Jahr dann der Buchwert im Minus ist, aber falls das bei dir dann so sein sollte und du Panik kriegst, dann kommst hier wieder her und dann erklären wir dir, warum das gar kein Problem ist, ja sogar von Vorteil sein kann.

    Wenn du stattdessen jetzt irgendwas abschließt, dann weißt du wahrscheinlich auch erst nach gewisser Zeit, ob das wirklich taugt. Aber dann bist gefangen. Nen Aktien-ETF löst du halt wieder auf und kein Hahn kräht mehr danach.

  • Paule_10 Lass dich wegen eines möglichen Crash nicht irritieren. Zum einen gehörts dazu, zum anderen - in den flauen Zeiten gibts für deinen Sparbetrag mehr Anteile.

    ETF-Sparpläne lassen sich leicht pausieren (oder beenden). Wie schon geschrieben wurde, anders als Rentenversicherungen, die noch dazu sehr viel Gebühren kosten.

  • Ich würde so langsam nur gerne mit einem fertigen Plan für die nächsten Jahre beginnen, da das jetzt schon über längere Zeit immer Thema ist.

    Just das ist ein zentraler Fehler, der immer wieder begangen wird. Da wird monatelang geplant und geplant und geplant. Und wenn er nicht gestorben ist, dann plant er noch heute.

    Wenn einer sich grundsätzlich mal durchgerungen hat, Geld in Aktien zu stecken - von 0 an ist das immer relativ wenig Geld! - dann ist das ziemlich egal, in welchen neutralen, breiten Aktien-ETF man investiert. Ich gehe davon aus, daß ein Mensch unserer Tage sein Girokonto online führt, mit Computerbanking also prinzipiell vertraut ist. Vermutlich hat er auch ein Tagesgeldkonto, das führt man heute auch online. Es sollte somit nicht schwierig sein, ein Depot zu eröffnen. Dabei kann man durchaus das nächstbeste nehmen (oder etwa das beste von einem Depottest z.B. von Finanztip). Man muß das Depot nicht heiraten. Wenn es einem nach einem Weilchen nicht gefällt, kann man unproblematisch wechseln.

    Es macht einen Unterschied, ob man auf dem Papier plant und plant und plant, oder ob man sich ein Herz faßt und einfach mal einen Sparplan über 250 € einrichtet. Den läßt man z.B. 6 Monate laufen und schaut, wie das ist und wie man selbst darauf reagiert. Das sind 1500 € in 6 Monaten. Das ist schon echtes Geld! Aber selbst, wenn damit etwas schiefgeht, man etwas ausgerechnet jetzt in den Crash läuft, den manche Leute seit 10 Jahre schon herbeten, dann ist der Buchverlust überschaubar. Für den Anfänger ist es leichter zu ertragen, daß von seinen 1500 € nunmehr 1000 € übrig sind, als daß er gleich mit 150 T€ eingestiegen ist, von denen nun nur noch 100 T€ da sein. Wenn man tatsächlich involviert ist, ist es anders, als wenn man nur liest und plant.

    Ich empfehle seit einiger Zeit den Zauderern, diesen Schritt frühzeitig zu gehen. Wer nicht einmal losgeht, wird niemals ankommen.

    Bausparverträge sind aus Anlegersicht eine Katastrophe. Damit spart man sich arm, von denen läßt man sinnvollerweise die Finger, auch wenn Opa damals erfolgreich sein Haus damit finanziert hat.

    Ja das habe ich auch schon festgestellt, aber das meinen Eltern zu erklären ist schwierig & dann lasse ich es lieber weiterlaufen.

    Dein Geld, das Du da vertust. Ein Bausparvertrag ist eine sichere Sache: Sicherer Verlust. Je länger Du ihn laufen läßt, desto größer ist der Verlust.

  • Ja das habe ich auch schon festgestellt, aber das meinen Eltern zu erklären ist schwierig & dann lasse ich es lieber weiterlaufen.

    Ich war in exakt derselben Situation, meine Schwester und mein Bruder stecken da noch drin. Die Logik: Da kriegt man doch Förderung vom Staat und es wäre doch dumm, darauf zu verzichten. Da komme ich mit meinem Argument, dass mir völlig schnuppe ist, woher das Geld letztlich kommt, Hauptsache es hat sich ordentlich vermehrt, nicht weit.

    Hab schließlich sämtliche Unterlagen an mich genommen, den Vertrag gekündigt (war schon "reif" – oder wie man das eben nennt…), den Terror im Elternhaus, der deswegen aufkam ("undankbar", "dumm", …), ausgehalten und hatte letztlich auch das Argument auf meiner Seite, dass mein zu versteuerndes Bruttoeinkommen über 35k€ ist, ich also keine Bausparprämie mehr kriege.

    Mittlerweile ist zu Hause Friede eingekehrt, meine Eltern sind stolz auf mich, dass ich mein Zeug selbst in der Hand habe, dass ich ihnen finanziell aushelfen kann (war kürzlich mit nem fast 5-stelligen Betrag nötig, für mich gar kein Problem) usw.

    Aber meine Geschwister hängen eben noch drin. Meinen Rat haben sie gekriegt, entscheiden müssen sie jetzt selbst.

  • Ein Bausparvertrag ist a) eine Zinsspekulation und b) immer ein Doppelvertrag.

    Huch! Also ich spekuliere überhaupt nicht. Ein Bausparvertrag soll eine Spekulation sein! Das ist ja wohl überhaupt nicht möglich!

    Ein Bausparvertrag ist ein Doppelvertrag bestehend aus einem Sparvertrag mit einer Verzinsung bewußt unter Markt, aktuell praktisch 0, und dem Anrecht auf einen Darlehensvertrag mit einem optisch attraktiven Zins, der naive Anleger regelmäßig bezaubert und von Finanzprodukteverkäufern auch genau dazu eingesetzt wird.

    Ich brauche mir keine Sorgen über mein Hausdarlehen machen! Ich weiß heute schon, daß ich in 25 Jahre nur 1,75% Zinsen dafür bezahlen muß!

    Diese Kopplung (Sparen zu 0,1%, dafür dann ein Bauspardarlehen zu günstigem Zins) war für Opa hochattraktiv: Andere Leute trugen schwer an 9% Hypothekenzinsen, und Opa hatte sein Bauspardarlehen zu 5,5%.

    Heute sind aber andere Zeiten mit einem anderen Zinsniveau.

    Die Spekulation besteht darin, daß man mit Zinsverzicht heute darauf spekuliert, daß der Hypothekenzins zum Kaufzeitpunkt der Immobilie auf horrend hohen Werten steht. Dann macht der Bausparer ein Geschäft, dann ist seine Spekulation aufgegangen. Und niemand weiß, wo der Zins in z.B. 10 Jahren steht.

    Die Bausparkassen machen ihr Geschäft mit treuen Sparern, die ihnen für fast null Zinsen Geld geben - und schließlich dann doch nicht bauen. Wir erleben solche Leute hier im Forum immer wieder: Sie sind sich ganz sicher, daß sie in drei bis fünf Jahren bauen werden. Aber wenn die Zeit verstrichen ist, wird eben nicht gebaut oder gekauft, sondern der Plan drei bis fünf Jahre in die Zukunft verschoben. Der Bausparvertrag ist teuer, weil das Geld dann weitere Jahre zu unterirdischem Zins festgelegt ist (statt anderswo realistische Zinsen zu bringen). Dieses eben nicht erhaltene Geld (das man anderswo bekommen hätte) nennt man Opportunitätskosten.

    Ohne ins Detail zu gehen, kann man fast immer sagen, daß der Anleger besser damit fährt, wenn er einen vorhandenen Bausparvertrag schlachtet und das Geld anderswo besser anlegt.

    Ein lohnendes Investment braucht keine staatliche Förderung und umgekehrt: Wenn sich ein Investment nur über staatliche Förderung lohnt, ist es meist eine schlechte Anlage. Siehe beispielsweise Riester.

  • Hallo Paule_10 , das klingt doch alles für einen 26-jährigen sehr vernünftig und solide. Der Bausparvertrag ist natürlich Unsinn, Achim Weiss hat es oben bereits detailliert beschrieben. Saidi hat in seinem neuen Buch dazu auch eine deutliche Meinung. Aber zu diesem Thema stellt sich wohl eher die Frage, ob du deine Eltern überzeugen kannst und willst. Kannst ihnen ja heimlich Saidis Buch unter den Weihnachtsbaum legen ^^

    Ansonsten verstehe ich deine Differenzierung zwischen Altersvorsorge und Vermögensaufbau nicht so recht. Insbesondere verstehe ich nicht wozu es dazu unterschiedlicher Aktien-ETF bedarf. Einem jungen Menschen zu Beginn des Berufslebens und noch überschaubaren Anlagesummen empfehle ich jedenfalls einfach einen All-World ETF. Je breiter gestreut, desto besser. Mein Favorit ist der SPDR MSCI ACWI IMI. Nicht, da der womöglich besser performen wird als andere Welt-ETF, sondern da er als einziger wirklich das gesamte Aktien-Universum abdeckt. Das vermeidet FOMO, die ständige Angst etwas falsch zu machen, da man nicht dabei ist. Da kann man sich dann bei jeder der kommenden Krisen immer damit beruhigen, überall dabei zu sein. Aber auch nirgends zu viel. Als ich 26 war gab es sowas leider noch nicht.

  • Hallo Paule_10 , das klingt doch alles für einen 26-jährigen sehr vernünftig und solide. ...

    Ansonsten verstehe ich deine Differenzierung zwischen Altersvorsorge und Vermögensaufbau nicht so recht. Insbesondere verstehe ich nicht wozu es dazu unterschiedlicher Aktien-ETF bedarf. Einem jungen Menschen zu Beginn des Berufslebens und noch überschaubaren Anlagesummen empfehle ich jedenfalls einfach einen All-World ETF.

    Ich würde auch nur einen Aktien-ETF (plus ggf. Sicherheitsanteil) besparen. Neben kurzfristigem Sparen (Urlaub, Autoreparatur...) und mittelfristigem Sparen (Auto...) reicht eine langfristige Investition für Vermögensaufbau. Ob das Geld in vielen Jahren (teilweise) für Wohneigentum, eine Selbstständigkeit, Altersvorsorge oder sonstwas verwendet wird, ist doch eigentlich egal.

    Auch der Tip von Achim Weiss, einfach mal anzufangen, finde ich sinnvoll.

  • Paule_10 , bin nur Finanz-Laie, wenn auch ein an solchen Themen Interessierter mit zudem über 50 Jährchen Erfahrungen mit "dem Geld anlegen" aber auch "dem Geld Investieren". Überflogen habe ich nur Deinen Beitrag Nr. 1.


    Ganz generell zu Deiner Frage (Strangtitel: "Geld vernünftig anlegen"): Was eine "vernünftige Geldanlage" darstellt, entscheidet sich am "individuellen Einzelfall" - u. a. anhand Deiner Ziele, Deiner objektiven Risikotragfähigkeit und Deiner subjektiven Risikobereitschaft (Risikotoleranz).

    By the way: Vor jedem Geld anlegen oder Geld investieren steht meines Erachtens die Versicherungsseite (Absicherung existenzieller Risiken wie typischerweise PHV und BU-V).

    Eine BU ist vorhanden.

    Das klingt für mich daher schon mal gut. Mein Motto war da "nur das Nötigste - das aber ausreichend". Eventuell diese Seite also nochmal kurz checken (Beispiel: u. a. auch PHV). Dein Humankapital (Arbeitskraft) beispielsweise stellt aktuell - und vermutlich auch die nächsten Jahrzehnte - noch Deinen größten Vermögenswert dar. In jungen und gesunden Jahren ist ein solcher Versicherungsschutz meist noch zu vertretbaren Preise einkaufbar (optimierbar). Die BU sollte jedenfalls so dimensioniert sein, daß im Fall der Fälle die Bedürftigkeit nicht nur ins Alter verschoben wird.

    nach unschöner Erfahrung mit einem Makler der drei Buchstaben

    In dem Kontext würde ich ohnehin empfehlen sich selbst möglichst zumindest die Basics im Bereich "private Finanzen" anzulesen sprich anzueignen. Da können solche "unschöne Erfahrungen" vermieden werden. Bankseitig gilt es zu bedenken, daß zudem schon seit mehreren Jahrzehnten der Bankberater die (seltene bis absolute) Ausnahme darstellt - und der Bank-Produkteverkäufer die Regel ist (die Regel sind dann ebenfalls teure Produkte für den Kunden, die aber für die Bank lukrativ sind).

    ich bin gerade mit 26 ins Berufsleben eingestiegen

    Sich so frühzeitig mit dem Thema private Finanzen zu beschäftigen und damit auch zu starten (manche beschäftigen sich auch sehr lange damit ohne aber zu starten sprich in die Umsetzung zu kommen ...) ist sehr vorteilhaft. Damit hast Du die Zeit auf Deiner Seite und diese arbeitet nicht gegen Dich.

    In dem Kontext:

    Für die Bildung von Eigenkapital habe ich etwas mehr Probleme mich festzulegen und sehe mich da in einer Mischung aus einem All-World ETF und einem Tagesgeld-Anteil von etwa 80/20%. Dafür habe ich gerade 260 Euro zur Verfügung.

    Den Anteil an ETFs möchte ich dann gegen Ende immer weiter reduzieren. Da ich grade in der Lage bin, dieses Geld zu sparen, schadet es ja nicht, da es auch ohne Immobilienkauf für Altersvorsorge oder anderes genutzt werden könnte.

    Wer in jedenfalls absehbarer Zeit einen Immobilienkauf (zur Eigennutzung vermutlich ?) plant (siehe auch hier)

    Bildung von Eigenkapital für eine eventuelle Immobilie in ca. 10 Jahren

    wird - in der Regel -seine freien Mittel anders anlegen oder investieren, als jemand, der dies nicht vorhat. Die eine wesentliche Frage dabei ist, wie sicher oder wahrscheinlich der Immobilienkauf überhaupt ist ? Was sich also hinter der "eventuellen" Immobilie verbirgt. Von "auf jeden Fall" und "unbedingt" über "nice to have" bis hin nur zu einem ganz vagen "vielleicht" oder wenn sich was anbietet oder aufdrängt. Die andere wichtige Frage dabei wäre, wieviel Eigenkapital (EK) benötigst Du zwingend für die Finanzierung der von Dir avisierten Immobilie (dazu kommt: Je mehr EK vorhanden desto geringer der Beleihungsauslauf und damit umso günstiger die Zinskondition für das (sicherlich benötigte) Immobiliendarlehen. An solchen Überlegungen entlang orientiert sich dann die Einstellung Deiner Mittel, die in "risikoreiche" und "risikoarme" Anlagen fließen.

    Aus der Praxis ... Was ich leider oft genug erlebt hatte hier vor Ort: Es wurde sehr lange Geld in "risikoarme" Anlagen gespart, wegen dem Vorhaben "Immobilienkauf". Dann wurde aber - aus welchen Gründen auch immer - die besagte Immobilie in fünf, 10, 15 oder auch noch mehr Jahre doch nicht gekauft bzw. gefunden. Schließlich hatten die Leute weder die Immobilie noch ihre Mittel über einen (sehr) langen Zeitraum renditeträchtig angelegt. Die Immobilienpreise waren obendrein in der langen Zwischenzeit "davon gelaufen". Jedenfalls hier in einem Ballungsgebiet. So ziemlich die schlechteste aller Varianten. Das gilt es - nach meinem Dafürhalten - (unbedingt) zu vermeiden.

    Dazu sparen meine Eltern 115 Euro pro Monat auf einem Bausparvertrag, was ich aber gerne einfach laufen lassen möchte.

    Für Bausparverträge gilt das oben Gesagte (Abs. 1). Zu den aktuellen objektiven Rahmenbedingungen passen die in aller Regel nicht mehr, wenn man ernsthaft Wohneigentum anstrebt. Ein teurer Spaß ist das obendrein (Abschlußgebühren, Opportunitätskosten). Die Frage bleibt, ob man Eltern, die ihrem Kind jeden Monat finanziell gesehen etwas "Gutes" tun wollen (besagte "115 €") davon abringen kann oder sollte. Vielleicht ist argumentativ überzeugen ein möglicher Weg ...

    Aus der Praxis ... Hatte selbst einstmals in jungen Jahren (20) ein Haus finanziert (zur Eigennutzung) - und dies via Eigenkapital (EK) plus vorhandener Bausparverträge (BSV) umgesetzt. Nur: Damals lagen die Zinsen für Immobiliendarlehen bei um die 11% und sowas wie "vorfälligkeitsfreie Sondertilgungsmöglichkeiten" war in Darlehensverträgen ein Fremdwort sprich unbekannt. Das Haus wollte ich aber unbedingt und möglichst schnell und flexibel lastenfrei stellen (schon relativ hohes Einkommen zudem sind Schuldzinsen bei Eigennutzung hierzulande steuerlich nicht in Ansatz bringbar). Aufgrund der objektiven Seite aber auch der subjektiven Seite hat das damals also für mich gepasst. Das Haus hatte ich so binnen rund 60 Monaten lastenfrei gestellt (Bauspardarlehen konnten jederzeit und in beliebiger Höhe ohne VFE getilgt werden (ist vermutlich heute noch so). Fazit: Heutzutage dagegen rate ich vom Thema BSV im Kontext mit einem Immobilienkauf in aller Regel ab. Die Kreditraten sind zudem nach Zuteilung des Darlehens sehr hoch (aufgrund des hohen Tilgungsanteil in der Annuität) und "vorfälligkeitsfreie Sondertilgungsmöglichkeiten" bietet heutzutage fast jede Bank in ihren Darlehensverträgen (z. B. fünf oder 10% per annum der anfänglichen Darlehenssumme). Zudem bietet die Variante "Tilgungssatzwechsel" seitens des Darlehensnehmers während der Zinsbindungsfrist weitere Flexibilität.


    Last but not least: Gedankliche Trennungen im Vermögen (Alterssicherung/Altersvorsorge, Vermögensaufbau, Immobilienkauf) würde ich - ganz persönlich - eher nicht vornehmen. In der Regel hat jeder Mensch nur ein Vermögen (welches natürlich aus unterschiedlichen Bausteinen besteht: Auch bereits vorhandene Altersvorsorgeansprüche - um mit dem Buchstaben "A" zu beginnen - stellen einen solchen Baustein im Vermögen dar (auch wenn es im Fall der GRV keine "freien Mittel" sind). Um nur ein Beispiel zu nennen. Ein anderes Beispiel: Auch eine Immobilie kann ein Baustein des Vermögensaufbaus und/oder der Altersvorsorge sein (es sollte nur nicht der einzige Baustein sein bzw. bleiben ...). Um ein letztes Beispiel zu nennen: Auch regelmäßige Schuldentilgung (sollte es zur Immobilie mit Finanzierung kommen) ist eine Art des Vermögensaufbaus.


    Sehe Dich generell bereits auf einem (sehr) guten Weg. Weltweite gestreute Aktien-ETFs sind ein sehr renditeträchtiges, probates und kostengünstiges Vehikel zum langfristigen Vermögensaufbau. Den Gedanken "Immobilienkauf" würde ich versuchen zu konkretisieren. Wenn das wirklich und unbedingt gewollt ist, würde ich mir dafür eher einen zeitlichen Korridor der Realisierung setzen (z. B. bis spätestens 35 oder so ähnlich). Nur am Rande: Wenn der Vermögensaufbau ordentlich hinhaut, kann man in späteren Jahren immer noch eine Immobilie zur Eigennutzung erwerben, sich eine schöne Bleibe auch mieten und/oder muß sich generell um Themen wie Wohnungssuche, gestiegene Mieten, Eigenbedarfskündigungen usw. keine großen Gedanken machen. Aufgebautes Vermögen erweitert stets die Möglichkeiten und bietet Handlungsoptionen.


    Dir weiter gute Gedanken, ebensolche Finanz-Entscheidungen und gutes Gelingen dabei !

  • Für die Bildung von Eigenkapital habe ich etwas mehr Probleme mich festzulegen und sehe mich da in einer Mischung aus einem All-World ETF und einem Tagesgeld-Anteil von etwa 80/20%.

    Wie wäre es mit einem Invest in Aktien ETF und Geldmarkt- ETF statt Tagesgeld?

    Geldmarkt ETF erscheint mir mit Blick auf die Herausforderungen eines evtl Tagesgeldhoppings auch praktikabler.

    Letztlich gilt: Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!

  • Alles was hier zum Bausparvertrag geschrieben wurde ist wahr. Und du weißt das ohnehin bereits und musst nicht mehr überzeugt werden.


    Aber da nicht du ihn besparst sondern deine Eltern ist es letztlich geschenktes Geld.

    Das Geschenk könnte größer sein, wenn deine Eltern Dir das Geld in die Hand drücken würden und sagten „mach mal“. Das tun sie aber nicht.


    Der Schenkende entscheidet wieviel und was er schenkt. Als Brschenkter hast du begrenzten Einfluss und musst auch aufpassen dass du nicht „undankbar“ bist/wirkst. Daher verstehe ich vollkommen, dass Du ihre Entschridung akzeptierst.


    Die Idee mit dem Buch von Finanztip als Weihnachtsgeschenk ist gut. Da können Sie evt selbst draufkommen dass sie ohne Mehrausgabe ein größeres Geschenk machen können. Und wenn nicht, dann ist das zwar schade, aber du bekommst trotzdem noch geschenktes Geld.

  • Ein latenter Wunsch nach einer eigenen Immobilie sollte Dich nicht beim Vermögensaufbau einschränken. Rücksicht würde ich nur darauf nehmen, wenn Du in vergleichsweise kurzer Zeit das Thema angehen willst, wie beispielsweise innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre.

    Sofern Du nicht in einer sehr niedrigpreisigen Gegend wohnst und zugleich eine kleine Immobilie anstrebst, sehe ich bei Deiner aktuellen Sparrate nur eine kleine Chance darauf, das umzusetzen. Aber vielleicht machst Du ja ein paar Gehaltssprünge und alles wird leichter. Kann keiner vorhersagen.

    Vom Bausparer halte ich auch wenig bis nichts. Möglicherweise kannst Du die Situation durch Anpassung der Bausparsumme noch etwas optimieren. Aber am Ende ist das ziemlich egal, weil man damit so oder so keine Bäume ausreißen können wird.

    Gerade wenn der Immobilienwunsch nicht sicher ist oder der Zeitpunkt noch ziemlich weit in der Zukunft liegen kann, verschenkt man viel häufiger Geld durch die defensive Anlageform als man durch eine offensive Ausrichtung verlieren würde. Ich empfehle mal konkret ein paar Musterrechnungen zu machen jeweils für einen Immobilienkauf in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren. Und das jeweils kombiniert mit einem guten, einem mittleren und einer schlechten Entwicklung am Aktienmarkt. Wenn ich mich beispielsweise am Renditedreieck orientiere, dann gab es rückblickend bei einem fünfjährigen Zeitraum im schlimmsten Fall einen Verlust in der Größenordnung von 13 % p.a. Das war der Zeitraum von 1997 bis 2002. Bei zehn Jahren wäre der Startpunkt 1998 besonders negativ ausgefallen und man hätte gleich zwei große Krisen mitgenommen. Das brachte Verluste von gut 6 % p.a. Bei einer Sparplandauer von fünfzehn Jahren nähert man sich im schlimmsten Fall allmählich der Nullrendite. Beim Startzeitpunkt 1992 kommt man 2007 auf -0,7 % p.a. Alles keine Ergebnisse mit denen ein Immokauf gut abzuwickeln wären. Und dennoch solltest Du Dir mal gedanklich durchspielen, welche Konsequenzen das für Deinen Plan gehabt hätte. Sehr oft hätte bereits eine Wartezeit von zwei Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Situation geführt. Es ist keineswegs so, dass man seinen Wunsch nach eine schlechten Börsenentwicklung begraben muss.

    JahreWorst Case historisch+ 2 Jahre+ 5 Jahre
    5- 13 % p.a.-4 % p.a.+2,7 % p.a.
    10- 6,2 % p.a.-4,2 % p.a.-0,7 % p.a.
    15- 0,7 % p.a.1 % p.a.2,2 % p.a.

    Das sind natürlich nur historische Zahlen und die Zukunft kann anders aussehen. Ob besser oder schlechter kann keiner seriös vorhersagen. Aber in der Vergangenheit hat man mit mittleren Renditen konservativen Anlageformen oft schon nach fünf Jahren hinter sich gelassen, nach zehn Jahren sieht der Vergleich noch besser aus. Lediglich bei kurzen Zeitspannen schlägt das Risikopendel stark aus und man müsste ggf. bereit sein, fünf zusätzliche Jahre zu warten.

    Besonders fatal wird es, wenn es in den fünfzehn Jahren nicht zum Immokauf kommt. Vielleicht ist die Lebenssituation nicht danach oder man ist zeitweise im Ausland tätig. Das alles kann man mit 25 noch nicht absehen. In dem Fall würde eine defensive Ausrichtung viel Geld verbrennen, weil die Rendite unterhalb der Inflation bleibt. Es ist eine Abwägung zwischen Pech (fünf Jahre länger ansparen) und Glück. Glück wäre es wenn man beispielsweise deutlich weniger Fremdkapital benötigt oder im Fall eines Nichtkaufs gleich ein solides Fundament für den Vermögensaufbau geleistet hat.

    Viel Glück bei Deinem Vorhaben!

  • Tagesgeldhopping ist durch Raisin (früher Weltsparen) leicht geworden. Einmal anmelden reicht und gehört zu den Finanztip-Tips.

    Das sehe ich dem Grunde nach genauso.

    Allerdings habe ich Zweifel, ob Tagesgeldhopping die geeignete Strategie zum langfristigen Vermögensaufbau ist.

    Und unsere Ja-aber-Fraktion wird einwerfen, dass Aktionsangebote des Zinsjahrmarkts gelegentlich um Zehntelprozentpunkte besser seien als Raisin.

    Raisin weckt hier manchmal erstaunlich emotionale Regungen.

  • Tagesgeldhopping als Sicherheitsbaustein anstelle Anleihen oder Geldmarkt, warum nicht?

    Es scheint mir eine Frage des Anlageverhaltens zu sein. Ein Sparplan auf einen GM-ETF ist einmal angelegt und läuft dann quasi von alleine. Tagesgeldhopping erfordert anhaltende Aufmerksamkeit. Da erlahmt der Elan auf die Dauer schon mal. Aber das kann man zugegebenermaßen unterschiedlich einschätzen.