Aktuelle Pläne zu Sozialabgaben vs. ETF Sparen

  • Die Grundidee der Vereinheitlichen/Grundversorung finde ich auch richtig und viele Deiner genannten Punkte (Kassengestell etc.). Auch die Pension gehört abgeschafft. Für diese gibt es absolut kein einziges Argument - erst Recht nicht in dieser Höhe - aber gut, darum ging es jetzt nicht.

    Schlupflöcher wie MidiJob als Privatier gehören abgeschafft, aber das ist was Anderes (das ist ein Gestaltungsmissbrauch und nicht Sinn der Sache).

    Aber an der Beitragsbemessung sehe ich keinen großen Änderungsbedarf. Es ist ja nicht so, dass der Krankenkasse "viel" fehlt. Und wenn mal alle Beamten brav einzahlen würden, dann ist wahrscheinlich gar nichts notwendig auf der Einnahmenseite, erst Recht nicht, wenn man den Arbeitsmarkt stärken würde.

    D.h., wenn es Deutschland schaffen würde, mehr qualifizierte Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen (Thema Bildung) und Unternehmen attraktivere Dasseinberechtigung geben würde (Thema Bürokratie / Steuern) und diese nicht zum Aufgeben/Wegziehen bewegt. Dann gebe es automatisch mehr Menschen die Beiträge zahlen und auch mehr davon die im mittleren/oberen Bereich einzahlen.

  • Identische Grundversorgung für alle (also auch für Beamte...

    Beamte bekommen aber keine Grundversorgung, sondern der Staat hat die Pflicht, Beamte voll zu versorgen. Das hat Verfassungsrang. Die müsste man dann ändern. Und dann gibt es den Beamtenstatus eben nicht mehr.

    Also Zweidrittelmehrheit im Bundestag und -rat.

    Der direkte Gang zum Facharzt ist nicht möglich...

    Und wie möchtest Du den verhindern?

  • Der direkte Gang zum Facharzt ist nicht möglich, sondern nur über den Hausarzt oder ein lokales Gesundheitszentrum. So werden unnötige und doppelte Untersuchungen vermieden.

    2 Ärzte, doppelte Dokumente, doppelt viele Termine, doppelte Zeitbelastung auf beiden Seiten. Evtl. mal eine Einsparung auf der Facharztseite, aber Mehrbelastung bei den Hausärzten.
    Wie man dadurch Kosten sparen kann, ist mir ein Rätsel.

    Bonuszahlungen werden angeboten bei Nachweis von irgendwelchen Präventionsmaßnahmen.

    Macht jemand eine Adipositas-Diät, bekommt er einen Bonus. Fällt jemand auf die Schnauze und bricht sich das Bein, bekommt er einen Malus, da er ja keine Beinschützer und sonstige Sicherheitskleidung getragen hat.

    Denkbar wäre eine Selbstbeteiligungslösung bei irgendwelchen individuellen Wünschen.

    Wie beim Zahnarzt zum Zahnersatz: Für das Krankenkassengeld bekommen sie Plastik, Wenn sie noch 95% drauflegen, dann gibt es was vernünftiges was die nächsten 30 Jahre hält.
    Oder wie bei Hilfsmitteln: Von der Krankenkasse bekommst du einen Rollator, der sperrig ist und in kein Treppenhaus oder Flur passt. Mit 80% Aufzahlung bekommst du beim Sanitätshaus (nur da bezuschußt die KK) ein Teil, das gut zu handhaben ist.
    Wenn du ein Teil in Erstattungshöhe der KK im Netz findest, dann ist da nichts zuschußfähig, das das von keinen "zertifizierten Laden" kommt, auch wenn es um Welten besser ist als das Billig-KK-Teil vom Sanitätshaus.

    Und so weiter.

    Wenn es einfache Lösungen gäbe, dann hätte die schon irgendjemand den Politikern vor Jahrzehnten genannt und die Sache wäre schon längst "gegessen".

  • Es sollte eine ernsthafte Debatte darüber geführt werden dürfen, ob die Krankenkasse nicht zu verstaatlichen und in einer einzigen Kasse zusammengeführt werden sollten (private fallen damit natürlich weg) - ein Wettbewerb findet nämlich aktuell nicht wirklich statt - alleine schon aufgrund der Wartezeiten. Ich habe da noch keine abschließende Meinung, könnte mir hier aber ein Einsparpotential vorstellen.

    Einige gute Gedanken, aber eine Einheitskasse würde nicht billiger werden.

  • Fail! So werden doppelte Untersuchungen systematisch produziert!

    Wozu soll ich jedesmal zusätzlich einen vollkmmen überforderten Hausarzt konsultieren?

    Auf deine Kritik kann ich mich zum Teil einlassen. Jedoch halte ich es für sinnvoll, dass ein Arzt einen Gesamtüberblick über den Patienten behält. Oder alles sollte in einer digitalen Patientenakte festgehalten werden, in die sowohl die Ärzte als auch der Patient selbst Einblick haben kann.

    Schön wäre es auch, wenn in dieser Akte alle Abrechnungen der Ärzte vorhanden sind und der Patient diese kontrollieren kann, wenn er Lust dazu hat. Denn ich befürchte, dass in Deutschland Ärzte Sachen über die GKV abrechnen, die nie gemacht worden sind.

  • Aber an der Beitragsbemessung sehe ich keinen großen Änderungsbedarf. Es ist ja nicht so, dass der Krankenkasse "viel" fehlt. Und wenn mal alle Beamten brav einzahlen würden, dann ist wahrscheinlich gar nichts notwendig auf der Einnahmenseite, erst Recht nicht, wenn man den Arbeitsmarkt stärken würde.

    Heißt das, dass du gegen eine Verbeitragung von allen Einkunftsarten bist? Oder nur gegen die Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze?

    Indem man beides einführt, wie von mir vorgeschlagen, könnte man erreichen, dass die Beitragssätze ein ganzes Stück niedriger ausfallen werden. Beim Geringverdiener oder Klein-Rentner bleibt dann mehr netto übrig und dem Gutverdiener mit hohen Nebeneinkünften tut es nicht sonderlich weh.

  • Beamte bekommen aber keine Grundversorgung, sondern der Staat hat die Pflicht, Beamte voll zu versorgen. Das hat Verfassungsrang. Die müsste man dann ändern. Und dann gibt es den Beamtenstatus eben nicht mehr.

    Also Zweidrittelmehrheit im Bundestag und -rat.

    Warum sollte ein Beamter auf einer Verwaltung einen anderen garantierten Versorgungsschutz als z. B. ein Briefträger oder ein Mitarbeiter der Müllabfuhr oder ein Altenpfleger haben? Alle vier Personen haben Aufgaben, damit Staat & Gesellschaft am Laufen bleiben.

    Die Sonderstellung der Beamten ist meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Dass gewisse Beamte (z. B. Polizei) irgendwelche Vorteile haben, ist durchaus angemessen. Aber in der garantierten Gesundheitsgrundversorgung darf innerhalb der Gesellschaft kein Unterschied gemacht werden. Es darf auf dem Gebiet kein Anlass für Neid, Missgunst oder Spaltung in der Gesellschaft geben.

  • Einige gute Gedanken, aber eine Einheitskasse würde nicht billiger werden.

    Eine Einheitskasse würde billiger werden, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre. Bedenke doch einfach, dass Synergieeffekte genutzt werden können und der Verwaltungsapparat in Summe schlanker wäre. Auch die Kosten, die aktuell für Werbung und Wettbewerb anfallen, würden wegfallen.

  • Wie ich einen direkten Gang zum Facharzt verhindern möchte? Ohne Überweisung ist keine Behandlung beim Facharzt möglich, es sei denn, man zahlt irgendeine Pauschale.

    Ja, dann können die Reichen ja wieder nach Belieben zum Facharzt laufen, die Normalverdiener aber nicht.

    Warum sollte ein Beamter auf einer Verwaltung einen anderen garantierten Versorgungsschutz als z. B. ein Briefträger oder ein Mitarbeiter der Müllabfuhr oder ein Altenpfleger haben? ...

    Ich habe nicht geschrieben, dass er das soll. Ich habe lediglich festgestellt, dass dem so ist, und dass die aktuelle Bundesregierung das nicht ändern kann, auch Frau Bas nicht.

    ...

    Die Sonderstellung der Beamten ist meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Dass gewisse Beamte (z. B. Polizei) irgendwelche Vorteile haben, ist durchaus angemessen....

    Und was sind alles "gewisse" Beamte? Und warum ist es gerade bei denen angemessen?

  • Beamtenrecht dahingehend zu ändern, ist nicht so einfach wie man sich das vorstellt, das könnte man sich höchstens bei neu zu verbeamteten Personen realistisch vorstellen. Beamter (auf Lebenszeit) zu sein, ist ein wenig etwas anderes als ein Angestelltenverhältnis.

    Mein Vater war Beamter, er wurde im Alter von 73 Jahren, als er schon viele Jahre in Pension war noch einmal für eine punktuelle Angelegenheit kurzzeitig herangezogen, das hätte man mit einem Angestellten so nicht machen können. Das hat ihn persönlich übrigens sehr belastet.

    Die Besoldung inkludiert keine Sozialabgaben und ist entsprechend im Vergleich um eben die Sozialabgaben niedriger als ein Angestelltengehalt. Man müsste da also gehörig drauflegen, denn sonst wirst du keinen jungen Menschen mehr zum Streifenpolizeidienst oder ähnlichem überzeugen können.

    Außerdem würden die Beamten in der GKV und GRV zwar die Zahl der Einzahler erhöhen, die Zahl der Anspruchsberechtigten und damit die Ausgabenseite aber ebenso.

  • ... und die zwangsläufig damit einhergehenden Mehrkosten der Arbeitgeberseite trägt der tapfere Steuerzahler. Dann spart der tapfere Angestellte einen Euro bei Kranken- und Rentenversicherung, und gibt 1,50 mehr für Einkommens- oder Umsatzsteuer aus, aber das ist dann sicher kein Problem, ist ja "sozial".

  • Also ich bin nur Beamter, weil ich mich geopfert habe. Für all die Menschen, die neidisch auf all die großartigen Vorzüge des Beamtentums schauen, sich selber aber für andere Beschäftigungsverhältnisse und all deren wahnsinnige Nachteile entscheiden mussten. Da dachte ich, irgendwer muss es ja machen, zuckte kurz mit den Schultern und wurde Beamter.

  • Die Grundversorgung umfasst auch Leistungen, die aktuell in der GKV ausgeschlossen sind (z. B. Kostenübernahme für das "Kassengestell" als Sehhilfe und für den einfachen Zahnersatz wie Brücke und Krone). Beiträge sind einkommensabhängig und nach oben hin nicht gedeckelt. Zu den beitragspflichtigen Einnahmen gehören alle Einnahmequellen (Lohn/Gehalt, Renten, Gewinne aus allen Kapitalanlagen, Mieteinnahmen, Spekulationsgewinne für irgendwelche Veräußerungen innerhalb gewisser Zeiträume).

    ich habe neulich im Zuge einer Vermietung den Gehaltszettel eines Vorstands eines Unternehems gesehen. Monatsgehalt 50.000 Euro brutto, der Rest war geschwärzt.

    Jetzt frage ich mich, was der gute Mann sonst noch so auf der hohen Kante hat. Ok, eine Wohnung für sein Kind in München anscheinend nicht, aber irgendwas wird bei dem Einkommen schon übrigbleiben. Gehen wir also nochmal von weiteren 20.000 Euro monatlichen Zusatzeinkommen aus, ein bisschen Vermietung, ein bisschen Dividenden, also 70.000 Euro monatlich.

    Und dieser Mensch soll nun ungedeckelt um die 14.700 Euro monatlich zahlen für einfachen Zahnersatz und Kassenbrille? Wem kommt das noch übertrieben vor?

    P.S. Sein Kind hat die Wohnung bekommen.

  • Also ich bin nur Beamter, weil ich mich geopfert habe....

    Nein, ich bin nur Beamter, weil ich aufgrund von Geburt zu einem elitären Kreis von Menschen gehöre, die bereits mit dem silbernen Löffel im Mund geboren wurden. Meine Eltern und Großeltern waren bereits Beamte. Dieser Berufsstand lässt sich in unserer Familie bis zu Friedrich dem Großen zurückverfolgen. Somit wurde ich bereits in einen speziellen Kindergarten für Beamte und dann auf eine Beamtenschule geschickt. Arbeiterkinder haben dort keinen Zugang.

    Nachdem mein Vater pensioniert wurde, ist "das Amt" dann per Erbschaft auf mich übergegangen.

    So ist die Welt nun einmal. Und wenn die Arbeiter kein Brot mehr haben, sollen sie eben Kuchen essen.

  • Eine Einheitskasse würde billiger werden, auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre. Bedenke doch einfach, dass Synergieeffekte genutzt werden können und der Verwaltungsapparat in Summe schlanker wäre. Auch die Kosten, die aktuell für Werbung und Wettbewerb anfallen, würden wegfallen.

    Nach der Wiedervereinigung wunderten sich die Bürger der neuen Bundesländer u.a. wegen der vielen Krankenkassen (etwa 1000) im Westen. Jetzt sind es 100 und das ohne Reglementierung. Bei den PKVs werden zudem gelegentlich neue Methoden in den Leistungskatalog aufgenommen ohne das die Lauterbachs das absegnen müssen. Mittelfristig stehen diese auch den GKV Patienten zur Verfügung. Unser jetziges System ist einfach zu teuer, eine Reform ist kompliziert und langwierig. Es gibt aber nicht die eine Lösung.
    Auf der Einnahmeseite fällt auf, dass Leistungen für Grundleistungsempfänger nicht voll ausgeglichen werden. Ein vollständiger Ausgleich schafft zwar kein Geld aber Transparenz.

  • Warum sollte man das sonst machen?

    Ich wüßte jedenfalls nicht, warum sonst ...

    Ansonsten siehe schon hier

    Nach meinen Erfahrungen ist es damit tendenziell folgendermaßen bestellt: Wer sich und seinen Fähigkeiten vertraut, wird seinen beruflichen Erfolg am Arbeitsmarkt und/oder den Märkten für Selbständige, Freiberufler oder Unternehmer suchen. Aber eher nicht ausgerechnet im Staatdienst.

    Was läßt sich daraus für Dich und Deine Entscheidung zum Staatsdiener schließen ... ?

  • Was läßt sich daraus für Dich und Deine Entscheidung zum Staatsdiener schließen ... ?

    Dein Zitat ist nicht so ganz richtig. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten (und das Vorhandensein derer) allein macht es nicht. Man braucht schon auch Glück. Aber das wirst Du nicht einsehen wollen.

    Als Beamter ist man sicherer, aber auch begrenzter in seinen Möglichkeiten. Es ist wie an der Börse:

    Bist Du mit dem sicheren Spatz in der Hand zufrieden, oder willst Du die Taube auf dem Dach? Falls ja, musst Du auch auf das Dach klettern. Nicht jeder überlebt das.

    Natürlich sind Leute mit hoher Schaffenskraft und Risikobereitschaft im Beamtentum sehr schlecht aufgehoben. Zu denen gehöre ich aber nicht. Hohe Schaffenskraft ist einfach nicht das, was es für sachliche Ermessensentscheidungen braucht. Risikobereitschaft wäre geradezu schädlich. Was man braucht, um sachliche Ermessensentscheidungen treffen zu können, ist solide Bildung je nach Tätigkeit, Treue zu Verfassung und Gesetzen und Freiheit von Existenzängsten.