USA greifen Venezuela an

  • Pfennigbaron - was hat die Reaktion auf die Machtübernahme Maduros mit den Vorgängen der letzten Tage zu tun?

    Es sind die Gründe, wieso man auf die Machtübernahme bzw. "Wiederwahlen" Maduros und während seiner Regentschaft regelmäßig reagiert hat, die auch heute eine Rolle spielen sollten. Wenn man sich anschaut, wie Maduro regiert hat, wie er mit Oppositionellen umgegangen ist, wie er in Drogenkriminalität verstrickt sein soll, wie er ein an sich relativ reiches (an Bodenschätzen) Land in ein bettelarmes und regelrecht kriminalitätsverseuchtes Land verwandelt hat (ok, nicht nur er alleine), wie er damit extreme Fluchtbewegungen generiert hat * ... dann vermittelt es insgesamt doch ein Bild: Du kannst alles machen was du willst, andere Länder erheben mal sachte den diplomatischen Zeigefinger, sind aber ansonsten gerne bereit die Folgen über Sanktionen (die oft beide Seiten irgendwo treffen) und Flüchtlingsaufnahme mitzutragen (und zu finanzieren), aber sonst passiert nichts, weil dann wegen Völkerrecht... Das wiederum sorgt für eine sinkende Akzeptanz für solche Rechtskonstrukte bei der Bevölkerung. Und jegliches Recht, jegliche Staatsform funktioniert am Ende nur dann möglichst gewaltfrei, wenn es von weiten Bevölkerungsteilen mitgetragen wird. Und ja, dann gefällt mir so ein Militärschlag wie ihn die USA jetzt durchgezogen haben manchmal eben besser als die politischen Wortfindungs- und Definitionsspielchen der anderen. Weil es mal die Chance auf echte Veränderungen bringt. Klar muss die Zukunft (und insbesondere die USA) dann auch noch zeigen, dass diese Veränderungen in eine sinnvolle Richtung gehen. Und klar, ich kann Maduro, Lukaschenko, Putin und Trump sch**** fnden, und diesen Militärschlag trotzdem gut.


    * für Quellen/Zahlen dazu gerne nochmal: https://www.bpb.de/themen/migrati…e-in-venezuela/

  • Ich rechne nicht mit Konsequenzen an den Wertpapiermärkten und auch nicht bei Ölpreis. Venezuela produziert dafür zu wenig Öl, das zudem auswendig aufgearbeitet werden muss. Letztlich wird Öl langfristig weniger wichtig werden.

  • Wobei die Schuld hier nicht nur Maduro betrifft. Ich hatte im Studentenwohnheim einen Mitbewohner aus Venezuela, der hat sich damals schon immer über Chavez ausgelassen und wie der das Land zugrunde richtet. Das ist über 15 Jahre her...

    Chavez hat sicher schon den Grundstein gelegt, für die Zustände und ganz simpel auch für Maduro selbst. Ohne den "Ziehvater" wäre Maduro kaum an die Macht gelangt.

  • Pfennigbaron Bis zu welcher Grenze soll das Völkerrecht dann akzeptiert werden und bei welcher Grenze setzen wir es aus? Das gefährliche Spiel verschwimmt und in der derzeitigen weltpolitischen Lage ist es ein zweifelhaftes Signal und untergräbt die "Integrität des Westens". Für wen die Verhaftung von Maduro am Ende von Vorteil ist, wird sich zeigen.

  • Sinkt der Ölpreis, sinkt die Inflation, gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen im Frühjahr, die Donald mit aller Gewalt herbeiführen will. Dadurch wird wiederum die Wirtschaft angekurbelt. – Der Markt spekuliert aktuell darauf.

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Bis zu welcher Grenze soll das Völkerrecht dann akzeptiert werden und bei welcher Grenze setzen wir es aus?

    Gute Frage. Fragen wir das uns, fragen wir Trump, Putin, oder fragen wir vielleicht auch Netanjahu? Das letzterer das Atomprogramm der Mullahs bombardiert hat, war für viele eher objektiv argumentierende Experten mit dem Völkerrecht auch nicht in Einklang zu bringen. War es deshalb falsch, wie waren die Reaktionen darauf? Der USA-Angriff auf den syrischen Stützpunkt nach dem Giftgasgebrauch im syrischen Bürgerkrieg, müsste am Anfang der ersten Amtszeit Trumps gewesen sein, da gab es auch leise Völkerrechtsdiskussionen. Aber so mancher, der heute aufschreit, dürfte sich damals noch ganz anders positioniert haben. Wegen einem anderen Völkerrecht, wegen anderem Trump, oder einfach anderen dann doch recht individuell gesehenen Grenzen eines relativ schwer greifbaren Rechts?

    Wer von den Folgen für die Integrität des Westens redet, meint damit vermutlich grundlegend, dass es eine solche Integrität, am liebesten eine weitestgehende, einheitliche, überhaupt gäbe. Eine Umfrage unter allen Mitgliedern der Vereinten Nationen dürfte da ein anderes Bild liefern. Und in einer Integrität, die aus nichts hören, nichts sehen, nichts sagen besteht, während in anderen Staaten munteres Völkerrechtshalligalli herrscht, geht der Westen zwangsläufig eh unter.

  • Wobei die Schuld hier nicht nur Maduro betrifft. Ich hatte im Studentenwohnheim einen Mitbewohner aus Venezuela, der hat sich damals schon immer über Chavez ausgelassen und wie der das Land zugrunde richtet. Das ist über 15 Jahre her...

    Will ich einem Journalist und Korrespondent für Südamerika Glauben schenken, dann haben allein seit dem Jahr 2017 - also binnen nur der letzten acht Jahre - rund acht Millionen Venezolaner ihr Land verlassen (bzw. sind aus diesem geflüchtet).

    Ausgehend von der damaligen Bevölkerungszahl (knapp 40 Millionen) wären das 20% sprich jeder fünfte Einwohner.

  • Es ist erstaunlich ruhig geblieben an den Märkten, geht tendentiell sogar eher aufwärts. Der Rohölpreis pendelt um die Nulllinie. Größter Profiteur sind - wie zu erwarten war - die Rüstungsaktien/-ETFs. Andere Wirtschaftssektoren wären mir lieber gewesen.


  • Medwedew poltert schon, dass er doch Merz entführen könne. Das ist die logische Konsequenz, dass man sich Gründe konstruiert und danach handelt.

    Und interessierte Kreise deuten an, dass dies doch ne ganz prima Idee sei.

    Im Ernst, wir dürfen uns nicht wundern, wenn nur noch das Recht des Mächtigeren gilt. Nicht dass das neu ist, aber bis dato hat man wenigstens versucht es nicht so aussehen zu lassen.

  • Am Ende führen moralische Bewertungen zu nichts: Es setzt sich stets der Stärkere durch, der seine Interessen im Zweifel mit Gewalt durchzusetzen weiß. Das ist uns in den vergangenen Jahren immer deutlicher vor Augen geführt worden. Gerade deshalb ist es so wichtig, jetzt konsequent aufzurüsten – nicht, um anzugreifen, sondern um abzuschrecken und nicht angegriffen zu werden. Traurig, aber wahr...

    Das wertvollste Produkt, das man sich mit Geld kaufen kann, ist ein leerer Kalender.

  • Noch eine Ergänzung Pfennigbaron - Venzuela hat etwa 30 Mio. Einwohner. Wenn die Unterdrückung dieser Menschen durch einen autoritären und durch Wahlmanipulation an die Macht gekommenen Herrscher das primäre Motiv für diesen Militärschlag wäre, dann würden zuminest mir noch ein paar andere Länder einfallen, in denen Menschen durch einen analog agierenden Herrscher unterdrückt werden. Nordkorea mit 26 Mio. Einwohnern wäre eine ähnliche "Preislage".

    Dann sollte man wenigstens hier, wo man weitgehend frei schreiben kann, so ehrlich sein, nicht mögliche Motive zu vermischen.

    ("Weitgehend frei" ist ausdrücklich nicht der Versuch über eingeschränkte Meinungsfreiheit zu schwurbeln, sondern die Anerkennung des Hausrechts von Finanztip in Kombination mit der Rechtslage in Deutschland.)

  • Ich kann der grds Argumentation von Pfennigbaron schon folgen und mir ist auch klar, dass es manchmal unkonventielle Vorgehensweisen braucht, um Situationen zu lösen. Dass ein Medwedjew mit der Entführung von Merz provoziert, war zu erwarten. Im geopolitischen Machtgefüge ist die USA aber wichtiger denn je. Ich bin gespannt, ob China irgendwann mal dicke Hose macht. Man braucht nicht viel Fantasie für "die Achse des Bösen" mit Russland, China und Nordkorea.


    Was mich sehr beeindruckt hat: Die Effizienz der USA vei diesem Vorgehen.

  • Am Ende führen moralische Bewertungen zu nichts: Es setzt sich stets der Stärkere durch, der seine Interessen im Zweifel mit Gewalt durchzusetzen weiß. Das ist uns in den vergangenen Jahren immer deutlicher vor Augen geführt worden. Gerade deshalb ist es so wichtig, jetzt konsequent aufzurüsten – nicht, um anzugreifen, sondern um abzuschrecken und nicht angegriffen zu werden. Traurig, aber wahr...

    Daher - wenn auch leider - seit ewigen Zeiten von entscheidender Bedeutung:

    "Si vis pacem, para bellum"

    Denn (mehr als) seltsame Figuren als Herrscher, Führer, Diktator etc. pp. gab es in der Weltgeschichte immer - und wird es wohl auch immer geben.

    Da hilft der direkte oder konkludente und glaubwürdige Hinweis: "Freundchen, es lohnt sich nicht" ...

    Dieser schlichte Realitätsbezug wurde aber von so einigen Protagonisten erfolgreich verdrängt - trotz sich verdichtender, gegenteiliger konkreter Hinweise seit fast 20 Jahren ...

    Venzuela hat etwa 30 Mio. Einwohner. Wenn die Unterdrückung dieser Menschen durch einen autoritären und durch Wahlmanipulation an die Macht gekommenen Herrscher das primäre Motiv für diesen Militärschlag wäre, dann würden zuminest mir noch ein paar andere Länder einfallen, in denen Menschen durch einen analog agierenden Herrscher unterdrückt werden. Nordkorea mit 26 Mio. Einwohnern wäre eine ähnliche "Preislage".

    Die "Preislage" könnte sich ggf. aber signifikant dadurch unterscheiden, daß "kleines dickes Kim-Jong-un" auf atomare Abschreckung gesetzt hat (oder es zumindest glaubhaft vorgibt). Was den "Preis" erheblich erhöhen dürfte oder könnte ...

    Womit man wieder bei oben genannter Grundregel angekommen ist ...

  • Die "Preislage" könnte sich ggf. aber signifikant dadurch unterscheiden, daß "kleines dickes Kim-Jong-un" auf atomare Abschreckung gesetzt hat (oder es zumindest glaubhaft vorgibt). Was den "Preis" erheblich erhöhen dürfte oder könnte ...

    Die eigene dicke Hose ist nur solange dick, bis nicht ein anderer eine dickere hat. Demnach ist das Motiv nicht, die Bevölkerung vor einem Herrscher zu schützen. Darauf wollte ich raus.

  • Am Ende führen moralische Bewertungen zu nichts: Es setzt sich stets der Stärkere durch, der seine Interessen im Zweifel mit Gewalt durchzusetzen weiß.

    Genau so schauts aus. Und mein Eindruck: In weiten Teilen der Welt, auch der UN-Mitglieder, wird diese Sichtweise deutlicher akzeptiert und gelebt als im Westen/Teilen des Westens. Und auch wenn hier kein politische Statement ohne "gerade heute /gerade in diesen Zeiten" auskommt: Es war doch nie anders. Nur haben die USA bisher einen großzügigen Mantel bereitgestellt, unter dem man sich dann schön mit Moralvorstellungen und Völkerrechtsdiskussionen zurückziehen und aufwärmen konnte. Diverse US-Präsidenten haben das auch immer wieder mal angesprochen, auch Obama wollte deutlich mehr Rüstungsausgaben sehen, aber der war ja allen so lieb. Mit Trump klappt das so erstmal nicht mehr.

    Was mich sehr beeindruckt hat: Die Effizienz der USA vei diesem Vorgehen.

    Ja, das war auch schonmal anders... Aber trotzdem sollte man, um das Vorgehen insgesamt zu bewerten, doch lieber noch etwas warten, wie es nun weitergeht. Dafür ist die Situation von Venezuela in 1, 2... Jahren weitaus wichtiger als das, was amerikanische Regierungsvertreter jetzt in irgendwelche Kameras posaunen oder in Handys tippen.

    Und wenn russische (...) Regierungsmitglieder irgendwelche Entführungsphantasien äußern: Ja, gerade weil es diese Typen gibt, ist es nicht verkehrt wenn die USA auch mal die Ärmel spielen lassen. Wir alleine können Merz ja nicht schützen, wir sind gerade mit den Amtshilfeformularen beschäftigt, damit die Bundeswehr Suppe in der Hauptstadt kochen darf.

  • Demnach ist das Motiv nicht, die Bevölkerung vor einem Herrscher zu schützen. Darauf wollte ich raus.

    Doch, das Motiv ist, die primär betroffene Bevölkerung zu schützen und die sekundären Folgen für auch andere Bevölkerungen, bis hin zur eigenen, damit etwas zu kontrollieren. Und das gilt für Venezuela genauso wie Nordkorea. Aber natürlich kommt dann zwangsläufig vor einer Durchführung auch eine Abschätzung, was man mit welchen Mitteln wie realistisch erreichen kann. Und deshalb sitzt Maduro im Bau, und Kim Jong Un in seinem Ferienressort.