Ein KISS von Irving – Zielpfad: 5 auf 20 Mio €

  • Ich möchte auf ein paar Fragen gebündelt antworten. Vorweg noch eine Bitte: Bitte keine Streitigkeiten, Grundsatzdebatten oder Polemik in diesem Thread. Falls jemand eine andere Strategie verfolgt, kann er diese gerne in einem eigenen Thread ausführlich darstellen. Ich möchte hier nur unseren Weg aufzeigen, da ich mehrfach danach gefragt wurde. Das mache ich auch bewusst vor dem Hintergrund, dass es in diesem Forum in der nächsten Krise wahrscheinlich sehr still werden wird und ich dann, vermutlich mit sehr hohen Buchverlusten, aufzeigen kann, dass man solche Krisen problemlos übersteht, wenn man (hoffentlich) ruhig bleibt.

    Bei dem ETF handelt es sich um den L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF in der ausschüttenden Variante (WKN: WELT0B). Wir haben keine vergünstigte Tranche, sondern investieren als Privatanleger. Für mich ist dieser ETF sehr durchdacht und ich gehe langfristig von einer Outperformance gegenüber einem rein marktkapitalisierenden Ansatz aus.Unsere zweite Wahl wäre ein ETF auf den MSCI ACWI IMI oder den FTSE All-World gewesen. Beide eignen sich meiner Meinung nach ebenfalls sehr gut für eine KISS-Strategie. Ich werde im Laufe des Threads mehrfach Vergleiche ziehen und die Unterschiede aufzeigen.

    Der ETF liegt in einem Gemeinschaftsdepot meiner Frau und mir bei einer Bank, bei der wir (abgesehen von Versicherungen) unsere gesamten Finanzgeschäfte bündeln: Depot, Girokonto und Kreditkarte(n). Von Steuersparmodellen, Stiftungen o. Ä. halte ich wenig, da sie aus meiner Sicht nicht KISS-konform sind und häufig zu Problemen führen.

    Obwohl ich vom Gerd-Kommer-ETF überzeugt bin und vieles von Gerd Kommer in die richtige Richtung geht, gibt es auch zahlreiche Punkte, die mich nicht überzeugen oder für uns nicht infrage kommen (die Vermögensverwaltung z.B. oder die Verlagerung von Vermögen nach Lichtenstein zusammen mit Herrn Gierhake). Auch Gerd Kommer hat, wie jeder Anbieter, einen Interessenkonflikt, dessen man sich stets bewusst sein sollte.

    Die Weitergabe des Vermögens an die nächste Generation ist ein sehr schwieriges Thema. Ich werde meinen Kindern das KISS-Prinzip nahelegen und ihnen raten, später einen ausschüttenden ETF zu halten und (nur) die Ausschüttungen bis zum Ruhestand zu nutzen. Ich möchte dabei jedoch nicht übergriffig sein und sehe z. B. eine Schenkung als endgültig an. Das bedeutet, wir müssen akzeptieren, dass die Kinder damit machen, was sie wollen. Besonders problematisch ist der Zeitpunkt einer (teilweisen) Übertragung. Zu viel Geld zu früh kann einen jungen Menschen trotz finanzieller Bildung belasten. Zu spät ist allerdings ebenfalls nicht sinnvoll (Stichwort: Ältere Menschen erben von noch älteren Menschen, die wiederum von noch älteren Menschen geerbt haben und am Ende kann niemand wirklich etwas damit anfangen – außer dem Staat).

    Das Vermögen stammt überwiegend aus meiner unternehmerischen Tätigkeit: viel Risiko, viel Arbeit und ja . . . auch ein wenig Glück zur richtigen Zeit in der richtigen Branche aktiv gewesen zu sein. Dazu kommen ein relativ hohes Einkommen und eine hohe Sparrate (früher in aktive Fonds und schlimmeren Produkten). Ein kleinerer Teil ist glückliches Market-Timing, insbesondere während der Finanzkrise und der Corona-Zeit. Heute weiß ich, dass das Glück war. Damals dachte ich, es sei Können. Aus heutiger Sicht ziemlich lächerlich. Dieses glückliche Händchen hat jedoch viele meiner zahlreichen Fehler am Kapitalmarkt (ich habe sie wirklich alle gemacht) kompensiert.

  • Diese Tabu-Frage wird leider viel zu selten gestellt. Du wirst da aber auch keine ehrliche Antwort bekommen.

    Ich wäre bei persönlichen Informationen im Internet sowieso skeptisch: Niemand kann irgendwas nachprüfen, das Netz ist ebenso geduldig wie Papier und eine Geschichte ist schnell ersonnen. Der arbeitslose Mittfünfziger kann sich im einen Forum als Krypto-Glückskind und Multimillionär darstellen und im anderen als 14-jähriges Mädchen auf der Suche nach einer neuen besten Freundin. Deshalb online immer Skepsis …

  • Ich habe es mal ausgerechnet. Mit einer Sparrate von 5k kommt das locker hin..da reichen sogar 20 Jahre bei einem Startinvestment von 146k

    6% Rendite pro Jahr


  • Na, z.B. indem man auf Hebelprodukte setzt. Nur mal als ein Beispiel.

  • Warum das KISS-Prinzip für uns überlegen ist (Teil 1)

    Zentrales Ziel unseres Ansatzes ist eine einfach handhabbare, robuste Vermögensverwaltung, die langfristig funktioniert und auch in der Praxis über Jahrzehnte tragfähig ist.

    Konkret bedeutet das:

    • Einfache Verwaltung: Auch der Partner oder spätere Erben ohne Finanzkenntnisse können das Depot problemlos übernehmen.
    • Steuerlich unkompliziert: Kapitalertragsteuer wird automatisch abgeführt, die Steuer auf die Vorabpauschale fällt kaum oder gar nicht an (man muss im Januar kaum Cash vorhalten)
    • Hoher Automatisierungsgrad: Automatische Ausschüttungen, externe Verwaltung, das System funktioniert über Jhrzehnte ohne aktive Beobachtung.
    • Alles an einem Ort: Eine Bank mit Filiale, ein Ansprechpartner, eine Telefonnummer, ein Set Zugangsdaten, ein Depot, ein ETF, eine Steuerbescheinigung.
    • Volle Transparenz: Alle relevanten Kennzahlen sind jederzeit über Depotauszug und Factsheet einsehbar, keine Tracking-Software, kein Excel notwendig.
    • Leichte Übertragbarkeit: Schenkungen, Spenden oder eine spätere Erbschaft sind unkompliziert und schnell möglich.
    • Hohe Liquidität: Börsentägliche, kostengünstige Veräußerung, das Vermögen ist in der Regel am Folgetag verfügbar.
    • Keine Eingriffe nötig: Kein Rebalancing, keine Produktrotation, keine taktischen Maßnahmen, Klumpenrisiken werden dauerhaft und steuerneutral reduziert.
    • Hohe Flexibilität: Ein Wohnortwechsel ist problemlos möglich.
  • Ja, da kann man viel konstruieren. Mit einem siebenstelligen Startinvestment geht es noch schneller.

    bei 60k jährlicher Sparrate fällt das Startinvestment von 148k nicht besonders ins Gewicht.


    Wollte hier auch eher den Effekt vom Zinseszins verdeutlichen ;)

  • Einschub:

    Hat schon mal jemand darüber nachgedacht (Untersuchung, Analyse), ob ein breiter Erfolg für die Rendite von solchen kapitalgedeckten privaten Altersvorsorgeformen letztendlich für eine Ausweitung des Geldvolumens und zu mehr Inflation führt, so dass am Ende bei den investierenden doch weniger ankommt, als gedacht, und andere, die sich die private Altersvorsorge gar nicht erst leisten können, sogar noch härter getroffen sind?

    Ich mach' dafür mal besser einen eigenen Thread auf...

  • Lieber Irving,


    vielen Dank für Deine Informationen!

    Das fand ich besonders interessant:

    "Das Vermögen stammt überwiegend aus meiner unternehmerischen Tätigkeit: viel Risiko, viel Arbeit und ja . . . auch ein wenig Glück zur richtigen Zeit in der richtigen Branche aktiv gewesen zu sein. Dazu kommen ein relativ hohes Einkommen und eine hohe Sparrate (früher in aktive Fonds und schlimmeren Produkten). Ein kleinerer Teil ist glückliches Market-Timing, insbesondere während der Finanzkrise und der Corona-Zeit. Heute weiß ich, dass das Glück war. Damals dachte ich, es sei Können. Aus heutiger Sicht ziemlich lächerlich. Dieses glückliche Händchen hat jedoch viele meiner zahlreichen Fehler am Kapitalmarkt (ich habe sie wirklich alle gemacht) kompensiert."

    Habe mich jetzt noch mal mit mit dem Hartmut Walz Finanzblog beschäftigt und beschlossen, neben dem SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF noch einen zweiten ETF - MSCI World ex USA-Index zu kaufen, um die USA noch weiter zu reduzieren. Denke an den Xtrackers MSCI World ex USA UCITS ETF 1C (0,15 TER) Ich denke, dass ich mich damit ein wenig besser fühlen werde.


    Eine Frage noch an Irving: Wohin möchtet ihr denn auswandern???

  • Habe mich jetzt noch mal mit mit dem Hartmut Walz Finanzblog beschäftigt und beschlossen, neben dem SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF noch einen zweiten ETF - MSCI World ex USA-Index zu kaufen, um die USA noch weiter zu reduzieren.

    Ich habe eine andere Meinung als Prof. Walz. Ich halte es nicht für klug einen ACWI IMI mit einem MSCI ex USA zu kombinieren. Hauptsächlich weil es zwischen den beiden ETF zahlreiche Überschneidungen gibt (EX-USA ist ja in beiden drin). Sollte es in 10 oder 15 Jahren zu einem Klumpenrisiko in einer anderen Region als den USA kommen (ob real oder nur eingebildet) würde sich dieses zwangsläufig in beiden ETF widerspiegeln und man müsste dann weitere ETFs aufnehmen oder wieder umschichten. Bei mehreren sich überschneidenden ETF fehlt einem über kurz oder lang die Übersicht in was man eigentlich investiert ist.

    Im Grunde wäre nur eine Kombination aus dem MSCI USA und dem MSCI ex USA konsequent sinnvoll. Diese würde allerdings weder Schwellenländer noch Small Caps enthalten. Also dann doch lieber 4 ETF? Oder noch mehr, um jede Region einzeln abzubilden? Man weiß ja nie wo die nächste Konzentration ist. Und dann kommt vielleicht eine Konzentration in einem Sektor unabhängig von der Region. Also wieder neue ETF,....

    Ich bin der Meinung, dass jede zusätzliche Position im Depot das Risiko von Fehlentscheidungen erhöht. Schon allein deshalb, weil Entscheidungen notwendig werden: Welchen Anteil sollen die beiden (oder mehr) ETF haben? Gilt diese Aufteilung für immer? Was passiert, wenn es irgendwo politisch brennt oder andere Probleme auftreten? Was, wenn einer der ETF deutlich davonläuft? Soll man dann steuerschädlich verkaufen oder einfach laufen lassen?

    Wir Menschen sind bekanntermaßen sehr schlecht darin, bei der Kapitalanlage kluge Entscheidungen zu treffen, insbesondere in Stresssituationen. Ein KISS-Ansatz soll mich daher in erster Linie vor mir selbst schützen. Zu diesem Thema werde ich bald noch etwas schreiben.

  • Ich bin fasziniert vom Bierdeckel. 8|
    Speziell von der Simplizität der Vermögensaufstellung. Ich weiß nicht, ob ich mich das trauen würde, aber ich gebe zu, die Einfachheit dieser Lösung fixt mich an.

    Allein schon durch den Wegfall von Immobilien samt Eindepot-Lösung verringert sich der Betreuungsbedarf quasi auf Null. Und die minimalistische Anzahl der Versicherungen finde ich geradezu überwältigend. Die Steuererklärung muss traumhaft sein. Da verspüre ich glatt ein kleines Neidgefühl.

    Ich führe Tabellenblätter für Vermögensübersicht, Versicherungen und Versorger für eigengenutzte und vermietete Immobilien. Ich habe um die 14 Versicherungen und 8 Versorger für Privat- und vermietete Immobilien, die Anzahl der Konten, Depots, Sparpläne sind nicht minder zahlreich.

    Ja, man kann sagen, ich bin besser diversifiziert, allerdings geht das mit einer gewissen Komplexität im Leben einher, die man so auch erst mal akzeptieren muss. Spannend diese unterschiedlichen Lebensentwürfe.

  • Habe mich jetzt noch mal mit mit dem Hartmut Walz Finanzblog beschäftigt und beschlossen, neben dem SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF noch einen zweiten ETF - MSCI World ex USA-Index zu kaufen, um die USA noch weiter zu reduzieren. Denke an den Xtrackers MSCI World ex USA UCITS ETF 1C (0,15 TER) Ich denke, dass ich mich damit ein wenig besser fühlen werde.

    Ich halte es nicht für klug einen ACWI IMI mit einem MSCI ex USA zu kombinieren. Hauptsächlich weil es zwischen den beiden ETF zahlreiche Überschneidungen gibt (EX-USA ist ja in beiden drin). Sollte es in 10 oder 15 Jahren zu einem Klumpenrisiko in einer anderen Region als den USA kommen (ob real oder nur eingebildet) würde sich dieses zwangsläufig in beiden ETF widerspiegeln und man müsste dann weitere ETFs aufnehmen oder wieder umschichten. Bei mehreren sich überschneidenden ETF fehlt einem über kurz oder lang die Übersicht in was man eigentlich investiert ist.

    Hätte man Ende der 1980er das Problem lösen wollen, das man jetzt lösen will, hätte man einen World ex Japan-ETF gebraucht. Heute würde der im Depot die gegenwärtige Unwucht nur verstärken. Man weiß nicht, was die Zukunft bringt … aber ein World ex USA-ETF ist nur und ausschließlich in dem Szenario hilfreich, dass die USA sehr, sehr stark bleiben. Das dünkt mir keine kluge, zukunftsfeste Lösung.

  • Ich bin fasziniert vom Bierdeckel. 8|
    Speziell von der Simplizität der Vermögensaufstellung. Ich weiß nicht, ob ich mich das trauen würde, aber ich gebe zu, die Einfachheit dieser Lösung fixt mich an.

    Geht mich auch so. Allerdings muss man sich Einfachheit auch leisten können. Eine Dividendenstrategie setzt ein entsprechend hohes Vermögen voraus, das man erst mal haben muss. Da ich dies wahrscheinlich nie erreichen werde, bleibe ich wohl oder über bei meiner Entnahmestrategie und plane Sicherheits mechanismen wie einen Cash Puffer mit ein. Bei einer Konstellation wie bei Irving würde ich es auch so einfach wie möglich machen.

    Anfang 2024 habe ich mit der Ansparung eines neuen Depots begonnen und hatte den Kommer ETF auch in der engeren Wahl. Letztlich habe ich mich jedoch für 75% MSCI ACWI IMI & 25% MSCI EM IMI entschieden. Bisher war aus Renditegesichtspunkten die bessere Wahl...

  • Warum das KISS-Prinzip für uns überlegen ist (Teil 1)

    Zentrales Ziel unseres Ansatzes ist eine einfach handhabbare, robuste Vermögensverwaltung, die langfristig funktioniert und auch in der Praxis über Jahrzehnte tragfähig ist.

    Konkret bedeutet das:

    • Einfache Verwaltung: Auch der Partner oder spätere Erben ohne Finanzkenntnisse können das Depot problemlos übernehmen.
    • Steuerlich unkompliziert: Kapitalertragsteuer wird automatisch abgeführt, die Steuer auf die Vorabpauschale fällt kaum oder gar nicht an (man muss im Januar kaum Cash vorhalten)
    • Hoher Automatisierungsgrad: Automatische Ausschüttungen, externe Verwaltung, das System funktioniert über Jhrzehnte ohne aktive Beobachtung.
    • Alles an einem Ort: Eine Bank mit Filiale, ein Ansprechpartner, eine Telefonnummer, ein Set Zugangsdaten, ein Depot, ein ETF, eine Steuerbescheinigung.
    • Volle Transparenz: Alle relevanten Kennzahlen sind jederzeit über Depotauszug und Factsheet einsehbar, keine Tracking-Software, kein Excel notwendig.
    • Leichte Übertragbarkeit: Schenkungen, Spenden oder eine spätere Erbschaft sind unkompliziert und schnell möglich.
    • Hohe Liquidität: Börsentägliche, kostengünstige Veräußerung, das Vermögen ist in der Regel am Folgetag verfügbar.
    • Keine Eingriffe nötig: Kein Rebalancing, keine Produktrotation, keine taktischen Maßnahmen, Klumpenrisiken werden dauerhaft und steuerneutral reduziert.
    • Hohe Flexibilität: Ein Wohnortwechsel ist problemlos möglich.

    Und was ist ist den Gefühlen, die uns da alle so überaus wichtig sind?

    Ich sehe da wieder ein narkotisierende Wirkung noch einen Hauch von Erotik.

  • Also ich weiß ja nicht, aber meine Vermögensverteilung ist der von Irving super ähnlich. Ich brauche halt noch ein zwei Versicherungen mehr (BU und KFZ), aber ansonsten ist das exakt gleich und ich bin verhältnismäßig arm! Also ich würde sagen, dass das recht gut übertragbar ist! Klar, ich lebe ausschließlich von meinem Einkommen, aber das war es dann im Wesentlichen auch schon mit den Unterschieden!

  • Warum KISS für uns überlegen ist (Teil 2)

    (Einige der im Folgenden dargestellten Überlegungen basieren auf William J. Bernsteins Buch ,,The Four Pillars of Investing". Ein Buch, das ich sehr empfehlen kann. Auch wenn Bernstein in einigen Punkten anders verfährt als wir).

    Zitat von Benjamin Graham

    The investor’s chief problem—and even his worst enemy— is likely to be himself.

    (Das Hauptproblem des Anlegers – und vermutlich sein größter Feind – ist er selbst).

    Nach vielen Jahren steigender Märkte fehlt einigen Investoren die Erfahrung mit echten, langanhaltenden Krisen mit nennenswertem Vermögen ,,im Feuer". Die jüngeren Einbrüche, z.B. während der Corona-Pandemie oder während des sogenannten Trump-Crashs waren zwar heftig, aber von kurzer Dauer. Ein mehrjähriger Bärenmarkt, begleitet von einem dominanten Krisennarrativ, das selbst bei erfahrenen Anlegern grundlegende Zweifel am Finanzsystem auslöst, ist für viele nur noch Theorie. Der Unterschied zwischen der Rückschau anhand langfristiger Charts und dem tatsächlichen Dabeisein mit echtem Geld (und damit realer Lebensqualität) ist jedoch gewaltig.

    Wir wissen dass viele Kapitalanleger unter Strss häufig nicht rational handeln (ohne Stress manchmal auch nicht, aber das ist nicht das Thema). Das gilt unabhängig von Wissen, Intelligenz oder Erfahrung. Bernstein führt dieses Verhalten auf unsere evolutionäre Prägung zurück: Der Mensch ist nicht für langfristiges Investieren unter Unsicherheit gemacht. Der heutige Homo sapiens stammt von Vorfahren ab, die deshalb überlebt haben, weil sie auf jedes Geräusch im Gebüsch sofort reagiert haben. Wer erst ruhig abwog und analysierte, wurde im Zweifel gefressen. Und damit aus dem Genpool entfernt. Übrig geblieben sind wir. Und diese Mechanismen wirken deshalb heute noch. Schlechte Nachrichten und fallende Kurse werden vom Gehirn als unmittelbare Gefahr interpretiert. Sie lösen Stress, Kontrollverlust und starken Handlungsdrang aus. Das ist tief in uns verankert und lässt sich weder durch Intelligenz noch durch Erfahrung vollständig abstellen.

    Gerade deshalb ist es sinnvoll, sich in ruhigen Marktphasen auf kommende Stresssituationen vorzubereiten. Ein konsequent umgesetzter KISS-Ansatz ist dabei m.E. zentral: Er schützt den Anleger vor sich selbst. Denn der wichtigste Fehler, den es zu vermeiden glt, ist nicht eine falsche Detailentscheidung, sondern der Verkauf großer Teile langfristiger Anlagen in der Krise.

    Mit jeder zusätzlichen Position im Depot steigt die Zahl der möglichen Entscheidungen: Rebalancing oder abwarten? Umschichten zwischen Regionen? Cash erhöhen? Gold beimischen? Diese Gedanken kommen. Unabhängig davon, wie rational oder abgebrüht man sich selbst einschätzt. Je komplexer das Portfolio, desto größer die Angriffsfläche für Fehlentscheidungen.

    Ein klarer Fahrplan und maximale Einfachheit wirken in solchen Phasen stabilisierend. KISS ist damit weniger eine Frage der Optimierung als der Selbstkontrolle. Und genau darin liegt meines Erachtens seine Überlegenheit.

  • Allein schon durch den Wegfall von Immobilien samt Eindepot-Lösung verringert sich der Betreuungsbedarf quasi auf Null. Und die minimalistische Anzahl der Versicherungen finde ich geradezu überwältigend. Die Steuererklärung muss traumhaft sein. Da verspüre ich glatt ein kleines Neidgefühl.

    Ist so, kann ich bestätigen! Steuererklärung dauert eine halbe Stunde (mit Unterlagen raussuchen). 😀