Ich möchte auf ein paar Fragen gebündelt antworten. Vorweg noch eine Bitte: Bitte keine Streitigkeiten, Grundsatzdebatten oder Polemik in diesem Thread. Falls jemand eine andere Strategie verfolgt, kann er diese gerne in einem eigenen Thread ausführlich darstellen. Ich möchte hier nur unseren Weg aufzeigen, da ich mehrfach danach gefragt wurde. Das mache ich auch bewusst vor dem Hintergrund, dass es in diesem Forum in der nächsten Krise wahrscheinlich sehr still werden wird und ich dann, vermutlich mit sehr hohen Buchverlusten, aufzeigen kann, dass man solche Krisen problemlos übersteht, wenn man (hoffentlich) ruhig bleibt.
Bei dem ETF handelt es sich um den L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF in der ausschüttenden Variante (WKN: WELT0B). Wir haben keine vergünstigte Tranche, sondern investieren als Privatanleger. Für mich ist dieser ETF sehr durchdacht und ich gehe langfristig von einer Outperformance gegenüber einem rein marktkapitalisierenden Ansatz aus.Unsere zweite Wahl wäre ein ETF auf den MSCI ACWI IMI oder den FTSE All-World gewesen. Beide eignen sich meiner Meinung nach ebenfalls sehr gut für eine KISS-Strategie. Ich werde im Laufe des Threads mehrfach Vergleiche ziehen und die Unterschiede aufzeigen.
Der ETF liegt in einem Gemeinschaftsdepot meiner Frau und mir bei einer Bank, bei der wir (abgesehen von Versicherungen) unsere gesamten Finanzgeschäfte bündeln: Depot, Girokonto und Kreditkarte(n). Von Steuersparmodellen, Stiftungen o. Ä. halte ich wenig, da sie aus meiner Sicht nicht KISS-konform sind und häufig zu Problemen führen.
Obwohl ich vom Gerd-Kommer-ETF überzeugt bin und vieles von Gerd Kommer in die richtige Richtung geht, gibt es auch zahlreiche Punkte, die mich nicht überzeugen oder für uns nicht infrage kommen (die Vermögensverwaltung z.B. oder die Verlagerung von Vermögen nach Lichtenstein zusammen mit Herrn Gierhake). Auch Gerd Kommer hat, wie jeder Anbieter, einen Interessenkonflikt, dessen man sich stets bewusst sein sollte.
Die Weitergabe des Vermögens an die nächste Generation ist ein sehr schwieriges Thema. Ich werde meinen Kindern das KISS-Prinzip nahelegen und ihnen raten, später einen ausschüttenden ETF zu halten und (nur) die Ausschüttungen bis zum Ruhestand zu nutzen. Ich möchte dabei jedoch nicht übergriffig sein und sehe z. B. eine Schenkung als endgültig an. Das bedeutet, wir müssen akzeptieren, dass die Kinder damit machen, was sie wollen. Besonders problematisch ist der Zeitpunkt einer (teilweisen) Übertragung. Zu viel Geld zu früh kann einen jungen Menschen trotz finanzieller Bildung belasten. Zu spät ist allerdings ebenfalls nicht sinnvoll (Stichwort: Ältere Menschen erben von noch älteren Menschen, die wiederum von noch älteren Menschen geerbt haben und am Ende kann niemand wirklich etwas damit anfangen – außer dem Staat).
Das Vermögen stammt überwiegend aus meiner unternehmerischen Tätigkeit: viel Risiko, viel Arbeit und ja . . . auch ein wenig Glück zur richtigen Zeit in der richtigen Branche aktiv gewesen zu sein. Dazu kommen ein relativ hohes Einkommen und eine hohe Sparrate (früher in aktive Fonds und schlimmeren Produkten). Ein kleinerer Teil ist glückliches Market-Timing, insbesondere während der Finanzkrise und der Corona-Zeit. Heute weiß ich, dass das Glück war. Damals dachte ich, es sei Können. Aus heutiger Sicht ziemlich lächerlich. Dieses glückliche Händchen hat jedoch viele meiner zahlreichen Fehler am Kapitalmarkt (ich habe sie wirklich alle gemacht) kompensiert.