Ein KISS von Irving – Zielpfad: 5 auf 20 Mio €

  • Der Mensch ist sehr wohl in der Lage, bei wichtigen Entscheidungen abseits der Alltagshandlungen, rationale Entscheidungen zu treffen.

    Aus einer nüchternen Betrachtung der Welt ziehe ich einen anderen Schluss.

    Zitat von Schwachzocker

    Einfachheit ist in der Tendenz natürlich richtig. Deine Besessenheit davon, kommt mir aber schon etwas skurril vor.

    Meinst Du wirklich, dass ein Depot aus fünf ETFs für Erben einfach nicht zu verstehen und zu händeln ist? Ist es wirklich eine solch große Zumutung, dass man gegenüber den Erben ein schlechtes Gewissen haben muss?

    Besessenheit würde ich es nicht nennen. Ich denke nur es hat erhebliche Vorteile maximales KISS bei der Kapitalanlage anzuwenden. Einen richtigen Vorteil bei fünf ETFs sehe ich nicht. Warum sollte ich es also dann machen? :/

  • Falls jemand Videos bevorzugt: Hier ein informativer Überblick darüber, weshalb die KISS-Methode bei der Kapitalanlage Vorteile bietet (hier zusätzlich mit schwankungsarmem Teil).

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  • @Irving

    Also erst mal wirklich vielen Dank dafür, dass du hier eine Lanze für die Einfachheit brichst.

    Das ist wirklich für viele Leute eine sehr interessante Angelegenheit.

    Ich habe heute ein paar Leuten den Thread extra gezeigt.
    Das sind alles so „Hobby- ETF-Bastelwastels“ , die seit einiger Zeit den Stein der Weisen suchen.

    Die Magazine sind heute voll mit ETF-Strategien für 2026.

    Tatsächlich hat dein Ansatz viel Zustimmung gefunden, aber niemand will den Kommer-ETF kaufen.

    Vielmehr besteht doch ein starkes Interesse, das an sich sinnvoll Kommer-Konzept mit ein paar ETF von „eingesessenen“ Fondsgesellschaften selbst zu machen.

    Die Schwäbinnen stehen nicht so auf 0,45 %, das widerspricht der Mentalität.

    Tenor:
    „Des Konzept isch guat – aber des Preisschild isch halt net schwäbisch.“

  • Ich kann dem Konzept durchaus auch einiges abgewinnen und bedanke mich herzlich für die Einblicke in die Entscheidungsfindung, die für mich wertvolles Input für die eigene Positionierung sind.
    Ich muss auch nicht alles gut finden, bin z.B. kein Freund von Single Point of Failure. Wir haben zwei Girokonten, zwei Depots und sogar einen MSCI World und EM ETF aus den früheren Jahren neben einem FTSE All World. Die vertragen sich auch und dürfen auch koexistieren. Aber sie sind auch alle ausschüttend aus einer ähnlichen Motivation heraus. Ob die Dividenden alleine bei uns für die Rentenaufstockung reichen werden, ist eher fraglich, aber es gibt auch eine detaillierte Beschreibung, falls ich mich nicht mehr kümmern kann.

    Ich verstehe in diesem Forum leider nicht die Vehemenz, mit welcher verschiedene Ansätze und Argumente schlecht geredet werden, anstatt sich auf den interessierten Austausch verschiedener Perspektiven zu konzentrieren. Insofern weiß ich es sehr zu schätzen, diesen Thread überhaupt zu eröffnen und seinen eigenen Ansatz in diesem Detailgrad zur Diskussion zur stellen. Das Mitlesen in anderen Threads hat meine Lust zur aktiven Teilnahme deutlich verringert.

  • Tatsächlich hat dein Ansatz viel Zustimmung gefunden, aber niemand will den Kommer-ETF kaufen.

    Vielmehr besteht doch ein starkes Interesse, das an sich sinnvoll Kommer-Konzept mit ein paar ETF von „eingesessenen“ Fondsgesellschaften selbst zu machen.

    Die Schwäbinnen stehen nicht so auf 0,45 %, das widerspricht der Mentalität.

    Tenor:
    „Des Konzept isch guat – aber des Preisschild isch halt net schwäbisch.“

    Vielleicht hilft es, wenn man weiß, dass es einen Gerd-Kommer-Index ohne Faktoren gibt. Dieser wird zwar nicht veröffentlicht, wird aber bei L&G und GK Invest intern genutzt, um die Wirksamkeit der Faktoren zu überprüfen. Der Gerd-Kommer-Index mit Faktoren hat den Index ohne Faktoren deutlich geschlagen. Und das nach Kosten. Zumindest behauptet das der Head of Investment.

    Natürlich ist der betrachtete Zeitraum noch sehr kurz und erlaubt keine belastbaren Aussagen für die Zukunft. Bisher hat jedoch niemand „draufgezahlt“.;)

    Das Kommer-Konzept mit integriertem Multifaktor-Investing halte ich mit Einzel-ETFs für praktisch ausgeschlossen nachzubilden. Einen BIP/MCAP-Ansatz kann man dagegen relativ einfach mit regionalen ETFs und entsprechender Wartung umsetzen. Persönlich halte ich davon nicht viel, aber möglich wäre es. Auch sehr günstig. Alternativ kann man auch einen reinen MCAP-Index wählen. Das wäre dann KISS, ganz ohne Kommer und extrem kostengünstig.

    Vielleicht kannst du deinen schwäbischen Freunden ja erklären, dass ein Mercedes deutlich teurer ist als ein Mazda und trotzdem viele Schwaben ihr Auto gerne in Sindelfingen abholen.;)

  • Ich finde den Ansatz von Kommer durchaus interessant, aber muss gestehen, dass sowohl die Größe des Fonds als auch seine kurze Existenz für mich Ausschlusskriterien sind. Wenn ich ein entsprechend großes Vermögen hätte, würde ich es vermutlich auf mehrere der hier im Forum diskutierten Konzepte aufteilen, da ich für mich nicht den Anspruch habe zu wissen, welches das beste ist.

  • Vielmehr besteht doch ein starkes Interesse, das an sich sinnvoll Kommer-Konzept mit ein paar ETF von „eingesessenen“ Fondsgesellschaften selbst zu machen.

    Die Schwäbinnen stehen nicht so auf 0,45 %, das widerspricht der Mentalität.

    Tenor:
    „Des Konzept isch guat – aber des Preisschild isch halt net schwäbisch.“

    Das wäre ja zum Beispiel alternativ auch so möglich:

    Unsere zweite Wahl wäre ein ETF auf den MSCI ACWI IMI oder den FTSE All-World gewesen.

  • Ich möchte vermeiden, dass sich dieser Thread nur um den Gerd-Kommer-ETF dreht. Das würde früher oder später in Grundsatzdiskussionen über Kosten, den „bösen, gierigen“ Gerd Kommer und den Vorwurf münden, ich würde Werbung machen.

    Ja, wir nutzen diesen ETF und ich halte ihn für sehr gut, aber genau darum geht es mir hier nicht. Es gibt viele andere Fonds, die sich ebenfalls gut eignen, um KISS umzusetzen. Zwei habe ich bereits erwähnt: ETFs auf den ACWI IMI und den FTSE All-World. Weitere Optionen wären ARERO, GPO oder einer von den Vanguard Life-Strategy-Fonds (alles Misch-Fonds). Auch der Global Core Equity ETF von Dimensional Fund Advisors ist einen Blick wert. Vielleicht kennt der eine oder andere noch weitere Alternativen....:/

  • Ich habe mir überlegt, dass die Wirecard-Aktien eigentlich doch die ideale Geldanlage für Dich gewesen wäre:

    - maximale Einfachheit (KISS)

    - Die Anleger fühlten sich wohl.

    - Und weil sie sich so wohl fühlten, haben sie auch durchgehalten.

    - Für die Erben könnte es nicht einfacher sein.

    - Sogar die Erbschaftssteuer wird gespart.

    - Geld für Wein und Bier ist erfahrungsgemäß immer vorhanden.

  • Vielleicht hilft es, wenn man weiß, dass es einen Gerd-Kommer-Index ohne Faktoren gibt. Dieser wird zwar nicht veröffentlicht, wird aber bei L&G und GK Invest intern genutzt, um die Wirksamkeit der Faktoren zu überprüfen.

    Gibt es dafür einen Beleg? Dann würde aus der bloßen Behauptung etwas mit Glaubwürdigkeit.

  • Antizyklisch investieren. Funktioniert das?

    Dr. Andreas Beck verwaltet einen Fonds, in dem er rund 20 % der Assets „risikoarm“ hält. Diese Reserve wird in Krisen stufenweise bei stark gefallenen Kursen in den Aktienmarkt investiert. Die übrigen 80 % bleiben dauerhaft investiert.

    Dieser Ansatz verfolgt bewusst das Gegenteil dessen, was viele professionelle Vermögensverwalter mit Kundengeldern versuchen: In Krisen aus Aktien auszusteigen, um den „Schaden zu begrenzen“. In der Praxis geht dieses Markttiming häufig schief und führt langfristig zu einer starken Underperformance.

    Beck argumentiert, dass nach starken Kurseinbrüchen die erwartete Rendite für die Zukunft besonders hoch sei. Durch das gezielte antizyklische Nachinvestieren könne so eine Outperformance erzielt werden. (Anmerkung: Auch ich habe früher nach diesem Prinzip investiert.)

    1. Vorteile

    Einer der Hauptgründe, weshalb viele Portfolios von Privatanlegern scheitern, ist der Anleger selbst. In starken Markteinbrüchen bekommen viele „kalte Füße“ und verkaufen genau zum falschen Zeitpunkt.

    Die Anleger im Fonds von Andreas Beck verhalten sich nachweislich anders. Sie erwarten Krisen und starke Kurseinbrüche und rechnen bewusst mit antizyklischen Nachkäufen bei Kursrückgängen von z. B. –20 % oder –40 %. Statt panischer Anrufe gibt es sachliche Nachfragen, ob bereits nachinvestiert wurde. Auch Mittelabflüsse während eines Crashs bleiben aus. Die Anleger ,,bleiben bei der Stange".

    Damit haben diese Anleger den schwierigsten Gegner des Anlageerfolgs besiegt: sich selbst.


    2. Die nüchterne Wahrheit

    Die Aussage, dass die erwartbare Rendite nach einem starken Markteinbruch höher ist, ist richtig. Wer z.B. ausschließlich in Crashphasen investiert, erhält für dieses Kapital tatsächlich eine überdurchschnittliche zukünftige Rendite. Eine Überrendite.

    Das Problem liegt jedoch woanders:
    Das Kapital, das zwischen den Krisen in risikoarmen Anlagen gehalten wird, ist in diesen Phasen steigender Märkte nicht produktiv investiert. Es erwirtschaftet oft nicht einmal einen Inflationsausgleich. Die dadurch entgangene Rendite (Opportunitätskosten) ist langfristig höher als die Überrendite, die durch antizyklisches Investieren während eines Crashs und der Erholung erzielt werden kann.

    In der Gesamtbetrachtung des Portfolios führt dieser Ansatz daher langfristig zu einer geringeren Rendite, als wenn das Kapital dauerhaft vollständig im Aktienmarkt investiert wäre.

    Fazit: Antizyklisches Investieren ist psychologisch stark, aber mathematisch teuer.

    Der unten verlinkte Blogbeitrag und das Video belegen dieses Problem sehr anschaulich. Besonders das Video (zwar etwas nerdig, aber analytisch sauber) zeigt, warum es bessere Alternativen zum klassischen antizyklischen Ansatz gibt. Das Video ist auch unabhängig vom eigentlichen Thema sehr interessant, da es die Entwicklung verschiedener Aktienmärkte seit 1970 analysiert.

    "Buy the Dip" – Wie gut funktioniert diese Anlagestrategie?
    In diesem Beitrag analysieren wir die Buy the Dip-Anlagestrategie anhand historischer Zahlen.
    gerd-kommer.de

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  • Es ist halt ein Produkt, dass eine bestimmte Zielgruppe anspricht und gefunden hat. Der Aspekt daran, das Handeln in Krisenzeiten zu automatisieren und vor allem extern vornehmen zu lassen, ist sicherlich ein Pluspunkt. Zu den Opportunitätskosten muss man ehrlicherweise sagen, dass viele aus Gründen der eigenen Risikotragfähigkeit sowieso einen größeren Anteil in risikoärmeren Anlagen (Anleihen, Tagesgeld, Geldmarktfonds) halten werden. Insofern sind die Opportunitätskosten dann sowieso schon vorhanden. Ob die automatisierte Überwindung des eigenen irrationalen Handelns in Krisenzeiten dann allerdings die deutlich höhere TER rechtfertigt, muss man wohl für sich entscheiden. Das Problem mit den Dips ist ein bisschen wie bei den Faktoren. Ob es gut funktioniert, hängt davon ab, ob die zukünftige Marktentwicklung dem Modell des gewählten Ansatzes wohlgesonnen ist.

  • 2. Die nüchterne Wahrheit

    Die Aussage, dass die erwartbare Rendite nach einem starken Markteinbruch höher ist, ist richtig. Wer z.B. ausschließlich in Crashphasen investiert, erhält für dieses Kapital tatsächlich eine überdurchschnittliche zukünftige Rendite. Eine Überrendite.

    Das Problem liegt jedoch woanders:
    Das Kapital, das zwischen den Krisen in risikoarmen Anlagen gehalten wird, ist in diesen Phasen steigender Märkte nicht produktiv investiert. Es erwirtschaftet oft nicht einmal einen Inflationsausgleich. Die dadurch entgangene Rendite (Opportunitätskosten) ist langfristig höher als die Überrendite, die durch antizyklisches Investieren während eines Crashs und der Erholung erzielt werden kann.

    In der Gesamtbetrachtung des Portfolios führt dieser Ansatz daher langfristig zu einer geringeren Rendite, als wenn das Kapital dauerhaft vollständig im Aktienmarkt investiert wäre.

    Fazit: Antizyklisches Investieren ist psychologisch stark, aber mathematisch teuer.

    Witzig, dass „die nüchterne Wahrheit“ drübersteht … so „nüchtern“ und fachlich richtig ist das Fazit, das Du ziehst, nämlich gar nicht.

    Realistisch betrachtet, ist der Fonds ein 80/20-Fonds. Für Menschen, die eine niedrigere Aktienexposition und eine geringere Volatilität als bei einer 100-Prozent-Aktienanlage haben wollen. Und das funktioniert - er läuft ziemlich deckungsgleich mit dem 80/20-LifeStrategy-Fonds von Vanguard, mal ist der eine ein Bisschen vorne, mal der andere: https://www.fondsweb.com/de/vergleichen…75,IE00B3YLTY66. Und dass es was anderes ist als ein reiner Aktienfonds, dürfte unmittelbar einleuchten …

    Von daher ist der Fonds ein Anlagevehikel, das für die Leute passt, für die es konzipiert ist. Ist doch wunderbar!

  • Rd. 20 TEUR TER für die "Beratung" durch Hr. Kommer zu zahlen finde ich viel.

    Zusätzlich das Wegzugsbesteuerungsproblem einkaufen, nee...

    Bitte keine Politikwissenschaftler und kein Marcel Fratzscher mehr im TV.

    Satt 300k+ Neubauwohnungen brauchen wir 300k+ Abschiebungen, um schnellere Arzttermine zu ermöglichen und Stadt- und Gemeindeabgaben zu senken.

  • Zu den Opportunitätskosten muss man ehrlicherweise sagen, dass viele aus Gründen der eigenen Risikotragfähigkeit sowieso einen größeren Anteil in risikoärmeren Anlagen (Anleihen, Tagesgeld, Geldmarktfonds) halten werden. Insofern sind die Opportunitätskosten dann sowieso schon vorhanden.

    Das stimmt. Ich halte es jedoch für sehr wichtig, diesen schwankungsarmen Teil klar in Zweck und Quantität zu definieren. Was ich häufig sehe, sind schwammige Bezeichnungen für diesen Teil, die dann z. B. in Stressphasen opportunistisch umgedeutet werden.

    Ist es ein Notgroschen und wenn ja, wie definiert man einen „Notfall“?
    Ist es ein fixer Bestandteil des liquiden Portfolios, um die Volatilität zu senken?
    Ist es eine Liquiditätsreserve, um antizyklisch nachkaufen zu können?
    Oder ist es ein separater Topf, um das Renditereihenfolgerisiko in der Entnahmephase zu reduzieren?

    Manchmal sehe ich einen Notgroschen, der bei fallenden BTC-Kursen plötzlich zur Liquiditätsreserve wird und eine Asset-Allokation, die sich in Stressphasen ohne klaren Grund verändert.

    Auch hier gilt: KISS ist Trumpf. Wer in „normalen“ Zeiten einen genauen Fahrplan definiert, verhält sich in Krisen tendenziell rationaler.

    Ich finde die Grundidee von Beck grundsätzlich attraktiv, weil sie klare Regeln vorgibt. Sobald es die ersten stärkeren Kursrückgänge gibt, kann man beispielsweise einen limitierten Kaufauftrag bei −20 % in den Markt legen und später beim letzten Allzeithoch einen Verkaufsauftrag. Das ergibt psychologisch durchaus Sinn.

    Es bleibt jedoch Market Timing und wie sowohl im Video als auch im Blogbeitrag deutlich wird, ergibt es finanziell keinen Sinn.

  • Das stimmt. Ich halte es jedoch für sehr wichtig, diesen schwankungsarmen Teil klar in Zweck und Quantität zu definieren. Was ich häufig sehe, sind schwammige Bezeichnungen für diesen Teil, die dann z. B. in Stressphasen opportunistisch umgedeutet werden.

    Ist es ein Notgroschen und wenn ja, wie definiert man einen „Notfall“?
    Ist es ein fixer Bestandteil des liquiden Portfolios, um die Volatilität zu senken?
    Ist es eine Liquiditätsreserve, um antizyklisch nachkaufen zu können?
    Oder ist es ein separater Topf, um das Renditereihenfolgerisiko in der Entnahmephase zu reduzieren?

    Man muss unterscheiden zwischen Anlegern, die ein selbst gebasteltes Portfolio halten und nach dem Motto „hin und her - macht Taschen leer“ irrational handeln und dem hier vorliegenden Fonds. Bei diesem Fonds hier geht es um ein Anlagevehikel für Anleger, die eine geringerer Volatilität wollen als mit einem reinen Aktienfonds, und das voll dem risikoreichen Portfoliobestandteil zuzurechnen ist.

    Insofern ist Deine Kritik nicht richtig zutreffend.

  • Antizyklisch investieren. Funktioniert das?

    2. Die nüchterne Wahrheit

    Die Aussage, dass die erwartbare Rendite nach einem starken Markteinbruch höher ist, ist richtig. Wer z.B. ausschließlich in Crashphasen investiert, erhält für dieses Kapital tatsächlich eine überdurchschnittliche zukünftige Rendite. Eine Überrendite.

    Das Problem liegt jedoch woanders:
    Das Kapital, das zwischen den Krisen in risikoarmen Anlagen gehalten wird, ist in diesen Phasen steigender Märkte nicht produktiv investiert. Es erwirtschaftet oft nicht einmal einen Inflationsausgleich. Die dadurch entgangene Rendite (Opportunitätskosten) ist langfristig höher als die Überrendite, die durch antizyklisches Investieren während eines Crashs und der Erholung erzielt werden kann.

    Eine Investition in den GPO macht nur Sinn, wenn man eine Aktienquote von ca. 80 % oder weniger als passend für das eigene Risikoprofil betrachtet. Leute die maximale Rendite wollen, werden mit anderen Strategien besser fahren. Für diejenigen aber, die ohnehin mindestens 20 % in risikoarmen Anlagen halten wollen, ist das Thema Opportunitätskosten irrelevant.

    In der Gesamtbetrachtung des Portfolios führt dieser Ansatz daher langfristig zu einer geringeren Rendite, als wenn das Kapital dauerhaft vollständig im Aktienmarkt investiert wäre.

    Zweifellos richtig. Mit der gleichen Argumentation könntest Du allerdings auch ein gehebeltes Portfolio als bessere Alternative zum 100 % Aktien Depot darstellen.

    Der unten verlinkte Blogbeitrag und das Video belegen dieses Problem sehr anschaulich. Besonders das Video (zwar etwas nerdig, aber analytisch sauber) zeigt, warum es bessere Alternativen zum klassischen antizyklischen Ansatz gibt. Das Video ist auch unabhängig vom eigentlichen Thema sehr interessant, da es die Entwicklung verschiedener Aktienmärkte seit 1970 analysiert.

    Ich habe Zweifel, dass das Video analytisch sauber ist.

    Das beginnt schon damit, dass der Ersteller so tut, als ob die Regimes lediglich von der Diphöhe abhängen würden. Dem ist nicht so (wer es genauer wissen will kann gerne bei Beck nachlesen).

    Die nächste unsaubere Ecke habe ich gesehen als es darum ging zu definieren, was im "risikoarmen" Teil drin steckt und das auf längere Zeiträume zu übertragen. Auch das ist eine völlig unzulässige Vereinfachung des Konzepts. Ich habe meine Zweifel, dass man in Hochzinsphasen mit einem hohen Goldanteil gearbeitet haben würde. Dem Autor sind solche Zweifel fremd.

    Ein drittes was mir aufgefallen ist, sind meine Zweifel am maximalen Drawdown, der bei seiner Nachbildung der Historie die im Vergleich zu seiner selbst gebastelten Benchmark höher (also schlechter) war. So ein Ergebnis würde mich dazu bringen, die Kalkulation zu hinterfragen und zu überprüfen. Derartige Zweifel scheinen dem Autor nicht gekommen zu sein.

    Zweifellos kann man noch mehr Kritikpunkte finden. Ich bin übrigens nicht investiert in den GPO aber diese Art der Darstellung erscheint mir nicht fair.

    Wo ich hingegen übereinstimme ist, dass die Kosten für das Produkt zu hoch sind.

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