Ein KISS von Irving – Zielpfad: 5 auf 20 Mio €

  • Aber ich denke, 5% habe ich durch mein Zögern sicherlich verloren.

    Das geht noch. Seit dem Ende der Finanzkrise verharren viele Anleger ganz oder teilweise an der Seitenlinie. Mal erscheinen ihnen die Märkte zu hoch, mal die Weltlage zu unsicher. Die Argumente wechseln, doch die Konsequenz bleibt dieselbe: Der Einstieg wird immer wieder vertagt. Und andere haben ihr Vermögen mit einem popligen Welt-Indexfonds fast versechsfacht.

  • Das Thema Market Timing ist sehr gut untersucht und die Ergebnisse sind eindeutig: Es funktioniert nicht systematisch. Wenn es doch einmal funktioniert, ist es immer Glück.

    Sehe ich auch so. In meinem konkreten Fall war es der Liberation Day im April 2025, in dessen Folge ich günstiger einsteigen konnte als im Oktober 2024. Allerdings zeigt die Statistik auch, dass es eben häufiger mal Dips gibt...

    Auch das sehr hohe Cape Ratio im Oktober 2024 hat mich dazu bewogen nicht sofort all in zu gehen.

    Schon der Gedanke, man verfüge über bessere Informationen als professionelle Marktteilnehmer, ist problematisch. Genau dieser Gedanke schwingt jedoch oft mit, wenn man von weiter fallenden Kursen ausgeht.

    Das ist mir zu undifferenziert. Meine Strategie ist wie bspw. auch beim GPO prognosefrei und reagiert nur auf das tatsächliche Marktgeschehen mit vorher definierten Schwellenwerten, dazu brauche ich als Information nur die aktuellen Kurse. Das ist etwas anderes als die nähere bis mittelfristige Zukunft zu prognostizieren und an diesen Prognosen das Investitionsverhalten auszurichten.

  • Das ist mir zu undifferenziert. Meine Strategie ist wie bspw. auch beim GPO prognosefrei und reagiert nur auf das tatsächliche Marktgeschehen mit vorher definierten Schwellenwerten, dazu brauche ich als Information nur die aktuellen Kurse.

    Du solltest dir die Frage stellen, was deine Motivation für ein solches Vorgehen ist. Die Opportunitätskosten zwischen den Krisen sind nachweislich so hoch, dass du trotz antizyklischer Zukäufe in Krisenzeiten sehr wahrscheinlich eine Underperformance gegenüber einem vollständig investierten Ansatz erzielen wirst.

    Selbst eine risikoadjustiert höhere Rendite ist sehr unwahrscheinlich und das bereits vor Berücksichtigung von Kosten und Steuern. Ein statischer Ansatz ist empirisch überlegen, sowohl in Bezug auf das Risiko als auch auf die Rendite.

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    Es bleiben also nur die emotionalen ,,Vorteile". Wenn dir das klar ist, passt das natürlich.

    Zitat von Planschkuh

    Das ist etwas anderes als die nähere bis mittelfristige Zukunft zu prognostizieren und an diesen Prognosen das Investitionsverhalten auszurichten.

    Ich sehe das anders. Du hältst einen Liquiditätspuffer zurück, um in Krisen einzusteigen. Damit implizierst du, dass in Zukunft die Wahrscheinlichkeit höher ist, durch antizyklische Zukäufe einen Vorteil zu erzielen. Du versuchst also, dem Markt ein Schnippchen zu schlagen.

    Das ist und bleibt Market Timing. Und Market Timing ist immer eine Prognose. Nämlich die Annahme, dass Krisen in Zukunft häufig genug und in passendem Ausmaß auftreten, um die Opportunitätskosten zu überkompensieren oder zumindest einen statischen Ansatz nach Kosten und Steuern risikoadjustiert zu schlagen.

    Du kannst dir auch folgende Frage stellen. Das wäre auch eine gute Frage für Dr. Beck: Wenn antizyklisches Investieren in der Krise einen Vorteil hat, warum dann nur eine Liquiditätsreserve von 20% des Portfolios? Warum nicht 100%? Das wäre doch die logische Konsequenz.

  • Ich meine mich erinnern zu können, dass Irving mal eine Untersuchung gepostet hat, wonach das Timing nur in 30 Prozent der Fälle gelingt. Daraus habe ich abgeleitet, dass es durchaus Momente gibt (z.n. wenn die Panzer an der Ukrainischen Grenze stehen) an denen sich das zocken lohnt.

  • Ich meine mich erinnern zu können, dass Irving mal eine Untersuchung gepostet hat, wonach das Timing nur in 30 Prozent der Fälle gelingt. Daraus habe ich abgeleitet, dass es durchaus Momente gibt (z.n. wenn die Panzer an der Ukrainischen Grenze stehen) an denen sich das zocken lohnt.

    Ein systematischer Vorteil entsteht nur, wenn Informationen dem Markt nicht bekannt sind oder falsch interpretiert werden. Bekannte Informationen bieten keinen Vorteil.
    Kurse bewegen sich nicht wegen Nachrichten, sondern wegen falscher Erwartungen.
    Und die Wahrscheinlichkeit, dass man als Privatperson diese systematisch erkennt, ist praktisch null.

  • Du solltest dir die Frage stellen, was deine Motivation für ein solches Vorgehen ist. Die Opportunitätskosten zwischen den Krisen sind nachweislich so hoch, dass du trotz antizyklischer Zukäufe in Krisenzeiten sehr wahrscheinlich eine Underperformance gegenüber einem vollständig investierten Ansatz erzielen wirst.

    So eindeutig wie Du es darstellst ist es nicht. Wie diese Studie zeigt, ist die Einmalanlage in Rund 2/3 der Fälle im Vorteil:

    https://hqtrust.de/einmalanlage-oder-einstieg-in-raten/

    In der Studie wurde als Alternative der Betrag in 24 gleiche Tranchen aufgeteilt und innerhalb von zwei Jahren investiert.

    Mein Ansatz des one-sided-glidepath nutzt die Schwankungen am Aktienmarkt stärker aus, was die Chance der verteilten Anlage von 1/3 aus der Studie weiter erhöht.

    Als zusätzliche Komponente nutze ich die Buy-the-Dip Strategie. Dadurch habe ich die Chance von 1/3 aus der Studie ebenfalls weiter erhöht.

    Durch die Kombination dieser beiden Komponenten habe ich (bislang) eine höhere Rendite als bei der Einmalanlage erzielen können (s.o.).

    Zum Zeitpunkt der Entscheidung im Oktober 2024 habe ich mir den Aktienmarkt genauer angesehen. Langfristig war und ist er relativ teuer, was sich gut über das Cape Ratio darstellen lässt:

    Für mich relevanter war jedoch die kurzfristige Perspektive. Hier befand sich der Markt nach einem rund 12 Monate langen Bullenmarkt an einem ATH.

    Vor dem Hintergrund der Häufigkeit von Drawdowns (s.o.) habe ich mich dann gegen die All-in-Variante entschieden.

    Aus heutiger Sicht würde ich die Buy-the-Dip Strategie jedoch so ausgestalten, dass die vollständige Investition des Kapitals im Betrachtungszeit (27 Monate) realistisch ist (siehe Tabelle Häufigkeit Drawdowns). Dann wäre schon im April 2025 alles investiert gewesen.

  • So eindeutig wie Du es darstellst ist es nicht. Wie diese Studie zeigt, ist die Einmalanlage in Rund 2/3 der Fälle im Vorteil.

    Wenn du beim Roulette auf eine Farbe setzt, ist die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen 48,56%. Diese Wahrscheinlichkeit ist somit höher. Warum sollte man eine Strategie wählen, die nur in 1/3 der Fälle funktioniert?

  • 1. Wie oben dargestellt ist die Wahrscheinlichkeit meiner Strategie > 1/3.

    2. Die Wahrscheinlichkeit beim Roulette bleibt konstant, auch wenn zuvor 10x dieselbe Farbe kam. Die Kugel hat kein Gedächtnis. Die Entwicklung des Aktienmarktes resultiert mittelbar aus der Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Diese wächst nicht konstant sondern in Schüben.

    3. Beim Roulette ist der Einsatz weg wenn man auf die falsche Farbe setzt. Bei meiner Strategie die Rendite im schlechtesten Fall nur geringer. Tatsächlich ist sie bislang aber höher.

  • So eindeutig wie Du es darstellst ist es nicht

    An einigen Stellen hat Irving durchaus seine berechtigten Punkte. Diese werden von ihm jedoch derart überhöht und verallgemeinert und als unumstößliche wissenschaftliche Fakten dargestellt und verstanden, dass er daraus leider teils falsche Schlüsse zieht. Bedauerlicherweise ist er ausgesprochen Kritik-unfähig und ignoriert diese vorzugsweise.

    Eine dieser Stellen, wo er inkonsistent und deshalb auf einem falschen Dampfer ist:

    Er geht davon aus, dass eine zu hohe Bewertung der US-BigCaps und eine zu niedrige Bewertung der SmallCaps sicher prognostizierbar ist, und feiert deshalb den Kommer-ETF, der diese Marktsegmente unter- bzw. übergewichtet. Zugleich behauptet er aber vehement, dass eine Einschätzung des Bewertungsniveaus für den Gesamtmarkt nicht möglich ist.

    Die beiden Punkte passen so vehement und eindeutig vorgetragen nicht zusammen.

  • 1. Wie oben dargestellt ist die Wahrscheinlichkeit meiner Strategie > 1/3.

    2. Die Wahrscheinlichkeit beim Roulette bleibt konstant, auch wenn zuvor 10x dieselbe Farbe kam. Die Kugel hat kein Gedächtnis. Die Entwicklung des Aktienmarktes resultiert mittelbar aus der Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Diese wächst nicht konstant sondern in Schüben.

    3. Beim Roulette ist der Einsatz weg wenn man auf die falsche Farbe setzt. Bei meiner Strategie die Rendite im schlechtesten Fall nur geringer. Tatsächlich ist sie bislang aber höher.

    1. Genau. Es gibt eine Strategie, die eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 2/3 hat und du wählst die, die nur 1/3 hat.


    2. Die Entwicklung der Aktienmarkts als Resultat der Gesamtwirtschaft ist kein Alleinstellungsmerkmal von Buy-The-Dip und hat keine Relevanz bei der Beurteilung welche Strategie eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Erfolg hat (falls man ,,Erfolg“ mit höherer risikoadjustierter Rendite übersetzt).

    3. Deine Rendite wird auf lange Sicht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geringer sein. Wenn dir das bewusst ist, passt das. Wenn du allerdings denkst, dass du gegen die Mathematik gewinnen kannst, bist du auf dem Holzweg.

  • Die oben verlinkten Studie umfasst einen Zeitraum von rund 50 Jahren und beinhaltet 609 Simulationen. Dabei war es wie schon gesagt in 2/3 der Fälle vorteilhaft sofort alles zu investieren.

    Jetzt wäre es ganz interessant zu wissen, wie das Verhältnis bei der Teilmenge an Simulationen ausfällt, die an einem ATH starten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte die All-in-Variante nicht mehr mit 2/3 vorne liegen...

  • Planschkuh Du solltest dich dem Thema über die Opportunitätskosten der Liquiditätsreserve und der Equity Prämie nähern. Es ist sachlogisch praktisch unmöglich, dass Buy-The-Dip langfristig ein besseres Ergebnis liefert, wenn man emotionale Faktoren ausblendet.

  • An einigen Stellen hat Irving durchaus seine berechtigten Punkte. Diese werden von ihm jedoch derart überhöht und verallgemeinert und als unumstößliche wissenschaftliche Fakten dargestellt und verstanden, dass er daraus leider teils falsche Schlüsse zieht. Bedauerlicherweise ist er ausgesprochen Kritik-unfähig und ignoriert diese vorzugsweise.

    Eine sehr zutreffende Beschreibung. Darüber hinaus sind die Argumente auch hinreichend ausgetauscht und glücklicherweise kann ja jeder seine eigenen Anlageentscheidungen treffen.:)

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