Freistellungsauftrag jährlich durch Verkäufe nutzen und direkt reinvestieren sinnvoll?

  • Hallo zusammen,

    ich investiere aktuell in zwei ETFs für meine Altersvorsorge.(Anlagezeitraum soll ca.30 Jahre betragen)

    In dem Zusammenhang habe ich Fragen zum Freistellungsauftrag:
    Lohnt es sich, jedes Jahr den Sparer-Pauschbetrag auszunutzen, indem man Anteile mit Gewinn verkauft, um die Kursgewinne steuerfrei zu realisieren, und das Geld anschließend direkt wieder reinvestiert?

    Hat es einen Nachteil, wenn der ETF-Kurs beim Rückkauf höher ist als der Kurs, zu dem ich ursprünglich die Anteile gekauft habe (die ich zuvor verkauft habe, um den Freistellungsauftrag zu nutzen)? Verschlechtere ich mir dadurch langfristig meine Rendite oder Einstandskurse?

    Vielen Dank im Voraus und Grüße!

    Matteo

  • Ja, es bringt einen kleinen Vorteil. Sollte man halt nicht in besonders volatilen Marktphasen machen. Oder in handelsschwachen Zeiten (großer Spread)

    Und man muss natürlich die Kosten im Auge behalten. Bei einem Neobroker kein Problem aber z.B. bei der ING oder Comdirect wird der Vorteil schnell durch Verkauf und Kaufgebühr aufgefressen.

    Ansonsten, ne gute Idee.

  • Ich habe da doch letztens gerade ein YouTube Video von Finanztip zu gesehen

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    Ich meine, das Resultat war, es lohnt sich kaum. Zumindest war es den Aufwand nicht wert.

  • In diesem Video ging es aber meines Wissens um die Frage, ob man Ausschütter oder Thesaurierer nehmen soll.

    Ich würde mich nicht zu sehr an diesem Video orientieren, weil es inhaltlich einfach nicht gut gemacht ist und auch Fehler enthält.

  • Zumindest war es den Aufwand nicht wert.

    Die Frage ist ja immer wie groß Dein Aufwand ist.
    Ich habe ca. 10 Minuten gebraucht um anhand meiner Excel-Liste auszurechnen wie viele Anteile ich verkaufen muss um den vorhandenen Feibetrag möglichst optimal auszunutzen.
    Anschließend dann die Verkaufsorder eingestellt/ausgeführt und meinen Sparplan angepasst, damit ich am nächsten Tag gleich wieder entsprechend nachkaufe.
    Aufwand für Alles maximal 20 Minuten. Dafür dann aber auch rund 250€ verdient (nach allen Kosten!). Kein so schlechter Stundenlohn. :/

    Nur das war zu einer Zeit als es keine Zinsen und folglich auch keine Vorabpauschale gab. Als es wieder Zinsen gab, war der Gewinn dann schon kleiner. Und als die Vorabpauschale dazu kam war es dann noch weniger. Inzwischen frisst die Vorabpauschale eh meinen kompletten Freibetrag und ich darf noch zuzahlen.
    Aber wenn die Vorabpausale in einem Jahr wieder mal ausfällt werde ich trotzdem mal überschlagen wie viel Geld ich so herausholen kann. Man sollte schon versuchen den Freibetrag in jedem Jahr auszuschöpfen.
    Und wenn es nur 50€ sind bei 20 Minuten Arbeit wären, wäre es mir den Aufwand wert.
    JustMy2Cent

  • Hat es einen Nachteil, wenn der ETF-Kurs beim Rückkauf höher ist als der Kurs, zu dem ich ursprünglich die Anteile gekauft habe (die ich zuvor verkauft habe, um den Freistellungsauftrag zu nutzen)?

    Nein, hat es nicht. Das Ganze (Sparerpauschbetrag ausnutzen) macht ja nur dann Sinn, wenn die Kurse seit Kauf (Kurs 100) gestiegen sind und man durch den Verkauf Gewinne realisiert. Man realisiert also in Schritt 1 den Gewinn (Kurs 110, Gewinn 10) und kauft in der nächsten logischen Sekunde im Idealfall wieder zu 110.

    Verschlechtere ich mir dadurch langfristig meine Rendite oder Einstandskurse?

    Es kommt auf die gewählte Rendite-Berechnung an.

    Wenn du die Rendite für die aktuell gehaltenen Anteile meinst, dann sinkt die natürlich im Vergleich zu dem Fall, dass du zwischendurch nicht Gewinne realisierst. Aber das ist kein sinnvoller Vergleich. Du müsstest ja zwei Alternativen vergleichen:

    a) buy and hold ohne Ausnutzung des Freibetrages

    b) zwischenzeitliche Verkäufe unter Ausnutzung des Freibetrages

    Und für beide dann eine Betrachtung für diesen ETF über die gesamte Zeit (seit Kauf des ersten Anteils bis jetzt oder bis Verkauf des letzten Anteils).

    Für die Rendite der Variante b) darfst du dann natürlich nicht nur die Kurssteigerung der gehaltenen Anteile betrachten sondern auch die realisierten Gewinne der verkauften Anteile.

    Der gemittelte Einstiegskurs (der jeweils gehaltenen Anteile) wird natürlich schon verändert, im geschilderten Idealfall erhöht. Aber das bedeutet ja nicht per se verschlechtert. Wie gesagt, die gesamte Rendite müsstest du dann inkl. der zwischenzeitlichen Verkäufe betrachten und nicht alleine aus dem gemittelten Einstiegskurs ableiten.

    Das Thema Vorabpauschale hast du schon berücksichtigt? Ab einem gewissen Fondsvolumen wird der Sparerpauschbetrag ja bereits voll oder zum Teil durch die Vorabpauschale "aufgezehrt".

  • Ich mache dies jedes Jahr und nutze den Freibetrag bestmöglich aus.

    Das Geld das ich raushole, wird im Januar dann wieder investiert (inkl. Gebühren die ich bezahlt habe). Zwischdurch liegt es auf dem TG- Konto und verdient ein paar Zinsen.

    Theoretisch ist es in D legitim, innerhalb eines Tages zu verkaufen und zu kaufen, in den USA muss man min 1 Woche warten (gefährliches Halbwissen!).

    Achung: Stichtag 15.12. das Jahres (wurde in einem Podcast letztens erwähnt.

  • Theoretisch ist es in D legitim, innerhalb eines Tages zu verkaufen und zu kaufen, in den USA muss man min 1 Woche warten (gefährliches Halbwissen!).

    Entscheidend ist, dass Du nicht mit Dir selbst handelst. Also die verkauften Anteile unter Umgehung eines tatsächlichen Verkaufs über einen Handelsplatz direkt wieder in Dein Depot gekauft werden. Das wäre illegal (Wash Sale).
    Sprich ein eigentlicher Handel hat gar nicht statt gefunden. Handel beinhaltet ja auch immer das Risiko einer Kursänderung zwischen Verkauf und erneutem Kauf. Und bei geringem Handelsvolumen/Angebot eines Wertpapiers ist es ja durchaus möglich, dass Du die verkaufen Wertpapiere nicht mehr zu einem ähnlich guten Kurs neu kaufen kannst.
    Solche Fälle gab es wohl in der Vergangenheit hin und wieder, dürfte aber für uns 'Normalos' die bei den üblichen Brokern Kunde sind, gar nicht möglich sein.

    Wenn Du verkaufst und die Order im Orderbuch Deines Brokers als ausgeführt angezeigt ist, kannst Du auch direkt danach wieder Anteile zurück kaufen. Da ist steuerrechtlich Alles einwandfrei.

    Und was in den USA gilt, dürfte für einen deutschen Anleger eher nicht von Interesse sein.;)

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