Thesaurierende Fonds

Mit thesaurierenden Fonds Erträge direkt wieder anlegen

Hendrik Buhrs
Finanztip-Experte für Bank und Börse
16. Februar 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Fonds können auf zwei Arten mit Aktiendividenden und Anleihezinsen umgehen: Du kannst Dir die Erträge entweder ausschütten lassen oder wieder anlegen (Fachbegriff: Thesaurierung).
  • Thesaurierende Fonds sind für Anleger geeignet, die Vermögen aufbauen wollen und regelmäßige Erträge nicht benötigen.
  • Auf alle Erträge fällt Abgeltungssteuer an. Oft wird sie direkt einbehalten.
  • Bei ausländischen thesaurierenden Investmentfonds müssen Anleger die Erträge jedoch selbst in der Steu­er­er­klä­rung angeben.
  • Ab 2018 werden alle Fondsarten anhand einer Pauschale besteuert. Anleger haben dann weniger Arbeit mit der Steu­er­er­klä­rung.

Fonds investieren ihr Geld meist in Wertpapiere, die laufende Erträge erwirtschaften. So werden auf Aktien üblicherweise Dividenden gezahlt, auf Anleihen Zinsen. Der Gewinn kann entweder direkt an die Anleger weitergeleitet oder wieder angelegt werden. In letzterem Fall spricht man auch von Thesaurierung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um herkömmliche Fonds oder um sogenannte ETFs handelt, mit denen Du günstig in Wertpapiere anlegen kannst.

Wie unterscheiden sich ausschüttende und thesaurierende Fonds?

Unabhängig davon, in welche Wertpapiere der Fonds investiert, lässt er sich in zwei Kategorien einteilen:

Ausschüttende Fonds - Sie schütten ihre Erträge an die Inhaber der Fondsanteile aus. Viele Fondsgesellschaften machen das einmal im Jahr, manche aber auch quartals- oder monatsweise.

Thesaurierende Fonds - Sie legen das erwirtschaftete Geld wieder an. Das hat zur Folge, dass sich der Wert des Fonds um die zugeflossenen Erträge erhöht.

Die Option Thesaurierung kommt infrage, wenn Du langfristig Vermögen aufbauen willst und nicht auf laufende Erträge angewiesen bist. Willst Du dagegen regelmäßig Zahlungen aus Deiner Geldanlage auf Deinem Konto gutgeschrieben haben, solltest Du Dich für einen ausschüttenden Investmentfonds entscheiden.

Wann ist Abgeltungssteuer zu zahlen?

Grundsätzlich gilt für Besitzer thesaurierender wie ausschüttender Fonds, dass laufende Erträge unter die Abgeltungssteuer fallen. Allerdings kommt es darauf an, wann der Fonds die Einnahmen als erwirtschaftet verbucht. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Zeitpunkte, zu denen die Steuer fällig wird.

Bei ausschüttenden Fonds erzielt der Anleger sein steuerpflichtiges Einkommen am jeweiligen Auszahlungstag. Die Abgeltungssteuer wird sofort einbehalten. Ein thesaurierender Fonds verbucht die Erträge erst am Ende des Geschäftsjahres als steuerlich zugeflossen. Die Finanzbehörden sprechen hier von „ausschüttungsgleichen Erträgen“. Bei in Deutschland ansässigen Fonds geht die Steuer aus dem Fondsvolumen ab. Bei ausländischen Fonds musst Du die Erträge in ein extra Feld in der Steu­er­er­klä­rung eintragen, wie wir im Folgekapitel erläutern.

Wenn Du einen Freistellungsauftrag bei Deiner Depotbank einreichst, wird die Abgeltungssteuer bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags von 801 Euro pro Jahr nicht automatisch an das Finanzamt abgeführt. Das gilt für ausschüttende und thesaurierende Fonds.

Was tun, wenn Du ausländische thesaurierende Fonds hast?

Bei einem thesaurierenden Fonds, der im Ausland aufgelegt ist, musst Du auf einige Besonderheiten achten.

Erträge selbst deklarieren - Ausländische thesaurierende Fonds sind nicht dazu verpflichtet, die Abgeltungssteuer einzubehalten und an den deutschen Fiskus abzuführen. Der Freistellungsauftrag ist auf diese Kapitalerträge somit nicht anwendbar. Als Anleger musst Du jedes Jahr in Deiner Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung die Dividendenerträge, genauer die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge, in der Anlage KAP angeben.

Sie unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Am Ende des Jahres erhältst Du von Deiner Depotbank eine Jahressteuerbescheinigung, aus der Du entnehmen kannst, welche Erträge angefallen sind und wo in der Anlage KAP Du diese eintragen musst.

Auch auf Quellensteuer achten - Neben der Abgeltungssteuer, die beim Sparer abgezogen wird, fällt auch die sogenannte Quellensteuer auf die Dividenden an. Sie wird in dem Staat, in dem das die Dividende auszahlende Unternehmen sitzt, direkt an die Steuerbehörde abgeführt. Der Fonds erhält lediglich die Nettodividende ausgezahlt, zuzüglich eines etwaigen Erstattungsanspruchs.

Beispielsweise wird bei einem in Deutschland aufgelegten Fonds, der den Euro Stoxx 50 nachbildet, Quellensteuer nach Belgien abgeführt, weil die Aktie des belgischen Bierbrauers Anheuser Busch im Euro Stoxx 50 vertreten ist. Oft lässt sich die Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Auch diesen anrechenbaren Betrag weist Dir Deine Onlinebank oder Dein Broker in der Jahressteuerbescheinigung aus. Du solltest den Betrag ebenfalls in der Anlage KAP angeben.

Eine doppelte Besteuerung vermeiden - Als Inhaber thesaurierender Auslandsfonds musst Du noch auf eine weitere Besonderheit achten – und zwar dann, wenn Du Deine Fondsanteile verkaufen willst. Dann fällt nämlich wieder Abgeltungssteuer an. Die Steuer wird sowohl für Erträge aus dem Wertzuwachs aufgrund von Kurssteigerungen als auch durch wiederangelegte Erträge einbehalten. Die inländische Depotbank führt beim Verkauf die Abgeltungssteuer an den Fiskus ab. Das macht die Depotbank auch dann, wenn Du als Anleger bereits Jahr für Jahr die thesaurierten Zins- und Dividendenerträge in Deiner Steu­er­er­klä­rung angegeben hast.

Wenn Du den Fonds über viele Jahre hattest, kann dies beim Verkauf zu hohen Steuerabzügen führen. Und zwar auch auf die Gewinne, die Du bereits versteuert hast. Um das zu vermeiden, musst Du als Anleger in der Steu­er­er­klä­rung des Verkaufsjahres diese überhöhten Abzüge zurückfordern und nachweisen, dass Du in den Vorjahren die laufenden Erträge bereits berücksichtigt hast. In diesem Fall solltest Du sicherheitshalber Deine Jahressteuerbescheinigungen und Anlagen KAP über längere Zeit aufheben.

Ab 2018 ändert sich die Besteuerung

Im Juli 2016 hat der Bundesrat eine Reform des Investmentsteuergesetzes verabschiedet, die 2018 in Kraft tritt. Demnach ändert sich die Systematik der Besteuerung von Investmentfonds grundlegend. Die Besteuerung aller Fondsarten nähert sich an: Künftig dient eine pauschale Wertsteigerung als Bemessungsgrundlage für die Abgeltungssteuer (sog. Vorabpauschale). Ausführliche Informationen zur neuen Besteuerung und Rechenbeispiele findest Du in unserem Detailartikel zum Investmentsteuerreformgesetz.

Die Vorabpauschale ergibt sich, indem man den Wert des Fondsanteils zu Jahresbeginn mit der risikofreien Mindestverzinsung, dem sogenannten Basiszinssatz, multipliziert. Davon geht eine Kostenpauschale in Höhe von 30 Prozent ab. Der Basiszins wird einmal im Jahr vom Finanzministerium veröffentlicht und liegt aktuell bei 1,1 Prozent. Sollte die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds in einem Jahr geringer sein als die Pauschale, gilt diese Wertsteigerung als Bemessungsgrundlage.

Bei ausschüttenden Fonds wird die tatsächlich gezahlte Dividende berücksichtigt und mindert die Pauschale. Bei thesaurierenden Fonds greift nur noch die Pauschale – sie ersetzt die bisherigen „ausschüttungsgleichen Erträge“ komplett. Ansprüche auf Erstattung der Quellensteuer für den Privatanleger entfallen. Je nach Fondsart wird zudem nur ein Teil der Pauschale als Bemessungsgrundlage angesetzt (Teilfreistellung). Bei reinen Aktienfonds beträgt die Teilfreistellung 30 Prozent. Eine Beispielrechnung findest Du in unserem Blog-Artikel.

Wer thesaurierende ausländische Fonds besitzt, hat es künftig einfacher: Es ist nicht länger nötig, die ausschüttungsgleichen Erträge samt der Quellensteueranrechnung aus der Jahressteuerbescheinigung der Bank separat abzulesen, in die Steu­er­er­klä­rung zu übertragen und alle Unterlagen bis zum Verkauf des Fonds als Nachweis für eine korrekte Besteuerung aufzubewahren. Stattdessen wird die Abgeltungssteuer auf die Pauschale fällig und von der Depotbank direkt von dem zum Depot gehörigen Verrechnungskonto abgeführt. Sofern sie 801 Euro nicht übersteigt, greift allerdings der Freibetrag. Bei Verkauf werden sämtliche versteuerte Pauschalen mit dem Verkaufserlös verrechnet. Anleger müssen dafür keine extra Unterlagen aufbewahren. 

Spezialfall ETFs

Das Ziel von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) ist es, die Wertentwicklung von existierenden Indizes, zum Beispiel dem deutschen Aktienindex Dax, abzubilden. Manche ETFs kaufen dafür nahezu alle Aktien, die im Index vertreten sind, nach. Das sind sogenannte physisch-replizierende ETFs. Andere ETF-Anbieter lassen sich die Indexentwicklung von einer Bank zusichern; sie kaufen sich die Wertentwicklung über ein Tauschgeschäft ein. Das sind synthetische ETFs. Worin sich die beiden ETF-Arten genau unterscheiden, liest Du im Ratgeber ETFs.

Bislang hatten synthetisch-thesaurierende ETFs einen Steuervorteil gegenüber physisch-thesaurierenden Indexfonds. Weil in der synthetischen Indexkopie keine ausschüttungsgleichen Erträge ausgewiesen waren, mussten Anleger zwischendurch nichts versteuern und sich damit auch nicht um die Steuerdokumentation kümmern.

Mit der Novelle des Investmentsteuergesetzes möchte der Gesetzgeber diese Ungleichheit aufheben. Ab 2018 müssen auch Anleger in synthetisch-thesaurierende ETFs jährlich Abgeltungssteuer bezahlen. Bemessungsgrundlage ist eine Pauschale, die sich an der Wertsteigerung des Fonds und am Basiszins des Bundesfinanzministeriums bemisst. Wie bei physischen ETFs dürfte eine sogenannte Teilfreistellung Anwendung finden. Demnach würden nur 70 Prozent der Pauschalen und des Verkaufserlöses besteuert. Ein Beispiel für die gegenwärtige und künftige Besteuerung von Aktien-ETFs findest Du in unserem Blog-Beitrag

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

  • Mit dem richtigen Wertpapierdepot zahlst Du wenig fürs Kaufen und Verkaufen von Aktienfonds (ETFs).
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