Praxiserfahrungen mit E-Auto

  • Anderer Punkt ist halt die Reichweite und Lade- bzw Tankgeschwindigkeit. Der Basisbenziner steckt hier die teuerste Elektrovariante locker in die Tasche. Ob das ein relevanter Faktor ist, hängt vom Fahrprofil ab

    Abends einfach zu Hause in der Garage anstecken und am nächsten Morgen stehen realistische 400-500 km Reichweite bereit. Währenddessen fährt der Verbrenner weiter zur Tankstelle, um fossilen Stoff aus Schurkenstaaten nachzukaufen.

    Unterwegs reichen am Schnelllader 10-15 Minuten. Und am Wochenende lädt das Auto im besten Fall direkt mit Solarstrom vom eigenen Dach. Fast kostenlos. Ich kenne kein ,,Fahrerprofil", das täglich ohne Pause 1000 km fährt.

    99 % der Autofahrer nutzen ihr Auto für den Alltag: zur Arbeit fahren, einkaufen, Kinder herumkutschieren. Dafür braucht man im Normalfall keine 200 km Reichweite am Tag.

    Sorry, aber das „Tanken ist praktischer als Laden“-Argument wirkt inzwischen ziemlich konstruiert. Genau diese Verbrenner-Mentalität ist aus meiner Sicht auch ein Grund, warum Deutschland bei der Elektromobilität so hinterherhinkt. Siehe hier.

    https://www.watson.ch/digital/china/…inuten-ladezeit

    Ich finde diese typisch deutsche Haltung inzwischen einfach nur noch ermüdend: Alles Neue wird erst einmal schlechtgeredet, zerredet und mit Bedenken zugeschüttet.

    Beim Internet hieß es jahrelang, das brauche kein Mensch. Bei Digitalisierung und Glasfaser wurde gepennt. Bei KI erklärt man lieber, warum alles angeblich nicht funktioniert, statt einfach mal Tempo zu machen. Beim Thema ,,Bezahlen" sind wir abhängig, weil alles viel zu kompliziert sei. Und bei der E-Mobilität läuft gerade exakt derselbe Film ab.

    Während andere Länder Ladeinfrastruktur bauen, Batterietechnik entwickeln und Zukunftsmärkte besetzen, diskutieren wir hier ernsthaft noch darüber, ob man „wegen 5 Minuten Tanken“ lieber weiter Öl verbrennen sollte.

    Der Deutsche sucht oft zuerst das Problem. Das Ausland baut währenddessen längst die Lösung.

    Und genau deshalb hinken wir bei so vielen Zukunftsthemen hinterher: zu viel Meckern, zu wenig Machen.

  • Abends einfach zu Hause in der Garage anstecken und am nächsten Morgen stehen realistische 400-500 km Reichweite bereit.

    Welches Elektroauto schafft wirklich 500km im Winter aus einer Ladung? Nicht im Stadtverkehr, sondern hauptsächlich Autobahn. Sieger des diesjährigen ADAC Wintertest war der A6 mit 441km. Die Masse der Autos, wohlgemerkt alle schon in Ausführung mit großen Akkus, sortiert sich eher bei 300-330km ein und Verbräuchen um die 25kWh/100km (was dann Stromkosten von mindestens 10c/km plus Ladevertrag bedeutet, aber das nur am Rand). Im Vorjahr schaffte die 500km der EQS als einziger...ein Irving zahlt so ein Auto aus der Portokasse, aber ein Normalo erreicht das nichtmal mit einem Bruttojahresgehalt.

    Also bitte...mal realistisch bleiben. Mit den 50er Akkus sind eher gute 200km realistisch, mit einem 60er Akku rund 250km. Man fährt das Ding ja nicht bis in die versteckte Reserve und Degradation kommt auch dazu. 200-250km sind aber eben dann auch im Bereich des Alltags. Ein Tagesausflug zum Skifahren reißt das locker. Und das ist - zumindest für einen gewissen Teil der Bevölkerung - auch Alltag. Mit großen Akkus kann man das Problem zu größeren Teilen lindern, aber das geht halt gehörig aufs Geld und z.B. ein Enyaq 80 wäre unter Berücksichtigung aller Faktoren auch schon hart an der Grenze für einen Skitag in Flumserberg. 335km Rundtrip, größtenteils Autobahn und Bundesstraße. Und vor Ort nachladen klappt in der Theorie. In der Praxis stehen in Tannenheim 4 Lader zu kosten ab 60c/kWh und die verlangen nach 4-6h Blockiergebühren. Noch schwieriger wirds, wenn ich nicht ins Skigebiet gehe, sondern für Skitouren auf irgendwelchen Wanderparkplätzen stehe.


    Wie gesagt, das ist nicht für jeden relevant. Aber das einfach abbügeln mit "jeder hat 400km Reichweite" tut dem auch keinen Gefallen. Die Leute merken, wenn sie verarscht werden. Es ist letztendlich ein Zahlenspiel. Einen neuen Octavia Diesel bekomme ich für gute 30k. Spritkosten meines O3 sind aktuell 8-9c/km, im Februar waren es 7c. Ein Elektroauto käme mit 20% Fremdladung (60c/kWh=12c/km), 40% Netzstrom (30c/kWh=6c/km) und 40% PV (8,2c/kWh=1,64c/km) auf einen Schnitt von 5,56c/km. Jetzt kann man ein bisschen mit den Zahlen spielen und etwas mehr oder weniger PV ansetzen oder ein bisschen an der Fremdladung. Das Ergebnis ändert sich nicht wesentlich. Viel Spielraum für einen Elektro-Aufpreis ergibt sich da nicht.

    Damit das Elektroauto eine Chance hat, muss ich einen neuen Diesel gegen ein gebrauchtes Elektroauto vergleichen und dann ist man halt auf dem technischen Stand von vor 3-4 Jahren und einem relativ dünnen Markt. So ein Enyaq 80 als Leasingrückläufer ist dann im Bereich des neuen Octavia, hat aber halt schon 40-50 000km runter, den ineffizienteren Motor als der aktuelle 85er und der Akku einen SoH von ~91%. Zumindest bei den Autos, die überhaupt ein Zertifikat einstellen...rund 80% machen ein Geheimnis aus dem Akkuzustand. Das wird sich die nächsten Jahre verbessern, wenn mehr gute Modelle auf den Gebrauchtmarkt kommen (ID7 wäre ja aktuell mein Favorit, bessere Aerodynamik als Kombi und die paar kWh mehr vom Pro S machen für mich den Unterschied) und die Elektroautos sich weiter dem Verbrenner annähern. Aber aktuell gibt es einfach noch einen größeren Bereich, in dem sich das Elektroauto nicht rechnet. Ironischerweise genau in der Nische, Wert auf geringe TCO legt und bisher schon ein sparsames Vernunftauto fährt.

  • LebenimSueden

    Ich habe nie behauptet, dass jedes Elektroauto 400km Reichweite im Winter hat. Ich sage lediglich, dass die meisten Menschen mit der Reichweite der aktuell verfügbaren Elektroautos völlig zurechtkommen.

    Diese ständigen Urlaubs- und Skiurlaub-Extrembeispiele finde ich ehrlich gesagt eine ziemlich primitive Art zu diskutieren. Das ist leider typisch deutsch: In jedem Bereich wird sofort mit irgendwelchen Sonderfällen argumentiert, damit man sich mit der eigentlichen sachlichen Diskussion gar nicht mehr beschäftigen muss. Als wenn es im Allgäu keine Schnellladestationen gäbe. :rolleyes:

    Und beim Thema Laden habe ich komplett andere Erfahrungen gemacht. Zuhause lade ich für 0,28 € pro kWh, über die Solaranlage sogar für etwa 7 Cent. An öffentlichen Ladesäulen zahlt man als normaler Nutzer mit Ladetarif nicht mehr als 0,46 €, bei EnBW teilweise sogar nur rund 0,36 € – inklusive Schnellladen. Und die Säulen stehen mittlerweile wirklich überall. Warum ist das so? Normal denkende Menschen haben eine Ladekarte. ;)

    Damit kommst du mit einem Benziner preislich nicht einmal ansatzweise mit. Und selbst wenn das Elektroauto am Ende (inkl. Steuerfreiheit, geringerer Wartung, THG-Prämie, günstigere Versicherung usw.) etwas teurer wäre, bleibt es für mich trotzdem das bessere und angenehmere Auto.

    Ich kenne keinen einzigen Menschen, der elektrisch fährt und sich ernsthaft einen Verbrenner zurückwünscht. Ich kenne dagegen unglaublich viele Verbrenner-Befürworter, die den ganzen Tag über Elektroautos schimpfen, obwohl sie selbst nie wirklich Erfahrung damit gesammelt haben.

    Das Thema Verbrenner ist aus meiner Sicht schlicht durch.

    Übrigens: Zum Thema ,,Wie lange hält der Akku“ und ,,Was ist wartungsärmer“ ist die Studienlage ziemlich klar: Das Elektroauto ist schlichtweg besser. Und das sagen nicht Öko-Freaks, sondern Automobilclubs und Universitäten.

  • Ich habe nie behauptet, dass jedes Elektroauto 400km Reichweite im Winter hat. Ich sage lediglich, dass die meisten Menschen mit der Reichweite der aktuell verfügbaren Elektroautos völlig zurechtkommen.

    Lies nochmal die #242. Da steht nicht "wenige, sehr teure Elektroautos haben 400-500km Reichweite", was ehrlich gewesen wäre. Und wenn wir auf die reale Reichweite eines typischen Elektroautos mit 50-60kWh gehen, dann sind wir eben bei den erwähnten 200-250km. Und das ist dann ein Bereich, den man nicht nur für den einen Urlaub im Jahr überschreitet.

    Zum Thema Ladekarte...rentiert sich nicht. Schlicht und einfach. Von meinen 25 000km im Jahr wären das rund 1000kWh Fremdladen. Macht einmal 400€ plus 144€ Grundgebühr mit EnBW Ladekarte und einmal 600€ Ad-Hoc. Mit der EnBW-Ladekarte bin ich aber drauf angewiesen, dass alle meine Ladungen dort stattfinden. Und jetzt rufen wir einfach mal die Mobility App auf und schauen, wo es denn überall Lader gibt und wo nicht. Keine Lader der EnBW gibt es beispielsweise in der Schweiz oder in Vorarlberg. Dummerweise genau die Bereiche, wo ich einen bräuchte. Ein paar versprenkelte gibt es in Norditalien. Die Fahrt nach Rimini wirst du rein mit der EnBW ebenso wenig hinbekommen, wie Kroatien. Ebenso Skandinavien und Benelux. Und damit sind wir halt genau beim Problem mit den Ladeverträgen...den Schnelllader braucht man nicht zu Hause, sondern unterwegs. Und dann kommt man nur selten mit einem einzigen Vertrag aus, mehrere Verträge sind aber teurer als Ad-Hoc.

    Ich kenne keinen einzigen Menschen, der elektrisch fährt und sich ernsthaft einen Verbrenner zurückwünscht.

    Survivorship-Bias ist dir bekannt? Alle, für die ein Elektroauto nicht attraktiv ist, kaufen sich erst gar keins. Es hat seine Gründe, warum der Anteil Eigenheimbesitzer bei den Elektrofahrern sehr weit über Durchschnitt liegt. Und man braucht kein Studium, um einfach mal die Fahrten des letzten Jahres durchzugehen und auszurechnen, wie gut das klappen würde. Daten gibt es mittlerweile genug.

    Deine Blase ist übrigens nicht repräsentativ, es gibt zahlreiche Elektrofahrer, die nicht dabei bleiben.

    https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/edmund…-verbrenner-v3/

    https://www.spiegel.de/mobilitaet/huk…8c-575d5001b435

  • Vielleicht einfach mal den Bedarf checken, brauch ich jeden Tag 500km weil ich z.B. im Aussendienst bin oder fahre ich am Tag vielleicht nur 40 oder 50km und nur hin und wieder mal mehr als 100km. Den das ist in Deutschland das häufigste Profil. Warum soll ich einen riesigen Akku kaufen und bezahlen wenn es locker auch der kleinere tun würde und bei einer Urlaubsfahrt muss ich halt zweimal anstatt einmal an den Schnelllader. Hier werden Probleme diskutiert die es draussen im echten Leben nicht gibt.

    Gruß von einem E-Autofahrer mit 52kWh Akku und Reichweite damit von rund 350 km.

  • Die Fahrt nach Rimini wirst du rein mit der EnBW ebenso wenig hinbekommen, wie Kroatien. Ebenso Skandinavien und Benelux.

    Genau das meine ich mit „Extrembeispielen“. Wie oft fährt der durchschnittliche Autofahrer bitte nach Rimini? Ich war noch nie dort und würde die Strecke auch niemals mit dem Auto fahren. Und selbst wenn man das einmal macht, zahlt man halt ein paar Euro mehr.

    Ich finde diese Diskussion mittlerweile einfach nur noch lächerlich. Vor allem, wenn jemand ohne eigenes Elektroauto ständig dagegen argumentiert. Wenn heute einer mit „Aber mein Diesel …“ anfängt, kann ich darüber nur noch schmunzeln. Ja, ein Diesel ist vielleicht etwas günstiger. Ein VW kostet schließlich auch weniger als ein Audi. Auch pro Kilometer. Trotzdem kaufen viele lieber einen Audi, weil er einfach das bessere Gesamtpaket bietet. Ein 15 Jahre alter Mitsubishi ist auch billiger als ein neuer Skoda. So ist die Welt nun Mal. Aber, nicht jeder denkt wie ein Pfennigfuchser und will nur von A nach B und das so billig wie es irgendwie geht. Zum Glück. Der gesamte Wohlstand dieses Landes baut darauf auf, dass die Wenigsten so denken.

    Ein E-Auto ist für viele Menschen einfach das bessere und angenehmere Gesamtpaket. Genau das zeigt sich inzwischen auch in den Zulassungszahlen. Selbst im eher konservativen Deutschland: Elektromobilität ist ein ganz anderes Fahren. Du solltest es mal probieren. ;)

    Zitat von LebenimSueden

    Deine Blase ist übrigens nicht repräsentativ, es gibt zahlreiche Elektrofahrer, die nicht dabei bleiben.

    Echt jetzt? Zwei Jahre alte Artikel von Spiegel und AutoMotorSport. Das ist repräsentativ?

    https://www.zdfheute.de/wirtschaft/ele…chland-100.html

  • Vielleicht einfach mal den Bedarf checken, brauch ich jeden Tag 500km weil ich z.B. im Aussendienst bin oder fahre ich am Tag vielleicht nur 40 oder 50km und nur hin und wieder mal mehr als 100km. Den das ist in Deutschland das häufigste Profil. Warum soll ich einen riesigen Akku kaufen und bezahlen wenn es locker auch der kleinere tun würde und bei einer Urlaubsfahrt muss ich halt zweimal anstatt einmal an den Schnelllader. Hier werden Probleme diskutiert die es draussen im echten Leben nicht gibt.

    Gruß von einem E-Autofahrer mit 52kWh Akku und Reichweite damit von rund 350 km.

    Genau so sieht es aus. :thumbup: Und die Mehrheit ist halt nicht im Außendienst und die Mehrheit fährt auch nicht mehrmals im Jahr 1000 Kilometer in den Urlaub ohne Pause. :rolleyes:

  • Ich finde es ziemlich zynisch, wenn Familienväter die angeblich „günstigeren Kosten“ eines Diesels anführen. Sollte es überhaupt stimmen, welche Kosten sind damit eigentlich gemeint?

    Man muss weder Grüner noch verblendeter Idealist sein, um zu erkennen, dass etwas grundsätzlich nicht stimmt, wenn ein Stoff in fragwürdigen Staaten gefördert, nach Europa verschifft und anschließend im Auto verbrannt wird.

    Sind in diesem vermeintlich günstigen Preis wirklich alle ökologischen, geopolitischen, sicherheitspolitischen und menschenrechtlichen Folgen eingerechnet? Auch die Kosten, die kommende Generationen tragen werden? Ich glaube nicht.

    Klar, keine Form von Mobilität ist vollkommen sauber. E-Mobilität eingeschlossen.
    Aber wenn man sich die Studien anschaut, gehört das, was gerade mehrheitlich Richtung Rimini fährt und sich freut, dass Tanken nur 5 Minuten dauert, ökologisch ziemlich eindeutig zur Kategorie „So besser nicht“.

    Ich denke, unsere Enkel werden irgendwann mit Verwunderung auf diese Selbstverständlichkeit zurückblicken und ihren Vorfahren eine andere Rechnung auf den Tisch knallen.

  • Vielleicht einfach mal den Bedarf checken

    Sage ich ja die ganze Zeit. Aber differenzierte Betrachtung wird von einigen als Frontalangriff aufs Elektroauto aufgefasst.

    Bei der Sache sollte man aber eben bedenken, dass die Achillesferse beim BEV nicht die Urlaubsfahrt nach Südfrankreich ist. Da macht man ohnehin Pause. Die Achillesferse ist eine mittlere Strecke im Winter, die man an einem Tag hin und zurück fährt. Und da kommt man mit 1h15 pro Richtung schon ans Limit bei den kleinen Akkus

    52kWh Akku und Reichweite damit von rund 350 km

    Die Diskussion wäre so viel sachlicher, wenn man bei der Frage der Reichweite nicht simulierten Stadtverkehr bei flauschigen 20 Grad nehmen würde, sondern ein realistisches Szenario. Das heißt hauptsächlich Autobahn, mit eventuell etwas Landstraße auf dem Weg zur Autobahn. Kein mir bekanntes Elektroauto kommt in den entsprechenden Subzyklen auf 15kWh Verbrauch

    Wie oft fährt der durchschnittliche Autofahrer bitte nach Rimini?

    Es geht nicht darum, wie oft man nach Rimini fährt. Es geht um die Wirtschaftlichkeitsrechnung da muss man ehrlicherweise berücksichtigen, dass man einen größeren Teil der Kilometer auf langen Fahrten reißt. Den großen Urlauben zum Beispiel. Und damit stößt man eben an das Problem, dass der teure Ladevertrag oft nichts nutzt. Schlicht und einfach.

    Echt jetzt? Spiegel und AutoMotorSport. Das ist repräsentativ?

    Die Studien sind von anderen gemacht. Ich kann dir gerne den entsprechenden ecomento-Artikel raussuchen, wenn es dem mehr Glaubwürdigkeit verleiht ;)

    Du solltest es mal probieren. ;)

    Und wie? Mal so ganz praktisch...woher bekomme ich für kleines Geld ein Elektroauto, mit dem ich mal einen Winter lang fahre, 10 000km runterreiße und dann feststelle, dass Physik eben Physik ist und Mathematik sich auch nicht von Wunschdenken beeinflussen lässt? Wie kann ich Degradation nach 10 Jahren und 250 000km ausprobieren?

    Ich kenne mein Fahrprofil sehr gut und wie gesagt, die Zahlen sind auch verfügbar. Ich weiß mittlerweile genau, wo ich unterwegs laden könnte und wo ich laden würde, damit das zu den Toilettenpausen passt. Die Preise kann man problemlos per Chargeprice App nachschlagen und deshalb weiß ich auch, dass es sich für mich nicht rentiert, einen Ladevertrag abzuschließen. Es wären einfach zu viele verschiedene Anbieter fällig. Ich weiß auch genau, dass ich dieses Wochenende mit dem Elektroauto wieder ein Problem hätte. Bis ins Wallis komme ich mit einer Ladung gerade so. Aber wo lade ich dann das Auto wieder auf? Da sieht es sehr dürftig aus, wenn ich kein Verlängerungskabel aus dem Fenster hängen will. Die nächste öffentliche Ladestation ist über 100 Höhenmeter tiefer, hat nur 11kW und eine Blockiergebühr nach 4h. Nur sehr begrenzt praktikabel

    Man kann es drehen und wenden, wie man will. Für ein Vernunftauto, das regelmäßig über 200km Rundtrip bewegt wird, rentiert es sich nicht bei aktuellen Preisen auf Elektro umzusteigen. Das BEV dürfte, alle Kosten eingerechnet, etwa 5000€ als Neuwagen teurer sein, damit es sich in vernünftiger Laufleistung amortisiert. Aktuell liegen wir mit dem kleinen Akku eher bei 8k mehr und mit dem großen Akku nochmal so viel...

  • Also ich fahre jetzt seit über vier Jahren Elektroautos mit ganz unterschiedlichen Batteriegrößen. Ich hatte wirklich noch nie die Situation, dass mein Akku auch nur in die Nähe von 20 % gekommen wäre. Und ich fahre viel. Ale möglichen Strecken, auch im Winter. Mein Auto zeigt mir immer automatisch an, wann ich wo laden muss und wie lange es dauert. Es gibt keine einzige Strecke, auf der ich irgendein Problem gehabt hätte.

    Deshalb habe ich ehrlich gesagt das Gefühl, dass du dir da etwas konstruierst. Oder dass du schlicht keine praktische Erfahrung mit dem Thema hast. Was natürlich auch sein kann. Eine andere Möglichkeit wäre, dass dein Fahrverhalten (oder Freizeitverhalten) extrem (oder einfach nur anders) ist und ich so etwas einfach nicht kenne.

    Ich habe außerdem viele Freunde, die ebenfalls Elektroautos fahren. Noch keiner von ihnen hat mir von den Problemen berichtet, die du hier beschreibst. Aber vielleicht suchen wir ja unterbewusst unsere Ziele so aus, dass wir nicht gefahren laufen, ein Problem zu bekommen.:/ aber ich wüsste jetzt zum Beispiel nicht, wo ich hinfahren will und ich nicht problemlos laden könnte. Zum Beispiel war ich schon seit Jahren nicht mehr in irgendeinem Hotel, dass keine Ladenöglichkeit hatte. Und wir sind wirklich viel unterwegs…

  • Deshalb habe ich ehrlich gesagt das Gefühl, dass du dir da etwas konstruierst.

    Warum sollte ich was konstruieren? Ich bin nicht der einzige, der Skifahren geht, da ist nichts extrem dran. Einfach mal an einem Samstag über die Parkplätze laufen...BC, SIG, UL...die kommen fast alle als Tagstour mit entsprechenden Rundtrips. Ebensowenig ist es extrem über ein Brückentagswochenende in den Kurzurlaub zu fahren mit knapp unter 300km Entfernung. Ich gehe ja mit, dass ein Tagestrip ins Averstal grenzwertig ist und da würde ich auch ein Nachladen akzeptieren.

    Wenn wir hier jetzt nicht die Autos für 80-100k ansetzen, sondern zum Neupreis für 30k...wir wollen es ja Geld sparen...dann landet man bei 50-60kWh. Rechnen wir ehrliche Degradation mit ein, denn wir wollen das Auto ja länger halten, dann gehen da nochmal 10-15% weg. Und dann schrumpfen die Reichweiten doch sehr, denn unter 20kWh/100km bewegt man so ein Ding im Winter garantiert nicht und auch beim aktuellen Maiwetter ist das noch recht sportlich.

    Die Reichweite differenziert sich beim Elektroauto immer noch extrem über den Preis aus. Und das kann man in der Diskussion nicht einfach abbügeln.

  • Okay. Ich fahre kein Ski. Mein Kumpel aber und der meint das sei kein Problem. Schnellader 15 Minuten. Was ist das Problem? Die stehen an jedem Eck.

    Das Thema Preis solltest du dir aber noch mal überlegen. Ich habe es oben schon geschrieben. Einer zahlt die Zeche und für ein besseres Auto zahle ich auch gerne mehr.

    Irving
    13. Mai 2026 um 11:04
  • Diese Diskussion erinnert mich hier stark an das Heizungsthema (der Heizungshammer). Ich fahre seit wenigen Monaten selbst BEV und habe den Vorzug hauptsächlich an der heimischen Wallbox laden zu können. Es ist ein tolles Fahren und möchte es nicht mehr missen.

    Ich kann aber schon die Frage nach den Lademöglichkeiten und insbesondere den hohen Preisen der Autos (das wird der Markt bald richten) und des Ladestroms verstehen. Da muss sich schnell etwas ändern.

  • Diese Diskussion erinnert mich hier stark an das Heizungsthema (der Heizungshammer). Ich fahre seit wenigen Monaten selbst BEV und habe den Vorzug hauptsächlich an der heimischen Wallbox laden zu können. Es ist ein tolles Fahren und möchte es nicht mehr missen.

    Ich kann aber schon die Frage nach den Lademöglichkeiten und insbesondere den hohen Preisen der Autos (das wird der Markt bald richten) und des Ladestroms verstehen. Da muss sich schnell etwas ändern.

    Man könnte sich auch die Frage stellen, warum Elektroautos in Europa so teuer sind. In Asien ist das oft nicht der Fall. Könnte es vielleicht daran liegen, dass insbesondere in Deutschland viele Verbrenner-Fanatiker dieses Thema über Jahre hinweg bekämpft haben und es teilweise noch immer tun? Das sieht man auch gut in diesem Thread hier. Wäre dieses Land nicht so konsequent verschlossen gegenüber Neuem, wäre man bei diesem Thema heute vermutlich deutlich weiter. Und nicht nur bei diesem Thema. ,,Das muss sich schnell ändern.“ ist ein toller Slogan, den man in diesem Land oft hört. Aber sind es nicht wir, die sich ändern müssen? Politische Entscheidungen fallen nicht vom Hinmel.

  • Wer Technologieoffenheit wählt, bekommt diese. Das Volk hat gesprochen.

    Aber, die Verkaufszahlen, wie auch bei Wärmepumpen, zeigen, dass die meisten Menschen schon den Vorteil beim Strom sehen. Der Umschwung kommt von der Strasse/Heizungskeller.

    Deutschland ist immer noch Hochpreisland und Subventionen befeuern dieses noch.

    Unsere Ingenieure im Land sind super, man muss sie nur lassen. Ich fahre ein deutsches Auto und bin mit der Software und der Sprachsteuerung zufrieden. Vorher hatte ich einen Verbrenner-Audi. Da gab es ab und zu auch einen Blue-Screen. Im Verbrenner läuft auch Software und wenn die fehlerhaft ist, springt das Auto nicht an.

    Die Fehlerhäufigkeit bei Bevs ist laut Adac erheblich geringer. Insgesamt ist Thema sehr emotional und ich habe festgestellt, das Fakten häufig nichts bringen, leider.

  • Schnellader 15 Minuten. Was ist das Problem?

    1. Preis und insbesondere Preisstrukturen

    2. die Zeit

    Wäre beides kein Problem, wenn das nur einmal im Jahr auf dem Weg in den Urlaub passiert. Aber fast jedes WE...dann passt es einfach nicht. Das Killerfeature der Elektromobilität ist die Heimladung. Aber es ist nur ein Killerfeature, wenn man es auch wieder nach Hause schafft. Mit dem kleinen Akku würde ich mehr Zeit an der Ladesäule verbringen, als jetzt an der Tankstelle.

    Was ist eigentlich so schwer dabei, als Elektrofahrer mal über den Rand seiner Nische zu schauen? Das mit dem Hotel zeigt das ja auch sehr schön. Mal abgesehen davon, dass meine letzten beiden Hotels keine Lademöglichkeit hatten...Ferienwohnungen haben sowas praktisch nie.

    Sind in diesem vermeintlich günstigen Preis wirklich alle ökologischen, geopolitischen, sicherheitspolitischen und menschenrechtlichen Folgen eingerechnet? Auch die Kosten, die kommende Generationen tragen werden? Ich glaube nicht.

    Die Kritik hebst du dir besser für die Leute auf, die mit dem GTI oder ähnlichem Spielzeug und zweistelligem Verbrauch durch die Gegend fahren. Die Gruppe hat ganz offensichtlich das Geld für ein Elektroauto. Du darfst das gerne als Whataboutism bezeichnen, aber es gibt so viele andere Gelegenheiten.

    Und wenn du der Elektromobilität wirklich was Gutes tun willst...investier die Energie doch in die Frage der Ladepreisstrukturen. Die Problematik hält viele Leute vollkommen zurecht vom Elektroauto ab. Ladeverträge mit Grundgebühr sind für unterwegs absolut unpassend. Wenn du danach noch Energie hast...geh zu den Herstellern und mach denen mal Druck, endlich den großen Akku auch in der einfachen Ausstattung anzubieten.

  • Zumindest kann man festhalten das Trump (unfreiwillig) der grösste Förderer der E-Mobilität und der Energiewende ist. Er hat uns eindrucksvoll vor Augen geführt das der fossile Energiemarkt nur in der Hand einiger weniger liegt, und die sind alles andere als lupenreine Demokraten.

    Ich kann auch nicht verstehen das viele in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland nicht wenigstens die ausreichend zur Verfügung stehende Heimatenergie nutzen und mit ihrem Verhalten lieber Schurkenstaaten fördern wollen.


  • "Ich habe nie behauptet, dass jedes Elektroauto 400km Reichweite im Winter hat"

    Obwohl Du formal recht hast, klang das aber irgendwie anders:

    "Abends einfach zu Hause in der Garage anstecken und am nächsten Morgen stehen realistische 400-500 km Reichweite bereit. Währenddessen fährt der Verbrenner weiter zur Tankstelle, um fossilen Stoff aus Schurkenstaaten nachzukaufen."

    Wenn ich über meinen BMW i4 rede sage ich, dass bei empfohlenem Ladelevel von 80% realistisch 250 bis über 300 km Reichweite drin sind, je nach Witterung und Fahrprofil.

    Fossiler Stoff aus "Schurkenstaaten"? Ansichtssache. Hauptlieferanten in D sind (absteigend): Norwegen, USA, Libyen, Kasachstan, UK

    "An öffentlichen Ladesäulen zahlt man als normaler Nutzer mit Ladetarif nicht mehr als 0,46 €, bei EnBW teilweise sogar nur rund 0,36 €"

    Also ich habe schon ein paar Mal für das "ad hoc" laden 80 bis 99 Cent/kWh bezahlen müssen...Und bei EnBW kostet mich die kWh derzeit 0,56 Cent im kleinsten Tarif "S"...günstigere Preise erfordern Abos (auch wenn die diese nicht unbedingt teuer sind, sollte man das fairer Weise erwähnen).


    "günstigere Versicherung"

    Ich zahle im besten Tarif der HUK24 etwa 800 Euro pro Jahr für meinen i4. Mein vergleichbarer 3er hat mich zuvor 500 Euro gekostet. Insbesondere bei der VK stelle ich fest, dass BEV meist deutlich teurer sind als die Verbrenner Pendants.

    "Sorry, aber das „Tanken ist praktischer als Laden“-Argument wirkt inzwischen ziemlich konstruiert."

    Das mag für Eigenheimbesitzer wie mich meist zutreffen. Ich kenne aber viele die in großen Mehrfamilienhäusern wohnen. Entweder "Laternenparker", manchmal eigener Stellplatz ohne Lademöglichkeit.....In so einer Situation kann der regelmäßige Ladezwang schon ziemlich unkomfortabel sein....und immerhin 42% der Gesamtbevölkerung leben in Mehrfamilienhäusern.


    Ich fahre sowohl BEV (i4) als auch einen Diesel-Kombi....für mich und unser Familienfahrprofil die ideale Kombination.....

  • Ich finde diese typisch deutsche Haltung inzwischen einfach nur noch ermüdend: Alles Neue wird erst einmal schlechtgeredet, zerredet und mit Bedenken zugeschüttet.

    Das sehe ich anders. Die typisch deutsche Haltung ist, notwendige Kurskorrekturen nicht mit vernünftigen Lenkbewegungen ruhig zu steuern, sondern mit sturer Schwarz-Weiß-Sicht und möglichst hektischem Ruderherumreißen gegen möglichst viele Wände zu knallen. Und dabei ist es egal, ob man Weiß oder Schwarz spielt. Grau will keiner, Grau mag keiner, Grau ist ausgeschlossen. Alles trifft sich auf den möglichst weit auseinandergelegenen Sichtweisen. Es gibt keine Mitte mehr, jedenfalls für die lauten Teile der Gesellschaft und Politik. Eine gar nicht so kleine Gruppe der Bevölkerung steht in dieser Mitte, schaut zu den Rändern und schüttelt den Kopf, weil die sich natürlich so auch immer weiter hochschaukeln. Alles Neue ist auch dadurch so schlecht, weil für dessen laute Befürworter auch gleich alles Alte sofort und unbedingt grottenschlecht wird.

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