CO2-Steuer

CO2-Preis auf Erdgas, Heizöl und Sprit – das solltest Du wissen

24. Juni 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Ab 2021 zahlst Du auf Erdgas, Heizöl, Benzin oder Diesel den CO2-Preis. Die Belastung erhöht sich bis 2026 Jahr um Jahr.
  • Der CO2-Preis heißt zwar nicht Steuer, fällt aber in gleicher Weise wie die Stromsteuer, die Erdgassteuer und die Mineralölsteuer an.
  • Brennstoffe aus Holz sind von der Abgabe ausgenommen, Biogas auch, aber nur in den Jahren 2021 und 2022.
So gehst Du vor
  • Heizt Du mit Gas oder Heizöl, dann überlege, ob Du die Heizung gegen eine klimafreundlichere tauschen willst.
  • Um die Heizkosten möglichst gering zu halten, sollte das Haus gut gedämmt sein. Prüfe, wie hoch Dein Wärmebedarf ist und durch welche Maßnahmen Du ihn senken kannst.
  • Nutze bei der Modernisierung Förderprogramme – mit den Einnahmen aus der CO2-Steuer unterstützt der Staat die energetische Sanierung von Gebäuden und den Heizungstausch.

Um den Klimawandel abzumildern, müssen vor allem die Industrieländer ihren Ausstoß an Kohlendioxid drosseln – und damit auch Deutschland. Im Stromsektor gibt es längst einen EU-weiten Emissionshandel (emissions trading system, kurz ETS). Seit 2013 müssen alle Kraftwerksbetreiber für das Verbrennen von Kohle oder Gas CO2-Zertifikate kaufen. Die Preise für diese sind seit 2019 sukzessive gestiegen und haben Kohlestrom teurer gemacht. Auch Industriebetriebe anderer Branchen sowie Fluggesellschaften müssen Zertifikate kaufen, wenn sie Kohlendioxid in die Luft pusten.

Bei Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel brauchtest Du für das ausgestoßene Kohlendioxid bis 2020 nichts bezahlen. Das hat sich 2021 geändert: Deutschland hat – wie andere Länder in Europa auch – einen CO2-Preis eingeführt. Damit verteuern sich die Brennstoffe umso mehr, je mehr Kohlendioxid sie bei ihrer Verbrennung freisetzen. Zugleich fördert der Staat, dass Du Dein Haus energetisch sanierst, Deine Heizung auf erneuerbare Energien umrüstest und ein Auto mit klimafreundlichem Antrieb anschaffst.

Für welche Brennstoffe gilt die CO2-Steuer?

Deutschland erhebt die CO2-Steuer zunächst einmal auf fossile Heizstoffe und Kraftstoffe. Dazu gehören:

  • Heizöl (alle Sorten: Normal/Standard als auch Super/Premium)
  • Erdgas
  • Flüssiggas (verflüssigtes Erdgas/Methan, Propan, Butan und andere)
  • Fernwärme (, sofern zur Erzeugung Öl oder Gas verbrannt wird)
  • Benzin (alle Sorten: Normal, Super, Super plus)
  • Diesel
  • Flugbenzin
  • Kohle (ab 2023)

Auch auf Abfall, der in Heizkraftwerken zum Einsatz kommt, und auf Biobrennstoffe fällt teilweise die CO2-Steuer an – so etwa auf Biogas, Biodiesel oder auf pflanzliche Öle wie Palmöl, Sojaöl oder Kokosöl, wenn sie zum Heizen oder als Treibstoff dienen. Allerdings sind diese Brennstoffe 2021 und 2022 von der Steuer befreit – es gilt nämlich für die Händler solcher Brennstoffe noch keine Berichtspflicht, so dass ihnen der Staat auch keine Steuer berechnen kann (§ 7 BEHG). Holzbrennstoffe wie Pellets oder Hackschnitzel sowie Holzkohle und Torf fallen dagegen nicht unter das Brennstoffemissionshandelsgesetz (Anlage 1 zu § 2 Abs. 1 BEHG i. V. m. Kombinierter Nomenklatur).

Verschont bleibst Du damit von der CO2-Steuer, wenn Du mit Holzbrennstoffen, Solarwärme oder einer Wärmepumpe heizt sowie ein Auto mit Elektromotor oder Brennstoffzelle fährst.

Auf bestimmte Kraftstoffe für den Flugverkehr wie Kerosin fällt keine CO2-Steuer an, da diese bereits in den europäischen Emissionshandel eingebunden sind.

Kosten für Mieter und Mieterinnen

Als Mieter oder Mieterin hast Du in der Regel keinen Einfluss auf die Wahl der Heizung im Haus oder in Deiner Wohnung. Nutzt die Zentralheizung im Haus aber Gas oder Heizöl oder hast Du eine Gasetagenheizung, zahlst Du trotzdem die CO2-Steuer. Damit Vermieter einen Anreiz haben, klimafreundliche Heizungen in ihre Häuser einzubauen, plante die Bundesregierung, dass Vermieter 50 Prozent der Kosten durch den CO2-Preis für ihre Mieter tragen. Die Unionsfraktion im Bundestag lehnte den Vorschlag aber ab.

Wie wird der CO2-Preis erhoben?

Der CO2-Preis heißt zwar nicht Steuer, wird aber wie eine Energiesteuer erhoben (§ 2 BEHG). Gelangt ein von der Steuer erfasster Brennstoff in den freien Warenverkehr, muss der Händler oder Produzent ein Emissionszertifikat bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt kaufen. Schickt beispielsweise Dein Heizölhändler ein Tankfahrzeug zum Großhändler, damit dieser den Tank befüllt, fällt in diesem Moment der CO2-Preis an. Der Großhändler kauft ein Emissionszertifikat und stellt den Preis dafür Deinem Heizölhändler in Rechnung. Dieser gibt die Zertifikatskosten wiederum an Dich weiter – am Ende bezahlst Du damit die Steuer.

Die Händler und Produzenten, die die Brennstoffe in den Verkehr bringen, sind auch verpflichtet, dem Umweltbundesamt zu melden, wie viele Zertifikate sie in einem Jahr erworben haben. Die Daten nutzt die Behörde, um ab 2026 die Menge an Zertifikaten zu begrenzen. Wie viele Zertifikate noch ausgegeben werden können, richtet sich dabei nach den Klimaschutzzielen. Verringert sich die Emissionsmenge in einem Jahr weniger als nötig wäre, bedeutet das eine stärkere Verknappung der Zertifikatsmenge.

Im Gegensatz zu einer echten Steuer fließt allerdings der CO2-Preis nicht in den Haushalt von Bund oder Ländern. Vielmehr dienen die Mittel dazu, etwa Fördermittel zu finanzieren oder die Bürger zu entlasten.

Wie hoch ist die CO2-Steuer?

Das Brennstoffemissionshandelsgesetz legt bis 2025 die Preise für die Emissionszertifikate fest. Es ist dabei nicht möglich, mehr Zertifikate in einem Jahr zu kaufen, um sie in einem Folgejahr einzulösen. Für den im Jahr 2021 gelieferten Brennstoff muss das zugehörige Zertifikat auch zu Emissionspreisen des Jahres 2021 erworben werden.

JahrPreis
202125 Euro/Tonne CO2
202230 Euro/Tonne CO2
202335 Euro/Tonne CO2
202445 Euro/Tonne CO2
202550 Euro/Tonne CO2

Quelle: Paragraf 10 Abs. 2 BEHG (Stand: Dezember 2020)

Ab 2026 werden die Emissionszertifikate versteigert, wobei zumindest noch 2026 ein Preiskorridor gilt – von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2. 2027 soll sich der Preis dann ganz frei am Markt bilden. Die Bundesregierung unterstellt im Entwurf zum neuen Klimaschutzgesetz, dass der CO2-Preis von 2026 bis 2035 bei 65 Euro pro Tonne liegen wird.

Was bedeuten diese Preise für Dich? Das hängt davon ab, welche Brennstoffe Du nutzt und wie viel Kohlendioxid bei ihrer Verbrennung entsteht.

In der Emissionsberichterstattungsverordnung (EBeV) sind Werte zur Berechnung der Emissionsmengen für jeden Brennstoff bis 2022 festgelegt. Jeder Händler, der Brennstoffe in den Verkehr bringt, soll entsprechend dieser Werte selbst berechnen, welche Emissionen bei der Verbrennung seiner Ware entstehen – und auch, welche Kosten für das freigesetzte Kohlendioxid damit verbunden sind (§ 5 EBeV). Sind Bio-Brennstoffe beigemengt – etwa bei Gas oder Diesel –, sind für diese Teilmengen Emissionswerte von Null anzusetzen. Wie bei der Strom-, Gas- und Mineralölsteuer kommt auch bei der CO2-Steuer noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent dazu.

Wir haben gemäß der Emissionsberichterstattungsverordnung in den folgenden Tabellen die CO2-Steuer für rein fossiles Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel berechnet:

CO2-Preise im Jahr 2021

BrennstoffEmissionsmengeCO2-Steuer 2021 nettoCO2-Steuer 2021 brutto
Heizöl2,68 kg/Liter6,69 Cent/Liter7,96 Cent/Liter
Erdgas182 g/kWh0,46 Cent/kWh0,54 Cent/kWh
Benzin2,4 kg/Liter6 Cent/Liter7,14 Cent/Liter
Diesel2,68 kg/Liter6,69 Cent/Liter7,96 Cent/Liter

Quelle: eigene Berechnung nach EBeV (Stand: 21. Dezember 2020)
Alle Zahlen sind auf zwei Stellen nach dem Komma gerundet. Bei Heizöl handelt es sich um Heizöl extraleicht (EL).

CO2-Preise im Jahr 2022

BrennstoffEmissionsmengeCO2-Steuer 2022 nettoCO2-Steuer 2022 brutto
Heizöl2,68 kg/Liter8,04 Cent/Liter9,57 Cent/Liter
Erdgas182 g/kWh0,55 Cent/kWh0,65 Cent/kWh
Benzin2,4 kg/Liter7,2 Cent/Liter8,57 Cent/Liter
Diesel2,68 kg/Liter8,04 Cent/Liter9,57 Cent/Liter

Quelle: eigene Berechnung nach EBeV (Stand: 2. März 2021)
Alle Zahlen sind auf zwei Stellen nach dem Komma gerundet. Bei Heizöl handelt es sich um Heizöl extraleicht (EL).

Welche Werte zur Berechnung der CO2-Steuer ab 2023 gelten, ist noch offen. Die EBeV gilt erst einmal nur für die Jahre 2021 und 2022. 

Die Bundesregierung überlegt zudem, den CO2-Preis bereits 2022 stärker zu erhöhen: auf 45 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Auslöser dafür ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24. April 2021 (Az. 1 BvR 2656/18). Demnach verstößt das Klimaschutzgesetz gegen die Verfassung. Denn die im Gesetz festgelegten Ziele genügen nicht, um die Lasten des Klimawandels auf alle Generationen gleichmäßig zu verteilen – jüngere Generationen würden gegenüber älteren benachteiligt, wenn die Energiewende zu schleppend vorankommt. Kostet der Ausstoß pro Tonne Kohlendioxid 45 Euro, bedeutet das Mehrkosten

  • für Erdgas von rund 1 Cent pro Kilowattstunde,
  • für Benzin von rund 11 Cent pro Liter und
  • für Heizöl und Diesel von rund 14 Cent pro Liter.

Die genannten Beträge enthalten bereits die Mehrwertsteuer.

Wie vermeidest Du hohe Kosten durch die CO2-Steuer?

Deutlich höhere Kosten durch die CO2-Steuer kannst Du durch vier Hebel vermeiden:

  • Verringere den Wärmebedarf Deiner Wohnung.
  • Fahre weniger mit einem Verbrenner und wenn doch, dann gemeinsam mit anderen.
  • Ersetze Deine Öl- oder Gasheizung durch eine Heizung auf Basis erneuerbarer Energien.
  • Kauf Dir ein Elektro- oder Brennstoffzellenauto.

Die Heizkosten senken kannst Du mit vielen kleineren Maßnahmen, am stärksten aber durch eine energetische Sanierung. Über die KfW-Bank gibt es günstige Kredite. Seit 2020 kannst Du die Kosten von der Steuer absetzen.

Auf das Auto kannst Du vielleicht nicht immer verzichten. Du solltest Dir aber überlegen, ob Du manche Wegstrecken auch mit dem Fahrrad oder der Bahn zurücklegen kannst. Seit 2020 beträgt die Mehrwertsteuer auf Bahnfahrten im Fernverkehr nur noch 7 Prozent. Fahrkarten gibt es bereits ab 17,50 Euro – ergattern kannst Du sie am besten, wenn Du mehrere Monate im Voraus buchst.

Fährst Du mit dem Auto zur Arbeit, dann bilde Fahrgemeinschaften mit anderen – die Spritkosten könnt Ihr Euch teilen. Sollte Dein Verbrenner schon älter sein, kannst Du überlegen, als nächstes ein klimafreundlicheres Auto anzuschaffen. Die Zuschüsse für Autos mit Elektro-, Hybrid- oder Brennstoffzellenantrieb wurden 2020 erhöht und die Befreiung von der Kfz-Steuer für diese Autos verlängert. Auch günstig betanken lässt sich ein Elektroauto – mit eigenem Solarstrom.

Ist Dein Öl- oder Gaskessel in die Jahre gekommen, dann überlege, wie Du künftig heizen willst. Für Biomasseheizkessel, Wärmepumpen und solarthermische Anlagen gibt es Zuschüsse. Tauschst Du einen Ölkessel gegen eine Anlage auf Basis erneuerbarer Energien, zahlt der Staat Dir eine Prämie. Mit dem CO2-Preis hast Du dann zumindest beim Heizen nichts mehr zu tun.

Was passiert mit den Einnahmen aus dem CO2-Preis?

Eines hat die Bundesregierung bei der Vorstellung des Klimapakets 2019 angekündigt: Der CO2-Preis soll nicht dem Finanzminister Geld in die Kasse spülen, sondern in Förderprogramme fließen und Dich bei Deinen Energie- und Mobilitätskosten entlasten. Die Mehrkosten durch die neue Steuer kannst Du wie oben beschrieben senken. Darüber hinaus gilt:

  • Die Bundesregierung senkt die EEG-Umlage auf den Strompreis in den Jahren 2021 und 2022 mithilfe der Einnahmen aus der CO2-Steuer. Die EEG-Umlage wäre 2021 auf mehr als 9 Cent pro Kilowattstunde gestiegen – so ist sie stattdessen auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde gesunken.
  • Aufgrund der steigenden Kosten für Benzin und Diesel erhöht sich die Pendlerpauschale – zumindest für Beschäftigte mit einem einfachen Weg von mehr als 20 Kilometern.
  • Das Wohngeld erhöht sich 2021, damit Bezieher die höheren Heizkosten stemmen können.

An einer Stelle erhöht der CO2-Preis aber die Einnahmen des Staats – durch die Mehrwertsteuer, die stets auf die Steuer erhoben wird.

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