Kostenlose Mitversicherung in der GKV soll wegfallen

  • Grundsätzlich muss eine Reform des gesamten Systems her, also GKV, PKV und Beihilfe. Leider wird dies nicht angegangen sondern nur wieder an der GKV rum geschraubt. Dadurch hat man sich wieder ein paar Jahre Zeit, auf Kosten der Mittelschicht, erkauft bevor das ganze Drama wieder von vorne beginnt. Für eine richtige Reform fehlt der Mut, bzw. der politische Wille und nur solch eine Reform wird die Probleme lösen. Was aktuell passiert ist einfach nur Murks auf ganz hohem Niveau.

    Und was genau würde sich ändern, wenn alle Zwangsmitglied in einer Einheitskasse sind? Würden dann die Beiträge sinken? Würde man schneller einen Arzttermin bekommen? Ich habe da meine Zweifel. Die es sich leisten können, würden eine entsprechende Zusatzversicherung abschließen oder, wenn das verboten würde, die Rechnungen selbst zahlen, um bevorzugt behandelt zu werden.

    Wer wissen will, wie das aussieht, mag einen Blick in die südeuropäischen Ländern werfen. Wer da genug Geld hat, geht in eine Privatklinik oder -praxis. Das zu dem Thema: "Andere Länder können das besser als wir." Oder einfach mal in die Schweiz schauen, was man dort an KV-Beiträgen zahlt. Und über die Zustände im Gesundheitswesen im Vereinigten Königreich schweigt man besser.

  • Wer wissen will, wie das aussieht, mag einen Blick in die südeuropäischen Ländern werfen. Wer da genug Geld hat, geht in eine Privatklinik oder -praxis. Das zu dem Thema: "Andere Länder können das besser als wir." Oder einfach mal in die Schweiz schauen, was man dort an KV-Beiträgen zahlt. Und über die Zustände im Gesundheitswesen im Vereinigten Königreich schweigt man besser.

    sam51 : Du führst hier wieder (wie auch schon an anderer Stelle) Negativ-Beispiele auf. Ja, das NHS in Großbritannien ist ein absolutes Negativ-Beispiel für ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem, weil es kaputt gespart worden ist.

    Aber es gibt Länder mit einheitlichen und (vorwiegend) steuerfinanzierten Gesundheitssystemen, die effizienter und qualitativ besser als das deutsche System aus GKV/PKV sind. In Europa sind dies Schweden, Norwegen und Finnland. Auch das Medicare-System in Australien ist meiner Ansicht nach sehr gut. Und vor allem Taiwan hat eines der modernsten Systeme weltweit, das über eine nationale Einheitsversicherung läuft, die stark staatlich reguliert und finanziert wird.

    Solange wir diese Nebenläufigkeit aus GKV und PKV haben, werden wir in Deutschland höchstwahrscheinlich keinen vergleichbaren qualitativen Standard für alle Bürger hinbekommen.

  • Solange wir diese Nebenläufigkeit aus GKV und PKV haben, werden wir in Deutschland höchstwahrscheinlich keinen vergleichbaren qualitativen Standard für alle Bürger hinbekommen.

    Nach meiner Meinung liegt es nicht an der Existenz von PKV und GKV, sondern an dem absolut unglaublichen Geld, was im System zu verdienen ist.

  • Nach meiner Meinung liegt es nicht an der Existenz von PKV und GKV, sondern an dem absolut unglaublichen Geld, was im System zu verdienen ist.

    Länder ohne die Trennung in GKV und PKV (z. B. die skandinavischen Länder und auch die Schweiz) haben beispielsweise weniger bürokratischen Aufwand in der Abrechnung, was zu einer Effizienzsteigerung und auch höheren Zufriedenheit der Ärzte führt. In Deutschland erleben wir schon seit Jahren Nachwuchsprobleme, aber auch Abwanderungen in benachbarte Länder bei den Medizinern.

  • Ich rechne leider erst mit der Reform des gesamten Systems, wenn in der PKV der Anteil der Versicherten, für die die PKV-Beiträge eine immense finanzielle Belastung darstellt, einen gewissen Schwellwert überschreitet. Ohne irgendwelche Reformen in der PKV könnte dies irgendwann im Zeitraum 2030-2040 eintreten.

    Das sehe ich auch so. Das Ergebnis wird dann eine Wechselmöglichkeit in die GKV sein.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Und was genau würde sich ändern, wenn alle Zwangsmitglied in einer Einheitskasse sind?

    Poltiker also masgeblich Entscheider vom Umfang und Ausgestaltung dieses Systems, würden selbst in der praxsis erfahren wie die Situation ist, ohne Sondersstatus.


    Dann gäbe es keine Verknappung von Kassen Ärzten sitzen in einer Region obwohl die Warteschlangen bis zum Mond reichen.

    Geg. Schlankere & damit schnellere und günstigere Verwaltungs akte.


    Etc. Etc.

  • Länder ohne die Trennung in GKV und PKV (z. B. die skandinavischen Länder und auch die Schweiz) haben beispielsweise weniger bürokratischen Aufwand in der Abrechnung, was zu einer Effizienzsteigerung und auch höheren Zufriedenheit der Ärzte führt. In Deutschland erleben wir schon seit Jahren Nachwuchsprobleme, aber auch Abwanderungen in benachbarte Länder bei den Medizinern.

    Wo gibt es denn bürokratischen Aufwand bei PKV-Versicherten? Da wird eine Rechnung gestellt und fertig. Häufig wird diese Tätigkeit an Dienstleister outgesourct. Das genaue Gegenteil davon ist die GKV, wo sich der Verwaltungsaufwand durch "Verbesserungen" dauernd vergrößert. Es hat schon seinen Grund, warum es immer mehr Praxen gibt, die nur noch Privatpatienten und Selbstzahler behandeln.

    Nachwuchsprobleme bei Ärzten? Wurden jetzt die Zulassungsbeschränkungen für das Medizinstudium abgeschafft, weil es mehr Studienplätze als Studenten gibt? Allerdings mögen es sich heutzutage die wenigsten antun, eine Praxis zu übernehmen. Warum zieht es viele der hier teuer Ausgebildeten ins Ausland? Mehr Geld bei weniger Arbeit dürfte einer der Gründe sein.

    Du behauptest dauernd, dass das System aus GKV und PKV mehr Kosten verursacht. Was hat denn die PKV mit der prekären Kostensituation der GKV zu tun? Rein gar nichts. Was würde allerdings nach Abschaffung der PKV passieren? Ohne Privatpatienten wären die meisten Praxen überhaupt nicht wirtschaftlich zu betreiben. In der Folge müssten entweder die Vergütungen der Ärzte durch die GKV deutlich steigen, was nur durch Beitragssteigerungen möglich wäre. Oder der Leistungskatalog würde noch weiter eingeschränkt werden, und viele Leistungen müssten Patienten selbst zahlen.

  • Du behauptest dauernd, dass das System aus GKV und PKV mehr Kosten verursacht. Was hat denn die PKV mit der prekären Kostensituation der GKV zu tun? Rein gar nichts. Was würde allerdings nach Abschaffung der PKV passieren? Ohne Privatpatienten wären die meisten Praxen überhaupt nicht wirtschaftlich zu betreiben. In der Folge müssten entweder die Vergütungen der Ärzte durch die GKV deutlich steigen, was nur durch Beitragssteigerungen möglich wäre. Oder der Leistungskatalog würde noch weiter eingeschränkt werden, und viele Leistungen müssten Patienten selbst zahlen.

    Wie würdest du denn die prekäre Kostensituation der GKV lösen? Du kritisierst meine Aussagen (zum Teil vielleicht sogar berechtigt), aber bisher habe ich noch keinen Gegenvorschlag von dir zur Lösung des Problems gesehen. Ich bin selbst privat krankenversichert, betrachte aber die Situation in unserem Gesundheitswesen nicht durch meine Brille als PKV-Versicherter, sondern aus gesamtgesellschaftlicher Sicht.

    Mein Vorschlag kann ich nochmal in zwei Sätzen beschreiben:

    • Einheitliche und ausreichende Grundversorgung für alle (solidarisch und sozial fair geregelt)
    • Extras, die medizinisch nicht notwendig sind (Chefarzt, 1-Bettzimmer, Implantate, Homöopathie, Auslandskrankenschutz, ...), können über private Zusatzversicherungen abgesichert werden.

    Selbstverständlich müssen viele viele weitere Punkte dann geregelt werden, z. B. Finanzierung (z. B. über Steuern, Beiträge, Kopfpauschalen), Honorierung der Ärzte, etc. Aber in anderen Ländern mit gut laufenden Gesundheitssystemen gibt es hierfür auch Lösungen.

    Durch die aktuelle Nebenläufigkeit von GKV und substitutiver PKV können manche Reformideen bei der GKV nicht so einfach umgesetzt werden, weil man dann die Gefahr läuft, dass noch mehr Besserverdiener in die PKV abwandern und man dadurch die Situation der GKV noch verschlimmert. Daher befürchte ich ja, dass man am aktuellen System festhalten wird, bis sich die Situation in der PKV massiv verschlechtern wird (siehe meinen Beitrag in #400).

    Dass bei einem einheitlichen Gesundheitssystem Praxen wirtschaftlich betrieben werden können, sieht man in sehr vielen anderen Ländern. Da man in Deutschland ein Praxis-Sterben sieht und viele Ärzte lieber im Angestelltenverhältnis arbeiten wollen, stellt sich sowieso die Frage, ob der Trend nicht zu MVZ hingehen wird.

  • Was machst Du dann mit den Altersrückstellungen, die viele in der PKV haben?

    Das ist eine der vielen Fragen, die geklärt werden müssten.

    Denkbar wäre: Bestandsschutz in der PKV, d. h. die bisherigen PKV-Versicherten dürfen in der PKV bleiben, aber es kommen keine neuen Versicherten nach. Für die bestehenden PKV-Versicherten gibt es eine Übergangsfrist, in der sie freiwillig in die neue Grundversorgung wechseln können. In dem Fall bekämen Sie ihre Altersrückstellungen auf private Zusatzversicherungen angerechnet und den Rest ausbezahlt. Pro Jahr PKV-Zugehörigkeit zahlen sie dann aber eine Art Aufnahmebeitrag für diese neue "Grundversorgung für alle", weil sie diese Jahre auch nichts dem bisherigen Solidarsystem der GKV beigetragen haben.

  • Das ist genau so eine Detailfragestellung, die ein System unreformierbar macht. Es gibt einfach 1000 Partikularinteressen, die dafür sorgen dass es keine umfassende Reform geben kann.

    Man muss sich an solch eine Aufgabe ran wagen und diese "1000 Partikularinteressen" sammeln und dann nach Lösungen suchen. Und nicht schon vorher aufgeben. Ansonsten fährt man das Gesamtsystem aus GKV und PKV vor die Wand.

  • Pro Jahr PKV-Zugehörigkeit zahlen sie dann aber eine Art Aufnahmebeitrag für diese neue "Grundversorgung für alle", weil sie diese Jahre auch nichts dem bisherigen Solidarsystem der GKV beigetragen haben.

    Ich übersetze das mal. Ihr kommt jetzt zwangsweise in eine leistungsschwache Grundversorgung. Und als ausgleichende Gerechtigkeit für eure jahrelange Besserstellung nehmen wir euch die angesparten Rückstellungen weg. Man kann es auch kürzer ausdrücken: entschädigungslose Enteignung.

    Die mehr als 300 Mrd. Rückstellungen wecken eben manche Begierde.

  • Man muss sich an solch eine Aufgabe ran wagen und diese "1000 Partikularinteressen" sammeln und dann nach Lösungen suchen. Und nicht schon vorher aufgeben. Ansonsten fährt man das Gesamtsystem aus GKV und PKV vor die Wand.

    Warum behauptest du dauernd, es gäbe ein "Gesamtsystem aus GKV und PKV"? Die PKV hat nichts mit der GKV zu tun. Während die GKV schon längst an die Wand gefahren ist, kann ich das bei der PKV nicht erkennen.

  • Wie würdest du denn die prekäre Kostensituation der GKV lösen? Du kritisierst meine Aussagen (zum Teil vielleicht sogar berechtigt), aber bisher habe ich noch keinen Gegenvorschlag von dir zur Lösung des Problems gesehen. Ich bin selbst privat krankenversichert, betrachte aber die Situation in unserem Gesundheitswesen nicht durch meine Brille als PKV-Versicherter, sondern aus gesamtgesellschaftlicher Sicht.

    Mein Vorschlag kann ich nochmal in zwei Sätzen beschreiben:

    • Einheitliche und ausreichende Grundversorgung für alle (solidarisch und sozial fair geregelt)
    • Extras, die medizinisch nicht notwendig sind (Chefarzt, 1-Bettzimmer, Implantate, Homöopathie, Auslandskrankenschutz, ...), können über private Zusatzversicherungen abgesichert werden.

    Selbstverständlich müssen viele viele weitere Punkte dann geregelt werden, z. B. Finanzierung (z. B. über Steuern, Beiträge, Kopfpauschalen), Honorierung der Ärzte, etc. Aber in anderen Ländern mit gut laufenden Gesundheitssystemen gibt es hierfür auch Lösungen.

    Durch die aktuelle Nebenläufigkeit von GKV und substitutiver PKV können manche Reformideen bei der GKV nicht so einfach umgesetzt werden, weil man dann die Gefahr läuft, dass noch mehr Besserverdiener in die PKV abwandern und man dadurch die Situation der GKV noch verschlimmert. Daher befürchte ich ja, dass man am aktuellen System festhalten wird, bis sich die Situation in der PKV massiv verschlechtern wird (siehe meinen Beitrag in #400).

    Dass bei einem einheitlichen Gesundheitssystem Praxen wirtschaftlich betrieben werden können, sieht man in sehr vielen anderen Ländern. Da man in Deutschland ein Praxis-Sterben sieht und viele Ärzte lieber im Angestelltenverhältnis arbeiten wollen, stellt sich sowieso die Frage, ob der Trend nicht zu MVZ hingehen wird.

    Es ist zum Glück nicht meine Aufgabe, die Probleme der GKV zu lösen. Dafür gibt es doch hochbezahlte Politiker und Fachleute.

    Warum bringst du immer wieder die PKV ins Spiel, wenn es um die Probleme der GKV geht? Ich habe bereits mehrfach dargelegt, warum sich nicht bessern wird, wenn man die PKV abschafft.

    Das Grundproblem der GKV ist ihr Finanzierungsmodell. Das funktioniert so lange, wie bestimmte Parameter wie z.B. Demographie, Beschäftigungsquote etc. passen. Die Beiträge sind einkommensabhängig bemessen. Das führt dann eben dazu, wenn plötzlich die Zahl derjenigen, die nichts einzahlen, steigt, die Einnahmen nicht äquivalent zur Inanspruchnahme von Leistungen mit steigen. Um dem entgegen zu wirken, kann man versuchen, die Einnahmen zu erhöhen, die Leistungen zu reduzieren oder auch den Kreis der Anspruchsberechtigten einschränken.

    Aktuell versucht man ja die Einnahmen zu erhöhen durch Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung und durch Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. Ich glaube nicht, dass das die GKV in der jetzigen Form retten wird. Man verlängert lediglich das Elend.

    Es deutet alles darauf hin, dass es in Deutschland in absehbarer Zukunft nur noch eine medizinische Grundversorgung staatlicherseits geben wird, wie durch die immer häufiger entstehenden MVZ sich andeutet. Eine Versorgung wie heute noch auf einem hohen Level wird es dann nur noch in privat betriebenen Einrichtungen geben. Genau so wie es in vielen anderen Ländern der Welt schon heute der Fall ist.

  • ...Um dem entgegen zu wirken, kann man versuchen, die Einnahmen zu erhöhen, die Leistungen zu reduzieren oder auch den Kreis der Anspruchsberechtigten einschränken...

    ... oder "externe Leistungsempfänger" auch entsprechend extern finanzieren und für diesen Kreis gleichzeitig eine Basisversorgung definieren. Ist nicht neu, gab es so bereits.

  • Es deutet alles darauf hin, dass es in Deutschland in absehbarer Zukunft nur noch eine medizinische Grundversorgung staatlicherseits geben wird, wie durch die immer häufiger entstehenden MVZ sich andeutet. Eine Versorgung wie heute noch auf einem hohen Level wird es dann nur noch in privat betriebenen Einrichtungen geben. Genau so wie es in vielen anderen Ländern der Welt schon heute der Fall ist

    Also ich komm beim Finanztiprechner eazy auf genügend Einsparungen, sodass dein dystopisches Horrorszenario vermutlich abgewendet werden kann. Und es gibt ja noch weitere Möglichkeiten

  • Dann schicke der Gesundheitsministerin doch gleich mal den Link. Warum ist die Expertenkommission da eigentlich nicht von selbst drauf gekommen?

    Warum nennst du denn nicht gleich mal hier ein paar der Einsparungen, die dieser Finanztip-Rechner namens "eazy" liefert.

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