Elterneigenschaft

Eltern zahlen weniger Beitrag zur Pfle­ge­ver­si­che­rung

Julia Rieder
Expertin für Versicherungen
23. Juni 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Beitrag für die soziale Pfle­ge­ver­si­che­rung liegt 2020 für gesetzlich krankenversicherte Eltern bei 3,05 Prozent des Bruttolohns. Kinderlose Versicherte zahlen 3,3 Prozent. Ab 2022 sind es 3,4 Prozent. 
  • Mit der Geburt eines Kindes wird den Elternteilen die sogenannte Elterneigenschaft und damit der Beitragsnachlass von 0,25 Prozentpunkten (0,35 ab 2022) zuerkannt. 
  • Auch Adoptiv-, Stief- und Pflegeeltern können unter bestimmten Voraussetzungen die Elterneigenschaft erhalten. 
  • Um den Beitragsnachlass zu bekommen, musst Du Deine Elterneigenschaft einmal formlos nachweisen.
So gehst Du vor
  • Weise gegenüber der Stelle, die Deinen Beitrag einzieht, schnellstmöglich nach, dass Dein Kind geboren wurde oder Du zum Beispiel die Pflegschaft für ein Kind übernommen hast.
  • Beitragsabführende Stellen sind zum Beispiel der Arbeitgeber oder der Ren­ten­ver­si­che­rungsträger. Selbstständige wenden sich direkt an ihre Pflegekasse.
  • Ein bestimmtes Formular für den Nachweis gibt es nicht. Eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes bei leiblichen Eltern reicht in der Regel aus oder alternativ Dokumente, die Deine Adoptiv-, Stief- oder Pflegeelternschaft bestätigen.

Seit dem Jahr 2005 zahlen Versicherte ohne Kinder einen höheren Beitrag zur sozialen Pfle­ge­ver­si­che­rung als Eltern. Um den Kinderlosenzuschlag zu vermeiden, musst Du Deine „Elterneigenschaft“ nachweisen. Wir erklären, was genau damit gemeint ist und welcher Nachweis gilt.

Elterneigenschaft – was ist das überhaupt?

Immer dann, wenn ein Kind lebend geboren wird, bekommen dessen Elternteile im Sinne der sozialen Pfle­ge­ver­si­che­rung die Elterneigenschaft zuerkannt. Wichtig ist das für die Höhe Deines Beitrags in der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung. Im Gegensatz zu kinderlosen Versicherten zahlst Du als Elternteil weniger an die Pflegekasse. Wenn Du gesetzlich versichert bist und ein oder mehrere Kinder hast, zahlst Du 3,05 Prozent Deines monatlichen Bruttolohns in die gesetzliche Pflegekasse ein. Bei kinderlosen Versicherten liegt der Beitragssatz bei 3,3 Prozent. 2022 steigt er für Kinderlose auf 3,4 Prozent.

Mit dem geringeren Beitrag für Eltern will der Gesetzgeber die Betreuung und Erziehung von Kindern bei der Beitragsbemessung positiv berücksichtigen. Ein Kind reicht aus, damit Deine Elterneigenschaft bis zum Lebensende wirksam bleibt. Auch Eltern, deren Kind nicht mehr lebt, bleibt die Elterneigenschaft ein Leben lang erhalten. Sie wird nicht aberkannt.

Wer gilt als Eltern eines Kindes?

Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat. Vater eines Kindes im Sinne des Gesetzes ist der Mann, der zur Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist oder die Vaterschaft anerkannt hat. Gleiches gilt, wenn die Vaterschaft gerichtlich festgestellt wurde. Waren die Eltern zur Geburt des Kindes nicht miteinander verheiratet, muss dieses für die Elterneigenschaft vom Vater anerkannt sein.

Auch wenn Ihr Adoptiv- und Pflegeeltern seid, könnt Ihr die Elterneigenschaft im Sinne der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung erhalten. Eine Voraussetzung ist, dass das Kind auf Dauer mit im Haushalt lebt und sich dort nicht nur für eine gewisse Zeit aufhält. Ist das der Fall, zahlst Du als Anerkennung für die Betreuung und Erziehung des Kindes weniger für Deine Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Stiefeltern erhalten den Beitragsnachlass bei der Heirat mit dem leiblichen Elternteil. Bedingung ist, dass das Kind zum Zeitpunkt der Hochzeit noch nicht die Altersgrenze für die Familienversicherung erreicht hat und in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Stiefelternteil lebt. 

Details zu den Regelungen für Stief-, Adoptiv- und Pflegeeltern findest Du in diesem Schreiben des Spitzenverbands der Kran­ken­kas­sen.

Wie lange musst Du das Kind betreut haben?

Hast Du als gesetzlich Versicherter die Elterneigenschaft erhalten, geht das Gesetz automatisch davon aus, dass Du Dein Kind betreust und erziehst. Es kommt nicht darauf an, ob und wie lange das tatsächlich geschieht oder geschehen ist. Keine Rolle spielt auch, ob das Kind in Deutschland oder einem anderen Land geboren ist und sich hier aufhält.

Welchen Nachweis musst Du für die Elterneigenschaft bringen?

Bist Du in der gesetzlichen Kran­ken­kas­se pflichtversichert, bist Du automatisch auch Mitglied in der gesetzlichen Pflegekasse. Der Beitragszuschlag für Kinderlose fällt dann weg, wenn Du Deine Elterneigenschaft gegenüber der Stelle nachweist, die den Beitrag an Deine Kasse abführt. Das können zum Beispiel Dein Arbeitgeber, der Ren­ten­ver­si­che­rungsträger oder auch die Zahlstelle für Versorgungsbezüge sein. Diese Stellen überweisen die Beiträge an die Pflegekasse. Bist Du selbstständig, musst Du Deine Elterneigenschaft selbst gegenüber Deiner Pflegekasse nachweisen. 

In der Regel funktioniert das formlos. Ein bestimmtes Formular oder einen Vordruck, um die Elterneigenschaft nachzuweisen, gibt es nicht. Bei leiblichen Eltern reicht eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes für den Nachweis aus. Alle anderen brauchen dafür Dokumente, die ihre Adoptiv-, Stief- oder Pflegeelternschaft bestätigen. Das können beispielsweise die Adoptionsurkunde, die Heiratsurkunde mit der Meldebescheinigung des Einwohnermeldeamtes oder ein Nachweis vom Jugendamt über die „Vollzeitpflege“ sein. 

Gibt es eine Frist für den Nachweis der Elterneigenschaft?

Deine Elterneigenschaft solltest Du schnellstmöglich der abführenden Stelle, also beispielsweise Deinem Arbeitgeber, nachweisen – am besten innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt des Kindes. In diesem Fall gibt es den Beitragsnachlass ab Beginn des Monats, in dem Dein Kind geboren wurde. Ansonsten gilt er erst ab dem Folgemonat, nachdem der Nachweis erbracht wird.

Was gilt für Kinderlose?

Wenn Du in der gesetzlichen Pfle­ge­ver­si­che­rung beitragspflichtig bist und kein Kind hast, zahlst Du einen Beitragszuschlag, außer Du 

  • hast das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet,
  • wurdest vor dem 1. Januar 1940 geboren,
  • leistest im Moment Deinen Wehrdienst ab oder 
  • erhältst Arbeitslosengeld II.

In diesen Fällen entfällt der Zuschlag für Kinderlose. 

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