PFOF-Verbot rückt näher - Folgen?

  • Kannst du mir dann die Frage beantworten, warum PFOF verboten worden ist, die Strukkis (Strukturvertriebe) dieser Welt aber weiterhin ungeniert ihre Produkte auf Provisionsbasis vertreiben dürfen, die ebenfalls haargenau diese Punkte erfüllen, nur in einem noch viel extremeren Ausmaß?

    Das passt für mich nicht zusammen.

    Weil das eine eine EU-Richtline ist (PFOF) die in allen EU-Ländern umgesetzt werden muss/soll.
    Ein generelles Provisionsverbot gibt es auch in einigen Ländern (z.B. UK, Niederlande). Leider hat insbesondere die deutsche Finanzlobby mit Ihren politischen Kontakten dafür gesorgt, dass ein generelles Provisionsverbot in der EU vom Tisch genommen wurde.

    Viele Finanzprodukte gibt es in dieser Form überhaupt nur in Deutschland (z.B. Riester/Rürup, bAV) oder auch die selige Kapitallebensversicherung. ;)
    Frag Dich einfach mal warum das so ist.

  • Im Grunde verstehe ich deine Position, finde aber, dass man dies nicht so isoliert betrachten darf.

    Du hast u.a. versteckte, intransparente Kosten, die Vermeidung von Interessenskonflikten und Transparenz in Verträgen angesprochen. Kannst du mir dann die Frage beantworten, warum PFOF verboten worden ist, die Strukkis (Strukturvertriebe) dieser Welt aber weiterhin ungeniert ihre Produkte auf Provisionsbasis vertreiben dürfen, die ebenfalls haargenau diese Punkte erfüllen, nur in einem noch viel extremeren Ausmaß?

    Das passt für mich nicht zusammen.

    Ich hatte mich nur daran gestört, dass Du eine an sich vernünftige Regelung als "Sauerei" beschimpfst. Ich habe nicht behauptet, dass überall sonst auch so gute und saubere Regeln bestehen.

    Monstermania hat es ganz gut erklärt. Idealerweise sollte das mE für alle Verträge gelten.

    Man kann unterschiedlicher Meinung sein, aber eine grundsätzlich am Gemeinwohl und Fairness in den Geschäftsbeziehungen orientierte Regelung als "Sauerei" zu beschimpfen, sollte nicht unwidersprochen bleiben. Der Ton macht die Musik, gerade auch heutzutage und in der Politik.

  • Ich hatte mich nur daran gestört, dass Du eine an sich vernünftige Regelung als "Sauerei" beschimpfst.

    [...]am Gemeinwohl und Fairness in den Geschäftsbeziehungen orientierte Regelung

    Bei den Thema geht mir leider bisschen der Puls. Wenn du dich durch meine Formulierung angegriffen gefühlt hast, möchte ich mich entschuldigen.

    Ist dies tatsächlich so, dass die Regelung wegen Gemeinwohl und Fairness eingeführt worden ist oder hat vielleicht jemand anderes die Finger im Spiel, dem das Gechäftsmodell von Neobrokern missfällt? Ich weiß, ist alles reine Spekulation...

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

  • Leider hat insbesondere die deutsche Finanzlobby mit Ihren politischen Kontakten dafür gesorgt, dass ein generelles Provisionsverbot in der EU vom Tisch genommen wurde.

    Und genau das stört mich daran. Es würde mich nicht überraschen, wenn das PFOF-Verbot ebenfalls aus dieser Richtung initiiert worden ist. Aber Beweise habe ich natürlich keine.

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  • Wenn Du die sauberste und fairste Regelung schaffen dürftest, wie würde sie denn ganz konkret aussehen?

    Vielleicht sinkt Dein Puls dann wieder etwas. Ich finde die Regelung nämlich tatsächlich sehr vernünftig.

    PFOF ist für mich dagegen ein eher korruptes System, genauso wie Drückerkolonnen und verdeckte Provisionszahlungen anderswo.

  • Wäre ein Provisionsverbot wirklich besser? Das Desinteresse an Finanzthemen wäre sicherlich nicht beseitigt! Welcher Kleinanleger würde 100€+ für eine Beratung zahlen, wenn er 3000€ anlegen will?

    Ich habe nicht gesagt, dass durch ein Provisionsverbot alle Probleme vom Tisch wären. Allerdings muss man auch sagen, dass in deinem Beispiel der Kleinanleger dann einfach Pech hat, wenn er sich nicht mit der Anlage von dieser vergleichsweise kleinen Summe beschäftigen möchte. Dann muss er halt den entsprechenden Preis für die Beratung zahlen.

    Wieder reine Spekulation und Vermutungen ohne Beweise: Wenn ich zu einem Berater auf Provisionsbasis gehe, weil ich gerne 3.000€ anlegen möchte, glaubst du, er hilft mir dann wirklich nur dabei, das Geld anzulegen? Oder würde er die gute Gelegenheit nutzen, um mal über "meine Versicherungen drüberzuschauen" oder meine Rentenlücke aufzuzeigen (mit den passenden Produkten in der Hinterhand)?

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  • Wenn Du die sauberste und fairste Regelung schaffen dürftest, wie würde sie denn ganz konkret aussehen?

    Gute Frage, mit PFOF war ich eigentlich ganz zufrieden. Hat vielleicht auch seine Schattenseiten aber besser als die üblichen Gebühren von klassischen Filialbanken.

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  • Und genau das stört mich daran. Es würde mich nicht überraschen, wenn das PFOF-Verbot ebenfalls aus dieser Richtung initiiert worden ist. Aber Beweise habe ich natürlich keine.

    Zunächst mal kann ich als 'Buy-and-Hold-Langfristanleger' keinen wirklichen Nachteil durch ein Verbot von PFOF erkennen.
    Ich habe jahrelang bei meiner Direktbank für meine Sparpläne 1,50€ pro Ausführung bezahlt. Wenn ich heute das Verhältnis von Depotwert zu Transaktionskosten betrachte liege ich inzwischen irgendwo bei < 0,1%.
    Ich habe aber schon so manche Depotvorstellung von Trade Republic oder Scalable gesehen (1€ pro Trade). Da sind mir dann schon häufiger niedrig 5-stellige Depotwerte mit anteiligen Transaktionskosten in der Richtung von > 1% des Depotwerts untergekommen.
    10 Trades im Monat sind dann auch mal eben 10€. :/
    Insofern mögen höhere Transaktionskosten auch eine erzieherische Wirkung haben. ;)

    Wieder reine Spekulation und Vermutungen ohne Beweise: Wenn ich zu einem Berater auf Provisionsbasis gehe, weil ich gerne 3.000€ anlegen möchte, glaubst du, er hilft mir dann wirklich nur dabei, das Geld anzulegen? Oder würde er die gute Gelegenheit nutzen, um mal über "meine Versicherungen drüberzuschauen" oder meine Rentenlücke aufzuzeigen (mit den passenden Produkten in der Hinterhand)?

    Grundsätzlich wäre das überhaupt kein Problem, wenn der 'Berater' Die wirklich objektiv und kundenorientiert beraten würde. Und solche 'Berater' gibt es bestimmt auch.
    Leider besteht aber eben die Gefahr, dass Du nicht beraten wirst, sondern an einen 'Verkäufer' gerätst, der nur seine Provision im Sinn hat.
    Und genau diese Gefahr ist bei provisionsbasierten Vertriebsmodellen natürlich besonders groß.

    Wie bei der Anhörung zum AV-Depot die Stellungnahme der Versicherungsbranche. Dort wurde gesagt, dass der 'Berater' mit vielen Interessenten zunächst mal die gesamten Finanzen durchgehen müssen um überhaupt Einsparpotentiale für den Abschluss einen AV-Produkts finden zu können.
    Nur das gerade diese Menschen auf eine hohe Rendite (bzw. niedrige Kosten) Ihrer AV-Produkte angewiesen sind. Wer eh nur 50€ oder 100€ im Monat sparen kann, sollte nicht noch durch Abschlussprovisionen und hohe laufende Kosten um Ihre Rendite gebracht werden.

    Manche Foristen sind ja der Ansicht, dass selbst eine solche 'Altersvorsorge' noch besser sei als gar nichts. Sehe ich nicht so, weil sich die Menschen dann in falscher Sicherheit wiegen. Nach dem Motto: "Ich habe ja eine Versicherung angeschlossen".
    Das böse erwachen kommt dann wenn es viel zu spät ist.

  • Manche Foristen sind ja der Ansicht, dass selbst eine solche 'Altersvorsorge' noch besser sei als gar nichts. Sehe ich nicht so, weil sich die Menschen dann in falscher Sicherheit wiegen. Nach dem Motto: "Ich habe ja eine Versicherung angeschlossen".
    Das böse erwachen kommt dann wenn es viel zu spät ist.

    Das kann ich zu 100% unterschreiben.

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  • Sehe ich nicht so, weil sich die Menschen dann in falscher Sicherheit wiegen. Nach dem Motto: "Ich habe ja eine Versicherung angeschlossen".
    Das böse erwachen kommt dann wenn es viel zu spät ist.

    Da hatte ich neulich mit einer Dame der Friedhofsverwaltung zu tun und wir kamen in ihrem Büro ins Gespräch über so Sachen wie Altersvorsorge und Vollmacht…

    Sie habe quasi „nix“ und die einzige erwachsene Tochter habe „nix“ zu erwarten.

    Aber sie habe jetzt endlich eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen…

    Angstellte im öffentlichen Dienst, so um die 50….

  • Es ist faszinierend, was es alles für Versicherungen gibt. Liegt das in der deutschen Natur, dass man sich am liebsten gegen ALLES versichern möchte?

    Wenn meine Hinterlassenschaften nach meinem Tod nicht mal für die Beerdigung reichen, ist aber gewaltig was schiefgelaufen.

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  • Ich bin gerade erschrocken, mit welchen Summen so eine Sterbegeldversicherung zu Buche schlägt.

    Tomarcy Würde die Dame in deinem Fall das Geld monatlich anlegen, könnte sie sich je nach erreichtem Lebensalter einen vergoldeten Sarg leisten ;)

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  • Ich bin gerade erschrocken, mit welchen Summen so eine Sterbegeldversicherung zu Buche schlägt.

    Meine Eltern haben Beide eine Sterbegeldversicherung gehabt. War es nötig? Natürlich nicht!
    Aber da hat der Versicherungsvertreter Ganze Arbeit geleistet. :rolleyes:
    Und natürlich haben meine Eltern früher auch nie über Ihre Finanzen gesprochen. Erst in den letzten Jahren kam dann meine Mutter auf mich zu und hat mich gebeten Sie bei der Geldanlage zu unterstützen.
    Aber mehr wie ein gutes Tagesgeldkonto und eine Festgeldtreppe wollte ich meiner Mutter nicht mehr zumuten. Schließlich war es Ihre Geld und Sie musste die Geldanlage verstehen und sich damit wohlfühlen.
    Und Liquidität ist mit steigendem Alter auch wichtiger als irgendeine Rendite. Schließlich war es von 'Ich komme gut allein zurecht' bis 'Ich komme nicht mehr allein klar' nur wenige Monate. :/

  • Mit der engsten Familie oder guten Freunden kann bzw. sollte man über Geldanlage reden. Das geht ja sogar ganz wunderbar mit relativen Zahlen, niemand muss sein Vermögen auf den Cent genau mitteilen.

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  • Nur das gerade diese Menschen auf eine hohe Rendite (bzw. niedrige Kosten) Ihrer AV-Produkte angewiesen sind. Wer eh nur 50€ oder 100€ im Monat sparen kann, sollte nicht noch durch Abschlussprovisionen und hohe laufende Kosten um Ihre Rendite gebracht werden.

    Manche Foristen sind ja der Ansicht, dass selbst eine solche 'Altersvorsorge' noch besser sei als gar nichts. Sehe ich nicht so, weil sich die Menschen dann in falscher Sicherheit wiegen. Nach dem Motto: "Ich habe ja eine Versicherung angeschlossen".
    Das böse erwachen kommt dann wenn es viel zu spät ist.

    Hat nicht unser Bundeskanzler vor nicht allzu langer Zeit mal was erzählt von „50 EUR im Monat“? Ich bekomme den Wortlaut nicht mehr zusammen, aber es suggerierte jedenfalls, man könne mit 50 EUR im Monat eine auskömmliche Altersvorsorge aufbauen (was natürlich Quatsch ist).

  • Hat nicht unser Bundeskanzler vor nicht allzu langer Zeit mal was erzählt von „50 EUR im Monat“? Ich bekomme den Wortlaut nicht mehr zusammen, aber es suggerierte jedenfalls, man könne mit 50 EUR im Monat eine auskömmliche Altersvorsorge aufbauen (was natürlich Quatsch ist).

    „„Man muss nur mit kleinen Beträgen früh genug anfangen und darf es nie unterbrechen. Und wenn Sie mit 50 Euro im Monat anfangen, dann haben Sie eine sechsstellige Altersversorgung, wenn Sie dann mit 65, 68 in den Ruhestand gehen.“

    Friedrich Merz am 06. März in Ravensburg bei der Abschlusskundgebung der CDU Baden-Württemberg zum Landtagswahlkampf.


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    Das habe ich jetzt extra mal für dich rausgesucht.

    Du musst übrigens hier bei der Moderation von Finanztip in diesem Forum etwas aufpassen. Ich wurde letzte Woche „abgemahnt“. Es ging um ein eindeutig überzogenen, satierischen von mir gegen die Finanzindustrie im Zusammenhang mit dem Altersvorsorgedepot gerichteten Beitrag zu hohen TER.

    Du musst also schon aufpassen, wenn du hier das Wort „Quatsch“ schreibst. Dann bitte sorgsam begründen, warum der Herr Bundeskanzler hier eventuell falsch liegt.

    Was passiert denn, wenn ein Sechzehnjähriger Azubi jeden Monat 50 € in ETF Sparplan einzahlt und dann mit 70 Jahren in Rente geht?

    Ich habe das überschlagen in einem anderen Thread. Wenn er 54 Jahre lang das macht und den Sparbeitrag nie erhöht, hat er zum Schluss etwa 138.000 € zur Verfügung, ohne Berücksichtigung der Steuer.

    Voraussetzung ist, dass die Aktienmärkte im Schnitt um etwa 5 % im Jahr steigen.

    Die Gewinn wären dann etwa 100.000 €


    Bei einer durchschnittlichen Inflation Inflation von 2,5 % hätte der 70-jährige, dann einen realen Wert von heute von etwa 36.000 € in der Hand.

    Ich gehe davon aus, dass der Herr Bundeskanzler bereits die Idee des Altersvorsorgedepots kannte.


    Berücksichtigt man bei dem jungen Mann, dass er keine Vorabpauschale entrichten muss und erst mit dem 70. Lebensjahr in die Versteuerung eintritt, und außerdem 54 Jahre lang jedes Jahr einen Zuschuss zur Altersvorsorge erhalten hat…. Dann kann man mal rechnen.

  • Was passiert denn, wenn ein Sechzehnjähriger Azubi jeden Monat 50 € in ETF Sparplan einzahlt und dann mit 70 Jahren in Rente geht?

    Wenn man von 18 bis 65 rechnet (von 70 ist in dem Zitat nicht die Rede) komme ich nach Steuer (denn zu zahlende Steuer ist keine Altersvorsorge) auf 91.324,23 EUR.

    https://www.zinsen-berechnen.de/fondsrechner.p…amid=a203txk4vz

    Und das ist noch vor Inflation, mit 7% durchschnittlicher Rendite, null Depotgebühren, 0,1% TER und unter Ausnutzung von 1.000 EUR Freibetrag über den gesamten Zeitraum, mit Teilfreistellung und moderaten 2% Basiszins.

  • Wenn man von 18 bis 65 rechnet (von 70 ist in dem Zitat nicht die Rede) komme ich nach Steuer (denn zu zahlende Steuer ist keine Altersvorsorge) auf 91.324,23 EUR.

    https://www.zinsen-berechnen.de/fondsrechner.p…amid=a203txk4vz

    Und das ist noch vor Inflation, mit 7% durchschnittlicher Rendite, null Depotgebühren, 0,1% TER und unter Ausnutzung von 1.000 EUR Freibetrag über den gesamten Zeitraum, mit Teilfreistellung und moderaten 2% Basiszins.

    War mir klar. Nur tickt Friedrich Merz als Neoliberaler eben anders.

    Merz kündigt an, Prioritäten zu setzen, jeder müsse einen Beitrag leisten – erwähnt aber mit keiner Silbe Top­ver­die­ne­r:in­nen oder Vermögende. Denn die sind im Merz’schen Kosmos die eigentlichen Leis­tungs­trä­ge­r:in­nen – ihre Steuern will die CDU auf keinen Fall erhöhen.

    Und dann geht’s gleich wieder los, weil niemand „vermögend“ sein will.

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