Kommer-ETF eine Mogelpackung ?

  • Wenn man sich überlegt, wieviel Gedöhns der Kommer-ETF betreibt, ist schon bemerkenswert, wie eng er am ACWI IMI klebt.

    Positiv formuliert kann man sagen: Das Gedöhns, das er betreibt, funktioniert, weil trotz der vielfachen Kosten läuft er genauso (gut).

  • Ja kann sein, aber bleibt das auch so, wenn der Markt mal richtig runter gehen sollte?

    Das wird sich zeigen. In den letzten Jahren gab es ja wirkliche Stressszenarien so gut wie nicht.

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

  • Von Amundi halte ich mich grundsätzlich fern. Deshalb informiere ich mich da auch gar nicht weiter, sobald "Amundi" in der Bezeichnung steht ^^

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

  • ich könnte mir schon vorstellen: wenn mal wieder die Zeiten von Value und Small Cap kommen sollten (!), kann der GERD oder KOMR vermutlich den ACWI IMI hinter sich lassen, einfach wegen der eher equal ausgestatteten und kleinteiligen ETF Konstruktion.

    Wir werden es sehen.

    Und ich schliesse mich hier BS.C an, wir brauchen deutlich längere Zeiträume und auch mal einen schönen Rückwärtsgang oder auch Sektorrotation.

    Solange KI so dominant ist, wird es vermutlich eher schwierig mit der Konstruktion...

  • Gerd Kommer ist vor allem eine Marke für den deutschen Raum, wo L&G eher weniger bekannt ist. Die höhere TER dürfte wesentlich durch die zusätzlichen Lizenzzahlungen an Herrn Kommer begründet sein. Der eine oder andere Michel greift im Finanzprodukteregal halt gerne zum teuren Markenprodukt statt zur günstigeren Eigenmarke.

    Die Lizenzzahlungen kosten sicher was, allerdings ist auch ein MSCI- oder FTSE-Index nicht umsonst zu haben, nicht mal einer von Solactive … grds. ist MCAP aber am einfachsten und damit am billigsten abzubilden, weil deutlich weniger Eingriffe (Käufe/Verkäufe) notwendig sind.

  • Also . . . dann wollen wir mal...


    Zitat von Neumann

    Zahlreiche akademische Studien, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten publiziert wurden, belegen, dass einige Faktoren langfristig hohe Renditen lieferten – unabhängig von Untersuchungszeiträumen und einzelnen Märkten. Insbesondere die Faktoren Value, High Yield (hohe Dividendenrendite), Size und Momentum gelten unter Finanzmarktforschern als ziemlich robust.

    Das ist nicht richtig. Eine hohe Dividendenrendite ist weder ein Faktor, noch gilt es als robust unter Finanzmarktforschern. Das Gegenteil ist der Fall. Es taucht auch nicht im Faktor-Modell auf, das Neumann als Beerchnungsgrundlage hernimmt. Übrigens ist der Begriff ,,High Yield" falsch.

    Zitat von Neumann

    Für die Ökonometriker unter Ihnen: Im Fünf-Faktoren-Modell von Fama und French ist nur der Marktfaktor signifikant. Regressionskoeffizient: 0,91. Bestimmtheitsmaß des Modells: 96,6 Prozent. Führt man die Regressionsanalyse mit den von der Hedgefondsgesellschaft AQR berechneten Faktoren durch, ist der Marktfaktor noch ausgeprägter. Regressionskoeffizient: 0,96, Bestimmtheitsmaß des Modells: 97,5 Prozent.

    Die Analysen können Sie hier kostenlos herunterladen:

    1. Neumann kritisiert, der Kommer-ETF ziele auf die Faktoren Size, Value, Quality, Investment und Momentum ab, aber im Fünf-Faktoren-Modell von Fama und French sei nur der Marktfaktor signifikant. Das klassische Fünf-Faktoren-Modell von Fama und French (2015) beinhaltet die Faktoren Market-Beta, Size, Value, Profitability (ähnlich Quality) und Investment. Der Faktor Momentum ist darin gar nict enthalten. Wenn Neumann den Fonds mit einem Modell testet, dem ein zentraler Baustein (Momentum) fehlt, ist das Modell ungeeignet, um die vollständige Faktor-Ausrichtung des Fonds zu bewerten. Hier wäre das 6-Faktoren-Modell oder das Carhart-4-Faktoren-Modell nötig gewesen.

    2. Der Kommer-ETF wurde erst im Sommer 2023 aufgelegt. Die Datenbasis des Artikels reicht bis März 2026. Das sind weniger als drei Jahre. Faktorprämien (wie Value oder Size) sind in der Finanzwissenschaft zwar historisch belegt, weisen aber extrem lange Zyklen der Under- oder Outperformance auf (Value hat z.B. teils über ein Jahrzehnt underperformt). Aus einer Datenbsis von nicht einmal drei Jahren die generelle Abwesenheit von Faktorprämien für die Zukunft abzuleiten, ist statistisch nicht signifikant und extrem unwissenschaftlich.

    3. Jedes diversifizierte „Long-Only“-Weltaktienportfolio (egal ob nach BIP, Marktkapitalisierung oder Faktoren gewichtet) wird fast immer eine Korrelation von 0,95 bis 0,99 zum Gesamtmarkt haben. Das Marktrisiko (Beta) dominiert bei solchen Portfolios immer die Renditen (meist zu über 90%). Faktor-Tilts sind nicht dazu gedacht, eine völlig andere Entwicklung als der Markt zu nehmen, sondern langfristig eine minimale Überrendite (z.B. 0,5% bis 1,5% p.a.) zu generieren. Eine Korrelation von 0,97 ist für einen Faktor-Fonds auf den Weltmarkt völlig normal und kein Beweis für eine „Mogelpackung“.

    Zitat von Neumann

    Die 50-50-Mischung bei der Gewichtung ist eine Lösung, die sich wissenschaftlich kaum begründen lässt. Denn zumindest für die 23 entwickelten Länder zeigt meine Analyse, dass eine BIP-Gewichtung in der Vergangenheit meist die höhere Rendite brachte.

    Eine Gewichtungsmethode danach zu beurteilen, was im Backtest die höchste Rendite geliefert hätte, ist sogenanntes „Data Mining“ und zeugt vom Hindsight Bias. Kommer wählt die 50/50-Mischung nicht als die renditestärkste Variante der Vergangenheit, sondern als pragmatischen Kompromiss (Heuristik), um Klumpenrisiken (wie die USA bei reiner Marktkapitalisierung) und Liquiditäts-/Politikrisiken (hoher Schwellenländeranteil bei reiner BIP-Gewichtung) auszubalancieren. Das Risikomanagement als unwissenschaftlich abzutun, weil eine andere Methode in der Vergangenheit mehr Rendite brachte, greift viel zu kurz.

    Zitat von Neumann

    Ein nach dem BIP-gewichtetes Weltportfolio erzielte im Untersuchungszeitraum eine im Schnitt um 0,7 Prozentpunkte höhere Rendite pro Jahr als der Gerd Kommer ETF. Zudem waren die Wertschwankungen des Portfolios und der maximale Wertverlust niedriger. Das führte unter dem Strich zu einem besseren Rendite-Risiko-Verhältnis.

    Neumann bemängelt, dass ein rein BIP-gewichtetes Portfolio im Zeitraum Juli 2023 bis März 2026 eine um 0,7 Prozentpunkte höhere Rendite erzielt hätte als der Kommer-ETF. Neumann, der als Honorarberater langfristige Buy & Hold-Anlagekonzepte vertritt, wertet hier einen passiven ETF aufgrund einer Underperformance von wenigen Monaten bzw. Jahren ab. In der Finanzwissenschaft dominiert über so kurze Zeiträume der blanke Zufall (=Noise). Dieser Renditevergleich widerspricht den Kernprinzipien der passiven Kapitalanlage auf die Neumann sich selbst beruft.

    Zitat von Neumann

    Der GERD ist kein schlechtes Produkt, aber er hält nicht, was er verspricht. Die angebliche Ausrichtung nach Faktoren lässt sich nicht nachweisen. Dennoch zahlen Anleger dafür einen Aufpreis von mindestens 0,28 Prozentpunkten pro Jahr. Wer die USA niedriger und die Schwellenländer sowie Europa höher gewichten will als im MSCI ACWI IMI, kann dies auch preiswerter mit einem ETF-Portfolio erreichen.

    Rebalancing, Handelskosten, Steuern, Spread und operatives Risiko vergessen.

    Ich könnte lange so weiter machen. In fast jedem zweiten Satz ist ein Fehler. Keine Ahnung warum der so einen Müll schreibt. Vielleicht weiß er es nicht besser. Oder er denkt, dass ein einfaches KISS-Produkt einen Honorarberater obsolet machen könnte. Aber das sind nur Mutmaßungen. ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Irving (19. Mai 2026 um 22:20)

  • Die höhere TER dürfte wesentlich durch die zusätzlichen Lizenzzahlungen an Herrn Kommer begründet sein.

    Das denke ich auch. Solactive ist zwar günstiger als die großen Player, aber es ist schon ein Unterschied, ob wie bei Vanguard nur zwei Parteien (Fondsgesellschaft + Indexanbieter) oder drei Parteien (Fondsgesellschaft + Indexanbieter + Vermögensverwaltung) beteiligt sind. Wie der ARERO und das GPO wird der Kommer-ETF nie richtig billig werden. Ich denke, dass der sehr lange 0,4+ kosten und nie unter 0,3 fallen wird.

  • Den Honorarberater kenne ich nicht. Das Wort "Mogelpackung" in seiner Analyse des Gerd Kommer ETF halte ich zwar für überzogen, das hätte er sich sparen können. Der folgenden Aussage stimme ich trotzdem zu:

    Zitat

    Der gravierendste Unterschied zwischen dem Gerd Kommer ETF und dem einzigen in Deutschland erhältlichen ETF auf den MSCI ACWI IMI ist wahrscheinlich der Preis. Der GERD startete mit 0,5 Prozent der verwalteten Anlagesumme pro Jahr. Seit Mitte Dezember 2025 kostet der Fonds 0,45 Prozent, sein Konkurrent nur 0,17 Prozent. Wer sich ein Weltaktienportfolio aus zwei oder drei ETFs selber baut, zahlt noch weniger.

    Ich halte den SPDR ETF auf den er sich bezieht für ebenso gut, aber eben deutlich günstiger. Und mit einem beliebigen USA ETF und dem FTSE All-World ex US kann man sich ein US-klumpenfreies 2-ETF Portfolio für unschlagbare 0,09% TER bauen. Der Gerd Kommer ETF ist also exakt fünf mal so teuer. Selbst unter Hinzunahme eines dritten ETF wie bspw. eines Small-Value ETF wird es nicht bedeutend teurer. Wieviel beim Kommer ETF nun echter Mehrwert ist und wieviel wohl die "Brand" Gerd Kommer ausmacht, muss jeder für sich selbst beantworten.

  • Den Honorarberater kenne ich nicht. Das Wort "Mogelpackung" in seiner Analyse des Gerd Kommer ETF halte ich zwar für überzogen, das hätte er sich sparen können. Der folgenden Aussage stimme ich trotzdem zu:

    Ich halte den SPDR ETF auf den er sich bezieht für ebenso gut, aber eben deutlich günstiger. Und mit einem beliebigen USA ETF und dem FTSE All-World ex US kann man sich ein US-klumpenfreies 2-ETF Portfolio für unschlagbare 0,09% TER bauen. Der Gerd Kommer ETF ist also exakt fünf mal so teuer. Selbst unter Hinzunahme eines dritten ETF wie bspw. eines Small-Value ETF wird es nicht bedeutend teurer. Wieviel beim Kommer ETF nun echter Mehrwert ist und wieviel wohl die "Brand" Gerd Kommer ausmacht, muss jeder für sich selbst beantworten.

    Das Kostenargument greift aus meiner Sicht zu kurz. Der ACWI IMI verursacht ebenfalls höhere laufende Kosten als eine Direktanlage in deutsche Staatsanleihen und wird dennoch von Neumann sowie vielen hier aufgrund der höheren Renditeerwartung bevorzugt. Gleichzeitig erkennt Neumann im selben Artikel Faktorprämien als real an. Das Kostenargument wird selektiv angewednet.

    Wenn man die Mehrkosten eines Multi-Faktor-Ansatzes kritisiert, gibt es m. E. zwei mögliche Begründungen:
    Entweder man zweifelt die wissenschaftliche Evidenz für Faktorprämien grundsätzlich an oder man bezweifelt die konkrete Umsetzung im Kommer-ETF. Also ob der factor-tilt nach Kosten tatsächlich zuverlässig zu einer Mehrrendite führt.

    Da der factor-tilt im Index nachweislich vorhanden ist und historische Daten auf eine deutliche Outperformance hindeuten, würde mich insbesondere eine fundierte Begründung für den zweiten Punkt interessieren. Häufig wirkt die Kritik eher so, als würden die zugrunde liegenden Konzepte oder Daten nicht vollständig berücksichtigt. :/

    Im Kern erinnert mich das an die Argumentation mancher Aktienkritiker: „Ich bleibe lieber beim Sparbuch, weil die Mehrrendite von Aktienfonds nach Kosten nicht garantiert ist.“ Natürlich ist (Mehr-)Rendite nie sicher. Die Frage ist aber, ob eine positive Erwartungsrendite plausibel und empirisch gut begründet ist.

Passende Ratgeber für Dich

Von Finanztip-Experten fundiert recherchiert

Was Finanztip ausmacht
Finanztip Bewertungen