Depot Check

  • Hallo zusammen,

    ich würde gerne meine aktuelle Portfoliostruktur zur Diskussion stellen. Ich bin 48 Jahre alt und verfolge diese Anlagestruktur nun seit etwa anderthalb bis zwei Jahren. Mein Ziel ist es, sicherzustellen, dass meine Aufteilung für den langfristigen Vermögensaufbau optimal gewählt ist.

    Meine Anlageziele:

    • Fokus: Langfristiger Vermögensaufbau / Altersvorsorge.
    • Horizont: Langfristig (10+ Jahre).
    • Risikoprofil: Ich bin wachstumsorientiert, möchte aber durch eine Diversifizierung ein Stück weit „All-Weather“-Stabilität integrieren.

    Meine aktuelle Ziel-Allokation:

    • 80% World Equities: SPDR MSCI ACWI IMI
    • 10% Anleihen: iShares Global Agg. Bond
    • 5% Gold: WisdomTree Core Physical Gold
    • 5% Rohstoffe: iShares Diversified Commodity

    Meine Fragen an euch:

    1. Sinnhaftigkeit der Beimischungen: Lohnt sich der Aufwand (Rebalancing, Komplexität) durch die Beimischung von Rohstoffen, Anleihen und Gold wirklich? Oder wäre es aus eurer Sicht sinnvoller, das Portfolio zu vereinfachen – etwa rein auf den Welt-ETF zu setzen oder diesen nur mit einem Anleihen-Anteil zu kombinieren?
    2. Nutzen von Rohstoffen: Wie beurteilt ihr konkret den Mehrwert von 5% Rohstoffen im langfristigen Portfolio? Dienen sie als effektive Renditequelle/Inflationsschutz oder sind sie bei einer langfristigen Buy-and-Hold-Strategie eher ein Performance-Hemmschuh?
    3. Strategie-Check: Ist die Gewichtung der 10% Anleihen in der aktuellen Marktlage als „Puffer“ ausreichend, oder seht ihr bei einem 10-Jahres-Horizont andere Prioritäten?

    Ich freue mich über eure objektiven Einschätzungen und kritischen Meinungen zu dieser Struktur.

    Vielen Dank und Grüße

  • Stelle Deine Fragen an unsere Finanztip-Experten

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  • Kater.Ka 11. Juni 2026 um 16:20

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Herzlich willkommen im Forum.

    Ich mache es mal freundlich kurz:

    Du hast ja offenbar schon sehr viele konstruktive Gedanken gemacht.

    Das sieht doch schon sehr gut aus und dürfte für die nächsten 20 Jahre bei dem Aktienanteil gut sein.

    Gold kann man zwischen 5 bis 10 Prozent machen. Hier zeigen die finanzwissenschaftlichen Studien aber, dass dann nicht Buy % Hold richtig ist. Da ist dann regelmäßiges Rebalancing nötig.

    Den Rohstoffanteil sehe ich bei den 5 % kritisch. Entweder gehst du konsequent auf 10 Prozent oder lässt es ganz bleiben.
    Ich kenne die Theorien von US-Vermögensverwaltungen, die den früheren klassischen Anleiheanteil teilweise durch Rohstoffe ersetzen.

    Es gibt eine Grundregel: mindestens 8 % sind erforderlich für einen Asset-Anteil.

  • Ich bin der Überzeugung das man Gold erst ab 1.000.000 braucht und Rohstoffe erst ab 10.000.000

    Anleihen sind heute für den Kleinanleger auch eher nicht erste Wahl. Die ersten 100.000 können ruhig auf einem gut und stabil verzinsten Tagesgeld liegen, der Rest vom Cash in einer Festgeld Treppe (bei anderen Instituten)

    Mal konkret:

    100 Gramm Gold sollten es schon sein. EUWAX Gold II mit Auslieferungsanspruch.

    Steht gerade um die 114 Euro das Gramm.

    Also bei 5 Prozent Anteil dann Gesamtdepot 230.000 Euro,

    Jetzt mal rechnen….

  • Eben. Ob 11.500€ von 230.000€ nun etwas sicherer sind oder nicht - das bringt nix. Und im Krisenfall bin ich mal gespannt wie das mit dem Auslieferungsanspruch so klappt...

    3 Krüger-Rand bringen dann zu Hause auch nichts, wenn man nicht Single ist.
    Sagt zumindest Gerd Kommer.

  • Willkommen im Forum ANevermind

    Zu deinen Fragen:

    1. Sinnhaftigkeit der Beimischungen

    Ich bin ein Anhänger des risikoreich:risikoarm Modells. Die entscheidende Größe im Portfolio ist dabei die Höhe des risikoreichen Teils, dazu am Ende mehr. Inhaltlich würde ich diesen Teil überwiegend, wenn nicht sogar ausschliesslich mit Aktien abbilden, also mit deinem SPDR MSCI ACWI IMI.

    Was du als Beimischungen bezeichnest sind jedoch ebenfalls alles risikoreiche Portfoliobestandteile. Gold und Rohstoffe rechne ich generell zum risikoreichen Teil des Portfolios.

    Bei Anleihen wird es komplizierter, da muss man genau schauen um welche Anleihen es sich handelt. Dein iShares Global Aggregate Bond ist vermutlich die Euro Hedged Variante, somit besteht zumindest kein Währungsrisiko. Dieser Währungshedge verursacht aber Kosten. Und vor allem beinhaltet dieser globale Anleihen mit Laufzeit- und Bonitätsrisiken. Schau dir einfach den Kursverlauf im Jahr 2022 an, dann weißt du was ich meine. Somit ist dieser ETF zunächst zwar ein Anleihe-ETF, jedoch klar risikobehaftet und damit aus meiner Sicht nicht als risikoarmer Portfolioteil geeignet.

    Bei Gold scheiden sich die Geister. Dieses kann durchaus Sinn machen, jedoch klar im risikobehafteten Teil des Portfolios. Siehe die extreme Volatilität der letzten Monate, risikoarm ist anders. Eine Größenordnung von ca. 5-10% kann man trotzdem machen, muss man aber nicht.

    2. Nutzen von Rohstoffen

    Ich persönlich halte wenig davon, insbesondere aufgrund der schwierigen Umsetzbarkeit in einem Portfolio. Die Rollkosten fressen auf lange Sicht die Rendite auf. Ich würde sie komplett streichen. Siehe auch den Blogbeitrag von Gerd Kommer dazu.

    3. Strategie-Check: Ist die Gewichtung der 10% Anleihen in der aktuellen Marktlage als „Puffer“ ausreichend...

    Wie oben bereits beschrieben ist der derzeit genutzte Anleihen-ETF kein geeignetes Instrument für den risikoarmen Teil. Als "Puffer" erst Recht nicht. Ich würde hier entweder auf geldmarktnahe Lösungen setzen, bspw. DBX0AN. Oder besser noch auf ultrakurzlaufende Bundesanleihen ohne Währungs-, Laufzeit- oder Bonitätsrisiken. Bspw. im ETF-Mantel mit DBX0T8.

    Wie oben bereits geschrieben ist die Höhe des risikoreichen Teils die entscheidende Stellschraube um das Portfolio zu steuern. Diese kannst du nur selbst anhand deiner Risikotoleranz und -tragfähigkeit festlegen. Und da bist du äußerst sportlich unterwegs mit derzeit 80% Aktien bzw. 100% risikoreich. Ich bewege mich in ähnlicher Größenordnung, eher sogar minimal darunter. Ich bin aber auch schon eine ganze Weile länger als "etwa anderthalb bis zwei Jahre" an der Börse unterwegs. Und dabei habe ich auch schon -54% im Portfolio gesehen und weiß was ich tue ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Saarlaender (11. Juni 2026 um 21:43)

  • Gold kann man zwischen 5 bis 10 Prozent machen. Hier zeigen die finanzwissenschaftlichen Studien aber, dass dann nicht Buy % Hold richtig ist. Da ist dann regelmäßiges Rebalancing nötig.

    Hier eine interessante und recht aktuelle Studie der Universität Zürich zum Thema Gold für den langfristigen Vermögensaufbau

    Diese bestätigt die These von Tomarcy zunächst.

    Allerdings halte ich die Umsetzung einer solchen Rebalancing-Strategie für schwierig. Denn die Studie unterstellt monatliches Rebalancing. Das macht für kleine Privatanleger in der Praxis kaum Sinn. Bei physischem Gold erst recht nicht. Deutlich größere Rebalancing-Intervalle oder gänzlich andere Rebalancing-Strategien wären m.E. eher umsetzbar, bringen dann aber vermutlich auch weniger.

  • Hier eine interessante und recht aktuelle Studie der Universität Zürich zum Thema Gold für den langfristigen Vermögensaufbau

    Diese bestätigt die These von Tomarcy zunächst.

    Du bist ziemlich genial beim Finden… wenn das so weitergeht findest du wahrscheinlich auch noch alle wissenschaftlichen Beiträge von meiner Frau…😏

  • Ich bin überzeugt das 100% Aktien (d.h. ETF) für den riskanten Teil der Geldanlage für alle unter 1 Mio € Depotwert das einzig richtige ist. Viele verwechseln Gold, Anleihe, Rohstoffe offensichtlich mit sicheren Anlagen. Und wenn ich der Meinung bin, diese Assets reduzieren die Volatiliät, dann reichen 5% nicht aus. Nehme ich dann 30-50% reduzieren sie aber erheblich die Rendite. Man kan es drehen und wenden wie man will - wenn man kein Family Office führt macht es einfach keinen Sinn.

  • Ich bin überzeugt das 100% Aktien (d.h. ETF) für den riskanten Teil der Geldanlage für alle unter 1 Mio € Depotwert das einzig richtige ist. Viele verwechseln Gold, Anleihe, Rohstoffe offensichtlich mit sicheren Anlagen. Und wenn ich der Meinung bin, diese Assets reduzieren die Volatiliät, dann reichen 5% nicht aus. Nehme ich dann 30-50% reduzieren sie aber erheblich die Rendite. Man kan es drehen und wenden wie man will - wenn man kein Family Office führt macht es einfach keinen Sinn.

    Ich stimme dir absolut zu, mit einem leichten Restzweifel ob die Größe des Vermögens daran wirklich etwas ändert. Aber wie auch immer, leider befeuert die Finanzprodukteindustrie samt der Medienlandschaft einschliesslich der Finfluencer auf den sozialen Medien drumherum eine andere Botschaft. Je komplexer, je mehr Instrumente, je mehr hin und her und etc. und usw. desto besser. Da kann man jeden Monat ein Blättchen füllen oder jede Woche ein Filmchen drehen und daran verdienen.

    Stell dir vor jeder würde einfach nur nen ACWI IMI und etwas Tagesgeld nehmen. Die könnten doch alle dicht machen und Dubai wäre halb leer ;)

  • Rein aus Interesse, was genau verstehst du darunter?

    Das gleiche wie Wikipedia:
    Family Office bezeichnet im englischen Sprachraum eine Gesellschaft, deren Zweck die Verwaltung des privaten Großvermögens einer Eigentümerfamilie ist.

    Also großes Vermögen, deutlich über 1 Mio, mit dem Ziel nicht nur die Rente einer Person abzusichern, sondern das Vermögen über Generationen zu erhalten.


    mit einem leichten Restzweifel ob die Größe des Vermögens daran wirklich etwas ändert

    Ja, die Größe ist vielleicht der falsche Trigger. Es geht eher um sehr langfristges Anlegen - über Generationen.

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