In Gold anlegen

Gold bringt langfristig wenig Rendite

Sara Zinnecker
& Co-Autor
Stand: 15. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Gold wird sehr wahrscheinlich nie völlig wertlos: Wer Angst vor einem Währungscrash hat, kann über den Kauf von Gold nachdenken.
  • Dafür schwankte der Goldpreis in der Vergangenheit stärker als eine Anlage in weltweit gestreute Aktien und lieferte auf lange Sicht nicht einmal halb so viel Rendite.
  • Der Goldpreis entwickelt sich häufig entgegengesetzt zu Aktienkursen.
So gehen Sie vor
  • Falls Sie sich mit Gold gegen eine Finanzkrise absichern wollen, dann kaufen Sie Gold in Münzen oder Barren.
  • Wir empfehlen für den Kauf die Portale gold.de und gold-preisvergleich.de.
  • Wandeln Sie nicht mehr als 10 Prozent Ihres Vermögens in Gold um.
  • Dann kann der Wertverlauf Ihres Goldes die Schwankungen bei Ihren Aktien leicht abschwächen.

Wie sinnvoll ist es, in Gold anzulegen? Eine pauschale Antwort auf diese häufig gestellte Frage gibt es nicht. Entscheidend ist, was Sie sich persönlich von einem Investment in Gold erhoffen. Klar ist: Der Rendite wegen sollten Sie kein Gold kaufen.

Video: Wie sinnvoll ist es, Gold zu kaufen?

Was spricht für Gold?

Wie wir weiter unten im Detail zeigen, hat Gold in der Vergangenheit pro Jahr im Mittel wesentlich weniger an Wert gewonnen als zum Beispiel Aktien – und dabei sogar stärker geschwankt. Der Grund dafür ist, dass vor allem die Nachfrage den Goldpreis steuert. Eine innere Wertentwicklung gibt es nicht – anders als bei Unternehmen und damit bei Aktien.

Wer aber Angst vor einem Währungscrash hat und den Totalverlust seiner sonstigen Anlagen fürchtet, der kann einen kleinen Anteil seines Vermögens in physisches Gold umwandeln, also Goldmünzen oder Goldbarren kaufen und im heimischen Tresor bunkern.

Weil die Goldreserven weltweit begrenzt sind, behält das Edelmetall höchstwahrscheinlich einen gewissen Sachwert. Anders als die sogenannten Kryptowährungen wie Bitcoin ist Gold seit Jahrhunderten als Zahlungsmittel akzeptiert. Weil sich Gold außerdem öfter einmal entgegengesetzt zum Aktienmarkt entwickelt, kann es die Schwankungen im Portfolio leicht abschwächen.

Was treibt den Goldpreis?

Wie bei jeder Handelsware kommt auch der Goldpreis über Angebot und Nachfrage zustande. Das Besondere an physischem Gold ist aber: Als natürlicher Rohstoff ist sein Angebot nicht beliebig ausdehnbar. Zieht die Nachfrage an, können Goldproduzenten nur versuchen, das Angebot durch Recycling von Gold kurzfristig zu erhöhen. Reicht dies nicht aus, steigt der Preis.

Höchstpreise in Krisenzeiten

Ein Blick auf die vergangenen 44 Jahre zeigt, dass der Goldpreis manchmal heftig geschwankt hat. Immer wieder gab es Phasen der Unsicherheit, die Anleger und auch Notenbanken Gold zukaufen ließen und damit den Preis nach oben trieben. Höchstpreise wurden zwischen 1979 und 1983 sowie ab 2010 erzielt. Zuletzt hat der Goldpreis Mitte 2019 deutlich angezogen (siehe Grafik). 

In den 1970er Jahren fürchteten Anleger die hohe Inflation in vielen Industrieländern. Der Goldpreis stieg im Januar 1980 bis auf 850 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Erst als Paul Volcker neuer Chef der US-Notenbank Fed wurde, die Edelmetallbörsen stärker regulierte und versprach, die Geldmenge zu beschränken, verflüchtigte sich diese Angst.

Ab 2008 ging die Angst vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems und im Anschluss vor einer Schuldenkrise europäischer Staaten und Banken um. Der Goldpreis stieg auf mehr als 1.800 Dollar je Feinunze. Die Unsicherheit legte sich erst, als der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, im Sommer 2012 versprach, er werde alles tun, was nötig sei, um den Euro zu retten.

Ein neuerliches Jahrestief erlebte der Goldpreis im Oktober 2018. Eine Feinunze war noch 1.180 US-Dollar (rund 1.052 Euro) wert. Im Sommer 2019 ist der Goldpreis wieder gestiegen. Mit mehr als 1.500 US-Dollar erreichte er im August den höchsten Stand seit sechs Jahren.

Dabei spielte vor allem die Weltpolitik eine Rolle: Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, der Handelsstreit zwischen China und den USA sowie ein möglicher ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Zudem steht der Euro unter Druck. All das hat die Nachfrage nach Gold steigen lassen. 

Warum taugt Gold nicht als Einzelinvestment?

In Krisenzeiten sind bei Gold also kurzfristige Preissteigerungen möglich. Das bedeutet aber nicht, dass Gold auch dauerhaft höhere Renditen als Aktien liefert. Gold liefert weder Zinsen noch Dividenden. Die Rendite bemisst sich also allein an der Preisentwicklung.

Die folgende Tabelle zeigt, dass Gold gegenüber Aktien mittelfristig besser abschneiden kann, aber nicht muss. Langfristig hat ein reines Goldinvestment Anlegern weniger Rendite und mehr Schwankung beschert als ein Investment in den Weltaktienindex MSCI World.

Rendite und Schwankungen des Weltaktienindex versus Gold

 MSCI World1 Gold2 
ZeitraumRenditeSchwankung3RenditeSchwankung
1980 – 199018,8 %15,4 %-1,2 %21,8 %
1990 – 200012,6 %16 %-2,6 %12,3 %
2000 – 20182,7 %14,9 %7,4 %12,5 %
1975 – 20188,6 %15,1 %3,8 %15,8 %

1 Wir haben die Wertentwicklung auf den MSCI World Nettoindex berechnet, der die Dividenden nach Abzug von Steuern und Kosten verrechnet, und die Indexwerte in Euro umgerechnet.
2 Wir haben den Goldpreis in Euro umgerechnet.
3 Als Schwankung bezeichnen wir die durchschnittliche Standardabweichung der monatlichen Renditen (annualisiert).
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 1. Februar 2019)

Wer beispielsweise im Jahr 2000 in Gold investiert hat und bis Ende 2018 dabeigeblieben ist, hat im Vergleich zum reinen Aktieninvestment mehr jährliche Rendite bei weniger Schwankung erzielt. Wer dagegen früher, etwa Anfang der 1980er Jahre oder Anfang der 1990er Jahre investiert hat und zehn Jahre dabeigeblieben ist, hat mit Aktien das weit bessere Geschäft gemacht. Mittelfristig ist ein Goldinvestment daher am ehesten eine Wette mit ungewissem Ausgang.

Über die lange Frist (1975 bis 2018) brachte ein reines Aktieninvestment pro Jahr mehr als doppelt so viel Rendite als Gold bei etwas weniger Schwankung. Die untenstehende Grafik verdeutlicht dies:

Mehr dazu im Artikel Gold kaufen

  • Wer sich gegen Krisen wappnen will, kann Goldmünzen oder Barren kaufen. Am besten online.
  • Unsere Anbieter-Empfehlung: gold.de, gold-preisvergleich.de

Zum Ratgeber

Warum eignet sich Gold nur bedingt zur Risikostreuung?

Wir haben bereits gezeigt, dass sich Gold als Einzelinvestment nicht lohnt. Eine andere Frage ist, ob Sie Ihrem Portfolio einen Anteil Gold beimischen sollten. Wie viel genau das sein könnte, darüber streiten sich Experten. Die Spanne der Empfehlungen reicht von 5 bis hin zu 25 Prozent des Vermögens. Wir halten einen Anteil von bis zu 10 Prozent für sinnvoll, da eine höhere Beimischung die Renditechancen für das Gesamtportfolio zu sehr beeinträchtigen könnte.

Aus der Perspektive eines Anlegers, der Risiken streuen möchte, könnte diese Beimischung auf den ersten Blick eine Überlegung wert sein. Schließlich sind Gold und Aktien, was die Wertentwicklung angeht, kaum miteinander verbunden. Oder anders ausgedrückt: Der Wert von Gold entwickelt sich oft entgegengesetzt zu Aktien. Die Tabelle zeigt, dass der Goldpreis in weiter zurückliegenden Krisen im Vergleich zum Weltaktienindex weniger stark eingebrochen ist. In jüngeren Krisen hat er sogar zugelegt, während Aktien nachgaben.

Aktien- und Goldrenditen in Finanzkrisen

FinanzkriseZeitraumRendite Aktienindex
MSCI World
Rendite Gold
Schwarzer MontagAugust 1987 bis Januar 1988-24,5 %-7,9 %
Immobilienkrise in JapanSeptember 1989 bis August 1990-36,9 %-13,4 %
Finanzkrise in RusslandApril 1998 bis September 1998-16,5 %-12,2 %
Platzen der New-Economy-BlaseAugust 2000 bis März 2003-53 %4,1 %
US-Immobilienkrise und weltweite FinanzkriseOktober 2007 bis März 2009-46,1 %33,8 %
EurokriseFebruar 2011 bis November 2011-17,8 %28,7 %

Quelle: MSCI, Bundesbank, Finanztip-Berechnung (Stand: 9. Juni 2016)

Wir haben deshalb untersucht, welchen Effekt es hat, dem Portfolio einen geringen Goldanteil beizumischen. Ergebnis: Eine geringe Beimischung von Gold macht das Portfolio in der langen Frist schwankungsfester. Der Effekt ist aber nicht sehr stark.

Wie diese Tabelle zeigt, hätten 10 Prozent Gold im Portfolio in der langen Frist die Schwankungen jährlich um 0,5 Prozentpunkte gemindert. Die Rendite wäre im Gegenzug jährlich um 0,2 Prozentpunkte geringer ausgefallen.

Rendite und Schwankungen Aktien-Portfolio mit Gold-Anteil (1975 - 2018)

 durchschnittliche
Rendite pro Jahr
Schwankungen
pro Jahr1
nur Gold3,8 %15,8 %
nur Aktien8,6 %15,1 %
90 % Aktien, 10 % Gold8,4 %14,6 %

1 durchschnittliche Standardabweichung der monatlichen Renditen (annualisiert)
Quelle: Bundesbank, Finanztip-Berechnung (Stand: 1. Februar 2019)

Regelmäßiges Umschichten für die wenigsten eine Option

Darüber hinaus gibt es grundsätzlich auch die Möglichkeit, dass Anleger ihr Portfolio regelmäßig umschichten, also den Goldanteil immer wieder auf 10 Prozent des Aktienanteils bringen. Wegen der Transaktionskosten lohnt sich dies aber nur für die wenigsten. Näheres dazu finden Sie im Detailartikel Rebalancing.

Physisches Gold in Form von Goldbarren oder -münzen kaufen Sie am besten bei den unten genannten Anbietern. Worauf man dabei achten sollte, haben wir im Ratgeber Gold kaufen erklärt.

Autor
Sara Zinnecker
& Co-Autor
Dr. Manuel Kayl

Stand: 15. August 2019


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