GRV ungleich Investment

  • „Das politische Lamento über die Zuschüsse zur Rentenkasse geht mir in der aktuellen Form echt auf den Zeiger. Die Bundeszuschüsse für die Rentenkasse sind eine Folge sozialpolitischer Entscheidungen, an denen alle demokratischen Parteien beteiligt waren. Sie werden gezahlt, um den Ostdeutschen für weniger (mögliche) Einzahlungen das gleiche Rentenniveau zu gewährleisten (36 Milliarden Euro im Jahr), um Witwenrenten auszuzahlen, für die keine Beiträge geflossen sind (19 Milliarden), um die bisherigen Mütterrenten auszuzahlen (20 Milliarden), für die keine Beiträge geflossen sind, um den vielen Bergleuten eine höhere Rente zu zahlen, für die einfach keine Folgegeneration einzahlen kann (drei Milliarden) und den Spätaussiedlern auch (sechs Milliarden) und so weiter. Wer will, kann für die Abschaffung dieser Sozialleistungen auf die Straße gehen, dann aber bitte laut, deutlich und konkret!“

    Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/ser…32-3c5dcde98d68

    Genau, habe ich hier auch schon x-mal gesagt.
    Die meisten "Zuschüsse" in die GRV sind nur ein Ausgleich für die politischen Geschenke, Eingriffe in das RV-System der Politik der letzten 40 Jahre.

  • Größtenteils bekommt Herr Tenhagen für seinen Artikel meine Zustimmung, einen speziellen Punkt sehe ich aber anders, und zwar die Gründe der verschiedenen Lebenserwartung der "armen" vs der der "reichen" Männer:

    Hier in Deutschland haben wir (trotz der aktuellen Probleme) so gut wie alle genug zu essen, eine vorhandene Gesundheitsversorgung und ein beheiztes Dach über dem Kopf.

    Nach meiner Ansicht sind die Gründe für die verschieden hohe Lebenserwartung nach Erreichen des Rentenalters eher im Bereich Bildung und Lebensstil zu finden.

    Klar haben Leute in evt. gefährlicheren Berufen ein höheres Risiko zu versterbern, aber dieses Risiko kommt ja im Rentenalter nicht mehr zum tragen.

  • Prima - dann möchte ich die geneigten Leser dieses Threads auf die wöchentliche Kolumne des Chefredakteurs verweisen, in der er sich über die aktuelle GRV-Debatte auslässt. Ich war so beeindruckt, dass ich vor dem Bildschirm applaudiert habe.

    Zu dem Thema GRV - insbesondere zu dem Rentenpaket - scheint es aber auch andere Meinungen als die Deinige ("vor dem Bildschirm applaudiert") und die des "Chefredakteurs in der wöchentlichen Kolumne zu geben" ...

    Beispielsweise von Ökonomen, Wirtschaftswissenschaftler, Mitgliedern des Sachverständigenrates, Politikern usw.

    Bärbel Bas (SPD) beispielsweise - meines Wissens Bundesministerin für Arbeit und Soziales -, die heute auf dem Arbeitgebertag auch zu dem Thema sprach, sorgte an zwei Stellen ihrer Rede für offenes Gelächter im Saal.

  • [Ich möchte] die geneigten Leser dieses Threads auf die wöchentliche Kolumne des Chefredakteurs verweisen, in der er sich über die aktuelle GRV-Debatte auslässt. Ich war so beeindruckt, dass ich vor dem Bildschirm applaudiert habe.

    Daß ein Linker der Kolumne eines Linken zustimmt, kann eigentlich nicht erstaunen. :)

    „Das politische Lamento über die Zuschüsse zur Rentenkasse geht mir in der aktuellen Form echt auf den Zeiger. Die Bundeszuschüsse für die Rentenkasse sind eine Folge sozialpolitischer Entscheidungen, an denen alle demokratischen Parteien beteiligt waren. Sie werden gezahlt, um den Ostdeutschen für weniger (mögliche) Einzahlungen das gleiche Rentenniveau zu gewährleisten (36 Milliarden Euro im Jahr), um Witwenrenten auszuzahlen, für die keine Beiträge geflossen sind (19 Milliarden), um die bisherigen Mütterrenten auszuzahlen (20 Milliarden), für die keine Beiträge geflossen sind, um den vielen Bergleuten eine höhere Rente zu zahlen, für die einfach keine Folgegeneration einzahlen kann (drei Milliarden) und den Spätaussiedlern auch (sechs Milliarden) und so weiter. Wer will, kann für die Abschaffung dieser Sozialleistungen auf die Straße gehen, dann aber bitte laut, deutlich und konkret!“

    Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/ser…32-3c5dcde98d68

    Die aktuellen Regierungsparteien finden ihre Wähler vordringlich unter den Rentnern. Somit ist von ihnen nicht zu erwarten, daß sie die notwendigen Entscheidungen treffen, nämlich die Beiträge langsam gleitend zu erhöhen und gleichzeitig die Erhöhung der Renten langsamer vonstatten gehen zu lassen als die Nettolohnentwicklung. Das ist logischerweise unpopulär, deswegen drücken sich die Rentnerparteien um die Entscheidung. Aber so gewinnt man halt die Zukunft nicht.

    Auch die von Tenhagen genannten Sonderleistungen könnte man durchaus abschmelzen. Die das nicht wollen, sprechen immer von abschaffen, um ihre Klientel aufzurütteln. Darum geht es nicht. Es nicht nicht sinnvoll, mit der Axt an Sozialleistungen zu gehen. Bei der Rente mit 67 hat man das Rentenzugangsalter ja auch nicht ruckartig erhöht, sondern gleitend. In ähnlicher Weise könnte man auch die von Tenhagen genannten Sozialleistungen ausschleichen.

    Wozu braucht ein hinterbliebener DINK (double income no kid) eine Hinterbliebenenrente? Er hat schließlich seine eigene Altersvorsorge.

    Zitat

    [aus dem Spiegel-Artikel]

    Und wenn die Experten dabei sind: Schön wäre auch eine Antwort, die zeigt, wie Deutschland die Pensionsansprüche seiner Beamten auf das gleiche Niveau bringt wie die Ansprüche von normalen Erwerbstätigen. Man kann dabei von anderen EU-Staaten lernen.

    Man könnte auch (Tenhagen nennt das), die goldene Beamtenversorgung auf das Maß der Normalbevölkerung zurückführen (wie etwa Österreich es geschafft hat). Aber das geht in Deutschland natürlich nicht, schließlich hat das ganz spezielle Dienst- und Treueverhältnis der Beamten in Deutschland Verfassungsrang.

    :)

  • Sie werden gezahlt, um den Ostdeutschen für weniger (mögliche) Einzahlungen das gleiche Rentenniveau zu gewährleisten (36 Milliarden Euro im Jahr), um Witwenrenten auszuzahlen, für die keine Beiträge geflossen sind (19 Milliarden), um die bisherigen Mütterrenten auszuzahlen (20 Milliarden), für die keine Beiträge geflossen sind, um den vielen Bergleuten eine höhere Rente zu zahlen, für die einfach keine Folgegeneration einzahlen kann (drei Milliarden) und den Spätaussiedlern auch (sechs Milliarden) und so weiter. Wer will, kann für die Abschaffung dieser Sozialleistungen auf die Straße gehen, dann aber bitte laut, deutlich und konkret!“

    Gerne, hier!

    Ostdeutsche: Bürgergeld

    Witwenrenten: Haben Fehlanreize zur Hausfrauenehe gesetzt

    Mütterrente: Kann man tatsächlich lassen

    Spätaussiedler: siehe Ostdeutsche

    Bergleute: Die Argumentation ist hanebüchen. Es sind genug Berufszweige weggefallen, bei denen es keine Folgegeneration gibt (z.B. Schuhmacher), warum eine Extrawurst für die Bergleute?

    Also deutlich und konkret: Kann größtenteils weg.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Aber das geht in Deutschland natürlich nicht, schließlich hat das ganz spezielle Dienst- und Treueverhältnis der Beamten in Deutschland Verfassungsrang.

    In dem Zusammenhang lesenswert: Das neue Urteil des BVerfG zu unseren Hungerlöhnen, in dem auch sehr deutlich gesagt wird, dass Haushaltslage und -konsolidierung keine zulässigen Ausreden sind. :thumbup:

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • zu unseren Hungerlöhnen

    In Deutschland gibt es meines Wissens (könnte Art. 12 GG sein) das Recht auf freie Berufswahl - kein Mensch wird hierzulande also zum Beamten (und zu "Hungerlöhnen" (*)) gezwungen ... (wie man überhaupt auf die Idee kommen kann zum Staatsdiener zu werden, hat sich mir - ganz persönlich - noch nie erschlossen. Wer sich und seinen Fähigkeiten (sprich seinem Humankapital) vertraut, wird sein Erfolg und Glück tendenziell am Markt (in dem Fall am Arbeitsmarkt) suchen).

    (*) Ob das mit den "Hungerlöhnen" der Beamten wirklich noch für alle Bereiche gilt, wäre eine eigenständige Fragestellung.

    Immerhin genießt Du als Staatsdiener eine exorbitant hohe Arbeitsplatzsicherheit samt der damit verbundenen entsprechenden finanziellen Planbarkeit. Zudem macht der Barwert der Pension meist siebenstellige Beträge aus (wie der Blick in mein weiteres Umfeld zeigt). Meines Wissens ohne jede eigene Beitragszahlung zu dieser Alterssicherung. Auch im Bereich der KV könnten Sonderregelungen bestehen.

    Also deutlich und konkret: Kann größtenteils weg.

    Logisch kann da (Nr. 3.685) alles "größtenteils weg" - aus Deiner Sicht.

    Das gilt aber natürlich nicht für die Unwucht "Pension vs GRV" ... :) - aus Deiner Sicht.


    Dir nichtsdestotrotz weiter ganz viel Glück mit Deinen privaten Finanzen !

  • In dem Zusammenhang lesenswert: Das neue Urteil des BVerfG zu unseren Hungerlöhnen, in dem auch sehr deutlich gesagt wird, dass Haushaltslage und -konsolidierung keine zulässigen Ausreden sind. :thumbup:

    Natürlich habe ich das Urteil des BVerfG zur Kenntnis genommen, mit einer gewissen Faszination, wie ich gestehen muß. Dieses spezielle Dienst- und Treueverhältnis (etwas spezifisch Deutsches!) muß etwas ganz Besonderes sein. Ich wundere mich, wie Polizei, Finanzwesen, Zoll und Feuerwehr in anderen Ländern überhaupt funktionieren können, in denen es dieses spezielle Dienst- und Treueverhältnis nicht gibt.

    Schon öfter habe ich von Amtsstuben berichtet, in denen am gleichen Schreibtisch links ein Angestellter im öffentlichen Dienst sitzt (der zu seinem Arbeitgeber kein spezielles Dienst- und Treueverhältnis hat) und rechts ein Beamter in der grundsätzlich gleichen Dienststellung, bei dem dieses besteht. Beide erledigen die gleiche Arbeit, sollten nach meinem Dafürhalten also auch gleich bezahlt werden, im aktiven Dienst wie auch im Ruhestand.

    Dem wirst Du natürlich widersprechen, sowie Du auch zuverlässig auf meinen Bait reagiert hast. Die beiden sind natürlich nicht gleich, selbst in gleicher Dienststellung nicht. Das spezielle Dienst- und Treueverhältnis ist etwas derart überirdisch Besonderes (Kein Streikrecht!), daß man diese beiden Mitarbeiter natürlich niemals vergleichen kann.

    Ich wäre durchaus gespannt, wie lange dieser anachronistische Unterschied zwischen zwei Klassen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst noch bestehen wird, setze diesen Satz aber ganz bewußt in den Konjunktiv, weil ich davon ausgehe, daß dieser Zustand meine Lebenszeit überdauern wird.

    PS: Neulich ist mir mal ein Sachverhalt zu Ohren gekommen, in dem ein Beamter kraß gegenüber einem gleichrangigen Angestellten benachteiligt wird. Mir liegt das ärmelschonertragende Schreiben in behördlichem Ton vor, die diese offenkundige Ungerechtigkeit in gedrechseltem Beamtenduktus bescheidet (Ich hätte ja geschrieben: rechtzufertigen versucht, aber ein Beamter rechtfertigt sich natürlich nicht, sondern dekretiert). Das heißt: Die oft karikierte Bürgerferne (äh: Untertanenferne) findet nicht nur nach außen statt, sondern auch im Binnenverhältnis Beamte gegen Beamte.

    Das nur am Rande, hat ja nichts mit GRV (Gott bewahre!) und Investment zu tun.

  • Ich wäre durchaus gespannt, wie lange dieser anachronistische Unterschied zwischen zwei Klassen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst noch bestehen wird, setze diesen Satz aber ganz bewußt in den Konjunktiv, weil ich davon ausgehe, daß dieser Zustand meine Lebenszeit überdauern wird.

    Man kann diesen Unterschied in sehr vielen Bereichen gerne abschaffen. Man sollte sich aber dann besser vorher schon damit abfinden, dass dadurch aus finanzieller Sicht für den Staat praktisch nichts günstiger wird, aber so manches deutlich teurer. Und da, wo es für den Staat augenscheinlich erstmal günstiger wird (weniger Pensionslast), fliegt uns die Rentenkasse in ihrer aktuellen Ausgestaltung (!) eben paar Jahre später, dafür aber paar Mrd. größer um die Ohren. Da dass aber eine spätere Legislaturperiode betrifft, erscheint es manchen halt doch als guter Zeitpunkt, mit den Berechnungen aufzuhören.

    Schon öfter habe ich von Amtsstuben berichtet, in denen am gleichen Schreibtisch links ein Angestellter im öffentlichen Dienst sitzt (der zu seinem Arbeitgeber kein spezielles Dienst- und Treueverhältnis hat) und rechts ein Beamter in der grundsätzlich gleichen Dienststellung, bei dem dieses besteht. Beide erledigen die gleiche Arbeit, sollten nach meinem Dafürhalten also auch gleich bezahlt werden, im aktiven Dienst wie auch im Ruhestand.

    Da wird dir jeder Beamte direkt zustimmen.

    U.a. deshalb gibt es ja solche Urteile, wie nun in Berlin. Und die ca. 70 noch offenen Verfahren mit letztlich gleichem Inhalt.

  • Ich wäre durchaus gespannt, wie lange dieser anachronistische Unterschied zwischen zwei Klassen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst noch bestehen wird.

    Man kann diesen Unterschied in sehr vielen Bereichen gerne abschaffen.

    Das schreibt man so in dem Bewußtsein, daß das in seiner eigenen Lebenszeit nicht passieren wird.

    Natürlich nicht! So gut wie niemand ist dafür, daß die eigenen Privilegien abgeschafft werden. Das ist ja nur menschlich.

    Schon öfter habe ich von Amtsstuben berichtet, in denen am gleichen Schreibtisch links ein Angestellter im öffentlichen Dienst sitzt ... und rechts ein Beamter in der grundsätzlich gleichen Dienststellung. ... Beide erledigen die gleiche Arbeit, sollten nach meinem Dafürhalten also auch gleich bezahlt werden, im aktiven Dienst wie auch im Ruhestand.

    Da wird dir jeder Beamte direkt zustimmen.

    Das lese ich ja, deswegen schreibe ich das doch. :)

  • Das schreibt man so in dem Bewußtsein, daß das in seiner eigenen Lebenszeit nicht passieren wird.

    Die letzten Bewerbungen, die ich schrieb, zielten tatsächlich auf Stellen im Angestelltenverhältnis ab. Bei relativ gleicher Arbeit, fast schon deiner Amtsstuben-Geschichte entsprechend, hätte das bedeutet: selbstbstimmter Verlust der "Privilegien" des Beamtenverhältnisses, weniger Wochenarbeitszeit, deutlich mehr Monatseinkommen.

    Tja, jeder der heute/zukünftig Renter wird, hätte ja auch mal Beamter werden können. Und jeder, der heute Beamter ist, hätte ja auch mal Angestellter sein können. So ist jeder selbst schuld, an seinen positiven wie auch negativen Privilegien und was er davon wie wahrnimmt.

  • Nach meiner Ansicht sind die Gründe für die verschieden hohe Lebenserwartung nach Erreichen des Rentenalters eher im Bereich Bildung und Lebensstil zu finden.

    Das stimmt so ausschließlich definitiv nicht.

    Menschen mit niedrigem Einkommen arbeiten häufiger in körperlich schweren Berufen, Tätigkeiten mit höherem Unfallrisiko, Schicht- oder Nachtarbeit (erhöht langfristig Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Diese Belastungen sind strukturell bedingt, nicht individuell gewählt und können sich auch bis in das Rentenalter auswirken, wenn man es überhaupt erreicht.

    Ebenfalls bekannt ist, dass Menschen mit wenig Geld eher "schlecht" wohnen und dass dies nachweislich einen Effekt auf die Gesundheit hat, beispielsweise durch folgende Zusammenhänge:

    • schlechter isolierte, feuchtere Wohnungen (Atemwegserkrankungen)
    • Gegenden mit höherer Luftverschmutzung (z.B. Feinstaub, NO₂)
    • Wohngegenden mit weniger Grünflächen (indirekte Folgen für psychische und kardiovaskuläre Gesundheit)
    • dichter besiedelte Quartieren (höhere Lärmbelastung, schlechter Schlaf)
  • Hi,

    das etwas erhöhte Unfallrisiko im körperlich schweren Beruf erkenne ich auch, nur führt sowas eher zu einem Ableben während der Jahre, in denen man arbeitet, und nicht danach, ab Verrentung ist die arbeitsbedingte Unfallgefahr Null.

    Das Thema Luftverschmutzung, weniger Grünflächen und hohe Besiedelungsdichte (oft auch korreliert mit Häusern in schlechtem Zustand) kennzeichnet Wohnungen im städtischen Bereich . Und grad dort sind die Mieten eigentlich inzwischen so teuer, dass nur betuchtere Leute sich dort neu einmieten bzw. einkaufen können.

    Und von den hohen Mieten und Anschaffungskosten im innerstädtischem Bereich abgesehen, ist die Auswahl zwischen Stadt und Land meistens ein Lifestylethema. Manche wollen es lieber ländlich und andere städtisch. Billiger ist es meistens, wenn man ziemlich weit nach draussen zieht.

    Allgemein ist der Standart hier in Deutschland, was Arbeitssicherheit und Zustand der Wohnungen angeht, eher hoch.

    Ich sehe sogar das Paradoxum, dass Leute, die auf der Einkommensleiter ganz unten stehen, besser wohnen (das Amt zahlt... ) als Menschen aus der Mittelklasse.

    LG

    ohne_Peil

  • das etwas erhöhte Unfallrisiko im körperlich schweren Beruf erkenne ich auch, nur führt sowas eher zu einem Ableben während der Jahre, in denen man arbeitet, und nicht danach, ab Verrentung ist die arbeitsbedingte Unfallgefahr Null.

    Ein Unfall muss nicht zwangsläufig zum Ableben führen, kann aber die Gesundheit dauerhaft beinträchtigen...

    Zitat

    Das Thema Luftverschmutzung, weniger Grünflächen und hohe Besiedelungsdichte (oft auch korreliert mit Häusern in schlechtem Zustand) kennzeichnet Wohnungen im städtischen Bereich . Und grad dort sind die Mieten eigentlich inzwischen so teuer, dass nur betuchtere Leute sich dort neu einmieten bzw. einkaufen können.

    Auch das ist eine sehr eindimensionale Betrachtung, die wohl kaum der Realität entspricht.
    De Facto ist sehr häufig der Fall, dass Armutsbetroffene allein schon deshalb in Städten wohnen müssen, weil sie sich gar kein Auto leisten können. Sie sind also auf den ÖPNV angewiesen bzw. auf fußläufig erreichbare Einrichtungen wie Supermärkte.

    Wenn man einen schon lange bestehenden Mietvertrag hat, sind die Mieten zudem natürlich nicht so hoch, wie bei einem Neumietvertrag. Und eben weil man wenig Einkommen hat und um hochwertige Wohnungen nicht konkurrieren kann, wird man halt in jenen Wohnungen wohnen, um die sich finanziell potente Mieter eher nicht reißen, wie beispielsweise den schlecht unterhaltenen Altbau an der Hauptverkehrsstraße.

    Das was ich schreibe, ist übrigens keine Vermutung oder Interpretation, sondern statistisch erwiesen.

    Zitat

    Billiger ist es meistens, wenn man ziemlich weit nach draussen zieht.

    Wenn man keinen Job hat, für den man ein Auto benötigt, könnte das zutreffen.

  • Wenn man keinen Job hat, für den man ein Auto benötigt, könnte das zutreffen.

    Wobei das Leben aus mehr als Arbeit besteht. Auch in der Freizeit werden Kilometer gerissen. Ein 50km Rundtrip zur Sauna oder Kletterhalle schlägt ehrlich gerechnet mit ~15€ zu Buche. Und abgesehen von den Kosten ist man halt vom Auto abhängig, was schnell zum Problem werden kann. Sei es, weil man etwas trinken möchte. Sei es, weil das Auto gerade kaputt ist. Oder weil man gesundheitlich nicht fahren kann. Trifft auch nicht nur alte Leute, ein gebrochener Fuß reicht schon

    Das Landleben hat seine schönen Seiten, aber man sollte sich das nicht an der falschen Stelle schönrechnen.

  • Wobei das Leben aus mehr als Arbeit besteht.

    Vollkommen korrekter Einwand; ich wollte halt nicht zu weit ausholen - bin aber der Meinung, dass es im Endeffekt eine Milchmädchenrechnung ist, wenn man pauschal behauptet, dass das Leben auf dem Land günstiger sei. In Bezug auf die Wohnkosten mag das zutreffen, aber man darf dann eben kein Bedürfnis nach Mobilität haben.

  • Man kann diesen Unterschied in sehr vielen Bereichen gerne abschaffen. Man sollte sich aber dann besser vorher schon damit abfinden, dass dadurch aus finanzieller Sicht für den Staat praktisch nichts günstiger wird, aber so manches deutlich teurer.

    Dem ist fraglos so. In Sachen die "Beamten in die GRV zwingen" beispielsweise insbesondere, da somit neue Ansprüche gegen die GRV entstehen von einer Gruppe, die - meines Wissens - auch noch eine über dem Durchschnitt liegende Lebenserwartung (Stichwort: Rentenbezugszeit) aufweist.

    Ebenso fraglos wäre es integraler Bestandteil eine vorausschauenden Haushaltspolitik gewesen, für die sich seit Jahrzehnten absehbar aufbauenden Pensionslasten in der Zukunft rechtzeitig staatlicherseits adäquate Rückstellungen bzw. Rücklagen zu bilden (in Form kapitalgedeckter Instrumente).

    "Nachhaltigkeit" in Sachen Klima und Umwelt ist ja längst zum Mode- und Trendwort geworden. Die "Nachhaltigkeit" in Sachen Finanzen liegt hierzulande schon länger nicht mehr so recht im Trend ...

    U.a. deshalb gibt es ja solche Urteile, wie nun in Berlin.

    Da Berlin zu den dysfunktionalsten Millionenstädten zählt, die jedenfalls ich in (noch) bedeutenden Industrieländern erlebt habe - fügt sich das für mich harmonisch ins Berliner Gesamtbild ein.

  • Armutsbetroffene

    unterscheiden sich vermutlich von lediglich "Armutsgefährdeten", die mit ihrem Einkommen unterhalb einer bestimmten Schwelle liegen (meine mich da an 60% des Medianeinkommens zu erinnern) - während "Armutsbetroffene" aufgrund ihrer finanziellen Situation bereits de facto unter materieller Einschränkung bzw. Entbehrung leiden (ggf. inkl. ebensolchen sozialen Aspekten).

    Nach meinem laienhaften Verständnis ist mit der Erfindung der sog. "relativen Armut" die diesbezügliche Problemlösung jedenfalls sachlogisch unmöglich geworden. Würde man beispielsweise alle Preise staatlicherseits zentral gesteuert einfrieren und parallel alle Einkommen verdreifachen - würde sich doch an der "relativen Armut", die sich am Einkommen orientiert, gar nichts für die "Betroffenen" ändern ... ?

    Oder verstehe ich da was falsch ... ?

  • ...

    Das was ich schreibe, ist übrigens keine Vermutung oder Interpretation, sondern statistisch erwiesen.

    ...

    Man könnte aus den Statistiken schließen, dass die niedrigere Lebenserwartung im niedrigen Einkommen begründet ist.

    Man könnte aber auch auch die Schlußfolgerung ziehen, dass das niedrige Einkommen und die geringe Lebenserwartung beide auf eine gemeinsame Ursache zurückgeführt werden könnten.

    Kausalität vs. Korrelation...

    LG

    ohne_Peil

  • Die letzten Bewerbungen, die ich schrieb, zielten tatsächlich auf Stellen im Angestelltenverhältnis ab. Bei relativ gleicher Arbeit, fast schon deiner Amtsstuben-Geschichte entsprechend, hätte das bedeutet: selbstbstimmter Verlust der "Privilegien" des Beamtenverhältnisses, weniger Wochenarbeitszeit, deutlich mehr Monatseinkommen.

    Wie heißt das beim Pokern so schön? Will sehen.

    Ohne konkrete Zahlen (Vergütungsgruppe, Familienstand, Alter, Erfahrungsstufe) glaube ich Dir das nicht.

    Tja, jeder der heute/zukünftig Renter wird, hätte ja auch mal Beamter werden können. Und jeder, der heute Beamter ist, hätte ja auch mal Angestellter sein können.

    Ganz so einfach ist das nicht.

    Ein Abteilungsdirektor der hiesigen Uniklinik hat einem Angestellten die Verbeamtung angeboten, weil er die passende Stelle frei hatte (E13 auf A13). Er sagte zu ihm: Ich kann es Ihnen nur anbieten, annehmen müssen Sie das selber. Sie müßten mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie es nicht täten!