GRV ungleich Investment

  • Ist das nicht eine traurige Erkenntnis?

    Was ist denn der Umkehrschluss? Als alternative Gegenmassnahme zur Stabilisierung der GRV müssen wir mehr Arbeitnehmer auf die Verliererseite bugsieren? Länger arbeiten lassen, mehr auslutschen, damit sie beim schon späteren Eintritt in die Rente nicht mehr so lange machen? Und parallel am besten das Gesundheitswesen an die Wand fahren?

    Man kann die Beitragsbemessungsrenze anheben und auch die Höherversicherung wieder zulassen, man müsste es aber wohl mit einer (wie auch immer gearteten) Leistungsdegression verknüpfen.

    Aber das muss ich hier im Forum nicht ohne Auftrag aus Berlin so kurz vorm Wochenende zusammenbasteln. ;)

  • Man kann die Beitragsbemessungsrenze anheben und auch die Höherversicherung wieder zulassen, man müsste es aber wohl mit einer (wie auch immer gearteten) Leistungsdegression verknüpfen.

    Aber das muss ich hier im Forum nicht ohne Auftrag aus Berlin so kurz vorm Wochenende zusammenbasteln. ;)

    Wenn man die BBG anhebt, dann zahlen genau die mehr, die mehr verdienen und die eine höhere Lebenserwartung haben.

    Ich glaube nicht, dass man das zwingend mit einer Leistungsdegression verknüpfen müsste, denn man kann das Umlageverfahren so über den Faktor "Zeit" strecken. D.h. man hat kurzfristig die Möglichkeit, mehr Einnahmen zu generieren. Und man hat eine Generation Zeit, die zukünftigen Ansprüche auf eine bessere Basis zu stellen.

  • Ich glaube nicht, dass man das zwingend mit einer Leistungsdegression verknüpfen müsste, denn man kann das Umlageverfahren so über den Faktor "Zeit" strecken. D.h. man hat kurzfristig die Möglichkeit, mehr Einnahmen zu generieren. Und man hat eine Generation Zeit, die zukünftigen Ansprüche auf eine bessere Basis zu stellen.

    Magst Du den Gedanken noch etwas ausführen? Aktuell klingt das nicht wirklich überzeugend.

    • Man hat jetzt unmittelbar/akut anstehende Finanzierungsprobleme, aufgrund der Demographie.
    • Das derzeitige Umlagesystem ist zeitlich "hart gekoppelt", was Einnahmen vs. Ausgaben angeht.
    • Wenn man den Leuten, die sich das leisten können, jetzt die Möglichkeit geben würde, mehr in's System reinzugeben, dann könnte man so die akut vor der Tür stehenden Probleme zumindest erst einmal abfedern.
    • Ok, damit würden auch zusätzliche zukünftige Ansprüche generiert werden. D.h. das Problem würde in die Zukunft geschoben werden.
      Aber:
    • Man bringt den Faktor Zeit in's Spiel und kann die Probleme so vielleicht in eine Phase verschieben, in der die Bedingungen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wieder besser sind - insbesondere was das temporäre Demographie-Problem angeht.
      Und:
    • man kauft sich Zeit, um paralle weitere/andere Lösungen zu erarbeiten.
  • Man bringt den Faktor Zeit in's Spiel und kann die Probleme so vielleicht in eine Phase verschieben, in der die Bedingungen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wieder besser sind - insbesondere was das temporäre Demographie-Problem angeht.

    Was verleitet dich zu der Annahme? Die Geburtenrate ist seit Jahren viel zu niedrig und die Lebenserwartung wird tendenziell weiter steigen. Dazu noch die zunehmende Akademisierung, die dazu führt, dass die Jungen immer später im Beruf sind...ich bin Jahrgang 87, aktueller Renteneintritt 2054...auch meine Generation wird in 30 Jahren absehbar ein Demographie-Problem haben. Mit der Flucht nach Vorne reitet man sich hier nur noch tiefer rein

  • Was verleitet dich zu der Annahme? Die Geburtenrate ist seit Jahren viel zu niedrig und die Lebenserwartung wird tendenziell weiter steigen. Dazu noch die zunehmende Akademisierung, die dazu führt, dass die Jungen immer später im Beruf sind...ich bin Jahrgang 87, aktueller Renteneintritt 2054...auch meine Generation wird in 30 Jahren absehbar ein Demographie-Problem haben. Mit der Flucht nach Vorne reitet man sich hier nur noch tiefer rein

    Der problematische "Bauch" in der Alterspyramide wird mit einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von um die 18 Jahre nach 18 Jahren verschwunden sein.

  • Die Leute die mehr verdienen leben durchschnittlich länger…

    D.h. Leistungs Bezieher mit höheren Ansprüchen beziehen wohl leider auch länger eine gesetzliche Rente.

    Ein paar Daten dazu:

    Lebenserwartung und Dauer des Rentenbezugs
    Berlin: (hib/CHE) Der statistische Zusammenhang zwischen Lebenserwartung - und damit (indirekt) der Dauer des Rentenbezugs - und dem sozioökonomischen Status…
    www.bundestag.de

    https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.905130.de/24-25-1.pdf

    Letzteres Dokument mit einem

    Zitat

    Fazit: Unterschiedliche Lebenserwartungen
    unterlaufen Äquivalenzprinzip

    ...

    Dann muss ich aber noch einmal nachfragen:

    Korrelation hin, Kausalität her - wie soll die Lösung dann aussehen?

    Das GRV System reduzieren und verstärkt auf private Altersvorsorge setzen?

    Siehe aber auch: https://www.bpb.de/themen/soziale…ischen-wandels/

    Zitat

    Umstieg auf ein Kapitaldeckungsverfahren?

    Eine Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren löst die demografischen Probleme nicht, da eine steigende Lebenserwartung entweder zu höheren Sparleistungen bzw. Versicherungsbeiträgen oder aber zu sinkenden Leistungen führt. Infolge der Verschiebung der Anteilsrelationen zwischen Jüngeren und Älteren, müssen die weniger werdenden Jüngeren in dem Moment, in dem die stark besetzten Älteren ihr Kapital auflösen wollen und müssen, stärker sparen, um den Kurswert der Anlagen nicht absinken zu lassen. Machen sie das nicht, müssen die Älteren mit geringeren Erträgen rechnen. Ruheständlern sowie dem Rest der Bevölkerung steht für ihre Konsumnachfrage immer nur das Volkseinkommen (bzw. das realwirtschaftliche Dienstleistungs- und Güterangebot) des jeweils laufenden Jahres zur Verfügung. Denn auch beim Kapitaldeckungsverfahren muss die kleiner werdende Gruppe der Erwerbstätigen ihren Konsum einschränken, wenn der Konsum der größer werdenden Gruppe der Älteren wächst.

    Angesichts des Desasters, das die Alterssicherung in Ländern mit stark kapitalfundierten Systemen in der Finanzkrise 2008/09 erlebte, ist es stiller geworden um die Forderungen nach einer Umstellung der Alterssicherung vom Umlage- auf das Kapitaldeckungsverfahren. Ein besonderes Problem für die kapitalmarktabhängigen Alterssicherungssysteme – und zwar sowohl für die Lebensversicherungen als auch für die betrieblichen Pensionskassen und -fonds – stellen die dauerhaft niedrigen Zinsen dar, die infolge der Notenbankpolitik in nahezu allen Ländern das Marktgeschehen bestimmen. Neue öffentliche Anleihen, in denen die Lebensversicherungen ihre Kapitalbestände bevorzugt (aus Sicherheitsgründen) anlegen, weisen nur äußerst geringe Zinsen und Renditen auf und tendieren (bei kurzfristigen Papieren) gegen Null. Die einst als sicher geltenden Staatsanleihen aus Krisenländern haben zwar sehr hohe Zinsen, sind aber äußerst unsicher geworden, da wie im Fall von Griechenland ein Schuldenschnitt und entsprechende Verluste nicht auszuschließen sind.

  • Wenn man das gesetzliche System abbröckeln lässt, dann drängt man die Leute vermehrt zur privaten Vorsorge. (Also eigentlich genau das, was seit den 2000er Jahren passiert.) Dieser schleichende Übergang von Umlagesystem auf Kapitaldeckung belastet die Generation, die während dieses Transformationsprozesses im Erwerbsleben steht, dadurch doppelt, dass sie neben der laufenden Umlage für die derzeitigen Rentner auch die eigene Vorsorge finanzieren müssen. Allerdings hat diese Generation auch wieder weniger Kinder und muss daher weniger an Transferleistungen an die nachfolgende Generation erbringen.

  • Dss System ließe sich dadurch stabilisieren, indem wir z. B. die Beitragsbemessungsgrenze verdoppeln, aber für den Bereich zwischen Beitragsbemessungsgrenze (alt) und Beitragsbemessungsgrenze (neu) pro Euro Beitrag weniger Entgeltpunkte ermitteln (z. B. nur 75%). Dann zahlt Gerd Großverdiener mehr ein,wenn er dann doch älter wird als Ulrich Uralt, dann ist das durch die (z. B. ) 25% weniger an Leistung aus den zusätzlichen Einzahlungen kein Problem für die Rentenversicherung.

    Weitere Einzahlungen auf freiwilliger Basis könnte man damit auch ermöglichen.


    Alternativ:

    Wir pumpen einfach mehr Steuergeld ins System. Die Einkommenssteuer soll ja größtenteils von den Besserverdienenden aufgebracht werden (Habe ich jetzt nicht gegengecheckt.), was auch wiederum der Teil der Bevölkerung ist, der statistisch gesehen die Rente eher länger bezieht. Wenn also über die Steuer das abgeschöpft wird, was durch die Beitragsbemessungsgrenze gerade nicht mehr im Topf der Rentenversicherung landet, dann wäre das Problem auch gelöst.


    Die weitere Alternative auf kollektive Systeme zu schimpfen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt erodieren zu lassen, vertiefe ich hier jetzt nicht.

  • Korrelation hin, Kausalität her - wie soll die Lösung dann aussehen?

    Die Politik weis seit nunmehr 20jahren von dem Problem.

    Anstatt etwas zu tun, hat man sich jeglichen Handlungsspielrum genommen in dem man untätig war.

    Man hat obendrein noch das System weiter belastet ohne Ausgleich, und Mechanismen die ursprünglich für solch ein Problem vorgesehen waren nicht umgesetzt oder abgeschafft.

  • Wir pumpen einfach mehr Steuergeld ins System. Die Einkommenssteuer soll ja größtenteils von den Besserverdienenden aufgebracht werden (Habe ich jetzt nicht gegengecheckt.),

    Ein Prozent aller Einkommensteuerpflichtigen, 1% der top Verdiener finanzierten zuletzt 21,5 Prozent, die reichsten zehn Prozent 55 Prozent und die reichsten 25 Prozent fast 77 Prozent des gesamten Aufkommens der Einkommensteuer.

    Ungleichheit: Die Reichen zahlen schon den Großteil der Steuern - WELT
    Starke Schultern sollten mehr belastet werden? Das ist heute schon so. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes bringt finanziell wenig. Viel wichtiger wäre es,…
    www.welt.de

    Das Problem ist dass hierdurch andere staatliche Aufgaben unterfinanziert werden müssen, oder man müsste mal tatsächlich Reformen zum Bürokratie Abbau und damit hin zu einem schlanken & effizienten Staat gehen, das senkt langfristig den Personal Bedarf in den Behörden, schafft wiederspüchliche Regelungen ab, sorgt dafür dass Unternehmen weniger belastet werden, man also aktraktiver wird, erhält mehr Gewerbe & Umsatz Steuer und hat so weniger Kosten und letztlich mehr Geld zur Verfügung, aber auch in diesem Bereich versagt die Politik seit mehreren Legislatur Perioden, oft versprochen Nix getan.

    Einmal editiert, zuletzt von Asna (10. Januar 2026 um 09:12)

  • Ungleichbehandlung ist möglich, wird seit Jahren praktiziert und hat sich als gerichtsfest erwiesen. Es kommt immer auf das Maß an.

    Beispiele:

    Mindestentgeltpuntgeltpunkte bei geringem Arbeitsentgelt (Paragrapg 262 SGB 6); Übergangsbereich (ehemals Gleitzone); Grundrente

  • Die Politik weis seit nunmehr 20jahren von dem Problem.

    Würdest du denn die Politik wählen wenn sie Dir an dein Geld gehen würde?

    Das Problem ist das dem Wähler viel zu wenig zugemutet wird und das ganze dann auch noch vom Finanzlobbismus in die Richtung gedrängt wird wie es Anfang der 2000er mit Riester passiert ist.

    Wären da Leistungsstarke und Kostengünstige Anspar-Produkte an die Bürger vertrieben worden käme auch eine ordentliche Rendite dabei heraus.
    Aus 2100€ jährlich wäre nach 25 Jahren locker eine Rente von über 300€ monatlich für über 30 Jahre drin gewesen.
    Das würde jetzt schon vielen helfen.
    Vorsorgerechner - Sparen zur Vorsorge für Ihre private Zusatzrente im Alter

    Doch German-Angst gepaart mit Profitgier der Finanzindustrie haben zu mickrigen privaten Altersvorsorge beigetragen.

    Da würde ich nicht nur die Politik verantwortlich machen sondern eher den Deutschen Sicherheitssparer der zulässt das die Finanzlobby die Politik so beeinflusst das diese schädliche Produkte überhaupt zugelassen werden konnten.

    In diesem Sinne empfehle ich euch mal mit der Finanzwende zu beschäftigen.
    Man kann schon selber etwas tun.


  • Würdest du denn die Politik wählen wenn sie Dir an dein Geld gehen würde?

    Das Problem ist das dem Wähler viel zu wenig zugemutet wird

    Richtig.

    Machen wir doch mal ein konkretes Beispiel jetzt für 2026.

    Die geplante Rentenerhöhung zum 1. Juli mit 3,7 % brutto ist natürlich wirtschaftlicher Irrsinn.
    Eigentlich weiß das jeder.

    Stellen wir uns mal vor, Friedrich Merz und seine Regierung bringen jetzt einen Katalog des Grauens und die Rentenerhöhung wird auf 2,2 % festgelegt.

    Bitte dann aber vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg ….

  • Der problematische "Bauch" in der Alterspyramide wird mit einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von um die 18 Jahre nach 18 Jahren verschwunden sein.

    Ja, aber was kommt nach dem Bauch der Baby Boomer? Du hast einen zweiten kleinen Bauch in den 30ern, das ist meine Altersgruppe. Und darunter verjüngt sich die ehemalige Pyramide nochmal weiter. Da die Erwerbsbevölkerung des Jahres 2050 bereits größtenteils feststeht, ist vollkommen klar, dass wir da ins nächste Problem laufen. Mit einer Ausweitung unter Beibehaltung des Äquivalenzprinzips wird das so nicht funktionieren.

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    15. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
    Bevölkerungsvorausberechnungen verdeutlichen und quantifizieren die künftigen Auswirkungen heute bereits angelegter Strukturen und erkennbarer Veränderungen.…
    www.destatis.de