Sondertilgung nutzen oder anlegen (Immobilienfinanzierung)

  • Hallo zusammen,

    bin das erste Mal hier, um eine Frage an euch zu stellen, die mich in letzter Zeit beschäftigt.

    Es geht um ein Immobiliendarlehen über 260.000 € mit 20 Jahren 1,98% Sollzinsbindung bis 2036. Aktuell sind ca. 125.000 € offen. Es gibt eine jährliche Option zur Sondertilgung von 10 %, d. h. 26.000 €, die bisher teilweise jährlich genutzt wurde. Die Annuität beträgt 853 € pro Monat (651,79 Tilgung / 201,88 Zinsen). Also alles gut leistbar.

    Der Anlagetyp: sehr konservativ und Schulden sind schnellstmöglich zu tilgen. Geld wird nicht unnötig verbraucht oder verprasst.

    Angesichts der aktuellen Zinslage stellt sich allerdings schon mehr und mehr die Frage, ob tilgen oder anlegen derzeit richtig ist.

    Konkret stellt sich die Frage, jetzt 20.000 € in die Sondertilgung zu geben oder diese auf einem Sparbrief anzulegen. Allerdings wäre dann die Option zur Sondertilgung für dieses Jahr weg und ein wenig würde man vielleicht der Chance, den Kredit weiter zu schmälern mit weinendem Auge hinterher sehen.

    Viele Grüße

    Peerless

  • Finanziell sinnvoller ist die parallele Anlage in z.B. Festgeld. Wir machen das auch so (bzw. haben sogar unsere Rate soweit wie möglich reduziert, weil unser Vertrag das hergab). Ich kenne das Gefühl, dass man Schulden am liebsten schnellstmöglich loswerden möchte. Aber wir haben es durchgerechnet und würden wahrscheinlich einen fünfstelligen Betrag liegen lassen. Das war uns das „schuldenfrei-Gefühl“ dann doch nicht wert.

    Ihr könnt ja auch mal durchrechnen, was es bei euch rein finanziell für einen Unterschied machen würde. Und dann entscheiden, ob euch das „schuldenfrei-Gefühl“ mehr wert ist als das Geld.

  • Ohne gerechnet zu haben:

    Besteht zum Auslaufen der Zinsbindung noch eine Restschuld, wenn Ihr nicht mehr sondertilgt? Wenn ja, wie hoch wäre die? Wäre das ein Problem?

    Wenn die Chance auf Sondertilgungen jährlich weiterbesteht, wo wäre das Problem, wenn man die Option in 2023 nicht zieht?

    Mit Sondertilgungen könnt Ihr immer noch deutlich früher fertig werden, selbst wenn Ihr die Option nur alle paar Jahre nutzt.

  • Ohne gerechnet zu haben:

    Besteht zum Auslaufen der Zinsbindung noch eine Restschuld, wenn Ihr nicht mehr sondertilgt?

    Guter Punkt! Grob überschlagen könnte es bei den genannten Beträgen sein, dass gar nichts übrig bleibt bzw. selbst ohne Sondertilgung der Kredit schon von Ablauf der Zinsbindug abgezahlt ist. Dann sollte man schauen, ob / für wie lange Festgeld überhaupt sinnvoll ist, wenn es nicht zur Ablösung benötigt wird.

  • Ich habe mal rechnen lassen :)

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    Nach deinen Grundangaben wären lediglich noch rund 10.000 Euro nach Ablauf der Zinsbindung offen.... (ohne Sondertilgung)

    Wenn sich an der aktuellen Zinssituation

    nichts ändert, würde ich auf die Sondertilgung verzichten und das Darlehen nach Ablauf der Zinsbindung ablösen und in der Zwischenzeit den notwendigen Betrag als FG anlegen.

    Gruß Tom

  • Okay,

    wenn ich die Zahlen so übernehme, dann sollte man wohl bis zu 10.000 Euro in Festgeld anlegen und zwar solange, wie der Zins mindestens bei 3% liegt. (Netto damit oberhalb der 1,98% mit etwas Puffer.) Liegt der Zins drunter, könnte man sondertilgen.

    Alles Geld darüber hinaus sollte für andere Sachen (Sicherheitsbaustein; Vermögensaufbau; Spaß; ...) eingeplant werden.

    Disclaimer: Keine Anlageberatung, nur ausformulierte Gedanken. :saint:

  • Es geht um ein Immobiliendarlehen über 260.000 € mit 20 Jahren 1,98% Sollzinsbindung bis 2036. Aktuell sind ca. 125.000 € offen. Es gibt eine jährliche Option zur Sondertilgung von 10 %, d. h. 26.000 €, die bisher teilweise jährlich genutzt wurde. Die Annuität beträgt 853 € pro Monat (651,79 Tilgung / 201,88 Zinsen). Also alles gut leistbar.

    Der Anlagetyp: sehr konservativ und Schulden sind schnellstmöglich zu tilgen. Geld wird nicht unnötig verbraucht oder verprasst.

    Es läuft gerade ein Parallelthread zu genau diesem Thema.

    Wirtschaftlich ist es aktuell (anders als noch im letzten Jahr) sinnvoll, zusätzliches Geld parallel anzulegen und nicht in das Darlehen zu stecken. Dazu muß der Darlehensnehmer aber seelisch aushalten können, daß sich seine Schulden nur planmäßig und nicht überplanmäßig verringern.

    Es könnte sein, daß Du zu diesen gehörst. Wenn das so ist, dann solltest Du sondertilgen, auch wenn das wirtschaftlich die zweitbeste Lösung ist.

  • wenn ich die Zahlen so übernehme, dann sollte man wohl bis zu 10.000 Euro in Festgeld anlegen und zwar solange, wie der Zins mindestens bei 3% liegt. (Netto damit oberhalb der 1,98% mit etwas Puffer.) Liegt der Zins drunter, könnte man sondertilgen.


    Alles Geld darüber hinaus sollte für andere Sachen (Sicherheitsbaustein; Vermögensaufbau; Spaß; ...) eingeplant werden.

    Sehe ich ähnlich. Wenn man den Kredit sicher in der Zinsbindung tilgt, macht es auf jeden Fall Sinn, das Geld zu investieren und da auch über den Tellerrand von Festgeldern zu blicken

  • Wirtschaftlich ist es aktuell (anders als noch im letzten Jahr) sinnvoll, zusätzliches Geld parallel anzulegen und nicht in das Darlehen zu stecken. Dazu muß der Darlehensnehmer aber seelisch aushalten können, daß sich seine Schulden nur planmäßig und nicht überplanmäßig verringern.


    Es könnte sein, daß Du zu diesen gehörst. Wenn das so ist, dann solltest Du sondertilgen, auch wenn das wirtschaftlich die zweitbeste Lösung ist.

    Gut auf den Punkt gebracht. Meines Erachtens.

    War erst jüngst (mal wieder) auch Thema in meinem weiteren Umfeld.

    Die beiden "Betroffenen" bzw. "Protagonisten" (fest geschriebener Baufi-Zins ca. 200 bis 220 Basispunkte unter dem, was derzeit für Top-Festgeld Angebote möglich ist und jeweils 5% bzw. 10% vorfälligkeitsfreie Sondertilgung p. a. vom Anfangsdarlehen im Vertrag) verkörperten ganz nett die beiden (diametral gelegenen) Endpunkte.

    Tenor bei Nr. 1: "Wer Schulden bei der Bank hat, ist niemals unabhängig und frei. Tilgung hat daher oberste Priorität, egal ob es da rein von den Konditionen was Besseres als Alternative gibt. Zudem sind diese Schulden steuerlich nicht in Ansatz zu bringen. Und mit jeder Sondertilgung sinken auch die Gesamtkosten meiner Finanzierung. Und mir gehört schneller ein Stück mehr von der Immobilie. Find ich gut und gibt uns (ist verheiratet) ein gutes Gefühl"

    Tenor bei Nr. 2: "Das Geld verliert inflationsbedingt sowieso ständig an Wert. Mal weniger, mal mehr. In letzter Zeit mehr. Praktisch schon eine weitere automatische Tilgung. Bei meinem Einkommen gehe ich davon aus, daß es weiter steigt zumindest mal mit der Inflationsrate. Wenn ich jetzt beim Anlegen als absolut sicheres Festgeld nach Steuer mehr davon habe als bei einer Sondertilgung, wäre ich schön doof das nicht mitzunehmen"

    Anmerkung: Bei beiden wird das Darlehen nach Ablauf der Zinsfestschreibung zwar nicht vollständig getilgt sein, aber sich (durch das eingesetzte EK samt Tilgungen bis zum Ablauf der Zinsbindung) wohl im Realkreditbereich (vom Beleihungsauslauf her) bewegen (trotz der moderat gefallenen Immobilienpreise). Was dann (natürlich relativ gesehen) bestmögliche Zins-Konditionen bei der Anschlußfinanzierung ermöglichen wird. Beide Finanzierungen sind (so weit ich das beurteilen kann) auch nicht "auf Kante genäht". Wobei "Nr. 2" in dem Kontext "nur" von Festgeld als Alternative sprach und ausdrücklich nicht von einer Anlage in Aktien (beispielsweise in ETFs). Und von "absolut sicherem" Festgeld, weil er sich vermutlich nie näher mit der "Einlagensicherung" beschäftigt hat.

    Etwas seltsame Situation insgesamt (kann mich jedenfalls so recht an keine vergleichbare in der Vergangenheit erinnern; im Normalfall war das wohl immer ein (deutliches) negatives Zinsdifferenzgeschäft - und das schon vor Steuer). Habe auch noch diverse Darlehen mit einer Null vor dem Komma (teilweise sogar im Bereich unter 0,5%) - gleichzeitig gibt es Festgelder mit praktisch wohl (nahezu) einer 4 vor dem Komma (schaut man etwa beim Max Herbst rein (FMH); selbst bei halbwegs passablen Adressen. Bißchen bizarr ... Da bei mir andere Kriterien eine Rolle spielen (manche Kriterien auch gar keine Rolle mehr) und die Rahmenbedingungen auch andere sind (vermietete Objekte; Schuldzinsen absetzbar) mache ich mir da (glücklicherweise) weder Gedanken noch zusätzlichen Aufwand.

    Interessantes Thema nichtsdestotrotz.

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