Was sagt ihr zu den geplanten Einschränkungen beim Bargeldverkehr?

  • Bekommst du dein Gehalt in bar?

    Die Barzahlung von Gehältern (Stichwort: Lohntüte) wurde - meines Wissen - schon ab Ende der 50er bzw. Anfang der 60 abgestellt bzw. auf Überweisung umgestellt.

    Vor dem Hintergrund der gesetzlichen Regelung (siehe Art. 128 Abs. 1 AEUV sowie §14 Abs. 1 Satz 2 Bundesbank-Gesetz - "auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel" (für alle Länder der Eurozone jedenfalls)) bleibt die Frage:

    Was hat die unbare Zahlung von Gehältern mit der seit vielen Jahren seitens der EU betriebenen permanenten und immer weitergehenden Einschränkung, Beschränkung und Zurückdrängung des Bargelds als dem einzig unbeschränkten gesetzlichen Zahlungsmittel im Alltag zu tun ?

    Wenn sich das organisch in Richtung immer weniger Bargeldnutzung so entwickelt, bitte sehr (so lange wenigstens die Option der Bargeldnutzung bleibt). Aber wenn dem so ist, dann sind doch die ständigen weiteren diesbezüglichen Be- und Einschränkungen, Verbote, immer weiter abgesenkte Grenzen usw. von gesetzgeberischer Seite überhaupt nicht nötig bzw. völlig überflüssig ... ?


    Nur meine persönliche Meinung basierend (leider) auf langjährigen Erfahrungen.


    Dir weiter ganz viel Glück mit Deinen privaten Finanzen !

  • Die Barzahlung von Gehältern (Stichwort: Lohntüte) wurde - meines Wissen - schon ab Ende der 50er bzw. Anfang der 60 abgestellt bzw. auf Überweisung umgestellt.

    marinasala sagte, dass sie seit 6 Wochen keine Karte hat und froh ist, dass sie Bargeldverfechterin sei.

    Nun wissen wir, dass sie ihr Gehalt nicht bar bekommt.

    Demnach muss sie ohne Karte irgendwie Geld von ihrem Konto in die Hand bekommen, um damit den Einkauf bar bezahlen zu können.

    Mich interessiert einfach, wie das funktionieren könnte :)

  • Finde ich eine sehr berechtigte Frage. Würde mich auch interessieren. Oder vielleicht so viel Bargeldvorrat als „Notgroschen“, dass es für mehrere Monate ausreicht?

    Eine andere Idee: ein zweites Girokonto mit einer zweiten von der ersten unabhängigen Karte? Und/oder eine Kreditkarte auf das erste Konto? Wären zwei Wege solchen Problemen in Zukunft auch ohne Bargeld aus dem Weg zu gehen. Und die Bargeldzahlung steht dir dann ja weiterhin offen. :)

  • Demnach muss sie ohne Karte irgendwie Geld von ihrem Konto in die Hand bekommen, um damit den Einkauf bar bezahlen zu können.

    Mich interessiert einfach, wie das funktionieren könnte :)

    Einfach an der Kasse/am Kassenschalter in der Bank vielleicht ?

    Meine Banken mit Filialnetz (Sparkassen- und Genossenschaftssektor sowie private Banken) haben alle zumindest eine (Haupt)Stelle in der näheren Umgebung an der es eine Kasse/einen Kassenschalter gibt. Da könnte man dann (sei es, weil persönlich bekannt oder man einen Ausweis dabei hat) wohl auch "ohne Karte" das "einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel" sprich Bargeld von seinem Konto erhalten sprich abheben.


    Nur meine persönliche Meinung basierend auf langjährigen Erfahrungen.

  • Demnach muss sie ohne Karte irgendwie Geld von ihrem Konto in die Hand bekommen, um damit den Einkauf bar bezahlen zu können.

    Man geht zum Bankschalter und weist sich aus und bekommt dann Scheinchen für eine Woche in die Hand?

    Deswegen extra-Karten oder gar ein zweites Konto bei einer anderen Bank als back-up-Lösung scheint mir etwas teuer.

  • Mir scheint es, als ob manche Leute es sich einfach nicht vorstellen können, dass man zu Hause einen ausreichend großen Bargeldvorrat hat, um einige Wochen seine alltäglichen Bezahlungen zu tätigen.

    Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen nachzufragen, wie man ohne Girokarte mehrere Wochen weiterhin bezahlen kann.

  • Deswegen extra-Karten oder gar ein zweites Konto bei einer anderen Bank als back-up-Lösung scheint mir etwas teuer.

    Der Schein kann trügen. Wenn alles Relevante kostenlos ist ...?

  • Sovereign und Mathematiker - bei meinem letzten Besuch einer Filialbank mit genau diesem Anliegen wollte man mir ohne Karte kein Geld auszahlen (ist allerdings schon viele Jahre her).

    Bei der großen Anzahl kostenloser Konten und Kreditkarten entstehen durch ein Zweitkonto/Zweitkarte keine Kosten.

    Ist bei mir auch schon ein paar Jahre her, aber als ich mal ein paar Tausend für einen Anhänger bei der Bank holen wollte, haben die mir auch nur die Karte speziell für den großen Betrag freigeschalten und den musste ich am Automat holen. Kann gut sein, dass das Teil des Schutz gegen Banküberfälle ist. Zeitschlösser sind gut, aber wer Bargeld nur noch am Automat holen kann...

  • ....ein weiteres - wenn auch in Anbetracht aller weitreichenden und globalen Betrachtungsweisen hier - banales Beispiel gegen Bargeldverbot könnte auch sein, dass Banken am Auszugsdrucker, ohne dass man den Pin eingeben muss, deine Karte plötzlich einziehen und einfach einbehalten.

    Beim Lesen musste ich erst kurz überlegen, was nochmal ein Kontoauszugdrucker eigentlich ist und warum man so scharf drauf ist, den kostenbaren Platz in der Wohnung mit Unmengen an toten Bäumen zu verschwenden.

    Zumal man das "Zeug", wenn man es nicht mehr braucht, aufwendig shreddern muss.

    Achja: Und selbst wenn - ich hätte noch andere Karten im Portemonnaie und zusätzlich die Karten auf dem Handy zum kontaktlosen zahlen.

  • marinasala sagte, dass sie seit 6 Wochen keine Karte hat und froh ist, dass sie Bargeldverfechterin sei.

    Mich interessiert einfach, wie das funktionieren könnte :)

    Kein Problem. Der Großteil des üblichen Zahlungsverkehrs läuft unbar: Das Gehalt kommt unbar, die Miete zahlt man unbar. Wenn es nur um die unmittelbare Lebensführung geht (Futter kaufen, Sprit bezahlen) kommt man mit z.B. 1000 €, die man in der Schublade liegen hat, recht weit.

    Finde ich eine sehr berechtigte Frage. Würde mich auch interessieren. Oder vielleicht so viel Bargeldvorrat als „Notgroschen“, dass es für mehrere Monate ausreicht?

    Das kann man machen. In den vergangenen Jahren, in denen es keine Zins gab, fand ich das keine schlechte Idee, obwohl ich selber das nicht so gemacht habe. Es kommt hier immer wieder die Frage, wie man eine große Bargeldeinzahlung bewerkstelligen könnte. Ich halte die Frage für ziemlich abseitig, denn der Normalmensch hat keine großen Bareinnahmen. Verkauft einer beispielsweise einmal in Jahren ein Mopped für 5000 €, und es gibt auf dem Konto keinen Zins dafür, könnte man sich eine solche Summe schon in die Schublade legen und davon leben.

    Eine andere Idee: ein zweites Girokonto mit einer zweiten von der ersten unabhängigen Karte? Und/oder eine Kreditkarte auf das erste Konto? Wären zwei Wege, solchen Problemen in Zukunft auch ohne Bargeld aus dem Weg zu gehen. Und die Bargeldzahlung steht dir dann ja weiterhin offen. :)

    Unbedingt. Als Online-Banker, der ich bin, der ich also nicht einfach zu einer Bankfiliale tapern kann, würde ich nicht ohne zweite, unabhängige Bankverbindung leben wollen (für den Fall, daß eine Karte versagt und die zugehörige Bank mit der Nachlieferung nicht nachkommt).

    Mir ist mal eine Karte im Urlaub kaputtgegangen. Da war ich schon sehr froh, daß ich eine zweite, unabhängige Karte im Gepäck hatte. Die Bank hat die Ersatzkarte umgehend versandt - an die Wohnanschrift. "Aus Sicherheitsgründen", was ja auch keine umplausible Antwort ist. Aber in meinem Fall hätte mir das nicht aus der Bredouille geholfen, denn ich war schließlich nicht zuhause.

    Wenn einem so ein Mißgeschick zuhause passiert, wäre jedem Menschen zu wünschen, daß er einen Freund vor Ort hat, dem er den gewünschten Betrag überweisen kann (das geht ja meist noch ohne eine Karte), der das Geld vom Geldautomaten holt und es einem gibt. Um diesen Dienst möchte man den Freund aber nicht alle Woche zweimal bitten, also läßt man sich lieber gleich das Maximum geben, was der Automat hergibt. Mehr Bargeld sollte länger reichen als weniger.

  • Mir scheint es, als ob manche Leute es sich einfach nicht vorstellen können, dass man zu Hause einen ausreichend großen Bargeldvorrat hat, um einige Wochen seine alltäglichen Bezahlungen zu tätigen.

    Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen nachzufragen, wie man ohne Girokarte mehrere Wochen weiterhin bezahlen kann.

    Kann ich mir tatsächlich nicht vorstellen :D Wäre mir viel zu riskant so viel Bargeld rumliegen zu haben, da würde ich mich unwohl fühlen. Aber muss ja Jeder selbst wissen womit er sich unwohl fühlt. Ich fühle mich mit wenig Bargeld und zwei kostenlosen voneinander unabhängigen Girokonten plus einer nochmal unabhängigen Kreditkarte sehr wohl und hinreichend sicher.

    Übrigens können meine Karten gar nicht eingezogen werden, da ich sowieso alle digital auf Smartphone/iPhone und Smartwatch/Apple Watch hab.

    Und einen Kontoauszugautomat habe ich tatsächlich vor mehr als zehn Jahren zuletzt benutzt, meine ich. Aber das nur am Rande.

    Ich finde es ja schade, dass diese Debatte immer so emotional geführt werden muss. Niemand nimmt einem das eine oder andere weg. Fakt ist nun mal, dass es immer mehr Richtung bargeldlos geht. Die einen mögen es, die anderen nicht. Man wird es nie allen recht machen. Und am Ende werden sich alle daran gewöhnen wie es sich entwickelt hat. :) Aber ich glaub nicht, dass Bargeld so schnell verschwinden wird - auch wenn ich gerne mit noch weniger auskommen würde.

  • Das kann man machen. In den vergangenen Jahren, in denen es keine Zins gab, fand ich das keine schlechte Idee, obwohl ich selber das nicht so gemacht habe. Es kommt hier immer wieder die Frage, wie man eine große Bargeldeinzahlung bewerkstelligen könnte. Ich halte die Frage für ziemlich abseitig, denn der Normalmensch hat keine großen Bareinnahmen. Verkauft einer beispielsweise einmal in Jahren ein Mopped für 5000 €, und es gibt auf dem Konto keinen Zins dafür, könnte man sich eine solche Summe schon in die Schublade legen und davon leben.

    Also wie gesagt würde ich nie auf die Idee kommen mir wirklich viel Bargeld hinzulegen, da ich mich dann definitiv unwohler fühlen würde als mir das Szenario, dass alle meine „digitalen“ Zahlungsmöglichkeiten gleichzeitig ausfallen/versagen. Ich hatte tatsächlich zuletzt immer etwas mehr Bargeld da, weil ich ein bisschen was bei Kleinanzeigen verkauft hatte und sich Einzahlen für mich nicht lohnte. 5.000 Euro waren das allerdings nicht. Die hätte ich dann vermutlich schon zur Bank gebracht.

    Aber jeder wie er will und, wie gesagt, wie er sich wohl fühlt.

  • Von einem wohlhabenden Bekannten habe ich relativ bald nach Berufsstart den Tipp bekommen (also schon ein paar Jährchen her), in den Urlaub und auch auf Geschäftsreise immer soviel Bargeld mitzunehmen, dass es für die Heimreise reicht.

    Kurz darauf durfte ich auf Geschäftsreise nach Singapur - über Weihnachten und Jahreswechsel um bei der dortigen Niederlassung die Inventur zu machen.

    Spannend wurde es, als das Hotel eine Zwischenrechnung bezahlt haben wollte und die Kreditkarte nicht funktioniert hat und die nächsten Tage auch nicht funktionieren wollte, weil irgend ein Progrämmchen Sorge vor unberechtigtem Zugriff hatte und die Karte kurzerhand gesperrt hatte.

    Hotel und den täglichen Besuch der Foodcourts und noch etwas Sightseeing am Wochenende war dann doch möglich. Ich hatte zum Glück den Rat befolgt!

    Für die Finanzierung der Rückreise hätte es aber dann tatsächlich nicht mehr gereicht!

    Der Denker,

    der aus verschiedenen Gründen Bargeld gut findet und sich dennoch immer wieder dabei erwischt, die Karte zu zücken...

  • Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen DerDenker ! So sollte der Austausch funktionieren.

    Es ist gerade nach solch einer Erfahrung nachvollziehbar, dass man das was einen gerettet hat, also hier Bargeld, als wichtig ansieht. Soll auch Jeder so machen wenn er sich damit wohl fühlt. Ich würde mich mit so viel Bargeld wie gesagt weder zuhause, aber auch unterwegs nicht wohl fühlen. Früher hatte ich wohl gemerkt auch immer recht viel Bargeld mit. Heute nicht mehr.

    Warum? Ich habe, mal nachgezählt, fünf Karten insgesamt, die auf drei verschiedene Konten gehen, zwei davon echte Kreditkarten, die also sozusagen ein Zwischenkonto haben. Girocard (bringt im Ausland nichts), MasterCard und Visa gemischt. Die Karten hab ich, bis auf die Girocard, auf drei unterschiedlichen Medien (physisch, Mobiltelefon, Uhr). Das mag bei mir eine besondere Situation sein (jede Karte hat einen Sinn bei mir, die teils auch über den Redundanz-Zweck hinausgeht), aber drei kostenlose (!) oder je nach Bank zumindest günstige Karten sollte für keinen ein Problem sein. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass alle drei (respektive fünf) gleichzeitig ausfallen bzw. nicht funktionierten und für wahrscheinlicher, dass mir das Bargeld geklaut wird - oder es wie in deinem Fall beispielsweise doch zu wenig ist am Ende. Dann stehst du ja auch da. Wenn keine der Karten funktioniert, dann hat der Laden, in dem die nicht funktionieren, vermute ich ein anderes Problem. Wenn die mir alle geklaut werden/wurden, dann vermutlich auch das Bargeld. Wenn mir nur mein Portmonee geklaut wird, dann hab ich die Karten immer noch auf Uhr und Mobiltelefon usw. Ich sehe sogar wie ihr merkt ganz konkrete Vorteile von mehreren Karten im Vergleich zum Bargeld.

    Ein bisschen Bargeld (in der Regel unter 100 Euro) hab ich natürlich auch immer dabei und wenn es ein Land wäre von dem ich wüsste, dass ich ganz viel Bargeld bräuchte, wäre das etwas anderes. Aber in der Regel sehe ich für mich (!) keinen Grund so viel Bargeld noch mit mir rum zu schleppen.

    Das ist ausdrücklich keine Hetze gegen Bargeld. Die möchte ich nicht betreiben. Nochmal: zumindest hier will doch niemand dem anderen etwas wegnehmen. Politisch und gesellschaftlich gibt es Argumente für und gegen Bargeld.

    Ich finde es wichtig, weil dieses Thema eben emotional aus meiner Sicht unsinnigerweise aufgeladen ist, sich darüber auszutauschen wie es „die andere Seite“ handhabt oder präziser, wie es Jeder einzelne handhabt. Übrigens ist es auch völlig legitim zu sagen, dass man es eben so gewohnt ist und z.B. ausdrücklich nur ein Konto (und eine Karte) bei seiner Filialhausbank haben möchte. Das kann ich als noch relativ junger und Onlinebanking-affiner Mensch vielleicht auch einfach nicht so ganz nachvollziehen. Ein mir bekanntes Ehepaar beginnt im gehobenen Alter (jenseits der 70) nun erstmals mit Onlinebanking, einem Zweitkonto und Bezahlen mit ihren Karten auf dem Mobiltelefon. Auch das ist möglich. Andere machen das vielleicht nie. Bargeld werden vermutlich auch sie solange sie leben deutlich mehr abheben und dabei haben als ich, schon allein weil sie es gewohnt sind.

    Jeder wie er/sie will, wie gesagt. :) Man sollte nur ab und an über den Tellerrand schauen und Strategien und Gewohnheiten auf den Prüfstand stellen. Mich eingeschlossen.

  • Hmmm..... bin gerade hart am überlegen, wann ich das letzte mal Bargeld abgehoben habe. War irgendwann zwischen Ostern und Pfingsten. Davon hab ich höchstens 100 Euro verbraucht. In meinem Alltag findet also Bargeld kaum mehr statt. Höchstens beim Bäcker, Dönermann und für ne Cola an der Tanke verwende ich Bargeld. Den einen oder anderen Schein zuhause in der Schublade liegen zu haben, ist bestimmt kein Fehler.