Dividendentitel - gar nicht mal so schlecht ?

  • Auch wenn die Dividendendickschiffe alle ne sehr lange Historie haben, würde ich keinem dazu raten in Einzelaktien zu investieren in signifikanter Höhe. Die Entscheidung, ob man Thesaurierer oder Ausschütter nimmt, hat meiner Meinung nach auch überhaupt nichts mit Diversifikation zu tun.

    Kurzfristige Stabilität im Portfolio ist ja auch ehrlich nur mentale Beruhigung. Wenn wir jetzt annehmen man hat 50% in nem thesaurierenden Welt ETF und 50% in Dividendentiteln. Wenn dann der Crash kommt, laufen die Dividenden natürlich weiter. Aber die Dividende ist immer ein Teil der Gesamtrendite und es gibt sie nicht "oben drauf". Wenn man dann im Crash sagt: Ich brauche Geld, aber die Dividendentitel bleiben stabil ... was macht man dann? Die stabilen Dividendentitel verkaufen, weil die nicht im Wert gesunken sind? Den Welt ETF verkaufen, der dann niedrig steht? Wenn man die Dividenden für die Entnahme mit eingeplant hat, muss der entnommene Anteil aus dem Welt ETF ja dann höher sein. Über kurz oder lang wird der Anteil des Welt ETF dann schrumpfen. Wenn man auch die Dividendentitel verkauft, wird die Dividende ja auch niedriger mit jeder Entnahme. Zusätzlich zu den Transaktionskosten pro Verkauf. Ein 6 stelliges Depot (und nicht mal ein mittleres 5 stelliges) würde ich einem Neobroker ohne Support anvertrauen. Da sind wir dann auch schnell bei signifikanten Veräußerungskosten. Mit Einzelaktien hat man dann die Qual der Wahl: Gleichmäßig Anteile verkaufen und höhere Transaktionskosten oder eine Aktie nach der anderen entsparen und damit die Diversifikation zunehmend nach unten schrauben.

    Aufgrund der mittlerweile recht hohen Vorabpauschale gilt das alles nicht für einen ausschüttenden Welt ETF. Aus meiner Sicht ist ohne den Bedarf an cashflow eine Strategie mit hoher Dividendenausschüttung rational nicht zu begründen und hält einer kritischen Betrachtung finanzmathematisch vermutlich nicht stand. Wenn einen das aus psychologischer Sicht motiviert oder sogar antreibt weiter zu investieren, kann es natürlich trotzdem die richtige Entscheidung sein. Sein Leben lang in einen thesaurierenden Welt ETF zu investieren und einmal im Jahr ggf. noch Steuer abgezogen zu bekommen fühlt sich jetzt weder spannend, noch belohnend an. Klug ist es aus meiner Sicht alle mal (genauso wie ein ausschüttender Welt ETF mit reinvest).

  • Finanztip vergisst in Artikeln öfter, dass es etliche AnfängerInnen 60+ in Sachen Investition in Aktien gibt. Dividendentitel, Ausschütter sind in dieser Altersspanne sehr wohl nützlich.

    Vereinzelt scheint es ja schon Anbieter mit Entnahmeplänen zu geben. Insbesondere wenn man alt ist und ggf. auch noch mit der Technik überfordert ist, ist eine automatische Ausschüttung natürlich eine sinnvolle Vereinfachung. Ich bin mir aber sicher, dass es kostengünstige Entnahmepläne geben wird in absehbarer Zeit. Die meisten Menschen sind gerade noch im Vermögensaufbau und nicht in der Entnahmephase. Deswegen ist die Nachfrage danach auch nicht hoch. Ob ein ausschüttender Welt ETF genug ausschüttet, ist dann die andere Frage.

  • Die Redaktion liegt bisher viel zu wenig den Blick auf Menschen, zum Beispiel ab Mitte 50-60 Jahre, die zum Beispiel noch sinnvoll etwas investieren möchten.

    Das liegt logischerweise auch an den Menschen, selbst, die dort in der Redaktion arbeiten.

    Andererseits kann es auch sein, dass der Aufwand für so eine journalistische Arbeit einfach hoch wäre.

    Die Internet Auftritte zum Beispiel und die Videos sprechen vor allem Menschen an die sich jetzt über viele Jahrzehnte etwas fürs Alter aufbauen wollen und sollen.

  • Wenn dann der Crash kommt, laufen die Dividenden natürlich weiter. Aber die Dividende ist immer ein Teil der Gesamtrendite und es gibt sie nicht "oben drauf". Wenn man dann im Crash sagt: Ich brauche Geld, aber die Dividendentitel bleiben stabil ... was macht man dann?

    Der Trick ist, eben kein zusätzliches Geld zu benötigen, sondern mit den Dividenden über die Runden zu kommen. Die Weltreise muss eben warten und man fliegt nur nach Mallorca.

    Meine Dividenden sind von 2008 plus Folgejahre während der Bankenkrise gestiegen! Zur Erinnerung, die Kurse haben fünf Jahre gebraucht, bis sie den Verlust wieder eingeholt haben. Damals hätten die Dividenden übrigens nur als Zubrot gereicht. Jetzt, 18 Jahre später und im nächsten Crash, der ganz sicher kommen wird, können sie meinen kompletten Bedarf (bei freiem Wohnen plus Altersbezüge) decken und meine Ansprüche sind gestiegen.

    Manchmal ist es hilfreich, wenn auch Ältere mit Lebenserfahrung im Forum unterwegs sind.

  • Wenn man die 15 Jahre betrachtet, die man mindestens in nem ETF investiert sein sollte, ist das natürlich schwierig. Es ist auf jeden Fall ein Thema, dem zu wenig Aufmerksamkeit gegeben wird. Die andere Frage ist natürlich, ob die Leute dann nicht eher beim Bank"berater" oder Versicherungs"berater", als in nem Onlineforum oder ner Internetseite. Da kommt dann ggf. auch noch eine fehlende Internetkompetenz dazu.

    Es bedient auch nicht unbedingt die Zielgruppe. Letztlich ist finanztip natürlich auf Reichweite und Interesse angewiesen. Auch wenn finanztip eine Stiftung ist, müssen sie zielgruppen orientiert arbeiten aus meiner Sicht. Dürfte sich aber noch was in die Richtung bewegen. Vermögens"aufbau" kurz vor Rente/Pension und (sinnvolle) Entnahme werden dem Grunde nach fast gar nicht besprochen. Entnahme gibts immerhin Studien dazu und ein bisschen was zum recherchieren.

  • Der Trick ist, eben kein zusätzliches Geld zu benötigen, sondern mit den Dividenden über die Runden zu kommen. Die Weltreise muss eben warten und man fliegt nur nach Mallorca.

    Meine Dividenden sind von 2008 plus Folgejahre während der Bankenkrise gestiegen! Zur Erinnerung, die Kurse haben fünf Jahre gebraucht, bis sie den Verlust wieder eingeholt haben. Damals hätten die Dividenden übrigens nur als Zubrot gereicht. Jetzt, 18 Jahre später und im nächsten Crash, der ganz sicher kommen wird, können sie meinen kompletten Bedarf decken und meine Ansprüche sind gestiegen.

    Manchmal ist es hilfreich, wenn auch Ältere mit Lebenserfahrung im Forum unterwegs sind.

    Ich weiss nicht, in was du investiert bist und wie die Wertentwicklung und Ausschüttung aussieht. Wenn wir jetzt mal vom Beispiel des ausschüttenden Welt ETFs ausgehen, der grob 1,5-2% ausschüttet, man aber mit 3-3,5% sicherer Entnahme kalkulieren sollte, ist mein Depot zu groß.

    Jeder Euro den ich heute investiere, aber im Alter nicht nutze, ist per se Lebenszeit, die ich dafür ver(sch)wendet habe. Dass sich das nicht auf den Euro genau kalkulieren lässt, steht außer Frage. Aber wenn die Dividende weniger ist, als das, was man zum entsparen entnehmen sollte, sollte man eine Idee davon haben, was man mit dem "überschüssigen" Geld macht.

    Die Höhe der Dividende ist nur ein Teil der Gesamtrendite. Es gibt Aktien, bei denen ist die Ausschüttungsquote höher, als die Gesamtrendite. Da besteuert man dann noch zusätzlich das Kapital. Darf ich fragen, wie dein Depot diversifiziert ist? Und wie hoch deine prozentuale Ausschüttungsrendite im Jahr ist? Hast du nur Dividendenaktien oder auch ETFs (auch thesaurierer?). Wie sieht deine sonstige Absicherung aus? (Rente, Pension, private Rente etc.)

    Je mehr Sicherheiten man hat, desto "ineffektiver" darf auch das Investment sein. Ab nem gewissen Vermögenswert geht es auch nicht mehr zwingend darum die "maximale" gesunde Rendite zu erwirtschaften, sondern die Vermögensallokation nach Bedürfnissen und Gefühlen auszurichten. Ich bin in Bitcoin investiert (derzeit komplett, aber das nur am Rande). Wenn ich ne Million auf dem Konto hätte, wären da höchstens 20% drin. Tendentiell weniger. Mit der Million im Welt ETF hätte ich damit nämlich ausgesorgt. Vermutlich würde ich sogar in einen ausschüttenden Welt ETF besparen, weil die Maximalrendite dann nachrangig ist. Für mich ist es nicht von Relevanz, ob ich "mehr" habe, wenn ich über einen gewissen Vermögensstand hinaus bin. Spätestens ab 2 Millionen wird das völlig irrelevant (für mich, aus meiner Sicht).

  • Der Trick ist, eben kein zusätzliches Geld zu benötigen, sondern mit den Dividenden über die Runden zu kommen. Die Weltreise muss eben warten und man fliegt nur nach Mallorca.

    Meine Dividenden sind von 2008 plus Folgejahre während der Bankenkrise gestiegen! Zur Erinnerung, die Kurse haben fünf Jahre gebraucht, bis sie den Verlust wieder eingeholt haben. Damals hätten die Dividenden übrigens nur als Zubrot gereicht. Jetzt, 18 Jahre später und im nächsten Crash, der ganz sicher kommen wird, können sie meinen kompletten Bedarf decken und meine Ansprüche sind gestiegen.

    Manchmal ist es hilfreich, wenn auch Ältere mit Lebenserfahrung im Forum unterwegs sind.

    Bist du sicher, dass bei einem richtigen Crash weiterhin hohe Dividenden gezahlt werden, ich wäre da skeptisch. Wenn es in der Vergangenheit so war muss es sich in der Zukunft nicht unbedingt wiederholen.

  • Bist du sicher, dass bei einem richtigen Crash weiterhin hohe Dividenden gezahlt werden, ich wäre da skeptisch. Wenn es in der Vergangenheit so war muss es sich in der Zukunft nicht unbedingt wiederholen.

    Nichts im Leben ist sicher, wir können uns nur auf mögliche Szenarien vorbereiten.

    Anhand meiner 2008er Erfahrungen würde ich vermuten, so ähnlich könnte es wieder laufen. Ich bin aber nun in der komfortablen Situation, dass mein Depot in dieser Zeit gewachsen ist. Während meine Dividenden in Summe damals gut 4stellig waren, sind sie heute gut 5-stellig. Und wer weiß, wenn ich vielleicht sehr lange lebe und sich die Depotzeit von 30 auf 60 Jahre verdoppelt, erlebe ich vielleicht auch 6-stellige Ausschüttungen. So oder so, es reicht für die Annehmlichkeiten im Ruhestand, Crash hin oder her.

  • Ich hab bereits die ersten Ausschüttungen für dieses Jahr auf meinem Konto, von meinem 2. Depot wo ich Aktien der ING group halte.

    Je kürzer vor der Rente, desto höher darf der Anteil der Ausschütter sein. Ich weiß das ich mit der Ansicht ziemlich alleine stehe, aber damit kann ich gut leben.

    Ich habe einen Größen Teil meines Vermögens ins ausschüttenden Papieren, neben Einzelwerten auch in etfs wie dem Euro Stoxx 600, aber auch beim normalen msci world,

    Ich wollte mir im laufenden Jahr 2026 auch noch Anteile des van Eck Morningstar holen, sobald auf meinem Mieteinnahmen Konto wieder 10 000€ aufgelaufen sind…

  • Kurzfristige Stabilität im Portfolio ist ja auch ehrlich nur mentale Beruhigung.

    Das ist in der Entnahmephase ein klarer Irrtum. Es gibt Untersuchungen, die nachgewiesen haben, dass eine hohe Volatilität im Depot das SORR deutlich erhöht. Sprich ein weniger volatiles Depot führt in Krisen seltener zu vorzeitigen Kapitalverzehr. Es geht hier keineswegs nur um den gesunden Nachtschlaf oder die Aktivierung des Belohnungssystems.

  • Auch wenn die Dividendendickschiffe alle ne sehr lange Historie haben, würde ich keinem dazu raten in Einzelaktien zu investieren in signifikanter Höhe.

    Es gibt Dividenden- ETF;)

    Die besten ETFs für globale Dividendentitel | Investieren in Dividenden-Aktien Welt
    Wie Sie in globale Dividendentitel mit ETFs investieren: Indexmerkmale und ETF-Kennzahlen, die Sie als ETF-Anleger kennen sollten.
    www.justetf.com
  • Wie hat der Dicke damals gesagt? Wichtig ist, was hinten rauskommt. Recht hatte er. Also: selber rechnen und dann entscheiden.

  • Unlogisch. Wofür ich trotzdem anlege, steht auf einem anderen Blatt. Für Rentenlücken ist der Ausschütter eine näherliegende Option.

    Kannst Du erklären, warum das so ist?