Juniordepot - Ausschüttende ETFs - Vorabpauschale - NV-Bescheinigung - "Steuern steuern"

  • Moin Zusammen,

    im Rahmen der aktuellen Abrechnung der Vorabpauschale (VAP) v.a. bei thessaurierenden Fonds/ETFs bin ich auf folgendes persönliches Szenario/Gedanken gestossen, wo mir die steuerliche Betrachtung nicht ganz klar ist bzw. ob ich das richtig zu Ende denke.


    Konkret:

    Wir besparen für und auf den Namen unseres Kindes seit der Geburt ein ETF-Depot mit v.a. ausschüttende ETFs. Beim Finanzamt haben wir eine NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungs-Bescheinigung) angefordert und diese beim Broker/Depot-Bank hinterlegt. Die Ausschüttungen (Kapitalerträge) sind somit steuerfrei, gehen auf das Verrechnungskonto und werden im Sparplan wieder neu angelegt. Die Idee: Reduzierung der Kursgewinne in der Zukunft, sobald die NV-Bescheinigung (Ausbildung/Beruf) wegfällt und somit Steueroptimierung: bei Veräusserung niedrigerer Kursgewinn = niedrigere Steuerlast.

    Bisher waren die jährlichen Ausschüttungen immer höher als der Basisertrag. Es fiel keine VAP an. Dies war dieses Jahr für 2025 erstmalig anders und für praktisch alle ETFs wurde eine VAP berechnet und ausgewiesen, die ebenfalls durch die NV-Bescheinigung kompensiert wurde.


    Jetzt zur Frage:

    Profitieren wir jetzt sozusagen 2x von der NV-Bescheinigung bzw. reduzieren so die zukünftigen Kapitalerträge und somit auch die darauf anfallende Kapitalertragssteuer (1x bei den Ausschüttungen und 1x durch den Wegfall der Steuer auf die VAP) ? Bei zukünftigen Veräusserungen von ETF-Anteilen würde die Bank doch die bereits "abgegoltene" Steuer auf VAP bei der Berechnung der Besteuerung auf die Kursgewinne berücksichtigen ?

    Ich bin wirklich kein Steuerfuchs, sondern versuche einfach nur ein wenig die "Steuern zu steuern".

    Für eure Einschätzung und Rückmeldung zu diesem Gedankenexperiment im Voraus besten Dank. Vielleicht verfolgt der eine oder andere hier im Forum eine ähnliche Anlagestrategie für "die Kleinen"...


    LG Finanzschlumpf

  • Grundsätzlich passen deine Grdankengänge. Ob man sich einen Ausschüttet nimmt (und damit zumindest die Dividenden steuerfrei stellt) oder einen Thesaurierer (und damit den Basisvertrag) ist erstmal egal. Wichtig ist, den Freibetrag möglichst hoch auszunutzen.


    Und hier kommt der deutlich größere Effekt ins Spiel. Dividenden und Vorabpauschale liegen ca. bei 2% der Kursentwicklung. Die letzten Jahre waren Renditen von um die 10% aber nicht unwahrscheinlich. Somit hast du noch ordentlich unversteuerte Gewinne im Depot. Sinnvoll wäre es daher, das Depot regelmäßig zu "rollen" (sprich Anteile verkaufen und kurz danach wieder einkaufen), um so deutlich mehr Rendite "mitzunehmen" und steuerfrei zu stellen.


    Wichtig: Bei GKV-Mitgliedschaft und bestehender Familienversicherung für die Kinder bitte unbedingt die Grenze für die Familienversicherung beachten. Diese liegt bei 6.780 Euro und ist somit deutlich unter dem steuerlichen Grundfreibetrag von 12.348 Euro!


    Disclaimer: Dies ist keine Steuerberatung und ich bin weder Steuerberater, noch sonst irgendwie mit der Branche verbunden.

  • Meins23

    Herzlichen Dank für die exzellente Zusammenfassung und wichtigen Hinweise, sein es bzgl. regelmässiger Verkäufe und Neuanlage und dem wirklich wichtigen Hinweis mit der GKV Familienversicherung.

    Zum letzten Punkt: habe ich folgende Hinweise gefunden, dass es um das regelmässige (monatliche) Gesamteinkommen geht:

    "In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist eine beitragsfreie Familienversicherung möglich, wenn das regelmäßige Gesamteinkommen der Angehörigen bestimmte Grenzen nicht überschreitet. 2026 liegt diese Grenze bei 565 Euro monatlich (2025: 535 Euro). Für Minijobber gelten höhere Grenzen (2026: 603 Euro)."

    Ist hier im Forum bekannt, ob und wie geprüft und kontrolliert wird, ob die monatlichen Einkommen über diesem Freibetrag liegen?

  • Meine Krankenkasse fordert einmal jährlich die Ausfüllung eines entsprechenden Fragebogens, um die Gültigkeit der Familienversicherung zu prüfen.

    Ich weiss nicht, welche Kontakte die Krankenkasse zum Finanzamt hat, aber beim Bafög hat das entsprechende Amt schon Möglichkeiten.

    Noch ein Hinweis:

    zu den 565€/m kommt noch der Sparerpauschbetrag von 1000€ dazu. Bei Aktien ETFs außerdem noch die Teilfreistellung von 30%.

    Du kannst also jährliche Gewinne von (565*12+1000)/0.7 realisieren, und dein Kind kann weiterhin familienversichert sein. Das sollte eigentlich reichen.

  • Der Content von FT mit dem (geringen) Effekt des FSA ist mir bewusst und hat mich sehr erstaunt. Dennoch freue ich mich, den Sparerpauschbetrag bspw. gleich zum Jahres Auftakt i.R. der VAP einsetzen zu können.

    Der steuerliche Effekt der NV-Bescheinigung hängt in jedem Fall von der Höhe des Vermögens ab, das bereits an den Nachwuchs mit warmer Hand weitergegebenen wurde (Schenkung). Eine Diskussion des Pro und Con (wird das Geld bspw. noch vor Beendigung der Ausbildung durchgebracht) möchte ich nicht eröffnen, hierzu gibt es einige Forums-Diskussionen.

    Je nachdem, welches Depotvolumen für die Kinder aufgebaut werden kann, lässt sich m.E. doch ein „nicht unerheblicher steuerlicher Kicker“ mitnehmen…

    Hier finde ich der Blog von Supertobbs im WPF bewundernswert und auch als Ansporn:



    Hier wurde - sicher auch durch Ehrgeiz, Glück und Erfolg was das Thema Humankapital angeht - sogar für 2 Kids ein Depotvolumen jenseits der 100k aufgebaut…

    Sicher die Ausnahme als die Regel, aber möglich - ohne Family Office 😅

  • Wieviel Geld du ins Junior-Depot stecken kannst, ist mir ehrlich gesagt egal. Klar ist nur...damit man den persönlichen Freibetrag mit Ausschüttungen bzw. VAP überschreitet und die NV-Bescheinigung relevant wird, muss man doch den Bereich typischer Junior-Depots verlassen. Beim Rollen kann das anders aussehen. Dazu kommt auch, dass die Neobroker erst seit kurzem Interesse an Kindern zeigen, das typische Junior-Depot also mit hohen Transaktionskosten zu kämpfen hat, die ein Rollen im großen Stil bevorzugen.

  • Wieviel Geld du ins Junior-Depot stecken kannst, ist mir ehrlich gesagt egal. Klar ist nur...damit man den persönlichen Freibetrag mit Ausschüttungen bzw. VAP überschreitet und die NV-Bescheinigung relevant wird, muss man doch den Bereich typischer Junior-Depots verlassen. Beim Rollen kann das anders aussehen.

    Genau das "Rollen" ist die Quelle für den großen Teil der steuerfreien Kapitalerträge beim Kinderdepot. Am Ende hat man idealerweise ein Depot mit nur wenig unversteuerten Kursgewinnen. Das rentiert sich durchaus bereits bei Depots mit 25k.

  • Schau dir mal dieses Video von Saidi an.

    Nach 30 Jahren ist der Vorteil so gering, dass sich der ganze Aufwand nicht lohnt. Klar kann man sich die Arbeit machen, wenn man Spaß daran hat, keine Frage.

    Wie schon andere geschrieben haben, wird hier der Effekt nur auf den Freibetrag für Kapitalerträge gerechnet. Bei einem Kinderdepot können aber deutlich mehr Kursgewinne realisiert werden, da auch der Grundfreibetrag genutzt wird. Somit kann ein Kinderdepot mit 18 Jahren durchaus komplett ohne latente Steuern an das Kind "übergeben" werden.

    Das ganze Prozedere muss auch nicht jährlich gemacht werden. Einfach warten, bis ein höherer Kursgewinn vorliegt und dann einmal das Depot rollen. Danach hat man erstmal wieder ein paar Jahre Zeit, bevor man das Spielchen wiederholt. Dann halten sich auch der Zeitaufwand und die Gebühren in Grenzen.

  • Genau das "Rollen" ist die Quelle für den großen Teil der steuerfreien Kapitalerträge beim Kinderdepot. Am Ende hat man idealerweise ein Depot mit nur wenig unversteuerten Kursgewinnen. Das rentiert sich durchaus bereits bei Depots mit 25k.

    Wobei 25k schon groß sind.

    Wir besparen das Juniordepot mit 50€ pro Monat. Das gibt eine Erwartung von rund 20k zum 18. Geburtstag, je nach eingesetzter Rendite. Davon sind 10 800€ Einzahlungen. Da reicht die NV Bescheinigung, um alles einmal zu rollen. Da unsere Tochter beihilfeberechtigt ist, macht das Thema GKV-Grenze auch nichts aus. Für GKV-Kinder müsste man halt eventuell zweimal rollen. Abhängig von den tatsächlichen Renditen, das Endergebnis wird ja stark von den letzten paar Jahren dominiert

  • Vielen Dank für die guten und wertvollen Gedanken und Input.

    Meine grundsätzlichen Gedanken mit Nutzen der NV–Bescheinigung im Kontext von Ausschüttungen und der Vorabpauschale sind soweit richtig, aber eben kein steuerlicher GameChanger.

    Steuerlich, viel interessanter und effektiver ist

    • das regelmäßige „Rollen“, konkret das Realisieren von Kursgewinnen
    • Im besten Fall ohne oder mit geringen Transaktionskosten, NeoBroker helfen hier
    • unter Berücksichtigung der maximalen jährlichen Einnahmen, um die gesetzliche Familienversicherung nicht zu verlieren (falls relevant)
    • so lassen sich auch bei „kleineren“ Junior Depots „Steuern intelligent managen“

    liebe Grüße, Finanzschlumpf

  • Wobei 25k schon groß sind.

    Wir besparen das Juniordepot mit 50€ pro Monat. Das gibt eine Erwartung von rund 20k zum 18. Geburtstag, je nach eingesetzter Rendite. Davon sind 10 800€ Einzahlungen. Da reicht die NV Bescheinigung, um alles einmal zu rollen. Da unsere Tochter beihilfeberechtigt ist, macht das Thema GKV-Grenze auch nichts aus. Für GKV-Kinder müsste man halt eventuell zweimal rollen. Abhängig von den tatsächlichen Renditen, das Endergebnis wird ja stark von den letzten paar Jahren dominiert

    Auch bei Beihilfe+PKV die Pflegeversicherung beachten, da gilt die gleiche Grenze!

  • Wobei 25k schon groß sind.

    Wir besparen das Juniordepot mit 50€ pro Monat. Das gibt eine Erwartung von rund 20k zum 18. Geburtstag, je nach eingesetzter Rendite.

    50 Euro für das Juniordepot dürfte eine durchaus übliche Höhe sein. Dann kommt noch gelegentlich ein Geschenk von den Großeltern oder zur Kommunion/Konfirmation und vielleicht steigert ihr den Sparbeitrag über die Jahre auch noch etwas. Alles kann, nichts muss. Wir hatten hier schon öfter das "Problem" von großen Kinderdepots, wenn die Eltern mit der Volljährigkeit der Kids die Kontrolle verlieren und schlimmes befürchten.