Warum sind Strukturvertriebe immer noch so erfolgreich?

  • Schaut man sich die Hitliste Allfinanzvertriebe 2025 an, kann einem schwindlig werden. 18.000 "Berater" allein bei der DVAG und dann kommen die ganzen anderen Finanzvertriebe noch dazu.

    Die Möglichkeiten, sich selbst zu informieren bzw. auf Erfahrungsberichte anderer zuzugreifen, waren noch vor wenigen Jahrzehnten sehr begrenzt. Doch heutzutage kann sich so gut wie jeder innerhalb von Sekunden selbst eine Meinung bilden oder bestimmte Angebote unabhängig vergleichen.

    Wie kann es sein, dass es immer noch so viele Menschen in Deutschland gibt, die ihre eigenen Finanzen in die Hände von dubiosen Finanzberatern geben, wenn das WWW voll von negativen Erfahrungsberichten ist?

    Kauft man einen neuen Toaster für 24,95€, dann werden stundenlang die Spezifikationen, Preise und Bewertungen von 20 Modellen verglichen. Warum hört dieses Verhalten bei der eigenen Altersvorsorge und Vermögensaufbau in vielen Fällen auf wundersame Weise plötzlich auf?

    Ich bin weder Finanzprofi noch gebe ich Anlageberatungen.
    Meine Beiträge sind als Impulse zu verstehen, um sich selbst zu informieren.

  • Ganz eifach weil sich diese betriebe als "experten" ihres faches ausgeben.

    und sich menschen mit etwas abstrackten was diese in 20,30,40 oder mehr jahren nicht wirklich beschäftigen wollen.

    zum anderen wird es in der schule doch auch so gelehrt dass es für jeden bereich "experten" gibt, die man fragen soll wenn man etwas benötigt, eigeninitiative ist beim derzeitigen system eher unerwünscht.

  • Zu komplex, die meisten steigen schon bei % aus. Zudem gibt es sehr viele Menschen die eher einen anderen Menschen vertrauen, dem sie gegenüber sitzen, als anonymen Informationen im Internet. Zudem man sich die noch selbst suchen muss. Und der Berater wurde von Gisela empfohlen, die ist so zufrieden.


    zum anderen wird es in der schule doch auch so gelehrt dass es für jeden bereich "experten" gibt, die man fragen soll

    Ist das heutzutage in der Schule so?

  • zum anderen wird es in der schule doch auch so gelehrt dass es für jeden bereich "experten" gibt, die man fragen soll wenn man etwas benötigt, eigeninitiative ist beim derzeitigen system eher unerwünscht.

    Sich an jemanden zu wenden, wegen etwas, das man selbst nicht oder nicht ausreichend versteht, ist grundsätzlich nicht verkehrt. So konsultiert man schließlich Ärzte, Handwerker, Energieberater HWK, usw.

    Es sollte einem eben nur klar sein, dass es einen Unterschied macht, ob man den 'Berater' auf provisionsbasis vergütet wie im Strukturvertriebsbereich üblich und damit vornehmlich im Interesse hoher Provisionen agiert wird oder ob man den Berater auf Honorarbasis bezahlt und dieser dementsprechend keinen Anlass zum Vertrieb teurer Produkte hat.

  • So konsultiert man schließlich Ärzte, Handwerker, Energieberater HWK, usw.

    für Handwerker obwohl diese mitglied der HWK sind benötigt man in vielen fällen miterweile auch kontrolierende instanzen, obwohl man diese vollständig selbst bezahlt ganz ohne provision...


    mal davon ab ist "berater" keine geschützte berufsbezeichnung, demensprechend kann dass jede Person machen, egal ob diese die nötige expertise im bereich hat in der diese beraten soll oder eben nicht.


    Struktur Vertriebe agieren gerne mit dieser sorte beratern, mit schulungen von wenigen stunden werden diese gerne auf ihren eigenen freundes & bekannten kreis losgelassen, niedrige schwelle, mit ausnutzung der psycholgie

  • Das Hauptproblem in Deutschland ist meiner Meinung nach, dass Desinteresse von einem überwältigenden Teil der Bevölkerung, sich mit finanziellen Dingen auseinandersetzen. Ich habe bei meinem jungen Kollegenkreis mich mal umgehört, was denn für die Absicherung ihres Lebens bis hin zur Altersvorsorge getan wird. Was ich da in Erfahrung gebracht habe hat mich ratlos zurück gelassen. Wir reden hier von Leuten Mitte 20 bis Mitte 40, von ledig über verheiratet mit und ohne Kind(ern). Haftpflicht war überwiegend vorhanden, aber dann ging es los, bei keinem eine BUV, über die betriebliche Altersvorsorge, die einem zwar hilft aber niemals ausreicht, hinaus hatten 2 Verträge, die aber auch über Banken und oben genannte Vertriebe abgeschlossen wurden. Dazu noch Lebensversicherungen von ähnlichen Experten verkauft. Mein Einwand sich unabhängig zu informieren, wurde mehr oder weniger mit einem Lächeln abgetan. Selbst Gas, Strom und Handyverträge zu überprüfen hat die Wenigsten interessiert, allerdings kommt von den gleichen Kollegen ständig, wie wenig Geld übrig bleibt. Wahrscheinlich ist das nicht nur in meinem Umfeld so, daher kann man den Erfolg dieser zwielichtigen Verkäufer gut nachvollziehen.

  • .... und sich menschen mit etwas abstrackten was diese in 20,30,40 oder mehr jahren nicht wirklich beschäftigen wollen.

    Ich habe mich auch sehr lange nicht mit meinem Arbeitsende und Rente auseinandergesetzt. "Wer weiß denn ob ich überhaupt so alt werde,..."
    Es ging eigentlich immer um "hier und jetzt und die nächsten paar Jahre. Nie richtig langfristig. Es passiert so viel, warum sollte ich wirklich Glück haben und die Rente erreichen oder sogar ein dreistelliges Alter.

    Ich glaube, das ist die Denke der Meisten. Hauptsache momentan und für die nächsten Jahre soweit ok. Warum soll man sich Gedanken machen über etwas was noch garnicht eingetreten ist. Und kommen dann Strukturvertriebler, können die relativ gut abstauben.
    Glücklicherweise waren die mir immer etwas suspekt und deren Ideen gefielen mir nie.


    Ab Ende der 40er habe ich dann doch etwas in die fernere Zukunft geschaut und auch etwas vorgesorgt.
    Nun bin ich in Rente, älter als meine Eltern geworden sind und habe glücklicherweise genug gespart (DRV und Depot) so dass ich wahrscheinlich ohne finanzielle Probleme das letzte Drittel meines Lebens bewerkstelligen kann. (ja jetzt schaue ich nicht mehr auf die nächsten 5-10 Jahre sondern auf die nächsten 30+.)

  • Zudem gibt es sehr viele Menschen die eher einen anderen Menschen vertrauen, dem sie gegenüber sitzen, als anonymen Informationen im Internet. Zudem man sich die noch selbst suchen muss. Und der Berater wurde von Gisela empfohlen, die ist so zufrieden.

    In der Praxis ist es ja noch viel schlimmer. Wer bei einer der Firmen anfängt, wird erstmal dazu aufgefordert, dass er eine Liste alle Bekanntschaften anfertigt und die nach Tauglichkeit für den Finanzvertrieb kategorisiert. Anschließend wird die Liste abgearbeitet. Man hat also meist nicht mit Herrn Müller zu tun, der von Gisela empfohlen wurde, sondern mit Thomas aus dem Sportverein. Der genießt natürlich einen gewissen Vertrauensvorschuss, ähnlich wie der Verkäufer der örtlichen Sparkasse.

    Das böse Erwachen beim Strukturvertrieb kommt dann immer, wenn die Liste der Bekanntschaften abgearbeitet ist und man feststellt, dass Kaltakquise sehr viel aufwändiger und weniger erfolgversprechend ist...

  • ja, so funktionierts. Über Freunde eine Fondgebundene LV noch mit einer aus jetziger Sicht guten Garantierente abgeschlossen, zum Ablauf ausbezahlt, der Grundstock fürs Depot. Rendite ungefähr wie Tagesgeld. Davon ist jetzt nicht mehr auszugehen.

  • Die DVAG setzt jährlich 2-3 Mrd. Euro um. Fast ausschließlich Neugeschäft. Und fast ausschlielich Schrott. Ich frage mich immer wieder, warum die Opfer solcher Vertriebe die Unternehmen nicht wenigstens kurz googeln. Dort findet man sofort alles von Betrugsvorwürfen bis hin zu Sektenvergleichen.

    Bei jedem Autokauf und bei jedem Urlaub wird recherchiert, als ginge es um eine Operation am offenen Herzen. Geht es jedoch um die elementare Absicherung für Alter und Arbeitskraft, also um Entscheidungen mit potenziellen Auswirkungen in Millionenhöhe, wird ein Vertrag unterschrieben, weil ihn „der Hans vom Tischtennisverein“ gut findet.

    Und wir sprechen hier nicht überwiegend von älteren oder geistig eingeschränkten Menschen, sondern von relativ gut gebildeten Personen. Ich muss ehrlich sagen: Mittlerweile kann ich dafür kein Mitleid mehr aufbringen.

  • Ich probiere einfach soviele Menschen wie möglich vor diesen Machenschaften zu warnen. In meinem Bekannten und Familienkreis werden 18 Jährige Ex-Kinder von mir aufgefordert ein Depot zu eröffnen damit ich ihnen einen breitstreuenden AktienETF schenken kann. Ohne Depot kein Geschenk. ( Funktioniert leider nicht bei Neobrokern da man dort nicht von Femddepots übertragen kann).
    Dann gibts einen Übertrag und ein Finanz-Buch dazu. Saidis Buch eignet sich auch hervorragend. Ich erkläre denen auch was sie da jetzt im Depot haben und erzähle auch von meinem Finanziellen Werdegang und warne vor den ganzen Fehlern die ich gemacht habe.
    Zum Schluss gibt’s dann noch den heißen Tip nur das zu unterschreiben was sie auch wirklich verstanden haben und wenn sie es nicht verstehen wird nicht unterschrieben. Im Zweifelsfall sollen sie mich dann anrufen.

    Bei älteren Menschen die schon festgefahren sind ist das ganze Ungleich schwieriger.
    Bei guten Freunden bin ich Trauzeuge und den Herrn des Hauses konnte ich schon die Vorteile des eigenverantwortlichen Investierens nahe bringen und er tut dies auch.
    Die Frau des Hauses bespart munter ihre „Schrott-Lebensversicherung“ weiter und möchte sich mit all dem nicht beschäftigen. Machste halt nix dran. Man kann keinen Zwingen.

    So einigen Personen habe ich schon mit ihren Privaten Finanzen geholfen.
    Wenn ich gefragt werde helfe ich gerne. Hilfe aufdrängen bringt Nix.

    Bei Finanzen sind im privaten ganz schnell die Schotten dicht. Das nutzen dann die Vertriebsmitarbeiter der leider oft schlechten Finanzprodukte aus und verkaufen die „Armsparprodukte“ an die Kleinsparer.

    Jeder macht mit seinem Geld was er möchte, wenn er denn frei darüber verfügen kann.

  • Desinteresse und „über Geld redet man nicht“.

    Von meinen Eltern hab ich beigebracht bekommen Börse und Aktien sind zocken, mit hart verdientem Geld spielt man nicht. Selbst hab ich dann einfach nicht mehr an das Thema gedacht oder mich darüber informiert. Es ist mir aber nirgends mehr wirklich begegnet, weil im Freundeskreis war das eben nie ein Thema.

    Vor drei Jahren bin ich dann auf die Finanztip Videos gestoßen und hab mir eins nach dem anderen rein gezogen, Interesse war geweckt, das war alles was ich brauchte.

    Lustig übrigens, in meiner neuen Firma ist investieren jetzt ein Thema bei den Kollegen. Ist aber halt ein IT Unternehmen mit entsprechenden Leuten (auch Frauen!) und gutem Gehalt.

  • In den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit habe ich mit den m/w Kollegen öfter mal ganz offen über meine finanziellen Tätigkeiten gesprochen. Dabei haben sich diese dann auch geöffnet. Hat sich rum gesprochen und ich wurde öfter mal um Rat gefragt. Ich denke, einigen, auch älteren habe ich denn richtigen Weg zeigen können.