Warum überhaupt prozentuale Gebühren beim AV Depot zulassen?

  • Da kommt nominal ein großer Betrag zusätzlich heraus, das bezweifle ich ja gar nicht. Das Problem ist, dass trotzdem viel zu wenig zusätzlich herauskommt. Ein großer Teil fließt zu den Banken. Für den einzelnen ist die Rechnung positiv, aber unterm Strich fördern wir als Gesellschaft NUR die Banken damit. Stell dir mal vor der Staat schenkt jedem Bürger 200.000 Euro mit der Bedingung, dass man 100.000 Euro an die Bank weitergeben muss. Das hört sich für jeden einzelnen natürlich gut an und da sollte man zugreifen. Aber die 200.000 Euro für jeden Bürger muss der Staat auch irgendwie aufbringen. Also von den Bürgern holen. Das ist somit komplett unsinnig. Das machen wir aber mit dem AV Depot. Und dass du und alle das letztlich auch bezahlen müssen, wird erst mal unter den Teppich gekehrt und geht im normalen Steueraufkommen unter oder wird erst mal über Schulden gemacht. Es ist unterm Strich eine riesige Umverteilung zu den Banken, für die sich die Politiker noch selber auf die Schulter klopfen, weil sie selber nicht kapieren, was sie da machen.

    Abgesehen davon, dass „die Banken“ in dem Fall natürlich auch Versicherer und andere Anbieter sind, haben auch die Mitarbeiter, die ein Altersvorsorgedepot befüllen müssen. Warum sollte deren Arbeit nicht bezahlt werden? Und wir reden ja noch nicht mal von 1% oder 1,5%, wie ursprünglich angedacht.

    Ich verstehe dein Problem nicht.

  • Abgesehen davon, dass „die Banken“ in dem Fall natürlich auch Versicherer und andere Anbieter sind, haben auch die Mitarbeiter, die ein Altersvorsorgedepot befüllen müssen. Warum sollte deren Arbeit nicht bezahlt werden? Und wir reden ja noch nicht mal von 1% oder 1,5%, wie ursprünglich angedacht.

    Ich verstehe dein Problem nicht.

    Das Problem ist, das es einfach Rendite kostet was nicht sein muss. Dass wir womöglich froh sein müssen, dass "nur" maximal 1% Kosten festgelegt wurden (und viele das hier auch noch feiern) ist schon ein wenig befremdlich. Sonst kotzt man sich über die Kosten in 0,x % aus aber hier ist es plötzlich "egal" weil ja ein bisschen Förderung dagegen gerechnet wird. Bezahlt aus Steuergelder. Also egal. oder so.

  • Ja, du hast recht! Zufrieden? Wie stellst du dir dann die Finanzierbarkeit eines Altersvorsorgedepots vor, das gar keine Gebühren kostet? Merkste selber, ne?

    Kriege ich noch eine vernünftige Antwort auf meine Frage in #70 ?

    Hatte ich übersehen, sorry. Ich habe nicht gesagt, dass es keine Gebühren kosten darf. Lediglich jährliche, prozentuale Gebühren sind nicht angebracht.

    Man kann eine Förderung auch über das normale Depot machen, ohne dass es ein besonderes Produkt braucht. Das wäre dann halt viel effizienter.

    Und selbst wenn du recht hast und man gewisse zusätzliche Kosten akzeptieren muss, dann ist doch die Frage, ab welchen Punkt man das ganze lieber sein lässt. Wenn es den Staat 1,05 Euro kostet, dir 1 Euro Förderung zukommen zu lassen, ist das dann noch sinnvoll? Da würde ich sagen, kann man drüber reden, aber das ist schon relativ schlecht. Was ist wenn es den Staat 10 Euro kostet, dir 1 Euro zukommen zu lassen? Oder der Staat gibt Geld aus und der Effekt auf dein Depot ist sogar negativ verglichen mit einem normalen Depot ohne Förderung, sogar das ist Möglich mit dem AV Depot! An irgendeinem Punkt muss man sagen, dass es nicht sinnvoll ist.

  • Ziemlich verbissen das Ganze.

    Und dazu noch unpraktisch. Wie soll das sauber auseinandergehalten werden, was AV-Depot im freien Depot ist? Das kostet zumindest Softwareanpassungen während ein neues Depot schnell eröffnet und dauerhaft überschaubar ist.

  • Abgesehen davon, dass „die Banken“ in dem Fall natürlich auch Versicherer und andere Anbieter sind, haben auch die Mitarbeiter, die ein Altersvorsorgedepot befüllen müssen. Warum sollte deren Arbeit nicht bezahlt werden? Und wir reden ja noch nicht mal von 1% oder 1,5%, wie ursprünglich angedacht.

    Ich verstehe dein Problem nicht.

    Die sollen so bezahlt werden wie es der Markt halt hergibt und das ist VIEL weniger, die nutzen jetzt halt die Förderung aus um massiv Gebühren zu kassieren für fast keine Leistung, verglichen mit dem normalen Depot. Die verlassen sich halt drauf, dass man genau die Rechnung macht, die hier oft genug gemacht wurde, dass man als Endkunde einen geringen Vorteil gerne mitnimmt auch wenn die Bank sich den Großteil einsteckt und die Gesellschaft das bezahlt.

    1,5% wäre ja noch schöner, weißt du was dann passieren würde? Da kaufe ich einen ETF Anteil, bekomme 0,5 Anteile dazu gefördert, also 1,5 Anteile. nach 50 Jahren, wenn ich die Rente genießen will, sind die 0,5 Anteile komplett weg und mein selbst finanzierter Anteil ist auch zum Teil weg, ich habe dann nur noch 0,7 Anteile im Depot!! Sollen wir jetzt damit zufrieden sein, dass die Förderung nicht dazu führt, dass wir weniger haben?? Äh, nein danke, ich erwarte dass die Förderung effizient ist und zum Großteil auch dem Zweck zugute kommt. Wenn ich einen Anteil selber finanziere und der Staat 50% fördern will, dann müssen nachher auch annähernd 1,5 Anteile im Depot sein, nicht 1,3 und schon gar nicht 1 (denn dann ist es schon überhaupt keine Förderung) und schon gar nicht weniger als 1!

  • Das Problem ist, das es einfach Rendite kostet was nicht sein muss. Dass wir womöglich froh sein müssen, dass "nur" maximal 1% Kosten festgelegt wurden (und viele das hier auch noch feiern) ist schon ein wenig befremdlich. Sonst kotzt man sich über die Kosten in 0,x % aus aber hier ist es plötzlich "egal" weil ja ein bisschen Förderung dagegen gerechnet wird. Bezahlt aus Steuergelder. Also egal. oder so.

    Korrekt. Danke! 1% sind völliger Wahnsinn, selbst 0,2% sind schlecht.

  • Ziemlich verbissen das Ganze.

    Und dazu noch unpraktisch. Wie soll das sauber auseinandergehalten werden, was AV-Depot im freien Depot ist? Das kostet zumindest Softwareanpassungen während ein neues Depot schnell eröffnet und dauerhaft überschaubar ist.

    Dann meinetwegen ein separates Depot, wäre ja auch kein Problem. Nur kein Spezialdepot sondern ein normales Depot. Die Kosten müssen sich halt im Markt behaupten und ich zahle seit bald 20 Jahren auf mein Depotvolumen 0,0% Gebühren an den Broker, das gibt es praktisch nicht dass man 0,2% p.a. zahlt, oder jedenfalls kann man das vermeiden. Nur weil jetzt Fördergelder im Spiel sind, soll das plötzlich in Ordnung sein.

  • Verwechselst du etwas? Oder hast du einen Link? Im Newsletter war von 0,2% die Rede, die bei einigen Anbietern in Planung wären.

    Danke. Das hatte ich falsch verstanden. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die TER eventuell inkludiert wäre bei dem Betrag. Sonst finde ich das auch wenig plausibel, gerade bei den Neobrokern die ja mittlerweile auch andere Einkommensquellen erschlossen haben.

  • ..., ich sehe nicht ein auch nur 0,1% Kosten zu akzeptieren, sondern eher 5 Euro im Jahr und das sollte schon eine satte Bezahlung sein dafür, ein paar Zahlen im Computer zu verwalten.

    Na, wenn das so einfach ist, dann mach doch einen Businessplan, suche Dir Investoren und gründe ein Finanz-Startup nur für das AV-Depot.
    Der Slogan ist dann: Mit 5€ sind Sie dabei! ;)

    Ich habe dann aber noch eine Frage. Welche Produkte nimmst Du dann in das AV-Depot auf? Weil selbst die günstigsten Welt-ETF kosten eine TER 0,05% p.a.
    Die Produkte müssen dann entweder kostenlos werden oder Du landest dann doch wieder bei einer prozentualen Gebühr auf das gesamte AV-Depot. Oder sollen die Produktkosten nichts mit dem eigentlichen AV-Depot zu tun haben?

    Was machst Du als Anbieter, wenn ich z.B. einen ARERO-Fonds besparen möchte (TER 0,5% p.a.)? Spielen dann noch angenommene AV-Depotkosten von 0,1% oder 0,2% wirklich die große Rolle?

    • Offizieller Beitrag

    Vielleicht antwortet Saidi dir ja auf deine Frage.

    Man, hier ist ja was los …..

    Ich glaube die Antwort wurde schon gegeben.
    Die Diskussion bzgl. prozentualer vs Fixkosten kann man führen, aber würde m.E. wie hier schon gesagt zu hohen und unattraktiven Kosten für Kleinverträge führen.

    Wir haben prozentuale Kosten (0,5% p.a.) gefordert, weil diese sich am Markt am leichtesten vergleichen lassen. Und damit auch insbesondere die Versicherer zwingen, sich endlich mal auf eine vergleichbare Kostenzahl zu fokussieren. Die sind nämlich gut darin, ganz verschiedene Kostenarten in so einen Vertrag einzubauen: Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Kapitalanlagekosten....

    • Offizieller Beitrag

    Woher kommen die 0,2%? Vielleicht habe ich das überlesen. Finanztip hat doch schon gesagt, dass sie mit Brokern gesprochen haben die keine Gebühren erheben werden.

    Bevor ihr was falsch versteht: Das sind alles Annahmen bzw unsere Hoffnung.

    Die Anbieter wissen auch noch nicht genau, wie die Verwaltung der AV-Depots (Stichwort: Zulagenstelle) genau laufen wird. Die Befürchtung ist, dass das alles wie so oft in Deutschland nicht so digital sein wird wie man hoffen könnte.

    Ein mögliches Szenario ist auch, dass die Kosten erstmal eher etwas höher liegen, also statt 0,2 vlt doch 0,4 oder so, und dann durch die Konkurrenz mit der Zeit sinken - hat man bei Depots (und bei ETFs) ja auch so gesehen.

    Wird spannend, und wir bleiben so nah dran wie es geht.


    PS: Zur Klarstellung, wir reden hier immer von all-in Kosten, also inkl. TER der Kapitalanlage.

  • Bei all-in Kosten in Höhe von 0,2 % werden wohl einige ETFs mit relativ hoher TER für dieses AV Depot nicht infrage kommen, es sei denn die KAG senkt die TER.

    Gut möglich, dass die Anbieter hier ein Komplettangebot machen. Also ein günstiger Welt-Aktien-ETF in der Ansparphase + einem stufenweisen Ablaufmanagement hin zu einem Geldmarktnahen Produkt einige Jahre vor dem pot. Entnahmestart.
    Wäre ja aus Sicht des einfachen Anwenders wünschenswert.

    Profis wollen dann natürlich Alles selbst machen. Aber das dürfte nur eine Minderheit der Kunden sein.

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