Stiftungen und Spenden (aus dem KISS-Thread)

  • 1. April 2026

    Hallo Irving,

    liebe Forumsfreunde,

    ich habe mich hier zuletzt etwas rar gemacht – es gibt schließlich auch noch ein Leben außerhalb der Börse …

    Als waschechter Schwabe und überzeugter Häuslebauer sowie Immobilieninvestor habe ich ab dem 65. Lebensjahr begonnen, meine zahlreichen vermieteten Immobilien zu verkaufen. Das Ganze hat über 10 Jahre gedauert. Darunter waren einige echte „Brocken“ in bester Stuttgarter Zentrumslage, jeweils im zweistelligen Millionenbereich, teilweise gewerblich und in einer Grundstücks-AG gebündelt. Dazu kam noch eine komplette Betriebsauflösung.

    Nach diesen 10 Jahren war alles abgewickelt, und der gesamte Erlös wanderte ins Aktiendepot. Weitere 5 Jahre später bin ich den nächsten Schritt gegangen: Einzelaktien werden konsequent reduziert (teilweise auf die Kinder übertragen), und ich setze inzwischen nahezu vollständig auf ETFs – mit klarem Schwerpunkt auf Ausschüttung.

    Aktuell halte ich 9 ETFs, darunter auch je einen im Bereich Energie und Rüstung. Rückblickend war die Umstellung auf ETFs eine meiner besten Entscheidungen überhaupt. Und ich gebe offen zu: Ohne die Beiträge einiger Forumsmitglieder – allen voran Irving – wäre ich diesen Weg vermutlich nicht so konsequent gegangen.

    Mit Irving habe ich mich hier früher durchaus gerne und auch mal heftig gerieben. Inzwischen hat die Altersmilde Einzug gehalten – heute lese ich viele Beiträge eher mit einem Schmunzeln und als unterhaltsame Lektüre, auch wenn ich mich selbst nur noch selten einbringe.

    Was mich aktuell beschäftigt, ist ein anderes Thema:
    Ich habe vor rund 25 Jahren in meiner Heimatstadt eine gemeinnützige Stiftung gegründet. Und dort erlebe ich gerade ein schönes Praxisbeispiel dafür, wie schwer sich Theorie in Köpfen verankern lässt.

    Obwohl ich Stifter, Gründer und Vorstand bin, entscheide ich nicht allein über die Kapitalanlage. Mein Vorschlag ist simpel und aus meiner Sicht logisch: Kapital in einen ausschüttenden Dividendenfonds, Ausschüttungen für den Stiftungszweck verwenden, und die langfristige Wertentwicklung erledigt den Inflationsausgleich quasi automatisch.

    Die Realität: ein vierköpfiges Gremium, das weiterhin an klassischen festverzinslichen Anlagen festhält – ohne echten Inflationsausgleich.

    Man könnte sagen: Kapitalerhalt auf dem Papier, real schleichender Substanzverlust.

    Ihr seht – auch ohne tägliche Börse wird es nicht langweilig.

    Viele Grüße
    McProfit

  • Obwohl ich Stifter, Gründer und Vorstand bin, entscheide ich nicht allein über die Kapitalanlage. Mein Vorschlag ist simpel und aus meiner Sicht logisch: Kapital in einen ausschüttenden Dividendenfonds, Ausschüttungen für den Stiftungszweck verwenden, und die langfristige Wertentwicklung erledigt den Inflationsausgleich quasi automatisch.

    Die Realität: ein vierköpfiges Gremium, das weiterhin an klassischen festverzinslichen Anlagen festhält – ohne echten Inflationsausgleich.

    Man könnte sagen: Kapitalerhalt auf dem Papier, real schleichender Substanzverlust.

    Ich stelle es mir schrecklich vor, gemeinsam mit Sicherheitssparern, denen ein grundlegendes Verständnis für den Kapitalmarkt fehlt, eine rationale Kapitalanlage aufzubauen und zu verwalten. Mein Beileid!

    Das erinnert mich an ein Thema, das Nikolaus Braun in seinen Büchern immer wieder anspricht: Viele Ehepaare haben keine Vorsorgevollmacht. Einer der gravierendsten blinden Flecken überhaupt. Im Ernstfall kann es dazu kommen, dass ein staatlich bestellter Betreuer über den schwer kranken oder behinderten Partner entscheidet und das Vermögen beispielsweise in einfachen Sparprodukten verwaltet. Dazu gibt es zahlreiche erschreckende Praxisbeispiele.

    Viele Paare gehen davon aus, dass sie im Ernstfall automatisch füreinander entscheiden dürfen. Das ist jedoch ein Trugschluss.

    Zum Thema Stiftungen: Davon halte ich persönlich wenig. Viele Berater, die daran verdienen, sehen das naturgemäß anders und betonen vor allem die vermeintlichen Vorteile (Bsp. Kommer/Gierhake). „Vermögensschutz“ lautet hier oft das Schlagwort. Aber ist es das wirklich? Meiner Meinung nach nicht. Es handelt sich eher um eine Vermögensaufgabe: Man überträgt Vermögen aus dem Privatbesitz in eine Stiftung und verlässt sich darauf, dass eine klug formulierte Satzung weiterhin Einfluss sichert. Das kann jedoch erheblich nach hinten losgehen und tut es in der Praxis auch immer wieder.

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  • Lieber Irving,

    ich will hier kein neues Thema aufmachen. Beim Begriff „Stiftung“ muss man jedoch aufpassen – das wird sehr oft verwechselt.

    Ich rede hier von einer gemeinnützigen Stiftung.

    Wer eine solche gründet, der spendet bzw. schenkt dieser Stiftung sein Vermögen oder einen Teil davon – sagen wir 1 Mio., 10 Mio. oder auch 100 Mio. das bleibt jedem selbs überlassen.

    Egal wie viel: Dieses Geld ist weg! So wie bei einer Spende. Es gehört nicht mehr dem Stifter, sondern der Stiftung.

    Die Erträge – also Zinsen, Dividenden oder Mieten – werden jedes Jahr für den jeweiligen gemeinnützigen Zweck verwendet, in meinem Fall zur Förderung von örtlichen Musikern und Künstlern. Die Entscheidungen trifft der Stiftungsrat, meist mehrere Personen, weil eine Stiftung ja auch über den Tod des Stifters hinaus bestehen soll.

    Bei einer Familienstiftung handelt es sich um etwas völlig anderes.

    Das ist im Kern eine Vermögensverwaltung. Das Vermögen bleibt dauerhaft in der Stiftung erhalten, und die Begünstigten – also Kinder, Ehepartner oder andere Angehörige – erhalten regelmäßige Zahlungen. Auf diese Weise kann man z. B. vermeiden, dass ein Unternehmen verkauft oder zerschlagen wird.

    Wichtig:

    Eine Familienstiftung hat keine steuerlichen Vorteile wie die gemeinnützige Stiftung – im Gegenteil, sie wird in der Regel eher höher besteuert.

    In meinem Fall handelt es sich um eine gemeinnützige Stiftung.

    Viele Grüße McProfit

  • Bitte einen andern Thread. Danke. Hat nichts mit Irvings KISS zu tun.

    Ich denke schon, dass das hier her passt. Ich denke auch, dass andere Optionen als eine Stiftung grundsätzlich denkbar sind: Man kann Vermögen auch direkt spenden (auch an eine bereits bestehende Organisation oder Stiftung) Während die Spende im Sinne des KISS-Prinzips vergleichsweise einfach ist, geht eine eigene Stiftung mit deutlich mehr strukturellem und bürokratischem Aufwand einher. Wie McProfit nachvollziehbar ausgeführt hat, entstehen dabei zusätzliche Abstimmungsprozesse. Ich finde das schon relevant, wenn man sich über die Verwendung des eigenen Geldes mit anderen Menschen abstimmen muss. Ist das KISS? Ich denke nicht. Meiner Erfahrung nach wird hier wieder die Steuer in den Vordergrund gerückt und das ist selten ein guter Ratgeber.

    Ähnliche Überlegungen gelten auch für Familienstiftungen. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Satzung so gestalten lässt, dass sie über mehrere Jahrzehnte hinweg unter sich verändernden rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unverändert tragfähig bleibt. Solche Konstruktionen können langfristig funktionieren, sind jedoch mit Unsicherheiten verbunden (siehe Video oben). Zudem können die laufenden Kosten beträchtlich sein.

    Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen und auch mögliche Interessenkonflikte in der Beratung zu berücksichtigen. Stiftungen können unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen, darunter auch ideelle Motive seitens des Stifters. Ob diese Ziele langfristig erreicht werden, ist allerdings eine andere Geschichte.

    Eine einfache Alternative kann darin bestehen, Vermögen direkt zu übertragen oder zu vererben und dabei klare Regelungen zu treffen. Ich bin in dem Lager.

  • Ich denke schon, dass das hier her passt. Ich denke auch, dass andere Optionen als eine Stiftung grundsätzlich denkbar sind: Man kann Vermögen auch direkt spenden (auch an eine bereits bestehende Organisation oder Stiftung) Während die Spende im Sinne des KISS-Prinzips vergleichsweise einfach ist, geht eine eigene Stiftung mit deutlich mehr strukturellem und bürokratischem Aufwand einher. Wie McProfit nachvollziehbar ausgeführt hat, entstehen dabei zusätzliche Abstimmungsprozesse. Ich finde das schon relevant, wenn man sich über die Verwendung des eigenen Geldes mit anderen Menschen abstimmen muss. Ist das KISS? Ich denke nicht. Meiner Erfahrung nach wird hier wieder die Steuer in den Vordergrund gerückt und das ist selten ein guter Ratgeber.

    Ähnliche Überlegungen gelten auch für Familienstiftungen. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Satzung so gestalten lässt, dass sie über mehrere Jahrzehnte hinweg unter sich verändernden rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unverändert tragfähig bleibt. Solche Konstruktionen können langfristig funktionieren, sind jedoch mit Unsicherheiten verbunden (siehe Video oben). Zudem können die laufenden Kosten beträchtlich sein.

    Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen und auch mögliche Interessenkonflikte in der Beratung zu berücksichtigen. Stiftungen können unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen, darunter auch ideelle Motive seitens des Stifters. Ob diese Ziele langfristig erreicht werden, ist allerdings eine andere Geschichte.

    Eine einfache Alternative kann darin bestehen, Vermögen direkt zu übertragen oder zu vererben und dabei klare Regelungen zu treffen. Ich bin in dem Lager.

    Dein Post beweist, dass Du Dich mit dem Thema gemeinnützige Stiftung noch nicht wirklich beschäftigt hast.

    {Letzter Satz aufgrund abwertender Äußerung entfernt}

  • Unabhängig davon, daß der Beitrag (Nr. 845) von @MProfit hier sowohl durchaus paßt als auch für so manchen weniger Kundigen einen Informationsgehalt bietet:

    Es braucht offensichtlich nicht den Status Moderator, um sich als ein solcher zu gerieren ...

    Finde das schade, wenn solch ein Post wie der von McProfit hier im Durcheinander "verschwindet". Vielleicht gibts ja die Möglichkeit, damit einen urschwäbisch angehauchten Stiftungsthread zu eröffnen?

    Dass jetzt "Stiftung" zu KISS gemacht werden soll, das ist pure Rechthaberei und hier meiner Ansicht nach durch die Diskussion OT.

  • Hallo Forumsfreunde,

    Tomarcy, Pepekeke  Kater.Ka  britty  90 Prozent Aktien  Irving

    Ob hier im Forum Interesse an einem eigenen Thema besteht wie
    Vermögen verschenken – Möglichkeiten, Vor- und Nachteile“, weiß ich nicht.

    Ich gehöre hier im Forum eher zur älteren Generation.
    Da denkt man automatisch mehr über Nachlass nach als über 1–2 % mehr Rendite.

    Deshalb habe ich einfach mal das Thema „gemeinnützige Stiftung“ erklärt –
    weil viele gar nicht genau wissen, was das eigentlich ist.

    Der Unterschied zwischen schenken und stiften – ganz einfach:

    In beiden Fällen ist das Geld weg. Punkt.

    Schenken:
    Der Empfänger meldet es dem Finanzamt, zahlt ggf. Steuern
    und kann mit dem Geld machen, was er will.
    Bei gemeinnützigen Empfängern (z. B. Tierheim, Kultur, soziale Projekte) ist es oft steuerfrei.

    Stiftung:
    Hier gibst du das Geld nicht direkt weiter,
    sondern in eine eigene Stiftung (kann sogar deinen Namen tragen).

    Der entscheidende Punkt:

    Das Geld bleibt erhalten.
    Es wird angelegt – z. B. in Aktien, Fonds oder Immobilien.

    Ausgegeben wird nur das, was daraus entsteht:
    Zinsen, Dividenden oder Mieten.

    So kann eine Stiftung im Prinzip ewig laufen
    und jedes Jahr den guten Zweck unterstützen.

    Das ist der große Unterschied:
    Spende = einmalig
    Stiftung = dauerhaft

    Ich habe mich für meine eigene Stiftung entschieden.
    Man kann das Ganze auch jederzeit aufstocken (Zustiftungen).

    Bei mir läuft das seit über 25 Jahren.
    Inzwischen wurden über 1 Mio. Euro ausgeschüttet – und es wird mehr.

    Einfaches Beispiel:
    Meine erste McDonald’s-Aktie hat früher 40 Cent Dividende gebracht,
    heute sind es über 4 Euro, dieses Jahr vermutlich schon 5 Euro.

    Das sorgt automatisch für steigende Ausschüttungen.

    Mein Tipp:
    Man kann so eine Stiftung schon zu Lebzeiten mit kleinem Geld starten
    und Erfahrungen sammeln.

    Später kann man dann entscheiden,
    ob ein Teil des Vermögens in die Stiftung geht
    statt komplett an die Erben.

    Zum Schluss noch schwäbisch gesagt:
    „Auf dem Friedhof hast du an 100 Euro lang.“

    Heißt: Irgendwann braucht man selbst immer weniger Geld.

    Viele Grüße McProfit

  • In Deutschland wird leider nur sehr wenig gespendet im internationalen Vergleich. Bei uns sind es nur 0,39 % des Einkommens. Erstaunlicherweise sind Menschen mit niedrigem und sehr hohem Einkommen spendenfreudiger als die in der Mitte. Insgesamt spendet ungefähr jeder zweite (Frauen mehr als Männer). https://www.handelsblatt.com/politik/deutsc…/100213051.html

    Steuerlich ist es soweit ich es verstanden habe kein Unterschied, ob man selbst eine Stiftung gründet oder statt dessen Zustiftungen durchführt. Die Gründung einer eigenen Stiftung ist nicht unerheblich mit Kosten belastet, vom organisatorischen Aufwand ganz zu schweigen. Unerfreulich sind die regulatorischen Vorschriften, wie das Stiftungskapital anzulegen ist. Das würde ich tatsächlich deutlich aggressiver machen, als es die Verantwortlichen der Stiftung dürfen.

    Spenden ist allerdings ungünstiger als (Zu)Stiften. Es ärgert mich, wenn ich für eine Geldspende zuvor Gewinne versteuern muss, die in einer Stiftung steuerfrei realisiert werden können.

    Für größere Spenden, muss ich Anteile verkaufen. Beispielsweise will ich mich von Anteilen im Wert von 12.000 Euro trennen, die nach dem Verkauf einen Erlös von 10.000 Euro bringen. Von der Steuer kann ich nur 10.000 Euro absetzen.

    Wenn ich statt dessen genau diese Anteile in das Grundstockvermögen der gemeinnützigen Stiftung als Zustiftung verschiebe, sehe ich gleich mehrere Vorteile. Die Stiftung kann über 12.000 Euro verfügen und ich kann 12.000 Euro von der Steuer absetzen. Bei höheren Beträgen kann es auch noch weitere steuerliche Vorteile geben durch höhere Spendenabzugsbeträge.

    Die Gründung einer eigenen Stiftung ist für mich noch nicht endgültig vom Tisch, aber im Moment tendiere ich nicht zuletzt aus Bequemlichkeit zur Zustiftung.

  • Gemeinnützige Stiftungen sind ein ganz wichtiges Glied der Zivilgemeinschaft und ich halte es für wichtig, dass jeder, der spenden oder stiften kann, das auch tut. Meine Hochachtung vor Deiner Leistung, McProfit.

    Es hat aber auch den Vorteil, dass man gezielt die Bereiche unterstützen kann, wo man es für notwendig hält. Und seien wir ehrlich, die Zufriedenheit, die beim Spender/Stifter erzeugt wird, ist ein hoher Wert, auch wenn er sich nicht in Zahlen ausdrücken läßt.

    Mein Vorschlag ist simpel und aus meiner Sicht logisch: Kapital in einen ausschüttenden Dividendenfonds, Ausschüttungen für den Stiftungszweck verwenden, und die langfristige Wertentwicklung erledigt den Inflationsausgleich quasi automatisch.

    Deine Sicht kann ich voll verstehen. Aber wir wissen alle, dass Aktien auch sehr lange Durststrecken haben können. Ich bin selbst mehrfacher Stiftungsvorstand und traue mir nicht zu, die Sache mit dem Kapitalerhalt zu erklären, wenn wir jahrelang negative Ergebnisse vorlegen. Auch, wenn die Lebensdauer einer Stiftung mit "unendlich" ja sehr lang ist.

    Meiner Erfahrung nach wird hier wieder die Steuer in den Vordergrund gerückt und das ist selten ein guter Ratgeber.

    Das sehe ich nicht so. Jedem Spender/Stifter ist bekannt, dass er trotz Steuerersparnis hinterher weniger Geld hat, als vorher. Es ist also keine Sparaktion. Oft wird die Steuererstattung ja gleich mit gespendet.

    Aber viele sagen sich, dass wenn ich schon Gutes tun will, die Wirkung möglichst groß sein soll. Es ist eine Art gehebeltes Wirken. Ich kann zusätzliches Staatsgeld in die Richtung lenken, die ich für richtig halte. Da kann ich keinen Fehlanreiz erkennen.

    Im übrigen kann Spenden/Zustiften eine einfache Überweisung sein. Das ist wirklich KISS!

  • Hallo Forumsfreund Hornie, 90 Prozent Aktien

    solange hier keiner widerspricht, plaudern wir halt ein bisschen aus der Praxis über Stiftungen – auch wenn Irving eigentlich ein anderes Thema aufgemacht hat.

    Lieber Hornie, Du hast ein heikles Thema angesprochen.

    Der Grundgedanke einer Stiftung ist ganz einfach:
    Das Kapital bleibt für immer stehen. Punkt.
    Die Stiftung lebt nur von den Erträgen, also Zinsen, Dividenden oder Mieten. Und genau diese werden jedes Jahr für den Stiftungszweck ausgegeben.
    Bei mir ist das die Kulturförderung.

    Jetzt zur Geldanlage – ganz praktisch gesprochen:

    Die einfachste Lösung aus meiner Sicht sind Dividenden-Aktien, am besten gebündelt in einem Fonds oder ETF.
    Warum?
    Weil die Stiftung jedes Jahr Geld braucht. Und zwar verlässlich.

    Große Stiftungen wie z. B. die Robert Bosch Stiftung mit Milliardenvermögen, eigenen Firmenbeteiligungen und Immobilien lasse ich bewusst außen vor. Das ist eine andere Liga.

    Ich rede von „normalen“ Stiftungen:
    ein paar Hunderttausend bis ein paar Millionen.

    Für die gilt:
    Mit einem soliden Dividenden-ETF sind 3–4 % Ausschüttung pro Jahr realistisch.
    Das kommt regelmäßig rein, bei Stiftungen steuerlich begünstigt, und die Kurse gleichen langfristig die Inflation aus.

    Jetzt kommt aber das eigentliche Problem – und das hast Du richtig erkannt:

    Der Stiftungsrat. So eine Art Aufsichtsrat.
    Und für viele dort sind Aktien immer noch Teufelszeug.

    Ich bin gerade dabei, meine Satzung zu ändern.
    Mein Ziel:
    100 % in einen ausschüttenden Dividenden-ETF.
    Keine Pflicht mehr, Kursschwankungen jedes Jahr auszugleichen.

    Denn mal ehrlich:
    Wenn ich ein Mehrfamilienhaus habe, interessiert mich doch auch nicht jeden Tag der Marktwert.
    Ich schaue, was an Miete reinkommt.

    Genau so sehe ich das bei der Stiftung:
    Erträge zählen – nicht die täglichen Kurse.

    Wenn das so durchgeht, hat die Stiftung auf Jahrzehnte planbare Ausschüttungen.
    Und der Wert entwickelt sich langfristig sowieso mit – mal rauf, mal runter, aber das ist egal, weil nichts verkauft wird.

    Ich bin gespannt, ob das Regierungspräsidium Stuttgart das so akzeptiert.

    Am Ende denkt sogar der Staat in diese Richtung – Stichwort kapitalgedeckte Rente. Das ist im Kern nichts anderes.

    Und noch ein Punkt zum Schluss:
    Nicht zu viel Lob für große Beträge.
    Mancher Kleinspender gibt gemessen an seinem Vermögen deutlich mehr als wir „Großen“.
    Ein bisschen Demut schadet da nie.

    Viele Grüße McProfit

  • Zunächst einmal: Irving hat meines Wissens das Forum verlassen, weil ihn die zahlreichen unqualifizierten Beiträge zu sehr geärgert haben. Das ist schade, denn seine Beiträge habe ich immer sehr geschätzt.

    Zum Thema Erben: ich habe gerade beschlossen, dass es ausreichen muss, dass ich meinen Kindern eine gute Ausbildung ermöglicht habe. Sie dürfen jetzt so wie ich ihr Vermögen alleine aufbauen. Ich werde es mir zukünftig mit meinem Vermögen einfach nur gut gehen lassen.

  • Gemeinnützige Stiftungen sind ein ganz wichtiges Glied der Zivilgemeinschaft und ich halte es für wichtig, dass jeder, der spenden oder stiften kann, das auch tut. Meine Hochachtung vor Deiner Leistung, McProfit.

    :thumbup: Sehe ich beides (Stiftung im Allgemeinen und Vorgehensweise @MProfit im Speziellen) ganz ähnlich.

    In meinem weiteren Umfeld ist der ein oder andere leider längst "stiften gegangen" sprich es wurde für sich und/oder sein Kapital ein anderer Standort gewählt. Da finde ich es deutlich besser hierzulande nach einem guten Zweck (für Kinder und Jugendliche beispielsweise) zu suchen und diesen gezielt (also nicht via der steuerlichen "Sickergrube") zu unterstützen.

    Für meinen Teil hatte ich mich schon vor langer Zeit für eine Kombination aus "Stiftung auf den Todesfall" mit Gründung einer "Vorratsstiftung" zu Lebzeiten entschieden. Siehe hier

    Mein bescheidenes - aber immerhin vorhandenes - Vermögen geht im Fall meines Todes nahezu vollumfänglich (95% +) in eine Stiftung über (eine Vorratsstiftung zu Lebzeiten wurde bereits implementiert und von der zuständigen Stiftungsbehörde anerkannt; oder so ähnlich, da verlasse ich mich auf renommierte Profis).

    Zudem habe ich noch nahezu unbegrenzten Zugriff auf meine Mittel (die Stiftung ist eine auf den Todesfall sprich "von Todes wegen" - in die schon bestehende Vorratsstiftung ist nur ein mikroskopischer Teil meiner Mittel gewandert).

    In dem Kontext:

    Deine Sicht kann ich voll verstehen. Aber wir wissen alle, dass Aktien auch sehr lange Durststrecken haben können.

    Entspricht auch meinen Erfahrungen siehe beispielsweise die Ära von 2000 bis 2015.

    Ich bin selbst mehrfacher Stiftungsvorstand und traue mir nicht zu, die Sache mit dem Kapitalerhalt zu erklären, wenn wir jahrelang negative Ergebnisse vorlegen. Auch, wenn die Lebensdauer einer Stiftung mit "unendlich" ja sehr lang ist.

    Nach meinen Erfahrungen entwickeln sich Dividenden über (sehr) lange Sicht dynamischer als Mieten - dafür liefern Mieten einen stetigeren und planbareren regelmäßigen Zufluss. Insofern ergänzen sich diese beiden Vehikel nach meinem Dafürhalten sehr gut. Das gilt auch bzw. insbesondere für eine Stiftung.

    Kenne genug (eher kleinere) Stiftungen, die über viele Jahrzehnte ihren Stiftungszweck samt Kapitalerhalt ordentlich bis gut erfüllen konnten. Bis es zur Niedrig-, Null- und Negativzinsära der EZB kam (2009 bis 2022/23).

  • Lieber McProfit ,

    Die einfachste Lösung aus meiner Sicht sind Dividenden-Aktien

    wie gesagt, ich verstehe ja Deine Argumentation. Trotzdem ist es ein Unterschied, was Du im eigenen Depot machst und was im Stiftungsdepot gemacht wird. Dort sind viele Regularien (zu Recht) einzuhalten und die Verantwortlichen müssen jährlich Rechenschaft ablegen.

    Beispiel: Ich erinnere mich noch gut an (ETF-freie) Zeiten, da waren Bayer, BASF und Hoechst die konservativen Aktien im DAX mit hohen Dividendenrenditen. Aber es gab/gibt auch Zeiten, in denen keiner gerne begründet hat, warum er noch Bayer im Depot hat.

    Wenn ich ein Mehrfamilienhaus habe, interessiert mich doch auch nicht jeden Tag der Marktwert.
    Ich schaue, was an Miete reinkommt.

    Auch hier verstehe ich Deine Intention. Aber wenn ich immer nur die maximale Rendite herausziehe und nie investiere, bleibt auch irgendwann nur eine Schrottimmobilie übrig.

    Ich bin gerade dabei, meine Satzung zu ändern.
    Mein Ziel:
    100 % in einen ausschüttenden Dividenden-ETF.
    Keine Pflicht mehr, Kursschwankungen jedes Jahr auszugleichen. [...]

    Ich bin gespannt, ob das Regierungspräsidium Stuttgart das so akzeptiert.

    Oh, die Anlagerichtlinien stehen in der Satzung?

    Aber ja, da bin ich auch gespannt. Ich hoffe, Du berichtest dann vom RP.

  • Hallo Goldmicha,

    Du schreibst: Dein Ziel ist es dass Dein Vermögen so groß ist, damit es Dir reicht, dass "du es Dir gut gehen lassen kannst...." !

    ABER: Was machst Du, wenn das Vermögen größer ist als das, was man zum „gut gehen lassen“ überhaupt braucht?

    Dann bist Du genau an dem Punkt, an dem viele in meinem Lebensabschnitt ankommen.
    Man fängt an nachzudenken.

    Nicht mehr über die nächste Rendite, sondern darüber:
    Was passiert eigentlich mit dem Geld, wenn ich mal nicht mehr da bin?

    Und genau da kommt die Stiftung ins Spiel.

    Es gibt ganz unterschiedliche Modelle:
    – klassische gemeinnützige Stiftung
    – kleinere Lösungen wie Unterstiftungen oder Stiftungsfonds
    – oft schon im sechsstelligen Bereich möglich
    – auf Wunsch sogar mit eigenem Namen

    Der große Unterschied zum Verschenken:
    Das Geld bleibt „für die Ewigkeit“ erhalten – ausgegeben werden nur die Erträge, jedes Jahr für den Zweck, den Du festlegst.

    Ob das Kultur ist, Soziales, Tiere oder was auch immer Dir am Herzen liegt.

    Das ist kein Thema für junge Jahre.
    Das kommt irgendwann automatisch, wenn man merkt:
    Ich habe eigentlich genug – jetzt geht es um Sinn.

    Und plötzlich denkt man ganz anders über Geld.

    Ein endloses Thema – aber ein spannendes.

    Gute Entscheidung wünscht
    McProfit

  • Hallo Forumsfreund Hornie,

    es freut mich, dass ich hier tatsächlich mal einen echten Praktiker gefunden habe, der eine Stiftung nicht nur aus der Theorie, sondern aus der Praxis kennt.

    Bei Deinen Kommentaren hat mir besonders gefallen, dass Du das Thema „Umgang mit dem Stiftungsrat“ kennst.

    Zur Vereinfachung – falls hier auch ein paar Neulinge mitlesen:

    Wenn man sein Vermögen (oder einen Teil davon) in eine Stiftung einbringt
    (z. B. eine „HORNIE-Stiftung“ mit dem Zweck, Normalbürgern die Angst vor Aktien zu nehmen),

    dann ist dieses Kapital tatsächlich weg.

    Egal ob mit oder ohne Steuervorteile – am Ende hat man persönlich weniger Geld als vor der Überweisung auf das Konto der Stiftung. Das Geld gehört dann der Stiftung.

    Da eine Stiftung über den Tod hinaus im Idealfall „ewig“ bestehen soll, braucht es eine Anlageform, die das möglichst gut sicherstellt. Meiner Ansicht nach gibt es dafür kaum etwas Besseres als Aktien großer Weltkonzerne, die seit Jahrzehnten (teilweise über 100 Jahre) zuverlässig Dividenden zahlen.

    Seit es ETFs gibt, muss man sich nicht einmal mehr um die Auswahl einzelner Firmen kümmern. Ein Dividenden-ETF investiert automatisch breit gestreut in entsprechende Unternehmen.

    Auch wegen der Inflation mache ich mir dabei weniger Sorgen – die wird langfristig über steigende Aktienkurse ausgeglichen. Natürlich nicht jedes Jahr, aber im Schnitt. Und bei einer Stiftung interessiert ohnehin nicht das Ergebnis eines einzelnen Jahres, sondern die langfristige Entwicklung.

    Selbst bei Deinem Argument „Immobilie“ hast Du völlig recht:
    Eine Immobilie macht Arbeit – Renovierungen, Mieterwechsel, Verwaltung. Das lohnt sich eigentlich nur für große Stiftungen mit eigener Struktur und Personal.

    Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, zu Lebzeiten die eigene Firma in eine Stiftung einzubringen. Als Stifter kann man dann weiterhin ein Einkommen beziehen – aber die Firma gehört der Stiftung.

    Was ich schade finde: Viele Stiftungsräte hängen gedanklich noch stark an „Festgeld und Anleihen sind das einzig Sichere“.

    Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, meinen Stiftungsrat ein Stück weit zum Umdenken zu bewegen.

    In meiner Satzung stehen die Anlagekriterien bereits drin. Wenn sie dort nicht geregelt sind, greift das Gesetz – und das ist tendenziell noch konservativer. Deshalb gehört die Anlagestrategie aus meiner Sicht unbedingt in die Satzung, wenn man Gestaltungsspielraum haben will.

    Es bleibt spannend – ich berichte Dir gerne weiter.
    Am 14.04.26 ist meine nächste Sitzung mit dem Stiftungsrat.

    Viele Grüße aus Stuttgart
    McProfit

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