WERO Mogelpackung?

  • Guten Tag,

    wie viele Andere war ich der Annahme, das WERO eine wichtige Alternative zu Bezahldienster der großen US Tech Konzernen darstellen kann. Erste. Anbieter ermöglichen ja auch das Bezahlen im Onlinegeschäft.
    Ein Artikel in der Netzwelt hat mich gestern irritiert:

    „Wero verspricht mehr digitale Unabhängigkeit und will eine europäische Alternative zu US-Bezahldiensten sein. Doch der Dienst nutzt ausgerechnet Cloud-Infrastruktur der Amazon-Tochter AWS. Das ist auch ein Sicherheitsrisiko für die dort hinterlegten Daten.…

    ….Doch selbst wenn der Dienst Daten in der „AWS European Sovereign Cloud“ speichert, bliebe das Souveränitätsversprechen uneingelöst. Vor allem aber wären die Daten dann wohl nicht vor dem Zugriff US-amerikanischer Behörden sicher. Dafür sorgt der US-amerikanische Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, kurz CLOUD Act, aus dem Jahr 2018. Das Gesetz verpflichtet US-Tech-Anbieter unter bestimmten Bedingungen dazu, Daten gegenüber US-Behörden offenzulegen – auch wenn sich diese außerhalb der Vereinigten Staaten befinden. Schließt ein Unternehmen den Zugriff technisch aus, kann dies Geldbußen oder strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“


    Also alles nur leere Versprechungen? Was meint Ihr dazu?


    Hier der Link zum Beitrag: https://netzpolitik.org/2026/uneingelo…-amazon-server/

  • Hallo,

    die Einschätzung "leere Versprechung" oder "Mogelpackung" teile ich nicht. Wenn Daten verschlüsselt übertragen und abgelegt werden, hat man schon eine gewisse Sicherheit.

    Und an [EPI hat unter anderem „aus Sicherheitsgründen“ nicht sagen wollen, welche Infrastruktur- und Plattformanbieter Wero im Detail nutzt.] finde ich absolut nichts Verwerfliches. Im Gegenteil.

    Cloud-Services wie AWS sind nicht in Stein gemeißelt. Wenn die amerikanische Regierung - wie in der Vergangenheit geschehen - einfach mal so beschließen würde "Ihr handelt mit dem Iran, also verbieten wir Euch den Zugang zu [insert your favorite payment service]", dann könnte WERO auf eine andere Cloud umstellen, ohne dass das ein Kunde merkt.

  • Cloud-Services wie AWS sind nicht in Stein gemeißelt. Wenn die amerikanische Regierung - wie in der Vergangenheit geschehen - einfach mal so beschließen würde "Ihr handelt mit dem Iran, also verbieten wir Euch den Zugang zu [insert your favorite payment service]", dann könnte WERO auf eine andere Cloud umstellen, ohne dass das ein Kunde merkt.

    Die Migration auf eine andere Cloud ist nicht mal eben gemacht. Wenn das von heute auf morgen passiert, wird es in diesem Szenario auf jeden Fall längere Ausfälle geben, wenn man nicht parallel schon zweigleisig fährt. Und seine Daten ständig anderswohin synchronisiert, sonst liegen die in der gesperrten AWS und man hat keine Nutzerkonten und Metadaten mehr.

  • Ich finde es sehr schade, dass sie es nicht von Beginn an konsequent durchgezogen haben. Wero ist erst im Aufbau, muss noch Akzeptanz gewinnen und ihr Alleinstellungsmerkmal ist ja eben die Europa-Zentralität. Wenn jetzt auch nur der Anschein erweckt wird, dass "man dann ja gleich bei PayPal bleiben kann" – auch wenn das noch so falsch ist –, dann wird sich Wero nicht etablieren können, geschweige denn, die US-amerikanische Konkurrenz irgendwann obsolet machen.

  • Wero verspricht mehr digitale Unabhängigkeit und will eine europäische Alternative zu US-

    Nachträglich von mir fett markiert: mehr bedeutet nicht komplett.

    Aber Verunsicherung ist da!

    Ist sie aktuell beim Einsatz von VISA und MasterCard auch da?

    Es ist fast wie im richtigen Leben, deswegen heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

  • So wie ich das verstanden habe, basiert WERO auf der SEPA-Echtzeitüberweisung, die mit Sicherheit nicht irgendwelche Clouds kommerzieller Anbieter wie Amazon oder Microsoft verwendet. WERO bietet lediglich die Möglichkeit, anstelle der unhandlichen IBAN eine Mobilfunknummer oder Mail-Adresse zu verwenden. Dafür benötigt man im Wesentlichen eine Umsetzungstabelle mit diesen Daten, die sich dann wohl in besagter AWS-Cloud befindet. Ob die Transaktionen selbst dort in redundanter Weise auch gespeichert werden, weiß ich nicht. Ich sehe dafür allerdings keine Notwendigkeit.

    Ohne zu wissen, welche Daten bei AWS gespeichert werden, halte ich es nicht für sinnvoll, eine Aussage über Datenschutzaspekte zu treffen. In dem in gewisser Hinsicht politisch angehauchten Artikel wird einfach Panik verbreitet. Man liest aus dem Artikel eine gewisse Antipathie gegen die USA heraus.

    Ob nun die Zuordnung von Kontonummern zu Mail-Adressen hoch schützenswerte Daten sind, die auf keinen Fall in die Hände US-amerikanischer Behörden fallen dürfen, mag jeder für sich selbst beantworten. Ein gewisses Risiko, das ich als gering einschätze, besteht darin, dass im Falle einer wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung Amazon auf Weisung der US-Regierung den Service für WERO einstellt.

  • Danke das sehe ich auch so! Ein Hinterfragen sollte erlaubt sein finde ich.

    Daher schätze ich die Option mich hier austauschen zu können😉

    Also meine Meinung zum Thema Daten und Wero...

    Ich finde Transaktionen via Wero klasse. Was Datensicherheit und Server angeht: besser geht immer.

    Aber: bisher kenne ich praktisch niemanden, der sagt, hey Finanzschlumpf, lass uns "Wero-len"...

    Das finde ich tatsächlich schade...:/

  • WERO täte gut daran, in einem Europäischen Rechenzentrum zu hosten, da spart man am falschen Ende, finde ich.

    Wenn man keine Ahnung hat…

    1. Wero hostet ja in europäischen Rechenzentren.

    2. Es geht darum, dass AWS ein US-amerikanisches Unternehmen ist, und befürchtet wird, dass politisch angeordnete Durchgriffe auch in der EU erfolgen.

    3. Mit „sparen“ hat die Entscheidung sicher nichts zu tun; es geht um verfügbare Technologien, Redundanz und Skalierbarkeit. Da ist AWS nun mal der Marktführer.

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