Dividenden ETF vs Dividenden Aktien

  • Hallöchen

    Ich habe mir in den letzten 4 Jahren ein Aktienportfolio in Höhe von 30K und ein Etf Portfolio im Wert von 120K aufgebaut. Mit den Aktien bin ich mit 5% im Minus, was an 50 VW Papieren liegt, die ich teuer gekauft habe. Aber zurückgerechnet, haben die Dividenden einschließlich Sonderdividende, den Verlust fast wett gemacht. Mit den ETFs bin ich mit 44% im Plus. Steckenpferd ist dabei der Ishares MSCI World. EM IMI und Small Caps, sowie Europa ist mit dabei und ein paar Branchenwetten, die bis auf 2 im Plus sind. Bei den Einzeltiteln habe ich ein paar Dividendenzahler wie Allianz, Talanx, Bat, Shell, Telekom, Freenet, Lyondellbasell und CTS dabei.

    Ich habe alles regelmäßig mit Sparplänen bespart.

    Seit Anfang des Jahres habe ich einen neuen ETF ins Boot geholt, den Amundi Prime All Country, den bespare ich jetzt nur noch mit 1K im Monat.

    Ich würde mich gerne nach und nach von den Einzeltiteln trennen, weil ich es gerne einfach halten würde, da mir die Lust auf Börse irgendwie vergangen ist. Ich habe was Einzeltitel betrifft auch oft ins Klo gegriffen.

    Ich habe 35K noch auf Halde liegen. Dümpelt seit einem Jahr, nach Festgeld, auf externem Tagesgeld rum. Würde es gerne in 2 ETFs investieren. 15k in den Amundi und 20K in den VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF. Weil ich schon irgendwie Bock auf Dividende habe. Was haltet Ihr von der Idee und dem ETF?

    Vielen Dank im Voraus und einen schönen Muttertag!

  • Moin! Gibt es dann noch anderes Tagesgeld? Wenn ja, sehe ich kein Problem. Den VanEck für die Psychologie, den Amundi als solides Preisschnäppchen.

    Die Steuerfrage könntest du noch untersuchen. Stichworte Verlusttopf und Freistellung - oder existieren Kinder mit NV-Bescheinigung, denen du Gewinne schenken kannst?

    Sollte der Aufräumdrang aber stärker sein als alle anderen Themen, dann war es das wohl jetzt für die Einzelaktien und die kleineren ETFs.

  • Ja, gibt noch 20k als sog. Notgroschen auf Tagesgeld bei meiner Hausbank und mein Giro ist auch gut gefüllt. Bin ledig und kinderlos. Freibetrag war dieses Jahr komplett futsch nach Vorabpauschale. Tatsächlich ist der Plan erst den Verlust von VW zu generieren, bevor es an die Gewinne geht. Habe die Hoffnung, dass es für VW nochmal über die 100 geht, aber dann hau ich sie raus.

  • Weil ich schon irgendwie Bock auf Dividende habe.

    Wenn es dir emotional hilft, dass regelmäßig ausgeschüttet wird, würde ich lieber die ausschüttende Variante eines ,,normalen" ETF nehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gesamtrendite eines Dividenden-Fokus deutlich hinter einem marktbreiten ETF liegen wird, ist sehr hoch. Bei gleichem oder gar höherem Risiko. Bitte lass dich von der guten Performance des VanEck nicht täuschen. Das sagt nicht viel aus über die Zukunft. Es gibt zu diesem Thema gute Untersuchungen und alle kommen zum gleichen Ergebnis: Du verdienst damit deutlich weniger. Es ist die risikoadjustierte Gesamtrendite nach Kosten und Steuern, die relevant ist. Sonst nichts.

    Wenn es unbedingt hohe Ausschüttungen sein müssen, dann würde ich eher auf einen Value-ETF oder einen Misch-ETF setzen. Aber auch nur als schlechtere Alternative zu einem marktbreiten Aktien-ETF, wenn man im Vermögensaufbau ist.

    https://gerd-kommer.de/blog/dividende…-und-fantasien/

    P.S. Deine Entscheidung mit Stock Picking aufzuhören war richtig.

  • Bei den Telekomikern war und ist die Dividende steuerfrei, im Gegenzug wird bei der Steuerermittlung der Einstandspreis bei Veräußerung um die Dividendenzahlungen reduziert. Wenn es sich um steuerlichen Altbestand (vor 2009) handelt, gehen Gewinn oder Verlust steuerfrei aus.

  • Ich kann mich da @Irving anschließen.

    Du bist in einer (auch gedanklich) guten und komfortablen Ausgangssituation.

    Mein Ansatz wäre:

    Einzeltitel steuerlich sinnvoll nach und nach abbauen. Allianz und Talanx erstmal stehen lassen, weil sie deine Lust an der Dividende ideal befriedigen und einen eingebauten Inflationsschutz haben. Sondersituation bei der Telekom beachten.

    Core-Portfolio über den All Country ETF

    Kleine Dividenden-Satellitenposition, wenn sie dir Freude macht (Spaß darf sein). Der VanEck ist solide und hat den MSCI World seit Auflegung vor 10 Jahren (noch) outperformt.

    Sparplan einfach weiterlaufen lassen und

    ansonsten: Leben genießen und die Börse ignorieren

    Denn ab einem gewissen Punkt ist Nichtstun die höchste Form von Investmentdisziplin.

  • Aktien sind per se risikobehaftet. "Defensiv" ist da m.E. eine unpassende Klassifizierung.

    „Defensiv“ bedeutet bei Aktien nicht „sicher“, sondern relativ weniger riskant innerhalb des Aktienmarkts. Finanzwissenschaftlich ist der Begriff daher durchaus sinnvoll. Gemeint sind Unternehmen mit stabileren Cashflows, geringerer Konjunkturabhängigkeit und oft niedrigerer Volatilität. Typische Beispiele sind Basiskonsum, Gesundheit oder Versorger. Diese Aktien fallen in Krisen historisch oft weniger stark als zyklische Branchen. Beispiele aus der Vergangenheit kennst du ja genügend.

    Risiko ist in der Finanzwissenschaft kein Schwarz-Weiß-Thema, sondern wird relativ betrachtet. Genau deshalb arbeitet man mit Begriffen wie Beta, Volatilität oder Drawdown, die wieder in den üblichen Artikeln der Finanzpresse lesen kannst. Auf YouTube kannst du dir von diversen Männern das auch anhören. Es wird auf jeden Fall ordentlich damit gearbeitet natürlich insbesondere bei den aktiven ETFs und teuren Fonds, wo man viel und erfolglos versucht, die Märkte zu schlagen.

    Interessant ist zudem, dass defensive bzw. Low-Volatility-Aktien langfristig teils sogar bessere risikoadjustierte Renditen erzielt haben. Präziser wäre daher: Defensive Aktien sind nicht sicher, aber oft widerstandsfähiger gegenüber Markt- und Konjunkturzyklen.

  • Vielen Dank für euer ehrliches Feedback und die kritischen Anmerkungen zu meiner Strategie! Ich habe mir die Argumente bezüglich der Gesamtrendite und des Dividenden-Fokus noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

    Ich verstehe den Punkt, dass ein marktbreiter Welt-ETF (ausschüttend) theoretisch die rationalere Wahl für die maximale Gesamtrendite sein


    Ich habe bereits über 60.000 € in einem klassischen MSCI World. Wenn ich jetzt noch mehr in 'normale' Welt-ETFs stecke, erhöhe ich mein Klumpenrisiko im Tech-Sektor (Apple, Nvidia, Microsoft etc.) massiv. Der VanEck bietet mir mit seinem Fokus auf Finanzen, Energie und Substanzwerte ein echtes Gegengewicht, das ich so noch nicht im Depot habe.

    Mir ist bewusst, dass Dividenden kein 'geschenktes Geld' sind. Aber für meine persönliche Motivation ist ein spürbarer, regelmäßiger Cashflow (ca. 4-5 % beim VanEck vs. ca. 1,5 % bei einem "normalen" ausschüttendem ETF) sehr wichtig.

    Die Performance des VanEck im letzten Jahr (teilweise besser als der All-World) hat mich darin bestätigt, dass der Morningstar-Index mit seinem Fokus auf Profitabilität und Nachhaltigkeit der Dividende eine gute Filterarbeit leistet und 'Pleitebuden' konsequent aussortiert.

    Für mich ist diese Kombination aus Wachstum (Amundi) und Substanz/Cashflow (VanEck) der beste Kompromiss, um nachts ruhig schlafen zu können und trotzdem am Weltmarkt investiert zu sein.

    Nochmal danke für den Input – es hilft mir sehr, meine eigene Strategie durch eure Gegenargumente präziser zu hinterfragen.

  • Deine Meinung ist natürlich zu akzeptieren, du bist dir da ja sicher.

    Aber das hier stimmt ja nun nicht:

    Ich habe bereits über 60.000 € in einem klassischen MSCI World. Wenn ich jetzt noch mehr in 'normale' Welt-ETFs stecke, erhöhe ich mein Klumpenrisiko im Tech-Sektor (…) massiv.

    Selbst wenn man die hohe Gewichtung als Klumpen sieht, bleibt diese ja gleich. Der Anteil erhöht sich erst, wenn du Tech-Aktien oder -ETFs zusätzlich hältst.

  • Ich halte von der Idee Abstand. Mit Dividenden baut man halt langsamer Vermögen auf und braucht zugleich mehr für dieselben finanziellen Ziele. Und alles nur weil man Mathematik nicht versteht und Investment mit Entertainment verwechselt. Dazu das ganze bildungsferne Geschwurbel a la "oh, Land x ist höher gewichtet und Branche y geringer, ich bin schlauer als der Markt", wenn es am Ende nur darum geht, wie oft das Produkt dem Gehirn einen Schub gibt und das Finanzamt sowie Broker lachen lässt.

  • Ich bin 50 Jahre alt. Vermögensaufbau bewerkstellige ich doch mit dem regelmäßigem Besparen des Amundi Prime All World mit 1k monatlich und dem was ich aus den Aktienverkäufen generiere. Ich möchte einfach eine Dividende kassieren und da der VanEck sehr energielastig ist, kann ich auch meinen Energie ETF abstoßen.

    Des Weiteren habe ich tatsächlich Wetten auf den Tech Sektor abgeschlossen.

  • Mit Dividenden baut man halt langsamer Vermögen auf

    Das ist eine sehr pauschale Betrachtungsweise. Dividende hat mir geholfen die Sparrate auch in Monaten beizubehalten in denen andere Ausgaben im Vordergrund standen. Oder man nutzt sie zum Re-Balancing. Und alles ohne Anteile verkaufen zu müssen.

    Ich habe Aktien, die haben so viel Dividende ausgeschüttet, dass der ursprüngliche Invest längst gedeckt ist und ich somit gar keinen Verlust mehr machen kann.

    Und wenn ich sehe, dass zum Beispiel der Kurs von Amazon einbricht, obwohl die Gewinne gigantisch waren - aber nicht so gigantisch wie die Investoren erwartet haben, dann sieht man Dividende auch anders. Im Gegensatz zum Kurs kann hier das Unternehmen unmittelbar bestimmen wie sehr es die Aktionäre am Gewinn teilhaben lässt.

    Besonders für die Auszahl Phase gefällt mir auch der Gedanke, dass ich nicht immer Anteile verkaufen muss um Auszahlung zu bekommen.

    Jetzt kommt wieder das Argument, das der Kurs 1:1 mit der Dividende sinkt. Praktisch ist das schon kurz danach nivelliert und am Beispiel von nicht Dividende zahlenden Unternehmen sieht man, dass diese auch ohne Dividende im Kurs einbrechen können.

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