Bedeutung des Index-Anbieters bei Auswahl eines Welt-ETF

  • Vergleicht man die TER verschiedener Welt-ETF (inklusive EM), sticht zurzeit ja der Amundi Prime All Country World UCITS ETF mit 0,07% heraus.

    Obwohl der ETF erst Mitte 2024 aufgelegt wurde, konnte er schon über 5 Milliarden Euro einsammeln. Schaut man sich die Performance an, konnte er gut mit den üblichen Verdächtigen von ishares, Vanguard oder SPDR mithalten.

    Ein wesentlicher Grund für die niedrigen Kosten dürfte sein, dass er nicht auf einen Index von MSCI oder FTSE sondern vom deutschen Indexanbieter Solactive basiert.

    Eine genauere Betrachtung der Solactive AG fällt jedoch etwas ernüchternd aus. Sowohl die Google Bewertungen als auch jene bei kununu sind nicht gerade gut:

    https://www.kununu.com/de/solactive-ag/kommentare

    Als langfristiger Anleger ist es für mich von großer Bedeutung, dass ein ETF dauerhaft stabil funktioniert und da kommt es natürlich auch auf den Indexanbieter an.

    Was meint ihr, sollte man solche Überlegungen zu den indexanbietern bei der Auswahl eines ETFs mit in Betracht ziehen oder haltet ihr das eher für unbedeutend? Was würde theoretisch mit einem ETF passieren, wenn der zugrunde liegende Index nicht mehr angeboten wird (weil der indexanbieter Pleite geht)?

  • Sowohl unter den ETF- als auch unter und Indexanbietern herrscht großer Wettbewerb. Das Asset under Management Volumen steigt zwar, die Margen der „Vanilla-Tracker“, also der großen Flaggschiff Welt-ETFs sinken aber ebenfalls. Die Branche versucht dies mit margenträchtigeren Spezialprodukten wie aktiven ETF oder Themen-ETF, etc. zu kompensieren.

    Siehe hier: Passive Investmentgiganten stehen trotz ETF-Boom unter massivem Kostendruck

    Die beiden großen Indexanbieter MSCI und FTSE Russell dürften trotzdem nicht Pleite gehen. Allerdings ist MSCI ein US-amerikanisches Unternehmen und FTSE Russell ein britisches. Wer politische Einflussnahme fürchtet, könnte das in Betracht ziehen.

  • Was meint ihr, sollte man solche Überlegungen zu den indexanbietern bei der Auswahl eines ETFs mit in Betracht ziehen oder haltet ihr das eher für unbedeutend? Was würde theoretisch mit einem ETF passieren, wenn der zugrunde liegende Index nicht mehr angeboten wird (weil der indexanbieter Pleite geht)?

    Ohne die Rechtsgrundlagen zu kennen, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ein ETF wohl auch ohne Insolvenz des Indexanbieters den Index wechseln kann. Einer meiner ETFs ist von MSCI auf STOXX umgestiegen. Im Fall einer Insolvenz dürfte sich der ETF also einfach einen vergleichbaren anderen Indexbieter suchen und die Aktien behalten.

  • Es kommen noch Transaktionskosten hinzu.

    Ja, das ist eines meiner Learnings dieses Jahres. Kann man gut bei Fondsweb nachgucken. Bei manchem ETF sind tatsächlich die internen Transaktionskosten höher als die TER, die so gar nicht "total" ist. Lohnt sich besonders, dies zu prüfen, wenn man vorhat, wegen 0,03 % TER oder so den ETF zu wechseln.

  • Als langfristiger Anleger ist es für mich von großer Bedeutung, dass ein ETF dauerhaft stabil funktioniert und da kommt es natürlich auch auf den Indexanbieter an.

    Was meint ihr, sollte man solche Überlegungen zu den indexanbietern bei der Auswahl eines ETFs mit in Betracht ziehen oder haltet ihr das eher für unbedeutend? Was würde theoretisch mit einem ETF passieren, wenn der zugrunde liegende Index nicht mehr angeboten wird (weil der indexanbieter Pleite geht)?

    Eine Garantie, dass ein Indexfonds seinen Index ewig beibehält gibt es schlichtweg nicht! ETF sind ja nicht für uns Kleinanleger geschaffen worden, sondern für große institutionelle Investoren (Pensionsfonds, Versicherungen, etc.).
    Wir Kleinanleger dürfen da halt mitspielen und können die ETF auch kaufen.;)

    So hat xTrackers vor einigen Jahren einige seiner ETF auf ESG-Varianten des jeweiligen Index umgestellt. Als 'normaler' Depotkunde kannst Du, wenn es Dir nicht passt, nur verkaufen und einen anderen ETF wählen. Das löst dann natürlich einen Steuerevent aus. Für institutionelle Investoren spielen solche Steuerevents keine Rolle.
    Wenn eine große Versicherung einem ETF-Anbieter droht Ihre Gelder aus Fonds XYZ abzuziehen, wenn der Anbieter den Fonds nicht auf ESG umstellt, kannst Du Dir ausrechnen was passieren wird.:/
    Auch iShares ist bei einigen Faktor-ETF vom Indexanbieter MSCI zum Indexanbieter Stoxx gewechselt. Auch hier hast Du wenn es Dir nicht passt nur die Möglichkeit mit den Füßen abzustimmen.
    Und eine 'Pleite' eines Indexanbieters ist m.E. das geringste aller Probleme. Es gibt viele Indizes die nahezu identisch aufgebaut sind (z.B. FTSE All World, MSCI World, Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap Index). Da spielt es in der Praxis quasi keine Rolle, welcher Indexanbieter konkret dahinter steht.
    MSCI Ist halt die bekannteste Marke, was dann beim Marketing für den ETF-Anbieter vorteilhafter sein mag.
    Ich würde das ganze aber auch nicht überbewerten. Es wird wohl kein Anbieter eines MSCI World-ETF mal eben den Index auf einen MSCI EM-Index oder auf einen reinen Branchenindex (z.B. Automobilwerte) umstellen. ;)

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