Erbaschaft während der Rente - Beratung der Mutter

  • Hallo liebe Community,

    ich bin ganz neu hier und habe bisher hauptsächlich mitgelesen. Dabei habe ich schon unglaublich viele hilfreiche Informationen für meine eigene Finanzplanung mitgenommen, danke dafür!

    Nun habe ich selbst eine Frage, bei der ich gerne eure Einschätzung hätte. In meinem Umfeld gibt es leider nur wenige Menschen, mit denen ich mich über Finanzen austauschen kann.

    Kurz zu mir:
    Ich bin 48 Jahre alt und beschäftige mich seit etwa fünf Jahren intensiver mit meinen Finanzen. Mein ETF-Depot steht, mein Plan für die Altersvorsorge ebenfalls, und das Thema Finanzen macht mir mittlerweile wirklich Spaß. Gerade bei meinen eigenen Investments habe ich keine Berührungs- oder Verlustängste.

    Jetzt geht es allerdings um meine Mutter (es steht eine Erbauszahlung an) und da fühlt sich alles deutlich sensibler an. Ich möchte nichts falsch machen und würde mich deshalb sehr über eure Meinungen freuen.

    Vorab wichtig:
    Meine Mutter wünscht sich ausdrücklich Unterstützung und Beratung. Ich dränge ihr hier nichts auf. Auch geht es mir nicht um ein mögliches Erbe meinerseits sondern nur darum, dass sie lange mit dem Erbe auskommen kann.

    Ausgangssituation:

    • 71 Jahre alt
    • keine Immobilie
    • eher geringe Rente
    • Rentenlücke ca. 600 € monatlich (muss noch final berechnet werden)


    Nach Ablösung aller Kredite bleiben etwa 130.000 € übrig.

    Ziel: Das Geld soll möglichst lange reichen (Kapitalverzehr), Sicherheit steht klar im Vordergrund.

    Wichtig:
    Sie möchte definitiv kein klassisches Produkt der Sparkasse abschließen. Sie versteht mittlerweile selbst, dass hohe Kosten und fragwürdige Produkte hier eher kontraproduktiv wären.

    Meine bisherige Idee:

    1. Onlinebanking einrichten
      Bisher war das kein Thema, aber ich würde es gerne mit ihr zusammen aufsetzen.
    2. Sparkasse behalten
      Einfach, weil die Filiale im Ort ist und sie dort im Zweifel persönlich hingehen kann.
    3. Tagesgeldkonto bei der Sparkasse
      Dort würde ich die jährliche Rentenlücke plus größere planbare Ausgaben parken:
    • 600 € x 12 Monate
    • Versicherungen
    • Urlaube
    • Puffer für Unvorhergesehenes

    Gedanke dahinter: Das Geld bleibt für sie „sichtbar“ und fühlt sich nicht komplett weginvestiert an.

    1. Rest investieren
      Aufteilung z. B.:
    • 70 % Geldmarkt-ETF
    • 30 % All-World-ETF

    Beispielrechnung:
    Ca. 25.000 € würden zunächst auf dem Tagesgeldkonto bleiben (3 Jahre Rentenlücke + Reserve).

    Verbleiben also etwa 105.000 €:

    • ca. 73.500 € im Geldmarkt-ETF
    • ca. 31.500 € im All-World-ETF

    Die Idee wäre:
    Der Aktienanteil soll möglichst langfristig liegen bleiben (10–15 Jahre), damit er idealerweise später einen größeren Puffer bildet.

    Was mir allerdings Sorgen macht:
    Wenn ich mit einer Entnahme von 600 € monatlich rechne, reichen die 105.000 € grob nur etwa 10–12 Jahre (zudem ist das eine Berechnung ohne Steuern, heißt, es müssen höhere Beträge einberechnet werden). Deshalb frage ich mich, wie man hier einen wirklich sinnvollen und sicheren Plan aufstellen kann.

    Meine Fragen an euch:

    • Wie sinnvoll findet ihr diesen Ansatz grundsätzlich? Würdet ihr komplett anders vorgehen?
    • Übersehe ich irgendetwas?
    • Würdet ihr eher alles bei der Sparkasse bündeln (z. B. über den S-Broker), damit es einfacher bleibt?
    • Oder lieber einen günstigen Broker wie Scalable Capital nutzen?
    • Hat jemand Erfahrungen mit dem Auszahlungsplan bei Scalable?
    • Oder würdet ihr euch aus familiären Gründen eher ganz heraushalten?
    • Würdet ihr überhaupt am Aktienmarkt investieren?

    Meine Sorge ist vor allem:
    Wenn das Geld einfach auf dem Girokonto bleibt, könnte es deutlich zu schnell aufgebraucht werden.


    Vielen Dank schon mal für eure Einschätzungen! Seid bitte gnädig mit mir. Wir haben noch überhaupt nichts besprochen und es geht mir gerade vor allem darum die Gedanken in meinem Kopf zu sortieren. Wenn meine Mutter sagt, das ist alles nichts für sie, dann halte ich mich komplett raus.


    Danke und LG

  • Kater.Ka 28. Mai 2026 um 12:33

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Wenn ich mit einer Entnahme von 600 € monatlich rechne, reichen die 105.000 € grob nur etwa 10–12 Jahre

    Das ist doch mathematisch klar, dass diese 600 € einfach zu viel sind. Geh mal von maximal 300 € aus, wenn es gut läuft.

    Außerdem ist mir im Moment nicht ganz klar, warum deine Mutter eine Rentenlücke hat. Wie hat sie denn die letzten Jahre überhaupt gelebt ohne dieses Erbe? Denn sie ist wohl schon einige Jahre in Rente..

  • Ein Onlinekonto einzurichten ist mit Sicherheit eine gute Idee. Nur solltest du dich mit deiner Mutter darauf Verständigen das du auch eine Vollmacht für das Konto hast oder ihr beide Gleichberechtigt darüber Verfügen könnt, das macht es später deutlich einfacher wenn deine Mutter mal auf Hilfe angewiesen sein sollte, dann kannst du das deutlich leichter übernehmen ihr die finanziellen Dinge abzunehmen. Wichtig: Offen und Ehrlich sowas mit deiner Mutter besprechen.

  • Sie hat bis 70 weitergearbeitet und im Anschluss Wohngeld erhalten. Das fällt aber nun weg, durch das Erbe. Die 600 Euro währen ihr Wunsch. Wahrscheinlich geht auch weniger wenn sie sehr sparsam lebt.

    Ich würde bei dieser Situation überhaupt nichts mit einem Welt-Aktien-ETF machen. Festgeldtreppe ist das Mittel der Wahl.

  • Sie hat bis 70 weitergearbeitet und im Anschluss Wohngeld erhalten. Das fällt aber nun weg, durch das Erbe. Die 600 Euro währen ihr Wunsch. Wahrscheinlich geht auch weniger wenn sie sehr sparsam lebt.

    Wenn das ihr Wunsch ist einfach nur ein Tagesgeldkonto. Wenn sich der genaue Bedarf an ein oder zwei Jahren eingependelt hat kann man ja noch was ändern. Es hört sich zumindest so raus das es deine Mutter ihr Leben lang sich nicht viel gegönnt hat und jetzt der Wunsch da ist nicht jeden Cent zwei mal umzudrehen. Gönne ihr das !

  • Man könnte auch über einen Auszahlplan z.B. der GEFA-Bank nachdenken. So könnte das Minmum über monatliche Zahlungen abgesichert werden, zusätzlicher Bedarf wird dann vom Tagesgeld bzw. Geldmarktfonds entnommen. Somit wäre kein so häufiges Eingreifen notwendig. Allerdings bedenken, dass die Auszahlung ja nicht an die Inflation angepasst wird!

    GEFA-Bank Auszahlplan

    Beispielrechnung für 10 Jahre Auszahlplan auf Zinsen-berechnen.de

  • Was soll man groß schreiben?
    Du machst das mit Deinen Überlegungen schon grundsätzlich ganz richtig. Aber aus 130.000€ lassen sich 600€/Monat = 7.200€ p.a. einfach nicht wirklich langfristig erwirtschaften.
    Da bräuchtest Du nach Steuern eine Rendite von 5,6% p.a. Und dann ist da noch kein Inflationsausgleich vorhanden.
    Das könnte da überhaupt nur mit einer entsprechend hohen Aktienquote und einem großem Marktrisiko etwas werden. Und selbst dann läge eine einigermaßen sichere Entnahmerate eher so im Bereich von max. 4% p.a. vor Steuern. Immerhin mit jährlicher Inflationsanpassung
    Würde ich Dir bzw. Deiner Mutter so etwas empfehlen? Eher nicht.

    Hier mal meine Gedanken als reiner Denkanstoß (Keine Handlungsempfehlung!).

    Such für Deine Mutter eher so etwas wie einen Auszahlplan. Z.B. Bei der Gefa:
    Auf 10 Jahre gibt es dort 3,1% p.a. Zins.
    https://www.gefa-bank.de/produkt/auszahlplan/

    Bei einer Anlage von rund 68.000€ könnte sich Deine Mutter dann Ihre Rente um 600€ im Monat plus einem Inflationsausglich von 2% p.a. aufbessern (vor Steuern!)

    Dann legt Ihr 5.000 - 10.000€ auf ein Tagesgeldkonto als Liquiditätspuffer und den Rest der 130.000€ investiert Ihr in einen Vanguard Life Strategy 80 oder 60 ETF.

    Dann hat Deine Mutter erstmal 10 Jahre Ihre finanzielle Ruhe. Und in den 10 Jahren schaut Ihr wie sich das angelegte Geld entwickelt. Und dann schaut Ihr in 10 Jahren weiter.

    Klar, kann es sein, dass Deiner Mutter mit 85-90 das Geld ausgeht und Sie wieder zum Amt muss. Aber niemand weiß wie sich die Zukunft entwickelt. So hätte man zumindest erstmal 10 Jahre kaum finanzielle Sorgen. Und 10 Jahre sind bei einem Alter von 71 ja auch schon eine ganz schön lange Zeit.

  • Bei so knappen Finanzen ist ein Aktienanteil vielleicht generell keine gute Idee. Und könnte deine Mutter mit der Volatilität umgehen? Wie wäre es mit TG für 12 Mon und Rest in einem Geldmarktfonds?

    Wenn Aktienanteil gewünscht (gegen Inflation), dann vielleicht einfach einen Mischfonds (wie Vanguard LifeStrategy 20 (40 könnte schon zu volatil sein) statt GMF. Damit ist kein manuelles Rebalancing nötig und man braucht bei den jährlichen Entnahmen nicht zu bewerten, ob gerade eine Krise ist und wie lange die wohl anhält.

  • Ich sehe es ähnlich wie monstermania , würde aber etwas knapper kalkulieren, damit sich die Chance erhöht, dass das Geld bis 95 reicht. 500 Euro pro Monat sollten möglich sein.

    1) Der Auszahlplan von der Gefa wäre auch meine erste Wahl, mit dem Ziel 400 Euro pro Monat + Inflationsausgleich zu entnehmen. Dafür braucht ihr rund 45.000 Euro für zehn Jahre.

    2) Ein Notgroschen von 10.000 Euro, aus dem man auch mal einen bescheidenen Sonderwunsch erfüllen kann.

    3) Den Rest von 75.000 Euro würde ich im IE00BMVB5Q68 Vanguard Lifestrategy 60 anlegen. Der schüttet zusätzlich rund 1700 Euro pro Jahr aus. 100 Euro als Aufstockung des Auszahlplans und der Rest ins Tagesgeld.

    400 Euro Auszahlplan aus 1)
    100 Euro pro Monat Teil der Ausschüttung aus 3)

    Das wäre eine Aktienquote von knapp 30 %. Nach spätestens zehn Jahren dann weiteres Geld aus 3) umschichten für die kommenden Jahre.

    Was die Steuern angeht, sollte Deine Mutter zukünftig eine Steuererklärung abgeben. Sie wird vermutlich die Kapitalertragssteuern komplett zurückbekommen!

  • Beim gefa auszahlplan werden die Zinsen am Ende des Jahres ausgezahlt.

    Ich hatte Anlage 50.000 zu 2,70 % auf 10 Jahre

    Monatliche Auszahlung 416,66€

    Zinszahlung Ende Dezember....

    Zinsen Schwer für mich auszurechnen, da die Gesamtsumme sich monatlich auch um die 416,66€ verringert.....

  • Beim gefa auszahlplan werden die Zinsen am Ende des Jahres ausgezahlt.

    Ich hatte Anlage 50.000 zu 2,70 % auf 10 Jahre

    Monatliche Auszahlung 416,66€

    Zinszahlung Ende Dezember....

    Zinsen Schwer für mich auszurechnen, da die Gesamtsumme sich monatlich auch um die 416,66€ verringert.....

    50.000 / 120 = 416,66€
    Nur wo bleiben dann die Zinsen? :/ Gab es die Zinszahlung dann immer im Dezember als gesonderte Extraauszahlung?
    Ist ja eigentlich nicht das, was man mit einem 'Auszahlplan' bezwecken will. Da möchte ich ja eigentlich über 10 Jahre jeden Monat eine feste Summe bekommen und nicht 11 Monate Betrag X und dann im 12 Monat Betrag Y. :rolleyes:
    Noch dazu wird dann im Laufe der Jahre die Zinszahlung im Dezember ja auch immer geringer.

    Aber Danke für Deinen Erfahrungsbericht!

  • Genauso....

    12 x 416,66€ + einmal zinszahlung im Dezember

    Diese dann auch jährlich natürlich geringer....

    Hätte ich leider auch nicht so vorher erlesen....

    Für mich aber letztendlich auch egal, da ich so zumindest die 416 € zum auffüllen meiner Rente fest einplanen kann.... zumindest noch für die restlichen nächste 8.5 Jahre 😁

    Hab aktuell ca. 115.000 € in Ausschüttenden etf, ca 30.000 zu 1.9% Tagesgeld und ca. 10.000 aufm giiro...

    Gehe übernächstes Jahr mit 63 und 14,4 % Abzügen in Rente...die wird leider nur ca. 1300€ netto betragen....

  • Oh wow, vielen Dank euch allen für die Inspirationen und neuen Ideen. Den Auszahlplan der Gefa werde ich mir auf jeden Fall mit meiner Mutter zusammen genauer anschauen. Genauso den/die Vanguard Life Strategy. Ich lerne hier immer noch viel dazu und bedanke mich nochmal ganz herzlich bei euch <3

  • Bei dieser Berechnung, besonders, was die ETFs betrifft, sollte man auch die gesundheitliche Situation deiner Mutter nicht außer acht lassen. 10 Jahre sind meines Erachtens bei einer geringen Rente und dem Alter viel zu lange blockiert.Und

    Wenn der GEFA Auszahlplan so funktioniert, wie der Poster kostjawohlwas beschrieben hat, bringt das nichts nur jeweils im Dezember die immer geringer werdende Zinsauszahlung zu erhalten.

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