Altersvorsorge über ETF-Plan von ChatGPT

  • Hallo,

    ich bin 54 Jahre alt, habe zwar schon etwas Erfahrung mit Aktien gemacht, bin aber kein Finanzprofi. Über ChatGPT habe ich mir nun einen Vorsorgeplan erstellen lassen, den ich mit der Finanztip Community teilen möchte. Ich bin über jedes Feedback dankbar.

    Ausgangslage:

    Meine Frau und ich möchten in 10 Jahren in Rente gehen. Der Vorsorgeplan soll zu unserem Renteneintritt nach heutiger Kaufkraft pro Monat 2000 EUR vor Steuer einbringen, wenn möglich ohne dabei viel an Kapital zu verlieren. Inflationsbereinigt wären das nach meiner Rechnung in 10 Jahren etwa 2500 EUR. Wir haben für den Vorsorgeplan 300.000 EUR Cash zur Verfügung. Hinzu kommen 2000 EUR die wir pro Monat für den Vorsorgeplan zur Seite legen können. Außerdem wird in 10 Jahren eine Lebensversicherung fällig, die garantiert 60.000 EUR einbringt. Mit diesen Daten habe ich ChatGPT gefüttert. Außerdem habe ich ChatGPT mit den S&P 500 Kursen der letzten 100 Jahren gefüttert, die ich mir über Onvista heruntergeladen habe. Hierbei kam folgender Vorsorgeplan heraus.

    Vorsorgeplan

    1. Ausgangslage
    Startkapital: 300.000 €. Monatliche Sparrate: 2.000 € über 10 Jahre. Zusätzlich stehen zum
    Rentenstart 60.000 € Liquidität aus einer Lebensversicherung zur Verfügung. Ziel ist eine
    nachhaltige Entnahme von 2.500 € monatlich bei hoher Robustheit gegenüber Marktrisiken.
    2. Gesamtstrategie
    Die Strategie kombiniert globales Aktienwachstum mit einem schrittweisen Risikoabbau ab Jahr 6
    vor Rentenbeginn. Ziel ist die Reduktion des Sequenzrisikos bei Erhalt der langfristigen Kaufkraft.
    3. Portfolio-Aufbau – Ansparphase
    Einmalanlage der 300.000 € gestaffelt über 12 Monate. Startallokation: 75 % Aktien, 20 %
    Anleihen, 5 % Gold. Die monatliche Sparrate von 2.000 € fließt zunächst zu 100 % in Aktien.
    4. Empfohlene ETFs
    Aktien: - Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN IE00B3RBWM25) - iShares Core MSCI
    Emerging Markets IMI UCITS ETF (ISIN IE00BKM4GZ66) Defensiv: - iShares Core € Govt Bond
    UCITS ETF (ISIN IE00B4WXJJ64) - Xetra-Gold ETC (ISIN DE000A0S9GB0) ca. 5 %
    5. Risikoabbau – Jahre 6 bis 10
    Ab Jahr 6 wird die Sparrate schrittweise umgelenkt: Jahr 6: 80 % Aktien / 20 % defensiv Jahr 7: 70
    % / 30 % Jahr 8: 60 % / 40 % Jahr 9: 50 % / 50 % Jahr 10: 40 % / 60 % Ziel zum Rentenstart: ca.
    70 % Aktien und 30 % defensive Anlagen.
    6. Rebalancing-Regeln
    Einmal jährlich überprüfen. Nur bei Abweichungen größer als ±5 % vom Zielportfolio wird
    rebalanciert. Primär über Sparraten, sekundär über Umschichtungen. Keine taktischen
    Marktentscheidungen.
    7. Rolle der 60.000 € Liquidität
    Die 60.000 € aus der Lebensversicherung bleiben vollständig liquide (Tagesgeld oder
    Geldmarktfonds). Sie dienen als Entnahmepuffer für ca. zwei Jahre und verhindern Verkäufe von
    Aktien in Schwächephasen.
    8. Entnahmephase
    Entnahmen erfolgen in folgender Reihenfolge: 1. Liquidität aus der Lebensversicherung 2.
    Defensiver Depotanteil 3. Aktien nur bei Marktstärke oder Rebalancing Initiale Entnahme: 2.500 €
    monatlich. Anpassungen nur bei längeren Schwächephasen erforderlich.
    9. Worst-Case-Logik
    Im ungünstigen Marktumfeld kann eine temporäre Reduktion der Entnahme (z. B. auf 2.200 €)
    erforderlich sein. Ein Totalverlust ist durch die Struktur ausgeschlossen. Der Fokus liegt auf
    Versorgungssicherheit, nicht auf Maximalrendite.
    10. Fazit
    Der Plan ist robust gegenüber schlechten Startjahren, langen Seitwärtsphasen und Inflation. Er
    verbindet Disziplin, Einfachheit und hohe Fehlerverzeihung und ist damit gut geeignet für eine
    langfristige Ruhestandsplanung


    Nach entsprechender Nachfrage hat ChatGPT den Aktienteil wie folgt empfohlen, um dem Klumpenrisiko der Magnificent Seven entgegenzutreten.
    Global Market Cap 60 % Vanguard FTSE All-World UCITS ETF IE00B3RBWM25
    Equal Weight 20 % Xtrackers MSCI World Equal Weight UCITS ETF IE00BL25JM42
    Quality-Faktor 20 % iShares MSCI World Quality Factor UCITS ETF IE00BP3QZ601


    Für mich hört sich das nach entsprechender Recherche nicht verkehrt an. Es wäre für mich sehr hilfreich die Meinung von Experten in diesem Forum zu bekommen. Vielen Dank dafür im Voraus!

  • Ich bin 54 Jahre alt, habe zwar schon etwas Erfahrung mit Aktien gemacht, bin aber kein Finanzprofi.

    Über ChatGPT habe ich mir nun einen Vorsorgeplan erstellen lassen, den ich mit der Finanztip Community teilen möchte.

    Vielen Dank fürs Angebot, aber ich brauche das eigentlich nicht.

    Für mich hört sich das nach entsprechender Recherche nicht verkehrt an.

    Hui, ist das aber lang!

    Kannst Du Dich nicht von ChatGPT weiterberaten lassen, wenn Du dort schonmal angefangen hast? Ich habe mir sagen lassen, es bringe etwas, wenn man das Ergebnis der einen KI einer anderen zur Beurteilung gäbe.

    :)

  • Das wirkt erstmal sehr kompliziert. Da ich persönlich Fan von 1 ETF Lösungen und möglichst großer Einfachheit bin würde ich eher zu einem ETF tendieren, der schon einen Anteil an Anleihen eingebaut hat, z.B. die LifeStrategy ETFs von Vanguard.:thumbup:

  • Das wirkt erstmal sehr kompliziert. Da ich persönlich Fan von 1 ETF Lösungen und möglichst großer Einfachheit bin würde ich eher zu einem ETF tendieren, der schon einen Anteil an Anleihen eingebaut hat, z.B. die LifeStrategy ETFs von Vanguard.:thumbup:

    ChatGPT: die Antworten hängen natürlich von den konkreten Fragen ab, beziehungsweise welches Niveau überhaupt bei der Fragestellung erwartet wird.

    Ich habe zum Beispiel mal die Rahmendaten von Achim dort eingegeben, und die künstliche Intelligenz möchte sofort den Aktienanteil auf 60 % herabsetzen. Den Rest soll er in kurzlaufenden Anleihen oder Tagesgeld parken.

    Ich vermute mal, dass das seinem planerischen Wesen eher nicht entspricht.

  • So fürchterlich schlecht ist der Vorschlag gar nicht aber ich sehe schon noch Verbesserungspotenzial.

    1) Die 2.500 Euro sind damit meiner Einschätzung nach nicht ganz zu erreichen. Ich sehe eher 2.200 Euro vor Steuern mit diesem Plan, was einer anfänglichen Entnahme von gut 3 % entspricht. Auch das sollte man noch mal genau nachrechnen.

    2) Eine Beimischung von EW finde ich gut, wenn man die USA Gewichtung und die starke Betonung von Großunternehmen begrenzen will. Quality klingt zwar gut sind aber über 70 % USA. Die Mehrkosten für EW sind im Alter nicht ganz so relevant wie in der Ansparphase. Hier kommt es mehr auf Stabilität an.

    3) Grundsätzlich auf ausschüttende ETFs setzen wegen steuerlichen Vorteilen in der Entnahmephase.

    4) Der EM Anteil ist etwas zu niedrig, wenn man Beimischungen macht.

    5) Statt die Sparrate jährlich in Richtung Liquidität zu verschieben, würde ich einfach gegen Ende der Sparphase alle Sparraten in Geldmarkt/solide Anleihen bis max mittlerer Laufzeit umlenken. Wie groß das Sicherheitspolster zu Beginn sein muss, hängt stark davon ab, welche anderen Einkünfte noch existieren und wie hoch die Bereitschaft und die Möglichkeit ist, notfalls die Entnahme zu drosseln. Oft wird ein Vielfaches des Bedarfs für 4-5 Jahre genannt.

    6) Natürlich habe ich die Angaben nicht hinterfragt, ob der Bedarf mit 2.500 ausreichend ist. Da empfehle ich eine detaillierte Betrachtung zukünftiger Ausgaben aber auch Einnahmen (KV + PV + Steuern nicht vergessen) zur Ermittlung der genauen Lücke.

    7) Im Text kann man herauslesen, dass die AI eine teildynamische Entnahme empfiehlt. Ich habe Zweifel ob man das alleine mit dieser recht dünnen Beschreibung hinbekommt. Grundsätzlich bin ich ein großer Freund dieser Methode, weil man damit Entnahmen in schlechten Zeiten drosselt und in guten Zeiten auch anheben kann.

  • Erst einmal vielen Dank für eure Antworten und dass ihr euch die Zeit hierfür nehmt!
    Der Bedarf der zu unseren gesetzlichen Renten zusätzlichen 2500 EUR monatlich bezieht sich darauf, den momentanen Lebensstandard zu halten. Könnte für einige Zeit auf ca. 1200 EUR reduziert werden. Die Annahme ist, dass durch den Plan bei Renteneintritt ca 850k EUR Kapital angewachsen ist. Das würde nach meiner Kalkulation einer durchschnittlichen Rendite von ca 6,5% pro Jahr entsprechen. Mir wäre ein Plan mit weniger ETF wegen der einfacheren Verwaltung auch lieber, ich fürchte aber die Übergewichtigung der großen US Tech Werte etwas.
    90 Prozent Aktien - Danke für die ausführliche Antwort- Ich habe aber nicht verstanden was mit EM- und EW gemeint ist.

  • Was mir auf den ersten Blick aufgefallen ist:

    Der Plan berücksichtigt keine Steuern (jedenfalls steht da davon nichts). Wenn aus einem ETF monatlich 2.500 EUR entnommen werden, landen keine 2.500 EUR auf dem Konto, sondern je nach Gewinnanteil ein geringerer Betrag.

    Der Plan berücksichtigt auch keine Inflation in der Entnahmephase. Die 2.500 EUR monatlich werden ja von Jahr zu Jahr weniger Kaufkraft haben, und wenn die Rente 20-30 Jahre läuft, sollte man das berücksichtigen und über die Zeit die Entnahme erhöhen.

  • Die Annahme ist, dass durch den Plan bei Renteneintritt ca 850k EUR Kapital angewachsen ist. Das würde nach meiner Kalkulation einer durchschnittlichen Rendite von ca 6,5% pro Jahr entsprechen.

    Worauf basiert diese Annahme? Wir sprechen über gerade mal 10 Jahre. Es kann bei Aktien(-ETFs) durchaus auch mal eine lange Durststrecke kommen. Was, wenn es kurz vor Beginn der Entnahme zum großen Crash kommt und das Depot nur noch die Hälfte wert ist und sich die nächsten 10 Jahre nicht wieder erholt?

  • Ich bin 54 Jahre alt, habe zwar schon etwas Erfahrung mit Aktien gemacht, bin aber kein Finanzprofi.

    Meine Frau und ich möchten in 10 Jahren in Rente gehen.

    Wir haben für den Vorsorgeplan 300.000 EUR Cash zur Verfügung. Hinzu kommen 2000 EUR die wir pro Monat für den Vorsorgeplan zur Seite legen können.

    Der Vorsorgeplan soll zu unserem Renteneintritt nach heutiger Kaufkraft pro Monat 2000 EUR vor Steuer einbringen, wenn möglich, ohne dabei viel an Kapital zu verlieren

    - Du hattest als Anleger mit Aktien bisher nicht viel am Hut. Wäre das anders, hättest Du jetzt ein Aktiendepot und nicht "Cash".

    - Du und Deine Frau möchten vor der Zeit in Rente gehen.

    - Ihr habt (gemessen an Eurem Anspruch) ein übersichtliches Depot, von dem unklar ist, woraus es besteht und wie es zustandegekommen ist.

    - Ihr wollte jetzt plötzlich einen höchst ambitionierten Sparplan beginnen. Vorschlag: Ihr könntest das einfach mal ein paar Monate ausprobieren, ob Ihr pro Monat wirklich 2000 € Sparrate schafft. Was man mit diesem Geld dann macht, kann man ja hinterher noch unterscheiden.

    - Ihr stellt Euch eine ambitionierte Entnahme vor, und zwar am besten mit nominalem Kapitalerhalt. Du könntest aus Deinem aktuellen Depot von 300 T€ mit 2,5% Festzins im Jahr vor Steuer etwa 7.500 € Zins erhalten, davon geht etwa ein Viertel an Steuer weg, bleiben 5.500 € im Jahr. Vorgestellt hast Du Dir eine Entnahme von 24 T€ nach Steuern im Jahr.

    Dazwischen klaffen Welten.

    Ziel ist eine nachhaltige Entnahme von 2.500 € monatlich bei hoher Robustheit gegenüber Marktrisiken.

    Jetzt sind es schon 2500 € pro Monat, also 30 T€ pro Jahr nach Steuern.

    Ich fürchte, das wird so nichts. :(

    Was sagt denn ChatGPT dazu? Frag es doch mal, ob es für wahrscheinlich hält, daß Du die geplante Sparrate 10 Jahre lang durchhältst.

  • zora1206 euer Plan (der Plan eurer KI) ist ganz schön auf Kante genäht.
    Kann funktionieren, bei Kapitalabschmelzung, aber nur wenn alles gut läuft (über mind. 40 Jahre).

    Du gehst ganz einfach davon aus dass du aus deinen 300k€ in 10 Jahren durch Sparplan 850k€ machst. In 10 Jahren können da real, bei konsequenter monatlicher Sparrate von 2k€ zwischen 350k€ und gut über 1 Mio€ liegen. Die Wahrscheinlichkeiten können in jeder Richtung driften. Die 6,5% im Durchschnitt der Vergangenheit wird es in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben.

    Falls ihr die 850k€ erreicht, ist eine Entnahme von 30k€ pro Jahr mit Abschmelzung des Kapitals eventuell möglich, ABER VOR Steuerabzug und wenn sich der Markt relativ positiv entwickelt.
    Haut es dann wieder rein mit den Kursen, dann muss man aufpassen, dass am Ende des Geldes nicht noch zuviel Leben übrig ist.

  • Hmm, die KI hat alles sehr schön gerechnet, wenn in 10 Jahren keine 6,5% im Jahr kommen, stürzt das Kartenhaus zusammen. Es gab schon 10 Jahre in denen es sogar Verluste gab, fehlende Steuern wurden schon erwähnt, ebenso fehlende Inflation. Die Kaufkraft dürfte in 10 Jahren etwa um ein viertel weniger werden. Reichen dann 2500€ noch? Entscheidend ist bei dem Plan sind die 2500€ dringend nötig oder mehr für die schönen Dinge des Lebens? Danach würde sich meine Risikobereitschaft richten…

  • Die Frage wäre auch was für Abschläge es auf die Rente gibt wenn man mit 64 in Rente geht. Klappt das überhaupt oder hat man sogar eine Zeit zu überbrücken ohne das Geld verdient wird und noch keine Rente gezahlt wird.

    Bei 2000 Euro Sparrate und 2500 Euro Entnahme sind dann nicht nur 500€ zu entnehmen, da die Sparrate ja wegfällt?

    6.5% Rendite finde ich auch ziemlich sportlich auf 10 Jahre gerechnet, vor allem mit 75% Aktien. Gold ist ja auf nem relativ hohen Niveau, schwer zu sagen ob das Rendite abwirf die nächsten 10 Jahre. Geldmarkt also 20% sind lediglich Inflationsschutz, wenn überhaupt. Dazu soll ja das Risiko zeitnah reduziert werden. Mit der Allokation wäre auf 15-20 Jahre wohl eher mit 4-5% zu rechnen. Wie schon geschrieben ist nach 10 Jahren die theoretische Streuung hier massiv.

    Mir ist das KI-Modell auch zu dünn und etwas sehr luftig.