Dividendentitel - gar nicht mal so schlecht ?

  • Ist mir bekannt. Ich will nur nicht in hundert Eventualitäten argumentieren. High Dividend ETFs haben gegenüber Einzelaktien mit Ausschüttung vorwiegend den Diversifikationsvorteil (der im Vergleich zum Welt ETF aber trotzdem sehr viel schlechter diversifiziert ist). Ansonsten gilt meine Argumentation daher auch für High Dividend ETFs.

  • Wie hat der Dicke damals gesagt? Wichtig ist, was hinten rauskommt. Recht hatte er. Also: selber rechnen und dann entscheiden.

    Da die Berechnung durchaus komplex sein kann, sollte man kritisch prüfen, ob man sich das zutraut. Insbesondere die Berechnung der Rentenlücke sollte auch die derzeitige Besteuerung mit einbeziehen. Da spielen dann wieder viele zusätzliche Faktoren mit rein.

    Am Ende ist und bleibt das natürlich sehr vage, aber insbesondere wenn man ne üppige Rente und zusätzliches Einkommen hat, ist die "Nettorente" wesentlich niedriger.

    Für Vermögensaufbau bleib ich dabei: ETFs oder Einzelaktien mit sehr hoher Ausschüttungsquote sind schädlich (im Vergleich zum ausschüttenden oder thesaurierenden Welt ETF).

  • Ich hab die KI mal mit nem Szenario gefüttert und mir ausrechnen lassen, was der Unterschied wäre:

    Setting:

    Welt ETF 7% Rendite

    Einzelaktie mit Dividendenquote von 5% und insgesamter Rendite von 7%

    Investment 30 Jahre, 1000 € monatlich, Steuersatz 26,375%, Vorabpauschale 3,2%, 1000 € Sparerpauschbetrag.

    Der Welt ETF hätte einen Wert von ca 1,1 Mio Euro und die Einzelaktie von ca. 970k.

    Im zweiten Vergleich habe ich die KI mit folgendem Szenario gefüttert:

    Welt ETF und Aktie mit gleicher Ausgangslage, 30 Jahre, 1000 € monatlich. Diesmal aber ohne Sparerpauschbetrag und Steuersatz mit Kirchensteuer (28,625 %), aber der Welt ETF setzt die Sparrate solange aus, bis die gezahlte Steuer auf die Vorabpauschale "ausgeglichen" ist.

    Das ergäbe beim ETF auch ca. 1,1 Mio Euro und bei der Einzelaktie nur noch 710k.

    Aus Vereinfachungsgründen bin ich von monatlicher Ausschüttung ausgegangen.

    Ich hab mir noch keine Exceldatei gebastelt, die sowas gut simulieren kann. Beim ersten Szenario ist der Abstand natürlich nicht extrem hoch und alleine die Grundannahme einer gleichen Rendite von Welt ETF und Aktie ist natürlich unrealistisch, aber als hypothetisches Konstrukt ganz interessant.

    Wenn jetzt noch Jahre ohne Vorabpauschale oder sehr geringe dazu kommen oder die Besteuerung sich ändert, sieht es wieder anders aus. Einzige Tatsache, bei der ich in Frage stelle, ob die KI da verlässliche Zahlen geliefert hat: In Szenario 1 und 2 ist der Gesamtwert des Welt ETF nahezu identisch. Das passt meiner Meinung nach nicht. Aber soll auch keine Doktorarbeit in Mathematik sein, sondern ein kleines KI gestütztes Gedankenexperiment.

  • Wobei ich zugeben muss, dass ich über den Absatz auch gestolpert bin. Worin besteht jetzt konkret der Vorteil, wenn mir bei niedrigen Kursen das Unternehmen aus der linken Tasche was auszahlt, damit es in die rechte Tasche investieren kann? Abzüglich Steuern natürlich.

    Du sollst das nicht so dogmatisch sehen. Wieso nicht einfach mal mehr Steuern zahlen als nötig, wenn man sich damit wohl fühlt?:D


    Ich glaube, das Missverständnis ist: In der Betrachtung hier ist immer isoliert von den Dividendenaktien die Rede … und zwar in allen Zeiten. Ich lese gleich den ersten zentralen Satz - „Dividendentitel haben den Vorteil, an der Börse in turbulenten oder schwachen Marktphasen besser abzuschneiden und sich stabilisierend auf das Depot auszuwirken.“ - so, dass es erstens um die Betrachtung des Gesamtportfolios mit Dividendentiteln (und nicht um die Dividendentitel isoliert!) geht, und das auch nicht in allen Situationen und über die gesamte Strecke, sondern in schwierigen Marktphasen.

    Das deckt sich mit meiner anekdotischen Beobachtung meiner eigenen Anlagen:...

    Bei einer Investition in den Aktienmarkt die Sicherheitsvariante zu wählen, ist aber der reinste Schwachsinn. Wer weniger Schwankungen bei weniger Rendite will, kann das ganz einfach haben, indem er die Aktienquote verringert.


    Der Artikel ist falsch. Dividenden sind einfach kein "Zustupf", sondern ein überflüssiges steuerpflichtiges Ereignis.

  • Außer wir haben glück und es geht dieses Jahr nach unten! (leider werden hier aber Gewinne sozialisiert und Verluste individualisiert)


    Bzgl. Dividendentitel - damit ist wohl eher gemeint das die Art der Unternehmen andere sind als bei den Wachstumstiteln. Sie sind oft weniger volatil und bewertet sind eher die Gewinne der Vergangenheit (solide Geschäftsmodelle) und nicht die der Zukunft wie bei Wachstumsaktien und möglicherweise heiße Luft.

    Das ist der Grund das sie (auch in Krisen) kontinuierlicher sind. Das hat alles für und wider.

  • Außer wir haben glück und es geht dieses Jahr nach unten! (leider werden hier aber Gewinne sozialisiert und Verluste individualisiert)

    Seit ca 200 Jahren geht is mit leichten Schwankungen steil nach oben, deine Aussage ist daher etwas sonderbar. Als Anleger dauerhaft Verluste zu fahren geht nur wenn man wirklich richtig richtig schlecht ist und unvernünftig gehandelt handelt hat.

  • Wahnsinn, was manche von sich geben, wenn sie die reine Lehre angegriffen sehen.

    Thesaurierend bedeutet auch, das ihr das Steuerevent in die Zukunft verlagert. Dies ist eine Wette darauf, das die Versteuerung zumindest nicht schlechter als heute sein wird.

    Meine ausschüttenden Papiere haben pro Jahr gut 14% Rendite gebracht, die thesaurierenden 16%.
    Überperformance ist eher eine Frage des Markets (z.B. Nasdaq100 vs. EM) als des Umgangs mit Ausschüttungen.

    Aber ich verstehe natürlich, das man für die breite Masse eine möglichst einfache Botschaft rüberbringen muss. Funktioniert ja auch gut.


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  • Aber ich verstehe natürlich, das man für die breite Masse eine möglichst einfache Botschaft rüberbringen muss. Funktioniert ja auch gut.

    Logisch. Total simpel und jemand bloß nicht damit „überfordern“, dass er ab und zu eine Ausschüttung durch temporäre Erhöhung seiner Sparrate reinvestieren muss….