Depot „Neujahrsputz“

  • Hallo zusammen,

    seitdem ich vor einigen Jahren Finanztip über die YouTube-Videos von Saidi kennengelernt habe, ist die Webseite und das Forum ein ständiger Begleiter. Daher möchte ich euch allen schon einmal herzlich danken für alles, was ich in der Zeit lesen und lernen durfte!

    Hintergrund zu mir:

    • 29 Jahre, Single, Mietwohnung, relativ neues Auto
    • 4-Töpfe-Prinzip & ca. 50-30-20-Regel

    Bevor ich mit dem ETF-Sparen gestartet habe, bin ich klassisch in einige Fettnäpfchen getreten:

    • Finanzprodukte auf Anraten von Bank oder nahestehender Personen abgeschlossen, die ich rückblickend teilweise anders entschieden hätte. Gleichzeitig wurden manche Entscheidungen aufgrund zu viel Grübeln glücklicherweise nicht final umgesetzt.
    • Zu viel Zeit in theoretischer „Kurvendiskussion“ verbracht, statt direkt mit dem ETF-Sparen zu starten.

    Meine Versicherungen und Verträge habe ich gut im Griff. Neben dem Umstrukturieren vom Depot steht aktuell einzig meine BU-Versicherung noch zur Prüfung aus und meinen Bausparer möchte ich dieses Jahr ebenfalls kritisch hinterfragen. Beides ist jedoch im Moment nicht vorrangig.

    Ziel „Neujahrsputz“ im Depot

    Es gibt zwei Themen, die ich schon länger vor mir herschiebe:

    1. Altlasten im Depot bewerten: verkaufen oder behalten?
    2. Tagesgeld reduzieren und in ETFs investieren?

    Überblick Depots (~102.200 €)

    Altbestände – ursprünglich Sparpläne oder Einmalkäufe:

    • UniCredit HVB Garant / DE000HVB3SH4 / 5.000 € (läuft noch bis 08.2029)
    • FIRST EAGLE AMUNDI / LU1095739733 / 62 Stk. ~ 6.800 €
    • iShares STOXX Europe 600 Oil & Gas / DE000A0H08M3 / 48 Stk. ~ 2.000 €
    • PB VP Nachhaltig 70 / DE000A0M03Y9 / 45 Stk. ~ 3.100 €
    • UBS MSCI World Socially Responsible / LU0629459743 / 66 Stk. ~ 10.600 €
    • UniGlobal / DE0008491051 / 24 Stk. ~ 9.600 €
    • Pictet - Water / LU0208610294 / 2 Stk. ~ 1.000 €
    • hausInvest / DE0009807016 / 140 Stk. ~ 5.600 €

    Schenkungsaktien:

    • Holmen / SE0011090018 / 250 Stk. ~ 8.100 €
    • SAP SE / DE0007164600 / 110 Stk. ~ 22.200 €

    Renten-ETF:

    • Ab diesem Jahr 500 € statt 400 € im Monat via Sparplan
    • Vanguard FTSE All-World / IE00BK5BQT80 / 157 Stk. ~ 25.800 €
    • UBS Core MSCI World / IE00BD4TXV59 / 46 Stk. ~ 1.600 €

    Überblick Tagesgeld

    Abzüglich meines Notgroschens beläuft es sich aktuell auf 60.400 € und wird monatlich mit 200 € bespart. Der Angebotszins von 2,90 % p.a. läuft demnächst aus.

    Das Geld ist in den letzten 10 Jahren zwischen Tages- und Festgeld gewandert – immer mit dem Gedanken, dass bei einem Eigenheim mit Familie Kapital benötigt wird. Aktuell ist das jedoch wieder Zukunftsmusik.

    Meine Überlegungen

    • Den offenen Immobilienfonds (hausInvest) nicht zurückgeben, sondern endlich direkt verkaufen.
    • MSCI World Socially Responsible eventuell weiterlaufen lassen als Renten-ETF.
    • Restliche Altbestände (bis auf UniCredit) ebenfalls verkaufen und in den Renten-ETF umschichten.
    • Schenkungsaktien vorerst stehen lassen und nur bei Bedarf zu einem möglichst guten Kurs verkaufen.
    • Tages-/Festgeld: Abwägen, ob das Geld weiterhin wie bisher geparkt oder ein Großteil einmalig in ETFs investiert werden sollte – ein Balanceakt zwischen pragmatischer Vernunft und der Verlockung höherer Renditen.
    • Die Wahl des Renten-ETFs nochmals prüfen – die Entscheidung im Herbst war eher impulsiv, um „etwas zu verändern“ und gleichzeitig eine neue LIFO-Steuer-Tranche für die Entnahme im Alter zu erzeugen.

    Offene Fragen

    1. Depotwechsel vor Verkauf: Wäre ein Wechsel zu einem günstigeren Depot sinnvoll, um die Verkaufskosten zu reduzieren und so mögliche Verluste abzumildern? U.a. der hausinvest ist bei Comdirect. Das Zweitdepot ist bei Scalable Capital.
    2. Faustregeln bei Altlasten: Take Profit ~ +20 % / Stop Loss ~ -10 % – ist das eine praktikable Orientierung oder sollte man hier besser einmal „in den sauren Apfel beißen“ und konsequent umschichten?

    Ich möchte mein Depot möglichst „keep it simple“ halten. Ich weiß, dass ich jede Entscheidung selbst treffen und tragen muss, freue mich gleichzeitig auf eure Schwarmintelligenz, um die für mich stimmigste Lösung zu finden.

    Vielen Dank fürs Lesen!

    Viele Grüße
    der Sparzwerg

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  • Moin! Da hast du für dein Alter ja schon viel Geld beieinander! Glückwunsch!

    In der Tat ruft das Sammelsurium von kleinen Positionen nach einer Zusammenlegung. Für eine Einschätzung der Steuerlage bräuchten wir jedoch Angaben zu den aufgelaufenen Gewinnen.

    Eine Begriffsklärung noch: Als "Renten-ETF" wird gemeinhin ein ETF bezeichnet, der Anleihen enthält. Du meinst offenbar aber "ETF für meine Rente" und hier konkret einen Aktien-ETF. Könnte in der weiteren Diskussion zu Missverständnissen führen.

  • Das Depot kann zweifellos eine klarere Struktur gebrauchen. Bevor jetzt aber alles platt gemacht wird, mach einmal eine Bestandsaufnahme in Bezug auf Kaufdatum und enthaltene Gewinne. Danach kann man priorisieren. Handelt es sich bei den geschenkten Aktien womöglich um Altpositionen von vor 2009? Wurden die Anteile vom Hausinvest nach 2013 erworben? Falls nein, ist die Rückgabe der bessere Weg. Wenn sie länger als ein Jahr im Depot liegen, wäre die Kündigungsfrist 12 Monate.

    Wenn ich es richtig sehe willst Du in Zukunft im wesentlichen Sparpläne ausführen und das Depot bereinigen. Ob Du Gebühren sparen kannst hängt nicht zuletzt an den Konditionen Deines aktuellen Depots. Suche Dir für Deine Anwendung einen geeigneten Broker mit guten Gebühren. Ich persönlich würde wegen oft unzureichendem Service keinen reinen Neobroker wählen. Kostenlose Sparpläne mit einem großen Angebot an ETFs sind sicher notwendig. Die beste steuerliche Transparenz bei moderaten Preisen scheint es derzeit bei Flatex zu geben. Das kann Dir beim Umbau des Depots helfen. Aber schau Dich um, was Dir zusagt und eröffne das Depot. Einige Positionen wie beispielsweise den Uni Global könntest Du vermutlich kostenlos bei Deinem jetzigen Broker einfach über die KAG zurückgeben.

    Nachdem der Immowunsch derzeit nicht akut ist, würde ich ihn für den Vermögensaufbau vorerst ignorieren. Am Ende ist es deutlich schädlicher für die Vermögensentwicklung, wenn Du permanent Geld auf der Seite hast für einen Wunsch der frühestens in einigen Jahren zum Tragen kommt, wenn überhaupt. Man kann Aktien auch verkaufen, um solche Wünsche zu erfüllen, wenn sich die Situation ändert. Man muss das ja nicht ausgerechnet dann machen, wenn die Aktien am Boden liegen.

    Grundsätzliche Gedanken musst Du Dir machen zum Thema Risikobereitschaft und der gewünschten Aufteilung in riskante und weniger riskante Vermögensteile. Nachdem Du auch Positionen mit ESG Ausrichtung hast, solltest Du auch darüber klar sein, was Deine Wünsche sind.

    1. Faustregeln bei Altlasten: Take Profit ~ +20 % / Stop Loss ~ -10 % – ist das eine praktikable Orientierung oder sollte man hier besser einmal „in den sauren Apfel beißen“ und konsequent umschichten?

    Beim Umschichten muss man es gar nicht so fürchterlich kompliziert machen. Du willst ja nicht aussteigen sondern bestehende Assets teilweise in die gewünschte Allokation tauschen. Dafür ist es wichtig, dass zwischen Verkauf und Neukauf möglichst wenig Zeit vergeht. Solltest Du Dich also von beispielsweise vom Uni Global trennen wollten, dann einfach verkaufen und gleich neu kaufen. Dabei möglichst nicht ins Wochenende reinrutschen, wo es gelegentlich zu stärkeren Ausschlägen an der Börse kommen kann.

  • Vielen Dank für eure direkten und ausführlichen Antworten!

    Motas91 Dankeschön - dem bin ich mir auch bewusst und das es auf keinen Fall selbstverständlich ist :)
    Zwecks meiner Bezeichnung für den ETF: Richtig, damit meine ich "ETF für meine Rente" - Aktien ETF. Das kann ich jetzt leider im ersten Post nicht mehr anpassen.

    Am Wochenende hatte ich bereits via Excel Verkäufe simuliert inkl. Steuer.
    Da müssten alle fehlenden Informationen und Daten enthalten sein. Ich werde es heute Abend übersichtlich hier ergänzen und genauer auf eure Antworten eingehen.

  • oder sollte man hier besser einmal „in den sauren Apfel beißen“ und konsequent umschichten?

    Moin Sparzwerg , willkommen im Forum.

    Man "sollte" es so machen das man sich damit Wohlfühlt.

    Auf lange Sicht gewinnt Einfachheit. Mehr als 4-5 Positionen machen es unübersichtlich und du fühlst dich unsicher.

    Diese Unsicherheit ist die größte Gefahr für deine Geldanlage, da sie dich in ein permanentes Handeln treiben kann. Deswegen lies und schau dich noch ein bisschen schlau.

    Den optimalen Weg wird dir niemand sagen können, wenn du nur die größten Fehler nicht machst bist du schon auf einem sehr guten Weg.

    Du schreibst vom 4 Töpfe Prinzip. Dann halte die Töpfe auch einfach.

    Schenkungsaktien vorerst stehen lassen und nur bei Bedarf zu einem möglichst guten Kurs verkaufen.

    Was ist denn hier ein möglichst guter Kurs? Schreib dir den Kurs auf und verkaufe dann auch wirklich wenn der Kurs erreicht ist. Wenn du bei Bedarf verkaufen musst ist es unmöglich einen guten Kurs zu bekommen. Also ist das ganze ein Widerspruch.


    Und nenne deine "langfristigen" Anlagen auch so.... die Bezeichnung "Renten-ETF" ist schon durch andere Finanzprodukte vergeben und führt zu Verwirrung, da sie eine andere Anlageklasse sind.


    Ansonsten bist du auf einem guten Weg.

    Dir gute Finanzentscheidungen.

  • Schenkungsaktien vorerst stehen lassen und nur bei Bedarf zu einem möglichst guten Kurs verkaufen.

    Das fiel mir aber beim Querlesen sofort auf.

    Beispiel SAP: die haben viele Jahre gebraucht, um überhaupt dauerhaft wieder über die 100 € zu kommen. Sind sehr gut gelaufen und tun sich seit geraumer Zeit wieder deutlich schwerer.

    Was ist denn für dich bei denen überhaupt ein „guter“ Kurs ?

    Immer höher wie aktuell ?

  • Ja, das ist doch schon ein schönes Depot.

    Altbestände würde ich wohl nach und nach abbauen, angefangen mit dem hausinvest, wobei du bei dem ja die 12-monatige Kündigungsfrist beachten musst. Einige verkaufen den an der Börse, aber da machst du sicher 10% Verlust, und zwar ohne Not.

    Besparst du tatsächlich All-World und World? Und welchen Hintergrund hat das?

    (Ich habe die bisherigen Antworten gelesen, deswegen wiederhole ich natürlich nicht, dass Renten-ETFs was anderes sind ;))

  • Tages-/Festgeld: Abwägen, ob das Geld weiterhin wie bisher geparkt oder ein Großteil einmalig in ETFs investiert werden sollte – ein Balanceakt zwischen pragmatischer Vernunft und der Verlockung höherer Renditen.

    Hallo Sparzwerg, willkommen im Forum und auch von mir erstmal Glückwunsch zu diesem Lebensalter/Vermögens-Koeffizienten! ;)

    Zum Depot haben sich ja schon einige ausgelassen.

    Für meinen Geschmack ist dein Tagesgeld-Festgeld-Betrag zu hoch. Wenn du aktuell keinen Verwendungszweck dafür hast, dann würd ich es auf den Notgroschen beschränken.

  • Zu aller erst, vielen Dank für die klasse Vorstellung und Aufstellung. So viel Mühe machen sich die wenigsten.

    Was ist für dich der Grund für das hohe Festgeld? Erwartest du irgendwelche größere Anschaffungen oder Urlaube in den nächsten 5 Jahren? Das Thema Auto gibt es ja nicht.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, das mit dem auslaufen der günstigen Zinsen zu verringern und dann wieder stetig aufzubauen wenn es darum geht in x Jahren ein neues PKW zu kaufen.

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