Aktuell gibt es einen neuen Artikel in der WirtschaftsWoche, der Online NICHT hinter der Bezahlschranke liegt.
In einem großen Ranking „Beste Fondsgesellschaften“ werden vor allem aktive Fondsmanager:innen hervorgehoben und als „Erfolgsfaktoren“ für Anleger:innen präsentiert – inklusive Lob für Fondsboutiquen und Schwergewichte aus Sparkassen- und Volksbanken-Umfeld.
Das Ranking basiert auf einer Analyse durch Scope, bei der traditionelle aktive Fonds und aktive ETFs, nicht aber klassische Index-ETFs, bewertet werden. Kriterien sind u. a. vergangene Performance, Verlustbegrenzung, Service und Management. Die Ergebnisse werden in Sternen dargestellt, wobei bekannte Häuser wie Polar Capital und auch große Anbieter mit breiter Produktpalette hervorgehoben werden.
Meine ketzerische These: da will jemand Werbung machen. Und zwar genauer: zwei ganz alte Bekannte. Union Investment und DEKA.
Das Timing ist bemerkenswert: Die Diskussion um das neue Altersvorsorgedepot, das ab 2027 die Riester-Rente ablösen soll und mehr kapitalmarktnahe Anlagen – inklusive ETFs – zulassen soll, läuft. Dieses neue Modell wird demnächst gesetzestechnisch beschlossen und wird als deutlich renditestärker als die alte Riester-Rente beschrieben, da es auf teure Garantien verzichtet und Kapitalmarktchancen nutzt.
Gleichzeitig erscheinen in Wirtschaftsmedien Artikel, die aktiv gemanagte Fonds als überlegen oder besonders attraktiv darstellen. Das wirft die Frage auf: Ist das ein rein objektiver Ratschlag oder Lobbyismus für teurere Aktiv-Produkte ?
Meine Meinung:
Zahlreiche unabhängige Studien zeigen, dass ein Großteil aktiv gemanagter Fonds über lange Zeiträume nicht besser abschneidet als breite Index-ETFs. Nach Kosten oft deutlich schlechter.
Gerade für die private Altersvorsorge, über 20–30 Jahre, hat sich ein einfacher, diversifizierter ETF-Ansatz als sehr erfolgreich erwiesen.
Was macht der Artikel wirklich ?
Der Artikel schafft Sichtbarkeit für aktive Fonds und aktive ETFs, ohne dabei die Kostenfrage oder die langfristigen empirischen Unterschiede zu passiven Index-ETFs kritisch zu hinterfragen. Er bewertet Fonds nach Performance in bestimmten Zeiträumen, aber nicht zwingend im Vergleich zu günstigen Indexlösungen. Klassische ETFs werden sogar ganz außen vor gelassen.
Das lässt Anleger:innen denken, aktive Fonds seien per se „besser“, was für die Fondsbranche (insbesondere Sparkassen- und Genossenschaftsverbünde) wirtschaftlich sinnvoll ist.
Für die Mehrheit der privaten Sparer:innen bleiben kostengünstige, breit diversifizierte ETF-Strategien über lange Anlagehorizonte die effizienteste Lösung.
Und:
Mit Blick auf das neue staatliche Altersvorsorge-Modell ab 2027, das ETFs ausdrücklich zulässt und auf Kosten-Transparenz zielt, lohnt es sich umso mehr, kritisch zu bleiben gegenüber Artikeln, die nur einzelne Gewinnerfonds oder Manager herausstellen.
Zum Schluss kommt dann der für mich fast schon peinlichste Satz:
„Große Fondshäuser wie Union Investment, Kepler aus Österreich oder Deka zeigen wiederum, dass sich vor allem Ausdauer für Anleger lohnt. Über Tausende Filialen von Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparkassen führen sie Anleger oft erstmals an Fonds heran und begleiten sie über Jahrzehnte. Gerade in der Altersvorsorge zahlt sich das aus. Hier kommt es nicht auf das beste Jahr an, sondern darauf, dass man die schlechten übersteht. Der weltweit investierende Aktienfonds UniGlobal etwa erzielte für einen Riester-Sparer inklusive der Garantiekomponente seit 2002 im Schnitt 8,3 Prozent Rendite pro Jahr – nach Kosten, über Krisen hinweg.“
Noch Fragen?