Sparen aber wie mache ich es richtig

  • Welcher Beamter hat im Einstiegsamt eine Besoldung so das er, nach Abzug der Kosten (Miete, Auto, Freizeit, Lebenshaltung usw.) 2.800€ sparen kann?

    Dieser Beamte muss sehr hoch qualifiziert sein, z.B. Besoldung nach A15/16 oder Besoldungsgruppe B. (Alternativ wäre noch "Frugalist" eine Möglichkeit.)

    Jetzt frage ich mich warum die Eltern, bei einem so enormen Grad der Bildiung, die Finanzplanung übernehmen müssen?

    Die hat sich seither voll auf Ihre Ausbildung/Studium konzentriert. Wohnt fast mietfrei und hat die Eltern um Rat gebeten. Da unterstützt man doch gerne. Risiko ist abgesichert mit BU/DU, Haftpflicht, … Im Studium wird finanzielle Bildung leider nicht gelehrt. Ich hab zwar etliche Finanzliteratur gelesen und auch für mich erfolgreich umgesetzt, aber finde es auch gut, sich im Forum unter Gleichgesinnten auszutauschen.

  • Die hat sich seither voll auf Ihre Ausbildung/Studium konzentriert. Wohnt fast mietfrei und hat die Eltern um Rat gebeten. Da unterstützt man doch gerne. Risiko ist abgesichert mit BU/DU, Haftpflicht, … Im Studium wird finanzielle Bildung leider nicht gelehrt. Ich hab zwar etliche Finanzliteratur gelesen und auch für mich erfolgreich umgesetzt, aber finde es auch gut, sich im Forum unter Gleichgesinnten auszutauschen.

    Schon mal gut, dass sie gefragt hat. Besser wäre noch, sie wäre hier auch aktiv.

  • Du hättest den zweiten Teil des Absatzes vielleicht auch durchlesen sollen:

    Finanzthreads müssen immer ganzheitlich gelesen werden

    So ist es!

    Und dann müssten bei der Geldanlage die Finanzen auch immer ganzheitlich betrachtet werden. Und daran hapert es hier.

    Das, was hier praktiziert wird, mündet in Schulden (im Falle des Immobilienerwerbs) bei gleichzeitiger riskanter Geldanlage. Ich würde ja nichts sagen, wenn da jemand wäre, der weiß, was er macht. Das dürfte hier aber nicht der Fall sein.

    Keinesfalls ist einem unbedarften Anleger, der nicht einmal selbst hier auftritt, dazu zu raten.

  • ...

    Oder gibt es andere Vorschläge für die Aufteilung, wie man Vermögen aufbauen/strukturieren kann?

    Freue mich auf Tipps.

    Versetze Dich einen Moment mal in die Situation Deiner Tochter.

    Was würdest Du davon halten, wenn jemand Dir Ratschläge gibt, die er zuvor erst selbst im Internet bei völlig unbekannten Menschen erhalten muss?

  • Hey

    Seppe,

    vorab und der guten Ordnung halber: Habe nur Deinen Beitrag Nr. 1 überflogen.


    Im Gegensatz zu dem Strangtitel ("Sparen aber wie mache ich es richtig") geht es offensichtlich gar nicht um Dich sondern um Deine Tochter ...

    Nur am Rande und meines Erachtens: Das Versichern existenzieller Risiken (wie PHV und BU) kommt zwingend vor jedem Anlegen oder Investment

    unsere Tochter ist mit dem Studium fertig. Hat monatlich ca. 2.800,-€ zum Sparen zur Verfügung.

    Wer erfolgreich Abitur gemacht und erfolgreich eine Studium absolviert hat und bereits zum Einstieg in das Berufsleben 2.800 € - noch dazu nach den hierzulande üblichen sehr hohen Abgaben - zum Sparen übrig hat, kann (nur um einem Jungen aus der Nachbarschaft zu zitieren) "nicht völlig Banane" sein.

    Schon generell aber insbesondere auch bei dem Thema "private Finanzen" plädiere ich für selbst bestimmtes Handeln, Eigenverantwortlichkeit und Selbstwirksamkeit.

    Zumal das Thema - wenn nicht "finanzielle Unabhängigkeit" mit 40 Jahren oder gar "finanzielle Freiheit" mit 50 oder 60 Jahren das Ziel ist - keine Geheim- oder Raketenwissenschaft darstellt.

    Von "zum Jagen tragen" beispielsweise halte ich eher wenig und vom "betreuten Sparen, Anlegen und/oder Investieren" ebenso wenig. Dazu kommt - nach meinen sehr langjährigen Erfahrungen -, daß für die Compliance den eigenen Finanzplan betreffend wenig bis nichts so förderlich ist, wie ein Grundverständnis zumindest der Basics und dem Wissen, warum man agiert, wie man agiert sprich bezüglich der gewählten eigenen, individuellen finanziellen Aufstellung.

    Unabhängig davon können, wie schon von Dir erwähnt, die eigenen, kleineren oder größeren Lebens-/Finanzziele ggf. bei der Finanz-Aufstellung auch noch eine Rolle spielen (Stichwort: Eigenheim oder zumindest Wohneigentum geplant oder eher nicht - um nur ein Beispiel zu nennen). Da würde ich empfehlen näher zu ergründen, wie ernsthaft und konkret dieser Wunsch oder gar Absicht ist (must have, nice to have, nur bei sich bietender Gelegenheit usw.)


    An Deiner Stelle würde ich daher der Tochter einige Bücher zum Thema "private Finanzen" empfehlen oder schenken zwecks eigenem Aufschlauen- so sie denn selbst ernsthaftes Interesse an dem Thema hat erkennen lassen. Statt ihr Empfehlungen anonymer fremder Dritter aus dem Internet zu unterbreiten oder gar zu empehlen.

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    Wenn du nicht nach Aktien, sondern nach Geldmarkt filterst, findest du Geldmarkt-Fonds. Das sind Ultrakurz laufende Anleihen, welche dann ~ den IZB Leitzins wiederspiegeln. Der liegt aktuell bei 2%.

    Nachteil: Das kann sich jederzeit ändern. Wobei ich mittelfristig nicht wirklich eine gravierende Veränderung erwarte.

    Auf 5 Jahre gesehen, ist das natürlich trotzdem nicht das sicherste. Da eignen sich Anleihen vllt mehr. >2 Jahren Laufzeit werfen die eig mehr Rendite ab, als der Leitzins.

    Hier gibt es 2 Dinge zu beachten. Anleihe-ETFs haben eigentlich kein Ablaufdatum, weil immer wieder neue Produkte gekauft werden. Ihr müsstet also entweder mit einem Risiko leben, oder umschichten. Von 3-5 Jahre Laufzeit auf 1-3 Jahre und dann auf Geldmarkt. Das ist natürlich umständlich.

    Alternative gibt es iBonds (Laufzeitbonds) oder Target-Maturity Bond. Das sind Anleihe Bundles mit Endfälligkeitsdatum.

    ZB LU2673523135

    Xtrackers II Target Maturity Sept 2031 EUR Corporate Bond UCITS ETF (Acc) | LU2673523135 | DBX0U8
    Alle wichtigen Informationen und Vergleiche zum Xtrackers II Target Maturity Sept 2031 EUR Corporate Bond UCITS ETF (Acc) (LU2673523135 | DBX0U8) – extraETF –…
    extraetf.com

    Das ist ein Laufzeitbond bis September 2031. (Unternehmensanleihen in diesem Fall)

    Wichtig bei Anleihen: Die Währung. Kurz- und Mittelfristig kein Wechselkursrisiko eingehen. Ja, Anleihen in $ sind aktuell sehr lukrativ, aus Sicht der Rendite. Aber wenn der Dollar fällt, verlierst du. (Andersherum kannst du natürlich auch gewinnen). Staatsanleihen sind in der Regel sicherer als Unternehmensanleihen. Aber in einem breiten Fond mit Endfälligkeit würde ich das nicht als Kriegsentscheidend ansehen. Trotzdem im Zweifel nach Government statt Corporate suchen.

    Und: Die Rendite bei Anleihen ist anders als bei Aktien planbarer. Du bekommst eine Zielrenditen, die eigentlich nur von Insolvenz geschmälert werden kann. Das ist natürlich sicherer, aber auch schnell veränderlich.

    Für den Sparplan bedeutet das: Regelmäßig nachschauen, wie es mit den Renditen aussieht. Wenn Anleihen weniger Renditen versprechen, steigt der Wert deiner gekauften Anleihen, du machst also mit den gekauften nichts falsch. Aber neues Geld legst du nicht mehr zu den Zinsen an, die du haben willst

    Weitere Vorschläge für die Anlage:

    Wenn deine Tochter 5 Jahre lang wirklich 2000€ fürs Haus spart, hat sie am Ende 120.000€ vor Zinsen. Das ist schon sehr viel. Es gibt KfW Kredite oder Landeskredite, die man zur Eigenkapitalaufstockung vor der Bank aufnehmen kann. Es ist oftmals gar sinnvoller, "nur" 10-20% Eigenkapital einzubringen und den Rest bis zu den 50% als Kredit vom Land/Bund aufzunehmen. 60% werden dann von der Bank zum Bestzins finanziert. (Also 10% Nebenkosten + 40% Eigenkapital + 60% Finanzierung von der Bank).

    Der Vorteil hier liegt darin, dass man sein Geld lieber in den Kapitalmarkt bringt und als Ziel erst in der Nachfinanzierung das Kapital einbringt. Mit den aktuellen Zinsen kann das immer noch lohnend sein. Man nutzt quasi den Fremdkapitalhebel am Aktienmarkt, besichert mit den Aktien, die man 10 Jahre lang hält. Zielrendite muss da dann "nur" der Zinssatz sein, damit man nicht verliert.

    Könnte vllt eine Überlegung wert sein

  • Oder gibt es andere Vorschläge für die Aufteilung, wie man Vermögen aufbauen/strukturieren kann?

    Andere Vorschläge wurden bis hierher schon mehrere gute gemacht.

    Ich würde versuchen, die Tochter an ein eigenständiges Entscheiden über ihre Finanzen heranzuführen. Mich hat vor kurzem folgendes Buch dazu begeistert:
    Leon Hofmann: Ganz Einfach Finanzen. Dein Weg ins eigenständige Leben: Finanzielle Grundlagen für junge Erwachsene. Eur 15.-.

  • Die Frage nach der Immobilie steht vielen Sparern im Weg. Wenn man aus lauter Angst vor der Finanzierung eines vagen Immobilienwunsches, sein Geld sehr defensiv anlegt und dann nach zehn Jahren immer noch keine Entscheidung getroffen hat, dann hat man sehr viel Geld verloren.

    Eine Rendite von 2 % ist eine negative Realrendite. Jeder angelegte Euro verliert derzeit schon vor Steuern real an Wert. Bei einer Sparrate von 2.800 Euro pro Monat wird sie in wenigen Jahren den Pauschbetrag ausgeschöpft haben und dann gehen auch noch Steuern ab.

    Desto unsicherer der Wunsch nach einem Eigenheim ist, desto schlechter ist es Geld dafür zur Seite zu legen. Das ist auch keine Frage, die Du für Deine Tochter beantworten kannst. Ich befürchte sogar, dass auch Deine Tochter noch nicht dazu in der Lage ist. Wenn ich die Situation richtig erfasst habe, lebt sie noch zu Hause ohne feste Partnerschaft, mit der man meist auch zusammen wohnt. Wie soll sie in so einer Situation einen tragfähigen Lebensplan haben?

    Nun betrachten wir den Fall des vagen Immobilienwunsch mit einer anderen Vorgehensweise. Solange sich kein konkreter Wunsch abzeichnet, innerhalb der nächsten sagen wir zwei Jahre ein Objekt zu suchen, wird das Geld renditeorientiert angelegt. Das birgt das Risiko, dass man in vielleicht zwei Jahren soweit wäre, den vagen Wunsch reell anzugehen. Das ist der Moment, indem man in risikoarme Anlagen umschichten würde, damit in der folgenden Zeit der Objektsuche einem kein Börsencrash in die Quere kommt. Neue Sparraten in dieser Zeit gehen dann ebenfalls zu 100 % in risikoarme Anlagen.

    Was könnte konkret passieren:
    - in den ersten zwei Jahren hat man 6 % p.a. Rendite gemacht und dann kracht die Börse ausgerechnet in dem Jahr ein kurz bevor man die Entscheidung pro Immobilie trifft. Extrem groß sind die Verluste nicht, denn man hat ja nur zwei Jahre lang Geld investiert und das Depot noch nicht allzu groß. Zudem wird ein kleiner Teil der Verluste durch die vorangegangenen Kursgewinne aufgefangen.
    - In den ersten fünf Jahren fällt keine Entscheidung und im Schnitt hat man 6 % p.a. an Rendite eingefahren. Jetzt wird es endlich reell und man will in 1-2 Jahren auf das Geld zugreifen. Sollte die Börse wieder ausgerechnet jetzt abstürzen, federn die aufgelaufenen Gewinne den Absturz zum erheblichen Teil ab. Dennoch könnte sich das Vorhaben um wenige Jahre verschieben.
    - In den nächsten zehn Jahren ist aufgrund ungewisser persönlicher Situation und/oder beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten noch keine Entscheidung gefallen. Jetzt hat sich bereits ein nettes Depot gebildet und ein Immobilienwunsch sollte sich von nun an immer realisieren lassen.

    Einfach nur mal zum Nachdenken. So eine lange Warteposition mit ungewissem Ausgang steht dem Vermögensaufbau im Weg.

    Von der Immobilienproblematik abgesehen, sehe ich keinen Grund, warum ein Vater seiner Tochter nicht auch einen Rat geben dürfte. So eine Hilfestellung kann eine erste Gehhilfe sein, bei der finanziellen Selbstbestimmung. Ein kleines Einführungsbuch zu Finanzen ist natürlich kein Fehler, so die Tochter bereit ist, sich damit zu beschäftigen. Das wird um ein Vielfaches besser sein, als wenn Tochter zur Bankfiliale geht, mit einer Rentenversicherung, einem Bausparer und vielleicht noch ein paar netten Zertifikaten nach Hause kommt.

  • Hm.... also ich bin Fan davon, dass der der seine Finanzen regeln will selber hier seine Fragen stellt. Denn die Tochter wird womöglich ganz andere Fragen haben als der Papa hat. Desweiteren es ja immerhin ihr Geld ist und nicht seines. (Meinungsbeitrag)

  • Vielen Dank für den sehr konstruktiven und sachlichen Beitrag. Du hast die Situation eigentlich sehr gut beschrieben.

  • Die hat sich seither voll auf Ihre Ausbildung/Studium konzentriert. Wohnt fast mietfrei und hat die Eltern um Rat gebeten. Da unterstützt man doch gerne. Risiko ist abgesichert mit BU/DU, Haftpflicht, … Im Studium wird finanzielle Bildung leider nicht gelehrt. Ich hab zwar etliche Finanzliteratur gelesen und auch für mich erfolgreich umgesetzt, aber finde es auch gut, sich im Forum unter Gleichgesinnten auszutauschen.

    Vielleicht magst Du ihr mal den Link zum Reddit/Finanzen-Wiki schicken? Das ist (meiner Meinung nach) "leichtere Kost" als irgendein Buch über Finanzen und gut auch "nebenbei" im Alltag integrierbar: r/Finanzen Wiki: Finanzen – Dein Wegweiser im Finanzdschungel

    Ich finde es gut, dass ihr sie unterstützt (und noch viel besser, dass ihr sie bei einer Selbermacher-Lösung unterstützt und keinen Termin bei der örtlichen Sparkasse macht!), aber sie sollte schon selbst verstehen und entscheiden, wie sie ihr Geld anlegen möchte.

    Thema Immobilien: Ich bin in einer Familie großgeworden, wo eine eigene Immobilie quasi "gesetzt" war, und meine Eltern wurden regelrecht nervös, als ich immer älter wurde, fest im Beruf stand, und trotzdem keine Anstalten gemacht habe, auch nur eine kleine Einzimmerwohnung zu erwerben. Für sie war Vermögensaufbau quasi gleichbedeutend mit Immobilienkauf. Für mich war das damals aber keine Option. Ich war mir noch nicht sicher, wo ich irgendwann beruflich lande, ob ich nicht doch nochmal die Stadt (oder gar das Land) wechsle, ich hatte überhaupt keine Lust Vermieter zu sein und war mir auch nicht sicher, ob ich überhaupt mal eine Familie möchte, Einfamilienhaus im Vorort konnte ich mir auch gar nicht vorstellen. Und ich hatte auch keine Lust, mich mit Finanzen zu befassen. Es blieb jeden Monat sehr viel Geld übrig, aber das blieb dann eben auf dem Girokonto liegen (Tagesgeldzinsen gab es ja quasi keine).

    Ich habe dann fast 10 Jahre nach Berufseintritt doch noch eine Immobilie gekauft, in der Zwischenzeit lag mein Geld aber unverzinst auf dem Girokonto. Ich hätte sehr viel mehr davon gehabt, wenn ich es von Anfang an in Aktien-ETF angelegt hätte. Klar hätte es dann ein Risiko gegeben, dass das Depot im Zeitpunkt des (dann doch in Frage kommenden) Immobilienkaufs im Minus ist, aber damit hätte ich dann immer noch umgehen können.

    Deshalb würde ich (nach meiner eigenen Erfahrung) immer sagen, wenn ein Immobilienkauf nicht schon absolut sicher in den nächsten 2-3 Jahren geplant ist, hat man auf dem Tagesgeld oder im Geldmarktfonds enorm hohe Opportunitätskosten dafür, dass man dann vielleicht irgendwann in 10 Jahren beschließt, eine Immobilie zu kaufen (oder auch nicht).