Prof. Walz: MSCI World-ETF ist eine schlechte Wahl

  • Dann melde ich mich am besten hier jetzt ab und stecke die nächsten 20 Jahre den Kopf in den Sand. Das wäre jedenfalls die sinnvollste Konsequenz, statt sich hier ständig neue Ideen und Anregungen zu holen.....

    Warum?
    Ich höre viele Podcasts zum Thema Finanzen und lese viel. Aber deswegen muss man nicht ständig am Depot herumbasteln.

    PS: Ich habe alte Motorräder und lese trotzdem Fachzeitschriften über die neuen Modelle. Kaufen muss ich mir aber so etwas Neues deswegen noch lange nicht.
    Und wenn ich dann mit meiner 30 Jahre alten Ducati auf einer Rennstrecke unterwegs bin weiß ich dass ich auch mit einer hypermodernen Sportmaschine mit Kurven-ABS/Transaktionskontrolle nicht mehr Spaß beim Fahren hätte. Und viel schneller wäre ich damit ohnehin nicht.;)

  • Dann melde ich mich am besten hier jetzt ab und stecke die nächsten 20 Jahre den Kopf in den Sand. Das wäre jedenfalls die sinnvollste Konsequenz, statt sich hier ständig neue Ideen und Anregungen zu holen.....

    Erinnert mich an eine Geschichte von Bernstein:

    Zitat von Bernstein

    Tom erhielt als kleines Kind von seinem Vater Anfang der Achtziger einen US-Aktienfonds im Wert von 10.000 Dollar. Sein Vater wollte, dass er langfristig Vermögen aufbaut. Danach geriet das Depot in Vergessenheit. Erst vom Vater, später auch von Tom selbst.

    Dann kam 2008, die globale Finanzkrise. Banken stürzten, die Märkte fielen, die Medien waren voller Panik. Plötzlich erinnerte sich Tom an sein Depot. Und bekam Angst. Er rief seinen Banker an.

    Der Banker zögerte, seine Stimme zitterte: „Es tut mir leid, Ihr Fonds hat dieses Jahr mehr als 50 % verloren und liegt nun bei 114.000 Dollar.“

  • In seinem Blog nennt Walz Im Lösungsansatz 1:


    Es gibt breit streuende ETFs, die vom Marktkapitalisierungsansatz abweichen und sich

    • entweder an der Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaften orientieren oder
    • das Gewicht von Einzelwerten oder Ländern durch eine Deckelung begrenzen[9].


    Gehe ich richtig in der Annahme, dass einer davon der Kommer-ETF ist?

    Welche weitere ETFs, ggf. günstigere, gibt es?

  • Ja, er meint damit den Kommer. Es gibt aber noch andere:

    Das GPO von Andreas Beck ist nach Umsatz aufgebaut. Hat aber 20% in einer Sicherheiitsreserve und ist noch teurer.

    Es gibt noch den RAFI. Der hat allerdings zu wenig Volumen und die Kriterien sind nicht wirklich stimmig. Die haben auch schon mal die TER erhöht. Das ist ein absolutes no-go.

    Der Global Core Equity wäre noch eine Möglichkeit. Ist aber ohne Schwellenländer (ich denke, dass Dimensional in dem Bereich noch mehr nachlegen wird).

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  • Kann man denn wirklich sagen, dass man das Risiko des Portfolios senkt, wenn man einem MSCI World EMs und SCs beimischt?

    Mich überzeugt das Argument, ein ETF sei besonders riskant, weil eine Region oder ein Land stark vertreten sei, nicht so ganz. Problematischer finde ich es, wenn einzelne Unternehmen (Mag7) einen zu hohen Anteil haben.

    Die Frage ist nur, wie man sich am besten gegen ein solches Übergewicht positioniert.
    Wenn ich es richtig verstehe, sind EMs und SCs riskanter als die Large und Mid Caps der sog. entwickelten Länder, weil sie ein höheres politisches bzw. größen Risiko mitbringen. D.h. mehr Volatilität, aber sehr langfristig auch etwas mehr Rendite.
    Tauscht man dann nicht das sog. Klumenrisiko gegen andere Risiken?

    Im Crash-Fall würden die EMs und SCs oder auch ein MSCI-ex USA doch ebenfalls mit in den Abgrund gezogen werden.
    Wäre der wirksamste Hedge dagegen nicht, die Senkung des Portfoliorisikos durch AAA Anleihen mit kurzer Laufzeit?

    Es gibt ja zahllose Konzepte neben MCAP. Equal Weight, Kommer ETF, BIP, 50:30:20, etc. Für jedes davon gibt es eine Marktsituation, in der es besonders gut oder besonders schlecht funktioniert.
    Wenn man das Risiko des Aktienmarktes senken möchte, wird das mit anderen Aktien eher schwierig. Wenn man einen -50% Crash vermeiden möchte, hilft ein ex-USA ETF wahrscheinlich auch nur begrenzt.

  • Ariel Ich denke, du triffst das Kernproblem sehr gut. Wenn du AAA-Staatsanleihen beimischst, senkst du zwar die Volatilität und die damit verbundenen Risiken, erhöhst aber zugleich andere Risiken. Übergewichtest du Small Caps und Value, steigen auf der einen Seite die Risiken, weil diese Unternehmen grundsätzlich riskanter sind; auf der anderen Seite führt das zu mehr Diversifikation und damit zu geringeren Risiken an anderer Stelle. Zudem erhöht sich die erwartete Rendite, da systematisch höhere Risiken langfristig prämiert werden. Das wiederum geht mit höheren Kosten und einem Referenzrahmenrisiko einher... und so weiter und so fort. Dreht man an einer Schraube, bewegt sich unweigerlich eine andere.

  • ...

    Die Frage ist nur, wie man sich am besten gegen ein solches Übergewicht positioniert.
    Wenn ich es richtig verstehe, sind EMs und SCs riskanter als die Large und Mid Caps der sog. entwickelten Länder, weil sie ein höheres politisches bzw. größen Risiko mitbringen. D.h. mehr Volatilität, aber sehr langfristig auch etwas mehr Rendite.
    Tauscht man dann nicht das sog. Klumenrisiko gegen andere Risiken?

    Naja, immerhin stellt man sein Aktiendepot damit auch auf eine breitere Basis.


    Im Crash-Fall würden die EMs und SCs oder auch ein MSCI-ex USA doch ebenfalls mit in den Abgrund gezogen werden.

    Es ist ein unrealistischer Anspruch, dass da das eine hoch geht während das andere sinkt. Es reicht, wenn das eine nicht so stark sinkt wie das andere.

    Die entscheidende Diversifikation findet über weitere Anlageklassen statt: z.B. Immobilien, langlaufende Anleihen (nicht obwohl es riskant ist, sondern weil es riskant ist), Rohstoff-Futures

    Die Idee besteht darin, völlig verschiedene Risiken miteinander zu mischen, in der Hoffnung, dass bei einem Absturz der einen Anlageklasse eine andere steigt.

  • Es gibt noch den RAFI. Der hat allerdings zu wenig Volumen und die Kriterien sind nicht wirklich stimmig. Die haben auch schon mal die TER erhöht. Das ist ein absolutes no-go.

    Das Volumen ist zuletzt deutlich gestiegen aber insgesamt noch niedrig. Zudem werden in Kürze einige Selektionskriterien "modernisiert" im Sinne, dass neuere Erkenntnisse eingearbeitet werden. Ob er dann noch eine ebenso hohe Ausschüttung haben wird ist nicht sicher.

    https://www.invesco.com/content/dam/invesco/emea/en/product-documents/etf/fund/shareholder-notice/shareholder-notice_en_rebenchmarking_120126.pdf

    Der Global Core Equity wäre noch eine Möglichkeit. Ist aber ohne Schwellenländer (ich denke, dass Dimensional in dem Bereich noch mehr nachlegen wird).

    In der Tat interessant, dass es jetzt auch Dimensional Fonds mit einem akzeptablen Preisgefüge gibt. Dennoch gefällt mir der Fonds nicht mit Blick auf die hohe US-Gewichtung (70 %) und mehr als 20 % Techaktien. EM fehlen komplett. Bleibt also noch das Multiasset, woran man glauben kann oder nicht.

  • Gehe ich richtig in der Annahme, dass einer davon der Kommer-ETF ist?

    Ja, er meint damit den Kommer.

    Was Herr Walz meint, weiß ich natürlich nicht; das müsste man ihn fragen.

    Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass der Kommer-ETF eben nicht rein nach BIP investiert (wie es bspw. der Arero in seinem Aktienanteil macht), sondern je zur Hälfte nach BIP und Marktkapitalisierung. Und er arbeitet auch nicht mit Aktien- oder Länder- oder Sektoren-Obergrenzen, sondern es spielen bspw. Gewichtungen nach Faktoren eine Rolle.

  • Ich persönlich denke, dass der Gerd-Kommer-ETF eine gute Balance zwischen KISS und rationaler Aufstellung bietet. Ich habe mittlerweile unser gesamtes Vermögen in diesem ETF investiert.

    Wie jetzt? Hattest du nicht auch den Vanguard FTSE All World? Verkauft und Steuern gezahlt? Ist es das wert?

    Erfahrungsgemäß ist die ideale Kombination für einen erfolgreichen Kapitalanleger eine Mischung aus völligem Desinteresse und konsequenter Ignoranz gegenüber dem Thema, ergänzt um einen Kumpel, der ihm irgendwann zu einem ETF-Sparplan geraten und ihn eingerichtet hat.

    Haha, meine Frau... Sie findet sich allerdings nicht erfolgreich, sondern beschwert sich regelmäßig bei mir, warum sie (angeblich) keine Wertzuwächse sieht (oft bei einem Betrachtungszeitraum von wenigen Wochen) 😆

  • Kann man denn wirklich sagen, dass man das Risiko des Portfolios senkt, wenn man einem MSCI World EMs und SCs beimischt?

    Mich überzeugt das Argument, ein ETF sei besonders riskant, weil eine Region oder ein Land stark vertreten sei, nicht so ganz. Problematischer finde ich es, wenn einzelne Unternehmen (Mag7) einen zu hohen Anteil haben.

    Ein Risiko zu senken, bringt mit sich, dass ein anderes ansteigt … außer, man nimmt Risiko ganz raus und verzichtet damit auf Renditechancen.

    Man sollte jedoch nicht nur betrachten, welche Eintrittswahrscheinlichkeit ein Risiko hat, sondern auch, welche Auswirkungen die Realisierung des Risikos hätte … nehmen wir ein Portfolio mit zwei Aktien, die beide ähnliche Renditechancen und Totalausfall haben. Wenn man das 99 zu 1 Prozent aufstellt, und das Unternehmen mit 99 Prozent Anteil geht pleite, hat man ein größeres Unglück, als wenn man die beiden von Anfang an 50 : 50 aufgestellt hätte.


    Und ja, ein massiver Kursrückgang in den USA hätte auch Folgen auf andere Regionen. So wie der Japan-Absturz vor 40 Jahren globale Auswirkungen hatte … andere Regionen sind damals aber deutlich glimpflicher davongekommen als das Land der aufgehenden Sonne und seither massiv erstarkt … Die USA sind derzeit massiv höher bewertet als im langjährigen Schnitt; andere Regionen sind massiv niedriger bewertet - es muss ja auch kein totaler Absturz kommen, es würde schon eine starke Umwälzung stattfinden, wenn sich das nur angleichen würde.

  • Ich habe mir mal den Blog vom Finanzrocker angeschaut. Prof Walz nennt ihn immerhin einen der "guten" Finfluencer.

    Aber...:

    Sein Depot ist ja alles andere als KISS. Alleine schon, dass er drei verschiedene Europa ETF hält und jetzt kürzlich noch den FTSE 100 gekauft hat, nur weil er letztes Jahr den MSCI World geschlagen hat. Kennt er etwa den Recency Bias nicht?

    Dazu diverses hin und her mit Themen ETF (Defense, Clean Energy, Semiconductors) und verschiedene Nischen Assetklassen.

    Für mich kein Vorbild. Angeblich schon viele Jahre in der Finanzwelt unterwegs und dann so eine verwurschtelte Vermögensaufstellung mit anhaltendem Handlungsdrang. Hier schlägt das operative Risiko wirklich voll zu.

  • Freitag 6.2.2026 (um 7 Uhr!!)

    Hlalo Forumsfreunde,

    ich schau zur Zeit nur noch alle paar Tage mal hier ins Forum und noch seltener in mein Depot.

    Heute musste ich jedoch staunen.

    Das Niveau der Kommentare ist meiner Einschätzung nach unglaublich gestiegen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich oft intellektuell nicht mehr mithalten kann.

    Es ist tatsächlich so, dass ich selbst nach 40 Jahren akiv an der Börse hier im Forum noch viel gelernt habe.

    Vielen Dank daher auch an die aktuellen Schreiber der letzten Kommentare hier:

    12345, Horst Talski  Harley  Ariel, monstermania

    und inzwischen auch an den wieder sehr geschätzen Irving.

    Ich selbst habe in meinem relativ langen Börsenleben so ziemlich alle Strategien - nicht nur in der Theorie - sondern auch in der Praxis erlebt.

    Man kann auch sagen: Ich habe in dieser Zeit keinen Fehler ausgelassen.

    Leider gab es im letzten Jahrtausend noch kein Internet und vor allem kein FORUM wie dieses hier.

    Jeder musste seinen Fehler selbst machen. Inzwischen habe ich so ziemlich alle Strategien mitgemacht die man sich vorstellen kann.

    Angefangen mit Kaufen und Verkaufen, sogenanntes Traden mit Nebenwerten, Pennystrocks, Turn Arounds...

    Nach erster Ernüchterung Umschichtung auf große Multies

    Danach Fokus auf Dividenden

    und wer hätte das geglaubt:

    Nach 40 Jahren trennt sich selbst ein McProfit von vielen seiner geliebten Einzelaktien und kauft ETFs.

    Ab diesem Zeitpunkt hat sich das Depotvermögen kontinuierlich entwickelt. Von links unten nach rechts oben. Leider hat das einen Preis: Börse wird langweilig.

    Die vielen Einzelaktien in einem ETF, egal in welchem, glätten eben die Einzelergebnisse.

    Es fehlt die tägliche Spannung. Jetzt reicht einmal im Jahr ein Blick ins Depot.

    Früher bin ich jeden Morgen an das Kiosk gelaufen und habe mein Handelsblatt gekauft, anders bekam man keine Aktienkurse!!

    Jetzt wird hier nicht nur über eine Mischung von Aktien sondern auch über eine Mischung mit mehreren ETFs diskutiert.

    Viele ETFs enthalten dieselben Aktien. Und bei vielen verschiedenen ETTs im Depot wird es noch langweiliger.

    Der Saldo des Depotvermögens verändert sich noch langsamer.

    Inzwischen gilt bei miraber längst das Motto:

    Lieber langsame Gewinne als schnelle Verluste.

    Vielen Dank nochmal für die fundierten Kommentare in diesem Kapitel.

    McProfit

  • Leider hat das einen Preis: Börse wird langweilig.

    Nach William J. Bernstein gilt das sogar als Qualitätsmerkmal:

    Zitat von Bernstein

    If you’re entertained by your investments, you’re probably doing something wrong.

    (Wenn einen das eigene Portfolio unterhält, macht man mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas falsch).

  • Freitag 6.2.2026 (um 7 Uhr!!)

    Nach 40 Jahren trennt sich selbst ein McProfit von vielen seiner geliebten Einzelaktien und kauft ETFs.

    Guten Morgen. Da bin ich ja jetzt aber wirklich interessiert, welche und vor allem wie viele ETFs du momentan kaufst. Ausschüttende weltweite Value / Dividenden ETFs, ganz klassisch der Finanztip Empfehlung folgend MSCI / ACWI / FTSE World oder doch mit regionaler Aufteilung, SmallCaps und Emerging Markets als Beimischung?

  • Wenn ich Prof Walz richtig verstanden habe ist MSCI World immer noch eine gute Wahl.


    Er argumentiert, dass FTSE All World eine noch bessere Wahl ist.


    MSCI ACWI WORLD IMI ist noch besser.

    Es geht, mMn um Schulnoten zwischen 1 und 2.


    Ich denke wir fahren alle besser als die meisten Bundesbürger


    Ich bleibe bei nur 1 ETF (A1JX52) - ich behaupte ich bin agnostisch und prognosefrei damit unterwegs wäre.


    John Bogle hat einmal gesagt :


    „Nobody knows nothing“