Die richtige Strategie

  • Hallo erstmal, bisher hatte ich (oder wollte ich) mich mit dem Thema Geldanlage für die Rentenlücke nicht beschäftigt. Die laufenden Mittel sind in die Immobilie und die Kinder geflossen. Jetzt wird das Haus bald abbezahlt sein (< 3 Jahre) und die Kinder werden bis ca. 2032 auch nicht mehr unsere finanziellen Mittel benötigen. Zudem habe ich jetzt die Möglichkeit einen größeren Geldbetrag (kleine sechsstellige) Summe anzulegen. Ich bin 58 Jahre jung und werde wohl bis 67 Arbeiten dürfen. D.h. Der Zeitraum bis zu Rente ist nicht mehr riesig. Grundsätzlich benötige ich das Geld die nächsten 10 Jahre nicht, da der "Notgroschen" groß genug ist. Mir ist auch bewusst, dass es die Strategie nicht gibt und ich habe auch schon Vorstellungen zur Anlage entwickelt. Trotzdem möchte ich einfach mal Eure Meinung erfragen was ihr mit dem Geld machen würdet. Einfach um meine Überlegungen besser hinterfragen zu können. Wie und in welcher Aufteilung würdet ihr das Geld anlegen. Mir sind die Risiken bewusst und ich bin auch bereit Risiken einzugehen und auch Dellen auszuhalten. Meine Frau weniger) aber ich bin doch eher konservativ unterwegs. D.h. Einzelaktien, Kryptos, Hebel etc. sind nichts für mich. Momentan tue ich mich auch schwer mehr 60% volatil anzulegen. Für ein paar Ideen mit Begründung wäre ich dankbar. Einfach um mich zu hinterfragen. Danke schon mal vorab.

  • Kater.Ka 8. März 2026 um 12:12

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Das klingt in meinen Ohren nach „Pantoffel-Portfolio“: 60% in einen Welt-ETF (z.B. ACWI) und 40% aufs Tagesgeld oder in einen Geldmarktfonds, klassisch oder als ETF (je nach Broker). 10 Jahrw sind nicht allzu lang, aber dank Notgroschen finde ich das in Ordnung.

  • Klingt nach klassischem 60:40 Portfolio, wobei der volatile Teil durch die Immobilie schon mal deutlich kleiner ist.

    In einen All World FTSE oder MSCI AVWI investieren und dann weitersparen.

    Vielleicht auch demnächst eine Gesamtvermögensaufstellung machen. Dann könnte dabei herauskommen, dass du auch 15+ Jahre bis zum Entsparen hättest.

  • Noch 10 Jahre arbeiten, davon 7 Jahre ohne Hypothek und 4 Jahre ohne Kosten für die Kinder. Habe ich das richtig verstanden? Es liegen also einige Jahre vor Dir, wo Du spartechnisch noch mal richtig Gas geben kannst für die Rentenlücke. Das Haus ist abbezahlt, insofern mietfreies Wohnen war der erste Baustein. Wäre doch nicht schlecht, wenn noch ein wenig dazu kommt. Trifft das Deine Planung?

    Wie viel Zusatzgeld willst Du aus den Ersparnissen später ziehen? Je nachdem musst Du möglicherweise mehr Risiko eingehen oder kannst es Dir leisten es langsam anzugehen. Da wird Dir das rechnen nicht erspart bleiben. In dem Zusammenhang auch mal drüber nachdenken, wie die finanzielle Situation aussieht, wenn einer von Euch stirbt.

    Ich würde mir an Deiner Stelle weniger Gedanken um die Aktienquote jetzt machen als um die gewünschte Aktienquote bei Renteneintritt. Angenommen, Du möchtest im Alter eine Aktienquote von 50 % haben (immer vorausgesetzt, die Rendite würde reichen), dann rechne Dir aus, wie viel Du in den nächsten Jahren noch ansparen wirst. Ich mach mal ein fiktives Beispiel was Du an Deine Verhältnisse anpassen musst.

    Einmalinvestment 200k
    Sparrate ab 2029 1500 Euro (ehemalige Hypothekenrate)
    Sparrate ab 2032 2500 Euro (Kinder flügge+Hypothekenrate)
    Renteneintritt 2035

    0) Zielallokation festlegen, beispielsweise 50/50 bei Renteneintritt
    1) 150k in ausschüttenden Aktienfonds investieren und 50k risikoarm
    2) 3 Jahre a 1500 Euro --> 54.000 Euro --> risikoarm
    3) 4 Jahre a 2500 Euro --> 120000 --> risikoarm
    4) Die Ausschüttungen wahlweise in Aktien reinvestieren oder risikoarm

    Vielleicht mal in Excel mit Deinen Zahlen füttern.

    Ein 50/50 Depot ist weder besonders risikoreich noch besonders defensiv, für jemand ohne große Aktienerfahrung aber schon ganz ordentlich. Wenn Du merkst, dass die Schwankungen für Dich zu dolle sind, dann sämtliche Ausschüttungen in risikoarme Anlagen reinvestieren und die Aktiengewichtung bis zur Rente etwas drücken. Insgesamt könnten rund 500k rauskommen bei diesem Zahlenspiel, inflationsbereinigt etwas über 400k oder rund ein Tausender pro Monat an Depotrente in heutigem Geld. Natürlich kann Dir diese Renditen keiner garantieren. Es kann mehr oder weniger dabei herauskommen.

    Als ausschüttenden Aktienfonds würde ich einen breit aufgestellten ETF bevorzugen. Bsp. einen auf den FTSE All World oder den MSCI ACWI (IMI). Das muss man nicht kompliziert machen.

    Schritt 1) Möglichst viel in Aktien investieren

  • Guten Morgen und danke für Eure Gedanken dazu. Ja das Ziel ist es die Rentenlücke zu schließen. Die kenne ich auch. Dafür reicht es bei durchschnittlich 6% eine Einmalanlage zu tätigen. Das hab ich shon gerechnet. Dann müssen aber mind. 60% der verfügbaren Einmalmittel so angelegt werden, dass sie im Durchschnitt 6% bringen. Alles auf eine Tagegeldkonto oder Anleihen ETF mit 2 bis 3 % reicht nicht. Die frei werdenden Mittel (Raten Haus und Kinder) werde ich mit meiner Frau versaufen, sorry natürlich verleben. Ich brauche nicht reich (monetär) zu werden. Ich zähle uns schon zu den Privilegierten. Wir haben alles was wir uns wünschen. Ein bisschen mehr Urlaub und Dolce Vita darf es noch sein. Dafür wird es reichen. Wenn die Rentenlücke geschlossen ist hoffentlich auch bis 90. Das ist das Ziel meiner Anlage. Ich habe so grundsätzlich die gleichen oder ähnliche Gedanken wie ihr und das war der Sinn der Frage hier. Ob das möglich ist und wenn ja wie am besten. Eine andere Möglichkeit als mit 60% ein wenig ins Risiko zu gehen sehe ich nicht. Jetzt muss ich das nur noch mit dem Haushaltsvorstand besprechen und der ist etwas konservativer als ich. Ich hab die Entnahmephase noch nicht durchgerechnet. Wenn wir von 80 Jahren ausgehen reicht bestimmt auch weniger als 60% in der Einmalanlage. Zum betreuten wohnen oder Heim für 10 Jahre reicht dann auch der Erlös aus dem Hausverkauf. Die Kinder sind ausgestattet und brauchen kein Erbe.

  • Guten Morgen und danke für Eure Gedanken dazu. Ja das Ziel ist es die Rentenlücke zu schließen. Die kenne ich auch. Dafür reicht es bei durchschnittlich 6% eine Einmalanlage zu tätigen. Das hab ich shon gerechnet.

    Dann leg los! Und denke daran, dass 10 Jahre auch kein ewig langer Anlagehorizont ist. Was wäre, wenn in 10 Jahren eine Null-Rendite oder gar -2% p.a. zu Buche stehen?
    10-Jahres-Phasen (verlorene Dekaden) in denen der Aktienmarkt keine positiven Renditen geliefert hat gab es in den letzten 100 Jahren 3 mal.
    Sollte man zumindest berücksichtigen, dass man so eine Phase erwischen kann. Was wäre also, wenn die erwarteten 6% p.a. erst in 20 Jahren im Depot auftauchen?
    Könnt/wollt Ihr dann im Zweifel auch 10 Jahre lang etwas kleinere Brötchen backen?
    Das soll jetzt keine Angstmache sein, sondern einfach zum nachdenken anregen!

    Für mich/uns ist wichtig, dass wir uns zumindest in den ersten Jahren des Unruhestands keine finanziellen Gedanken machen müssen. Ich möchte nicht in einer Phase in der es uns gesundheitlich wohlmöglich noch mit am Besten geht darüber nachdenken müssen, ob wir uns jetzt diese Reise erlauben können oder doch lieber noch ein paar Jahre warten, weil die Börse gerade Achterbahn fährt. Dann kann es einfach zu spät sein.
    JustMy2Cent

  • Dann leg los! Und denke daran, dass 10 Jahre auch kein ewig langer Anlagehorizont ist. Was wäre, wenn in 10 Jahren eine Null-Rendite oder gar -2% p.a. zu Buche stehen?
    10-Jahres-Phasen (verlorene Dekaden) in denen der Aktienmarkt keine positiven Renditen geliefert hat gab es in den letzten 100 Jahren 3 mal.
    Sollte man zumindest berücksichtigen, dass man so eine Phase erwischen kann. Was wäre also, wenn die erwarteten 6% p.a. erst in 20 Jahren im Depot auftauchen?
    Könnt/wollt Ihr dann im Zweifel auch 10 Jahre lang etwas kleinere Brötchen backen?
    Das soll jetzt keine Angstmache sein, sondern einfach zum nachdenken anregen!

    Das ist ein guter Gedanke. Auch ohne das Geld bzw. mit größeren Verlusten ist die Rentenlücke kleiner als jetzt die Raten für's Haus. D.h. ja ich kann damit umgehen. Bei meiner Frau wird es schwer die absoluten Verluste zu sehen. Der Gedanke zeigt mir, dass der Weg der Richtige für uns ist. Dabei ist es egal ob 60:40 oder 40:60. Einfach machen.

  • mehrfach gelesen und nicht verstanden:/

    Ich habe es so verstanden: Ein geringerer Aktienanteil erlaubt einen kürzeren Anlagehorizont als ein hoher, weil das Verlustrisiko geringer ist. Aber auch wenn das Portfolio dann insgesamt weniger volatil ist, muss man die Schwankungen innerhalb des Aktienanteils schon noch aushalten.

  • mehrfach gelesen und nicht verstanden:/

    Ich verstehe es so, dass man bei 40% risikoarmem Anteil erst sehr viel später an den risikoreicheren Teil ran muss.
    Unter dem Motto bis die 40% verbraucht sind, sind dann nach den zuerst avisierten 10 noch weitere 5-8 Jahre vorbei und der Aktienmarkt läuft wieder.

  • Ich verstehe es so, dass man bei 40% risikoarmem Anteil erst sehr viel später an den risikoreicheren Teil ran muss.
    Unter dem Motto bis die 40% verbraucht sind, sind dann nach den zuerst avisierten 10 noch weitere 5-8 Jahre vorbei und der Aktienmarkt läuft wieder.

    Hat auch was für sich.

  • Ich verstehe es so, dass man bei 40% risikoarmem Anteil erst sehr viel später an den risikoreicheren Teil ran muss.
    Unter dem Motto bis die 40% verbraucht sind, sind dann nach den zuerst avisierten 10 noch weitere 5-8 Jahre vorbei und der Aktienmarkt läuft wieder.

    Wäre auch meine Interpretation.

    Also grundsätzlich ist schon alles gesagt. 60:40 bis 40:60 steht im Raum.

    Durch das vermutlich sehr hohe Vermögen aus Eigentum, Rentenanwartschaft und Notgroschen, würde ich das auch immer mitrechnen. Wenn man jetzt 100k zum anlegen hat und mit notgroschen, Immobilie und Rente zusammen z.b. 500k beisammen hat. Da ist es schon für den Kopf auch schon viel einfacher zu ertragen das man mit 100k lediglich 20% seines Vermögens risikobehaftet anlegt.

    Ich persönlich würde in dieser Situation vermutlich maximal den Notgroschen nochmal um 10-20k aufstocken und den Rest in 100% aktien setzen. Dazu dann auch so einfach wie möglich alles in eine breiten All World oder Äquivalente dazu. Dadurch die die Absicherung passt und viel Wert vorhanden ist, kann man mMn vermutlich auch 15 Jahre durchstehen ohne dran zu müssen, damit wäre alles erfüllt für eine hohe Aktienquote. Zur not die letzten Jahre den Sparplan umdenken wenn man sich unwohl fühlt.

    Wie gesagt wurde geht es euch gut und wirkliche Sorgen finanzieller Art habt ihr nicht. Es geht darum die letzten paar % noch rauszuholen um es noch komfortabler zu machen indem die Lücke komplett geschlossen wird. So wie ich das rausgehört hab (korrigier mich wenn ich falsch liege), wäre selbst ein Totalverlust kein Weltuntergang. Lediglich die Psychologie Geld verlieren zu können ist ein größeres Problem.

    Findet natürlich das mit dem IHR euch wohlfühlt. Es bringt nichts jeden Tag ins depot zu schauen und schlecht zu schlafen. Dann sogar lieber eine festgeldtreppe anlegen und es auf die paar Prozent rentenlücke ankommen lassen. Schlaf ist wichtig.

  • Ich verstehe es so, dass man bei 40% risikoarmem Anteil erst sehr viel später an den risikoreicheren Teil ran muss.
    Unter dem Motto bis die 40% verbraucht sind, sind dann nach den zuerst avisierten 10 noch weitere 5-8 Jahre vorbei und der Aktienmarkt läuft wieder.

    Genau so war es gemeint.

    Es ist ein häufiger Fehler, dass man nur bis zur Rente plant. Tatsächlich braucht man das Geld dann aber nicht auf einen Schlag und die tatsächliche Anlagedauer ist in Wirklichkeit deutlich länger als die 10 Jahre bis zur Rente.

  • Ich verstehe es so, dass man bei 40% risikoarmem Anteil erst sehr viel später an den risikoreicheren Teil ran muss.
    Unter dem Motto bis die 40% verbraucht sind, sind dann nach den zuerst avisierten 10 noch weitere 5-8 Jahre vorbei und der Aktienmarkt läuft wieder.

    Vor allem sollte man bedenken, dass die Zeit die das Depot dann noch 'reichen' muss sich entsprechend verkürzt. Wenn ich mal von 30 Jahren im Unruhestand ausgehe, und z.B. die ersten 10 Jahre bereits durch Tages-/Festgelder ausreichend versorgt sind, muss der Aktienteil theoretisch auch 'nur' noch 20 Jahre finanzieren.
    Oder, wenn man heute, 10 Jahre vor dem Unruhestand, investiert hat man noch 20 Jahre in denen der Zinseszins voll auf den Anlagebetrag im ETF wirken kann bevor man mit der Entnahme beginnen muss.
    Allerdings muss man es dann immer noch aushalten das die Kurse auch mal um 50% einbrechen können. Und natürlich bedingt es auch, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit, Rendite gegen Sicherheit tauscht. Und dass muss man sich such erstmal leisten können (und wollen!).
    Ich würde lieber die ersten 10-15 Jahre im Unruhestand finanziell besser ausgestattet leben, als die letzten 10-15 Jahre. Ich denke, dass ich dann noch mehr mit dem Geld anfangen kann.


  • Ich würde lieber die ersten 10-15 Jahre im Unruhestand finanziell besser ausgestattet leben, als die letzten 10-15 Jahre. Ich denke, dass ich dann noch mehr mit dem Geld anfangen kann

    Hier im Großraum Stuttgart kostet nach der letzten Erhöhungsrunde ein Pflegeheim-Platz im ersten Jahr 4.000 Euro Zuzahlung. Sinkt jedes Jahr.

    Nach drei Jahren sind es dann 2.400 Euro. Und das war’s dann gesetzlich.

  • Hier im Großraum Stuttgart kostet nach der letzten Erhöhungsrunde ein Pflegeheim-Platz im ersten Jahr 4.000 Euro Zuzahlung. Sinkt jedes Jahr.

    Nach drei Jahren sind es dann 2.400 Euro. Und das war’s dann gesetzlich.

    Wenn es Dein Ziel ist später das 'schönste Pflegeheim' zahlen zu können, bitteschön.
    Ist nicht mein Ziel.
    Zumal es in meiner Familie noch nie jemand auf ein längere Verweildauer in einem Pflegeheim gebracht hat.
    Mein Vater (90) war 3 Wochen in der Kurzeitpflege, meine Mutter (85) hat es im letzten Jahr gerade mal auf 1 Monat gebracht. ;(
    Meine Großeltern/Urgroßeltern sind im hohen Alter zu Hause/Krankenhaus verstorben.
    Daher plane ich für mich finanziell auch nicht auf einen 10 Jahresaufenthalt im Pflegeheim um die Ecke. Aber das mag jeder auf Grund der eigenen familiären Erfahrungen anders sehen.

  • In manchen Regionen sind 4.000 Euro Zuzahlung keineswegs das Luxuspflegeheim, was man vermuten könnte.

    Übrigens ist die Pflege zu Hause auch nicht wirklich billig auch wenn man noch ohne 24 Stunden Hilfe auskommt. Da mal ein paar Hundert Euro für die Putzhilfe und dort ein paar Hunderte für einen Lieferservice mit Essen, was man auch Essen kann ohne krank zu werden und da hast Du noch keinen Handschlag für die eigentliche Pflege und auch die ganzen Zuzahlungen sind nicht enthalten. Klar kann man auch Glück haben und sich bis 90+ noch selbst versorgen. Der Kostenverlauf kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen.

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