Einmalinvestment Welt-ETF (Sankt-Nimmerleinstag)

  • Immer wieder wird bekanntlich debattiert, wie und wann ein Einmalbetrag in einen Welt-ETF investiert werden sollte.

    SOFORT !

    Das sagen viele Studien und sie haben Recht. Auch wenn es natürlich für viele Menschen schwierig ist, das einfach gnadenlos zu machen.

    Hier eine Studie zum MSCI ACWI.

    Wie lange musste jemand im Normalfall warten, wenn der Kauftag (im Nachhinein gesehen) eher einer der schlechteren war ?


    https://www.dasinvestment.com/hq-trust-analy…ienmarkt-dauer/

    Also nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten.

    Auch ein zweites Szenario wurde untersucht: wenn die Anlage bereits im Plus war und ärgerlicherweise wieder unter dem Einstiegskurs landete.

  • Ich denke schon, dass dieser Umstand den meisten Menschen grundsätzlich bewusst ist.
    Das Problem ist aber, dass den meisten Menschen ebenso bewusst ist, dass das Flugzeug ein sehr sicheres Fortbewegungsmittel ist. Wenn dann aber die Maschine in der man gerade sitzt abstürzt, nutzen einem alle Statistiken nix. ;)
    Und wenn ein Anleger keine 30 Jahre Anlagehorizont hat, sondern nur 20, oder wie es so gern gemacht wird, mit einer durchschnittlichen Rendite von 7% p.a. gerechnet wird, nutzt es einem auch nix, wenn man dummerweise genau die schlechteste Phase der letzten 100 Jahre erwischt. :/
    Dann erzielt man eben keine 7% p.a. auf 20 Jahre, sondern nur 3,7% p.a. Und dann wird es möglicherweise auch nichts mit dem früheren Ruhestand.
    Statistiken sind wunderbar. Sie sagen aber nicht viel über den konkreten Einzelfall aus.

    PS: Mich würde ja mal interessieren, wie die Forscher an die Marktdaten des MSCI ACWI seit 1972 gekommen sind? :/ AFAIK gibt es Daten zu den Schwellenländern erst seit 1987.

  • PS: Mich würde ja mal interessieren, wie die Forscher an die Marktdaten des MSCI ACWI seit 1972 gekommen sind? :/ AFAIK gibt es Daten zu den Schwellenländern erst seit 1987.

    Das geht per Backtesting: Daten vor der offiziellen Einführung des Index sind berechnete Schätzungen (Backtested Data), wie sich der Index verhalten hätte.

    Der Rechtsstaat hat nicht zu siegen, er hat auch nicht zu verlieren, sondern er hat zu existieren! (Helmut Schmidt, 1918-2015)


  • Die Daten ?


    Das ist eine synthetische Rekonstruktion.

    Vor den 1980ern werden Schwellenländer oft gar nicht oder nur über einzelne Länderindizes berechnet, weil der offizielle MSCI Emerging Markets Index erst 1988 startet und Emerging Markets damals ohnehin nur einen sehr kleinen Anteil an der Weltmarktkapitalisierung hatten.

    Das Ergebnis ist also ein „ACWI-Backtest“ der nach derselben Methodik rückwärts berechnet wird.

  • Ich denke schon, dass dieser Umstand den meisten Menschen grundsätzlich bewusst ist.
    Das Problem ist aber, dass den meisten Menschen ebenso bewusst ist, dass das Flugzeug ein sehr sicheres Fortbewegungsmittel ist. Wenn dann aber die Maschine in der man gerade sitzt abstürzt, nutzen einem alle Statistiken nix. ;)
    Und wenn ein Anleger keine 30 Jahre Anlagehorizont hat, sondern nur 20, oder wie es so gern gemacht wird, mit einer durchschnittlichen Rendite von 7% p.a. gerechnet wird, nutzt es einem auch nix, wenn man dummerweise genau die schlechteste Phase der letzten 100 Jahre erwischt. :/


    Dann erzielt man eben keine 7% p.a. auf 20 Jahre, sondern nur 3,7% p.a. Und dann wird es möglicherweise auch nichts mit dem früheren Ruhestand.
    Statistiken sind wunderbar. Sie sagen aber nicht viel über den konkreten Einzelfall aus.

    Genauso ist es! Und dann fragt man sich, warum man sich überhaupt dem ganzen psychologischen Stress mit Wertpapieren ausgesetzt hat und nicht einfach Festgeld oder Tagesgeld gewählt hat…

    PS: Mich würde ja mal interessieren, wie die Forscher an die Marktdaten des MSCI ACWI seit 1972 gekommen sind? :/ AFAIK gibt es Daten zu den Schwellenländern erst seit 1987.

  • Die 7% enthalten doch bereits die schlechten Jahre. In guten Zeiten machst du auch mal 25% oder mehr.

    Ich empfehle den Blick ins Renditedreick https://www.dai.de/fileadmin/user…-Dreick_Web.pdf

    7% über 20 Jahre sind bei weitem nicht garantiert. Man kommt an der 20er-Linie auch durchaus häufiger unter 5% raus. Auf der anderen Seite sind das vor allem einzelne Jahre. Sofern man nicht plant, sein Depot für die Finca auf Mallorca zu liquidieren, sondern das nach und nach entspart, sind diese schlechten Jahre halb so wild. Die darauffolgenden Jahre sind meist deutlich besser

  • Das Renditedreieck ist super, man sieht halt perfekt, dass es in erster Linie auf den Zeitraum ankommt, an dem man sein Geld entnehmen möchte. Oder muss. Wer da 2008 oder auch noch 2009 nach 10 bis 15 Jahren aussteigen wollte, lag halt vielfach im Minus. Wohl dem, der dann noch paar Jahre überbrücken konnte, bis sich der Markt wieder beruhigt hatte.

  • Aber wann reden wir von einer Entnahme auf einen Schlag?

    Bei der Altersvorsorge gehen wir von einer Entnahme über mehrere Jahrzehnte aus. Und dann sind die Entnahmen in 2008 vielleicht schlecht aber die in Jahren ab 2013 sind hervorragend. Entnahme auf einen Schlag kenne ich eigentlich nur von den besonderen Sparfüchsen, die hier ihren Immobilienkredit mit ETF ablösen wollen. Dass die ein hohes Risiko gehen, sollte klar sein

  • Ich predige schon immer, dass man Brutto eher mit 4 bis 5 % kalkulieren sollte.
    Vor Steuern ! Das wollen zwar viele nicht hören, erdet aber.

    Endlich mal jemand, der die ETF'S nicht über den Klee lobt :-). Bin zwar auch investiert, aber Kritik bzw. Hinweise wie "brutto 4-5%" werden wohl in diesem Forum nicht gerne gesehen.

    Ich predige hier auch permanent: Leute, wacht auf! wir leben spätestens seit 2022 in einer anderen Zeit, Weltordnung und geopolitischen Lage, die jetzt das neue "Normal" repräsentiert.

    Und alte Börsenweisheiten wie "Buy and Hold" oder "Politische Börsen haben kurze Beine", "aussitzen" galten vielleicht vor 2020, jetzt allerdings nicht mehr oder wenn nur zu einem Bruchteil.

    Das "Abrauschen" auf -20% oder höher passiert meist innerhalb weniger Tage, die Erholung dauert oft Jahre. Und erst DANACH begann ein Aufwärtstrend. Daher kann ich auch dem Argument "wenn du das Geld nicht direkt brauchst, sondern stückchenweise entnimmst, ist die entgangene Rendite nicht ganz so hoch" nicht zustimmen. Dann kann ich auch direkt bei Tagesgeld, Festgled, Anleihen bleiben und ruhig schlafen. Im Rentenalter ist das halt so eine Sache mit dem "Aussitzen" :)

    Da aber heute eine Baustelle die andere jagt, hat die weltweite Wirtschaft keine Chance, sich zu erholen. That's it!

  • Ich habe das mit allen möglichen Tools durchgerechnet. Mit historischen Daten incl dem schwarzen Freitag, als auch Monte Carlo. Alle Simulationen zeigen das ich in meiner Situation mit Investitionen am Aktien Markt nicht pleite gehen kann. Im Gegenteil sind damit die höchsten Entnahmen möglich. Je höher der Aktien Anteil desto höhere Entnahme ist möglich. Entscheidend ist eben der Rendite Abstand zur Inflation.

    Mit

    Tagesgeld, Festgled, Anleihen

    Schlägst du die Inflation nicht.

  • Ich habe das mit allen möglichen Tools durchgerechnet. Mit historischen Daten incl dem schwarzen Freitag, als auch Monte Carlo. Alle Simulationen zeigen das ich in meiner Situation mit Investitionen am Aktien Markt nicht pleite gehen kann. Im Gegenteil sind damit die höchsten Entnahmen möglich. Je höher der Aktien Anteil desto höhere Entnahme ist möglich. Entscheidend ist eben der Rendite Abstand zur Inflation.

    Entscheidend ist nicht nur der Renditeabstand zur Inflation, sondern in erster Linie der Anlagezeitraum. Wenn ich heute einen monatlichen Sparplan beginnen würde, spielt es nahezu keine Rolle, ob ich jetzt 4 oder 8% Rendite pro Jahr erhalte, wenn ich beispielsweise nur 10 Jahre Zeit habe. In allererster Linie für das Gesamtergebnis ist die Höhe der monatlichen Anlage entscheidend, die paar Prozente Rendite sind da nur ein zusätzliches Bonbon. Und hier in Forum springen sicherlich nicht nur 25jährige rum, die noch 40 Jahre Zeit bis zur Rente haben. Daher sind solche Verallgemeinerungen immer etwas schwierig….

  • Hast du 20 oder 30 Jahre Zeit, sieht die Rechnung natürlich ganz anders aus. Da ist jedes kleine Prozentpünktchen natürlich nice to have. Aber wie auch die eigene Erfahrung zeigt, hat man zumindest am Anfang seiner beruflichen Karriere meistens auch nicht die finanziellen Mittel, um schon gleich mit hohen Summen für die Rente vorzusorgen. Dann hat man zwar nach 30 Jahren eine prozentual betrachtet bombastische Rendite, aber aufgrund der geringen monatlichen Sparpläne trotzdem zu wenig Geld im Depot liegen.

    Man bräuchte halt signifikante Geldmengen zur Investition in jungen Jahren….

  • Doch, natürlich verstanden. Aber vielleicht haben wir auch unterschiedliche Vorstellungen von signifikanten Unterschieden. Rechne doch einfach mal eine beliebige Summe, meinetwegen 1000 Euro im Monat über 10 Jahre. Jeweils mit 2% (z.B. Geldmarkt), 4% (wahrscheinlich realistischer Wert eines ETFs nach Steuer pro Jahr) und dann eine grandiosen ETF mit 8% pro Jahr. Und dann schaust du nach 10 Jahren, was du da reingebuttert hast und wieviel Geld im Depot durch die monatliche Rendite kam. Und wenn du dann schon mal an Excel sitzt, simulierst du in Jahr 11 einen 50% Einbruch von deinem Depot 🙊

  • Doch, natürlich verstanden. Aber vielleicht haben wir auch unterschiedliche Vorstellungen von signifikanten Unterschieden. Rechne doch einfach mal eine beliebige Summe, meinetwegen 1000 Euro im Monat über 10 Jahre. Jeweils mit 2% (z.B. Geldmarkt), 4% (wahrscheinlich realistischer Wert eines ETFs nach Steuer pro Jahr) und dann eine grandiosen ETF mit 8% pro Jahr. Und dann schaust du nach 10 Jahren, was du da reingebuttert hast und wieviel Geld im Depot durch die monatliche Rendite kam. Und wenn du dann schon mal an Excel sitzt, simulierst du in Jahr 11 einen 50% Einbruch von deinem Depot 🙊

    Ich würde das mit realen Renditen nach Steuern berechnen. Mit dem Geldmarkt hast du nach 10 Jahren je nach Inflation und Zins garantiert zwischen 10-20% weniger Geld. Nach 30 Jahren verlierst du sehr wahrscheinlich die Hälfte!=O Der Hauptgrund ist, dass Steuern auf den nominalem Zinsertrag bezahlt werden, während bei Anleger die Nachsteuerrendite abzüglich Inflation ankommt.

    Das relativiert vieles.

  • hast du dafür auch Belege? Die letzten beiden größeren Korrekturen (Corona und Trumps Zoll Fiasko) wurden jeweils innerhalb kürzester Zeit ausgeglichen

    Diese beiden Einbrüche waren tatsächlich ziemlich schnell wieder aufgeholt.

    Wenn du aber einige Jahre weiter zurück gehst, dann schaue ich mal den Einbruch zu Beginn des Jahrtausends. Es hat immerhin von 2000 bis fast 2007 gedauert, bis der MSCI World wieder auf dem gleichen Stand von 2000 war.
    Anschließend im Jahr 2008 ging es gleich erneut auf Talfahrt und die Erholung auf den alten Stand dauerte dann so bis 2013. Das war für Anleger, die zu den jeweiligen höchsten Punkten eingestiegen sind, schon eine nervliche Herausforderung.

    Einmalanleger waren zu dieser Zeit alles andere als glücklich. Dabei muss man auch noch berücksichtigen, dass es zu dieser Zeit weder Neobanken und auch noch keine bzw. nur wenige ETFs gab, sondern eigentlich nur Einzelwerte oder aktive Investmentfonds mit entsprechenden Kosten.

    Wesentlich besser ist es den Anlegern gegangen, die seinerzeit über einen Sparplan mit regelmäßigen Raten das Investment aufgebaut haben. Ich kann aber aus Erfahrung sprechen, dass man auch in diesen Phasen gute Nerven benötigt, um nicht den Mut gänzlich zu verlieren.

    Das trifft vor allem auch dann zu, wenn man in dieser Zeit als Anleger in Rentenpapieren jährlich gute Erträge einfahren konnte, während Aktienanleger nur "Magerkost" sahen.

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