Praxiserfahrungen mit E-Auto

  • Die 30 bis 40 Minuten sind nach meiner Erfahrung eh Werte aus der Vergangenheit. Beim letzten Trip vom Südwesten Deutschlands in die Niederlande, mit zwei Ladestops, war das Auto immer schon mehr geladen, als eigentlich nötig - d.h. die menschlichen Bedürfnisse (Essen, Kaffee, WC) haben länger gedauert als der Ladevorgang.

    Das stimmt. Man muss ja auch nicht auf den Raststätten hängen bleiben. Wir sind schon oft einfach von der Autobahn runter und haben irgendwo in einem kleinen Kaff gehalten. Bis heute sind das super Erinnerungen, weil wir dort in Gaststätten gegessen haben, die wir sonst nie entdeckt hätten.

    Klar, das klingt nach „Schönreden“, aber eigentlich ist es einfach Einstellungssache. Muss man auf der Hinreise zum Urlaub wirklich jede letzte Minute rauskitzeln? Ist es so schlimm, mal eine Pause zu machen, irgendwo zu übernachten oder sich ein bisschen umzuschauen?:/

    Im Außendienst würde mich das sicher auch nerven. Aber im Urlaub? Da darf man doch einfach mal entspannt sein. Und sonst fährt man doch im Alltag keine 400-500 km am Tag, oder? Also wir zumindest nicht.

  • Aber selbst wenn man mit dem Auto in den Urlaub fährt, macht man auf solchen Distanzen normalerweise mehrere Pausen. Insofern erscheint es mir nicht zwingend notwendig, dass ein Fahrzeug innerhalb von wenigen Minuten wieder 800 Kilometer Reichweite tanken können muss.

    Wie gesagt...es kommt stark drauf an, was man konkret hat. Zwischen einem ID3 Pure und einem ID3 Pro S sind Welten. Nicht nur weil man 100...0% eineinhalb mal so weit kommt...die beiden haben laut Datenblatt 25/26 Minuten für die Ladung 10-80%, der Pure macht die mit 87kW Durchschnitt und der Pro S mit 128kW Schnitt. Oder rund 50% mehr Kilometer pro Zeit. Und während der Pro S schon nahe an den freiwilligen Pausenzeiten liegt, ist das beim Pure nicht der Fall. Den Unterschied gibt es zwischen dem Golf Basis und einer hochpreisigen Version nicht. Und wenn wir das mit nochmal höherpreisigen modernen Elektroauto wie dem A6 e-tron mit 95kWh und 800V System vergleichen, sieht der ID3 Pro S doch recht bescheiden aus.

    Man braucht auf einer Langstrecke sicherlich nicht 1000km in 5 Minuten. Alle 2h für 10 Minuten Pause ist schon OK. Aber meine Erfahrung aus solchen Diskussionen ist, dass Elektrofahrer gerne die günstigen Versionen mit kleinem Akku und geringer Ladegeschwindigkeit anpreisen während sie selbst die großen Akkus fahren. Wie oben ausgeführt...der Unterschied innerhalb eines Modells ist groß.

    Wir müssen an der Stelle auch nicht unbedingt 1000km Urlaubsfahrt bemühen. Die kleinen Akkus stoßen schnell an ihre Grenzen. Ein Tagesausflug zum Skifahren mit einer guten Stunde pro Richtung erfordert beim Pure abhängig vom konkreten Verbrauch und der Degradation schon ein Nachladen. Selbst wenn das dann nur 5 Minuten sind...die empfände ich als besonders nervig

  • […]Ein Tagesausflug zum Skifahren mit einer guten Stunde pro Richtung erfordert beim Pure abhängig vom konkreten Verbrauch und der Degradation schon ein Nachladen. Selbst wenn das dann nur 5 Minuten sind...die empfände ich als besonders nervig

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Ich durfte in der Zeit relativ häufig mit meinem Sohn Tagesausflüge von 130 km pro Strecke machen. Zurück ging es meist spät Abends über die freie Autobahn. Im Sommer hat das funktioniert wenn ich langsam über die freie Autobahn geschlichen bin. Im Winter mit Heizung war das nicht mehr möglich.

    Nachts um 1 Uhr hat man dann auch keine Lust noch ein schönen Ort für einen Ladestopp zu suchen, da möchte man eigentlich nur zügig nach Hause.

    Vor Ort konnte man auch nicht in dort laden wo wir geparkt haben.

    Natürlich hätte ich damals auch einen Hyundai E Kona mit der größeren Batterie nehmen können aber der Preis war dann gleich viel höher für „nur“ 100 km mehr Reichweite.

    Seit diesem Jahr fahren wir den Verbrenner Hyundai Kona und fahren die Strecke ohne Pause und sind jedes mal schneller zu Hause.

    Der Preis lag 7.000 unter dem Neupreis für die E–Variante und die Versicherung war auch viel günstiger.

    Wäre der E-Wagen preislich gleich gewesen, hätten wir uns für ihn als Zweitwagen entschieden und die kleinen Einschränkungen akzeptiert (das bekommt man ja organisiert).

  • Es gibt sich doch hoffentlich niemand der Illusion hin, dass die staatlichen Einnahmen aus der Energiesteuer auf Kraftstoff nicht irgendwie kompensiert werden, sei es über eine Maut oder eine Steuer auf Strom.

    andiii_98 ..hatte ich bereits angesprochen.

    *hust* die Energiesteuer wird dann so in 20 Jahren auf den E-Ladestrom draufgeschlagen, denn die Brücken sind bis dahin höchstens zu 15 % saniert...

    Bei deiner Rechnung hast du nur den Beschaffungspreis eines E-Autos berechnet, nicht aber die Einsparungen, die es mit sich bringt einen Dieselwagen nicht weiter zu betreiben. Steuer, Dieselpreis etc. etc. Gleiches gilt für den Verkaufspreis bzw. die Inzahlungnahme deines Altautos.

    Für mich käme ein kleines E-Auto total in Frage. Hatte ja weiter vorn schon über den zu erwartenden Skoda Epic geschrieben. Leasing kommt für mich aber auf keinen Fall infrage. Der würde dann bar bezahlt, ggf. schlägt man neben dem Händlerpreis, der staatlichen Prämie, dem InZahlungnamebetrag für den alten Skoda auch noch 2-3 % Barzahlungsrabatt heraus. :P

  • Um nochmal auf den Eingangspost zurückzukommen, weil dieser Punkt bisher noch nicht erwähnt wurde: Auch die Kosten einer nachträglichen Wallbox relativieren sich. Dadurch, dass ab 2024 installierte Wallboxen als steuerbare Verbrauchseinrichtungen zählen, hat man Anspruch auf reduzierte Netzentgelte (§ 14a EnWG). Das kann auch im Wege von Modul 1 - wie bei mir - pauschal abgerechnet werden. Macht aktuell einen jährlichen pauschalen Abzug von 169 € auf der Stromrechnung. O.k., bisher musste ich jeden Stromanbieter daran erinnern, aber grundsätzlich wurde das danach gutgeschrieben.

  • [...]

    Nun hab ich irgendwo gelesen, dass im Winter die Akkus bei weitem nicht so leistungsfähig sind wie vom Hersteller angegeben, so dass man viel öfter nachladen muss als kalkuliert - haben die E-Auto-Fahrer hier die gleiche Erfahrung gemacht? Oder geht es nur um einen sehr überschaubaren Prozentsatz?

    Moin,

    seit 9,5 Jahren fahre ich elektrische Kleinwagen von Renault. Der erste war eine ZOE mit etwa 135 km Reichweite und Lademöglichkeit an 230 V Steckdose, die mir mein Vermieter zur Verfügung gestellt hatte. Fahrprofil: überwiegend Kurzstrecke, Laufleistung etwa 7.500 km im Jahr. Wenn man bedenkt, dass statistisch betrachtet ein deutsches Auto am Tag etwa 36 km zurücklegt ist ein E-Auto eigentlich ideal.

    Im Winter habe ich festgestellt, dass kältebedingt - Auto steht im Freien - etwa 30% weniger Batterieleistung zur Verfügung steht. Wenn man's weiss kann man sich darauf einstellen.

    Die grösste Hürde bei der Anschaffung 2016 war tatsächlich der angebliche Fachhändler, an dem man nördlich des Nord-Ostsee-Kanals nicht vorbeikommt. Renault hatte damals eine Werbeaktion in's Leben gerufen: 3 Tage lang die ZOE probefahren und testen. Fand ich gut. Also angerufen beim Händler und nachgefragt. Dort bekam ich zu hören, das Auto haben wir nicht hier, wir können einen aus der Zentrale holen. den können Sie dann eine Stunde haben zum testen, mehr sei nicht drin. Die wollten mir lieber kein E-Auto verkaufen (ich hab's trotzdem gemacht), habe später in der Werkstatt auch auch gemerkt warum: sie hatten schlicht keine Ahnung von E-Autos, Wartungspläne wurden nicht nach Herstellervorgaben ausgeführt und dergleichen. Ich habe mich im Internetforum schlau gelesen (https://www.goingelectric.de/forum/) und konnte so der Werkstatt dann sagen, wo es hakt.

    Die nächste ZOE (Mod. Life, Batterie 52 kW, Reichweite rund 400 km bei Verbrauch von 16 kWh/100 km) habe ich dann im Dezember 2020 bei einem kompetenten Händler südlich des Kanals erworben, wo ich auch einmal im Jahr die Wartung machen lasse, bedeutet zwar 75 Min. Fahrzeit, aber kleine, zuverlässige und überschaubare Fachwerkstatt die weiss, was sie da tut. Zusammen mit meinem Vermieter habe ich eine Wallbox am Parkplatz installiert, mit 200 € vom Land S-H gefördert.

    Der vergangene Winter war der härteste und kälteste seit 2016, mit eigener Wallbox kein Problem.

    An öffentlichen Ladesäulen herrschte anfangs Wegelagerei, inzwischen sind ja von der BNetzA alle dazu verdonnert worden, auch ad-hoc laden (https://www.adac.de/rund-ums-fahrz…-an-autobahnen/) anzubieten so dass man nicht mehr 10 Plastikkarten mit sich schleppen muss. Bei Verbesserungen ist aber noch reichlich Luft nach oben... ;)

  • Stellantis hat - laut tagesschau, SPIEGEL und e-Auto-Foren - erhebliche Qualitätsprobleme. Wer als Kunde damit leben kann - OK. Für mich ist das eher nichts...;)

    Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/fin…-tages-100.html

    Wie ich oben las, du fährst Renault? Zufrieden? Ich eruiere, ob ich trotz fehlender eigener Lademöglichkeit auf e-Auto in der Großstadt umsteige. Scenic E-Tech ist mit im Visier.

  • InZahlungnamebetrag für den alten Skoda auch noch 2-3 % Barzahlungsrabatt heraus

    Die Zeiten sind lange vorbei. Eher bekommt man Rabatt für Finanzierung. Inzahlungnahme wird auch nicht gerne gesehen. Am günstigsten kommt man mit Leasing weg, wenn man eine der zahlreichen Aktionen erwischt. Gut, man muss halt bereits sein das Auto zu pflegen.

  • Wie ich oben las, du fährst Renault? Zufrieden? Ich eruiere, ob ich trotz fehlender eigener Lademöglichkeit auf e-Auto in der Großstadt umsteige. Scenic E-Tech ist mit im Visier.

    Ja, mit der ZOE bin ich zufrieden, vor allem in der jetztigen Werkstatt . Die Software ist (bei meiner eher spartanischen Ausstattung) bei weitem nicht so überladen wie bei anderen Herstellen. Ich kenne noch den Hyundai Kona electric, das Ding pfeift und piept, wenn ich die Hofauffahrt nehme und an der Hecke zum Nachbarn vorbeifahre (was vorher 14 Jahre stressfrei möglich war :D) und warnt laut bei jedem Schneckenfurz, lenkt gegen, wenn die Sensoren meinen, ich fahre zu weit rechts oder links. Diese Entmündigung - unfallfreier Autofahrer seit 1978 - geht schon gewaltig auf den S....

    Vor dem Kauf habe ich mich schlau gelesen (z. B. bei heise auto, ADAC und in Elektrofahrzeugforen siehe #86), denn ein Autoverkäufer will verkaufen und die Erfahrung mit Elektrohändler 1 hat mich gelehrt, dass das von Vorteil war.

    Die ZOE Life habe ich übrigens über ein Münchener Vergleichsportal erworben, war eine gute Erfahrung und daher aus meiner Sicht empfehlenswert. ;)

  • Evaluise

    Folgende grundlegende Unterschiede zu Autos wie wir sie bisher kannten und Elektroautos würde ich als wissenswert bezeichnen:

    1. ein Elektroauto ist eigentlich weniger ein Auto im herkömmlichen Sinne als - in meinen Augen - eher ein rollendes kleines Computernetzwerk. Diese Denke kann meiner Erfahrung nach ganz hilfreich sein bei der Suche nach kleinen Macken oder Zickereien im System: ruhig mal das System komplett herunterfahren, einen Tee trinken und danach das System wieder hochfahren. Als IT'ler ist mir das mittlerweile in's Blut übergegangen ^^

    2. Bekanntes Phänomen bei E-Autos: man darf mit einem E-Auto nicht vergessen, die Bremsen zu benutzen. Klingt komisch, liegt aber daran, dass man beim Fahren das sehr vernachlässigt und die Motorbremse nutzt oder energieeffizient "segelt". In der Folge gammeln regelrecht die Bremsen relativ schnell, weil sie zu wenig benutzt werden und das kostet dann in der Werkstatt...

    3. ist der Reifenverschleiss (ich fahre Ganzjahresreifen) bedingt durch das Gewicht der Batterie meiner Erfahrung nach höher. Wurde mir auch beim letzten TÜV-Besuch bestätigt.

    4. bei extrem niedrigen Temperaturen wie im vergangenen Winter wurde mir bewusst, dass ein Elektroauto mit Wärmepumpe die Innenraumheizung anders managen muss als ein Verbrenner. Es schadet nicht, das zu wissen ;)

    Bei Interesse gibt es hier eine wie ich finde gute Darstellung:

    https://www.amz.de/von-der-klimaanlage-zur-waermepumpe

  • Ja, mit der ZOE bin ich zufrieden, vor allem in der jetzigen Werkstatt .

    Da ich ja mit dem R5 liebäugele und außerdem ein elektrischer Twingo im Nachbarkaff gerade günstig angeboten wird: Problem mit den beiden Diesel-Kangoo-Lieferwagen waren die Achsschenkel - einmal noch während der Garantiezeit ausgeschlagen und einmal erst danach. Seitdem bin ich auf Renault nicht mehr so gut zu sprechen. Unglücklicherweise gibt's hier viel Kopfsteinpflaster und ich wohne in einer langen Straße mit enorm huckeligen ebensolchem: Hast Du damit Erfahrungen, falls ja, welche? Oder kommen huckelige Strecken bei Dir eher selten vor?

    Deshalb kommt übrigens Stellantis/Peugeot für mich nicht in Frage: Die klappern auf Kopfsteinpflaster oder schlaglochträchtigen Straßen so, dass man jedesmal erleichtert ist, wenn bei Ankunft noch alle Teile dran sind.

  • 2. Bekanntes Phänomen bei E-Autos: man darf mit einem E-Auto nicht vergessen, die Bremsen zu benutzen. Klingt komisch, liegt aber daran, dass man beim Fahren das sehr vernachlässigt und die Motorbremse nutzt oder energieeffizient "segelt". In der Folge gammeln regelrecht die Bremsen relativ schnell, weil sie zu wenig benutzt werden und das kostet dann in der Werkstatt...

    Selbst bei Benutzung des Bremspedals rekuperieren E-Autos primär. Man muss schon sehr stark auf die Bremse steigen, damit die Chance besteht, dass wirklich die klassische Bremsmechanik benutzt wird. Sofern das Auto keine Mechanismen eingebaut hat, welche das "vergammeln" präventiv unterbinden, muss man im Zweifelsfall auf leerer Straße eine starke Bremsung hinlegen - am besten mit eingelegtem Gang N.