Einschätzung zum Zugewinnausgleich – männliche Perspektiven gefragt

  • Sachlich/Rechtlich würde ja schon viel gesagt.

    Ein Aspekt der noch nicht zur Sprache kam:

    Was ist, wenn ein Partner "ihr/sein" Geld ausgeben hat und der andere nicht?

    Also eine(r) steck jedes Jahr 10.000 in ETF und eine(r) gibt das gleiche jedes Jahr für Schuhe* oder Sportwagen* aus?

    Letzteres ist nach 20 Jahren noch 10% der 200.000 Euro Wert, der ETF ist beispielsweise 400.000 wert.

    Wenn ich jetzt davon 190.000 "abgeben" müsste, würde mir das schon sauer aufstoßen.

    Zu Dir, Same_but_different :

    Ganz großen Respekt, dass Du verstehen willst und nicht nur Leute suchst, die Dir beipflichten!

    * man verzeihe mir das Klischeebild. Es geht um Konsum vs Anlegen/Sparen.

  • Hi DidiRich, danke fürs Teilen deiner Sicht darauf. Toll, dass du deine Frau da so unterstützt! Ist, wie du siehst, nicht selbstverständlich.

    Versorgungsausgleich ist kein Thema, da bin ich bereit zu verzichten. Verliere dadurch ein paar Rentenpunkte, aber ist ok. Das ist auch so ein Ding. Dadurch, dass ich trotz der Kinder relativ viel gearbeitet und gut verdient habe, ist da die Lücke nicht mal groß und er muss sich darum schon keinen Kopf machen.

    Bei dem Zugewinn habe ich schon die finalen Werte genannt, also sind es bei uns 600.000k, um die es geht. Die Wohnung ist da nicht mit eingerechnet. Daher sehe ich es auch so, dass 200k als Ausgleich an mich ok sein sollte.

  • Hi itschytoo,

    guter Punkt, den du da ansprichst und wäre tatsächlich ein Argument, das ich hätte gelten lassen. Wir sind, was das Konsumverhalten angeht, aber ganz ähnlich gestrickt (beide sehr vernünftig und sparsam), es spielt also keine große Rolle. Ich hatte auch keine hohen Ansprüche an die Urlaube, Wohnung bzw. die Einrichtung.

    Mein größer Fehler war, dass ich mein Geld lange nicht investiert hatte. Erst seit 5 Jahren kümmere ich mich darum. Rund 20 Prozent meines Vermögens ist Rendite. Ich hatte in den ersten Jahren der Ehe aber auch kaum etwas sparen können durch Elternzeit/Teilzeit und damals noch niedriges Gehalt. Es war so wenig, dass ich mich nicht getraut hatte, es anzulegen. Im Nachhinein hätte ich viel mutiger sein sollen.
    Auf der anderen Seite hatte mein Mann auch viel früher und mehr zur Seite legen können und hatte damit auch genügend "Spielgeld", um mutiger zu sein. Finde ich.

    Danke für den Zuspruch.

  • Hallo liebe Same_but_different ,

    Du hattest auch nach der moralischen „Einordnung“ gefragt, dazu will ich gerne meinen Teil beitragen (ob ich dazu geeignet bin, entscheide bitte selbst).

    Es geht dabei vorwiegend um Meinungen von Einzelnen, also Individuen, also individuelle Meinungen… und das ist irgendwie schon der Knackpunkt. Dein Noch-Ehemann möchte Dich runterhandeln, Argument: „wenn Du nicht gewillt bist, auf meine Forderung einzugehen, bin ich Dir nicht (mehr) wohlgesonnen und es könnten „Irritationen“ in unserem Verhältnis als geschiedenes Ehepaar auftreten.“ Seine Meinung ist: Du sollst deutlich weniger bekommen, als es die Gesetzeslage vorsieht.

    So lese ich das zwischen den Zeilen Deiner Beiträge. Persönlich finde ich die Haltung Deines Mannes sehr „schwierig“. Ich selbst bin (im Februar) 20 Jahre verheiratet. Dabei gab es auch Zeiten, wo wir beide nicht an ein Fortbestehen glaubten. Zum Glück (!) sind wir aber beide wieder zur Vernunft gekommen. Für uns ist das Zusammensein irgendwie auch eine Art von Schicksalsgemeinschaft. Dazu gehört, dass, obwohl wir beide sehr selbständig Beruf und Vermögen gestalten, die selbstverständliche Sichtweise, dass alles, was in der gemeinsamen Zeit passiert und wir auch gestalten, von uns beiden getragen wird. Dass diese Sichtweise nun 1:1 der Gesetzgebung mit Versorgungsausgleich entspricht, werte ich wersönlich als eine gute Sache vom Gesetzgeber.

    Also meine Meinung zu Deinem moralischen Thema: nicht Du oder der Gesetzgeber wäre dann fehlsichtig, sondern Dein Mann, der dort (aus meiner Sicht) unmoralische Forderungen aufstellt und Dich zu beeinflussen versucht. Das ist doch auch nicht nett, oder?

    Nimm meine Ausführungen bitte nur als Anregung zum Nachdenken darüber, wie die Situation zwischen Euch beiden möglicherweise ist. Ich denke, Du müsstest Dir nie Vorhaltungen machen lassen und wärest auch moralisch auf einer guten Seite, wenn Du an eine 50:50-Lösung denkst.

    Gutes Gelingen!

  • Das Problem ist ja nicht, dass die Rechtslage nicht geklärt ist, sondern das mein Mann den "Rechtsweg" nicht gehen möchte und an meinen moralischen Kompass appelliert.

    Das Problem ist nicht dein moralischer Kompass, denn der ist ok. Das Problem ist dein Mann, der dich zu manipulieren versucht, mit "ja, aber, wenn".

    Der Gesetzgeber hat für die Zugewinngemeinschaft klare Regeln. Sicher, etwas Spielraum für individuelle Sichtweisen gibt es immer, aber im Großen und Ganzen ist die Sache fix. Darum gehe zu einem Anwalt, informiere dich, was dir von Gesetz wegen zusteht. Wenn du dann die genauen Zahlen hast, kannst du überlegen, auf was du verzichten willst für ein gutes Verhältnis und welche Forderungen schlicht zu unverschämt sind von deinem Mann.

  • So wie ich das sehe, setzt DIR dein Mann die Waffe an den Kopf. "Entweder, es läuft so wie ICH das sehe oder wir streiten uns drum." Wenn DU das Streiten nicht möchtest, dann musst DU kuschen und das nehmen, was ER DIR hinwirft. Wenn DU dir darüber klar geworden bist, ob DU dich so behandeln lassen möchtest, musst DU dich entscheiden.
    So oder so. Ich würde es im Guten versuchen, wenn ER das nicht einsieht, würde ich die gesetzliche Regelung beanspruchen und diese dann auch durchsetzen. Wenn DU IHM das dann ultimativ so mitteilst, muss ER sich entscheiden, ob ER es darauf anlassen kommen will.
    Ich wünsche dir viel Kraft bei den nächsten Schritten. Lass dich nicht unterbuttern.

  • Das Problem ist nicht dein moralischer Kompass, denn der ist ok. Das Problem ist dein Mann, der dich zu manipulieren versucht, mit "ja, aber, wenn".

    Ich wäre etwas vorsichtiger mit solchen ultimativen Wahrheiten. Du basiert Deine Einschätzung einzig auf Aussagen der "Gegenseite". Und für mich klingt es als ob da vor allem eigener Frust raus spricht.

    Ich würde nicht so weit gehen, dass der Mann von Dir, Same_but_different der Inbegriff des Bösen ist, aber ich halte Deine Selbsteinschätzung für gut, also vertrau darauf.

    Und ja, vermutlich ist das eine Verhandlungssituation gerade, Du solltest also nicht zu allem ja und Amen sagen. Und ob er es bewusst macht oder nicht, er wird sich gerade jede Menge Gründe zurecht legen, warum er das Opfer ist.

    Erstaunlich, dass du es nicht tust. Das ist echt stark.

    Im Nachhinein werdet ihr vermutlich beide von euren jeweiligen Freunden zu hören bekommen, dass ihr ganz Doll übers Ohr gehauen wurdet.

  • Also meine Meinung zu Deinem moralischen Thema: nicht Du oder der Gesetzgeber wäre dann fehlsichtig, sondern Dein Mann, der dort (aus meiner Sicht) unmoralische Forderungen aufstellt und Dich zu beeinflussen versucht. Das ist doch auch nicht nett, oder?

    Vielen Dank, Raid!

    Das ist halt eben die Frage, die mir stellt, ob er da wirklich unmoralische Forderungen stellt. 50/50, ganz pauschal kann in einem Fall gerechtfertigt sein und in dem anderen nicht und ich versuche möglichst objektiv zu bewerten, wie es in unserem Fall aussieht - was da wirklich fair als auch Ausgleich an mich.

    Danke fürs Teilen deiner Gedanken, hilft mir sehr und ich denke darüber nach.

  • Versorgungsausgleich ist kein Thema, da bin ich bereit zu verzichten. Verliere dadurch ein paar Rentenpunkte, aber ist ok.

    Wenn eine einvernehmliche Lösung (außerhalb der gesetzlichen Regelung) angestrebt wird, würde ich genau diesen Punkt nicht von vornherein ausschließen. Ohne den genauen Wert des Punkteübertrags zu kennen, möglicherweise kann der Ausgleich ja zumindest als Verhandlungmasse herangezogen werden.

  • Ganz klarer und gut gemeinter Tipp: setzt Euch zusammen und kommt wieder zusammen+ den Kindern zu liebe. Für die Kinder ist das eine Ohnmachtserfahrung. Ihr werdet euch wie die Kesselflicker streiten. Der Stress wird Euch Jahre eures Lebens kosten. Finanziell ist es sowieso ein Desaster. So schlimm kann eure Ehe gar nicht gesehen sein. Falls einer eine neue Flamme hat: nach einiger Zeit wird man damit wieder die gleichen Probleme haben. Und die Kinder werden nicht gefragt....

  • Das Problem ist nicht dein moralischer Kompass, denn der ist ok. Das Problem ist dein Mann, der dich zu manipulieren versucht, mit "ja, aber, wenn".

    So wie ich das sehe, setzt DIR dein Mann die Waffe an den Kopf. "Entweder, es läuft so wie ICH das sehe oder wir streiten uns drum." Wenn DU das Streiten nicht möchtest, dann musst DU kuschen und das nehmen, was ER DIR hinwirft. Wenn DU dir darüber klar geworden bist, ob DU dich so behandeln lassen möchtest, musst DU dich entscheiden.
    So oder so. Ich würde es im Guten versuchen, wenn ER das nicht einsieht, würde ich die gesetzliche Regelung beanspruchen und diese dann auch durchsetzen. Wenn DU IHM das dann ultimativ so mitteilst, muss ER sich entscheiden, ob ER es darauf anlassen kommen will.

    Ich würde nicht so weit gehen, dass der Mann von Dir, Same_but_different der Inbegriff des Bösen ist, aber ich halte Deine Selbsteinschätzung für gut, also vertrau darauf.

    Wahrscheinlich liegt die Wahrheit - wie so oft - irgendwo dazwischen. itschytoo wie du sagst, ist mein Mann nicht der Inbegriff des Bösen. Er ist verletzt, das Scheitern unserer Ehe steckt er nicht so gut weg. Und leider gelingt es ihm nicht, nach vorne zu blicken, sondern hat er bisher die Strategie gewählt, mich als Bösewicht zu sehen. Scheint ihm irgendwie zu helfen, diese Haltung. Und ich habe wahrscheinlich zu viel Verständnis.

    In unserer Ehe war er nicht geizig und ich habe mich auch nie gefühlt, als würde er mich ausnutzen. Jetzt sind wir aber keine Einheit mehr, ich bin nicht mehr an seiner Seite und er teilt unter diesen Umständen natürlich nicht gern. Wie du sagst, sucht er nach Gründen, warum er das Opfer ist und er findet diese auch. Nicht bewusst, sondern glaubt er das wirklich.

    Depotfee  Boersenfeger danke für die klaren Worte, das hilft. So klar setzt er mir nicht die Waffe an den Kopf bzw. droht er mir nicht so offen. Er hat halt seine Sicht und er glaubt auch fest daran, dass er damit Recht hat. Und wenn ich nicht mitgehe, dann handele ich in seinen Augen nicht für mich, sondern gegen ihn und das wird er mich spüren lassen.

  • Wenn eine einvernehmliche Lösung (außerhalb der gesetzlichen Regelung) angestrebt wird, würde ich genau diesen Punkt nicht von vornherein ausschließen. Ohne den genauen Wert des Punkteübertrags zu kennen, möglicherweise kann der Ausgleich ja zumindest als Verhandlungmasse herangezogen werden.

    Den schließe ich nicht aus, sondern ist es eben der Punkt, bei dem ich ihm entgegenkommen möchte. Bei dem Zugewinnausgleich hätte ich ja gern 50/50.

  • Aus welchem "Taschengeld" wurde das Kapital genommen? Aus dem gemeinsamen Konto oder aus seinem?

    Das habe ich nicht verstanden. Wir hatten drei Konten: je eigenes, wo der jeweils andere keinen Zugriff drauf hatte und ein gemeinsames, von dem wir unseren Lebensunterhalt als Familie bestritten haben - Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Kinderbelange usw.

  • Ganz klarer und gut gemeinter Tipp: setzt Euch zusammen und kommt wieder zusammen+ den Kindern zu liebe. Für die Kinder ist das eine Ohnmachtserfahrung. Ihr werdet euch wie die Kesselflicker streiten. Der Stress wird Euch Jahre eures Lebens kosten. Finanziell ist es sowieso ein Desaster. So schlimm kann eure Ehe gar nicht gesehen sein. Falls einer eine neue Flamme hat: nach einiger Zeit wird man damit wieder die gleichen Probleme haben. Und die Kinder werden nicht gefragt....

    Lieber Goldmicha, jetzt musste ich gleichzeitig weinen und lachen. Wenn es nur so einfach wäre!
    Die Entscheidung haben wir nicht zuletzt wegen der Kinder getroffen. Ihnen noch weiter eine ungesunde Beziehung vorzuleben, wäre einfach unverantwortlich gewesen.

    Gerade, weil ich keinen Streit und Stress möchte, habe ich mich heute an das Forum gewandt. Ich möchte eine friedliche Lösung, die halbwegs für beide ok ist. Wegen der Kinder bin ich bereit, Zugeständnisse zu machen. Bis aufs Blut werde zumindest ich nicht kämpfen.

  • Zum moralischen und rechtlichen wurde einiges gesagt. Meist ist es am einfachsten, man akzeptiert, dass die rechtliche Sicht auch die moralisch richtige ist, da es sonst nicht die Eine Sicht auf die Dinge gibt.

    Es geht Deinem Mann auch vermutlich weniger um die rein finanzielle Sicht. Sondern darum, nicht zu verlieren. Als Mann muss ich leider gestehen, dass ich bei Trennungen (nicht Ehen) mich in dem Moment auch nicht immer fair verhalten habe. Aber da ging es eigentlich um verletzten Stolz (ich weiss nicht wie ich es besser ausdrücke) Macht und Angst vor Kontrollverlust. Das braucht aber ein paar Jahre, bis man das selber reflektieren kann. Aber egal, was mir damals angeboten worden wäre, ich hätte es immer als ungerecht empfunden und nen anderen Grund zum streiten gefunden. Daher ist mein Rat, dass Du dich auf keinen Kompromiss einlässt, sondern einfach auf Deinen Anteil bestehst.

    Sollte wir uns mal scheiden, werde ich das vermutlich ganz anders sehen ;).

  • Es geht Deinem Mann auch vermutlich weniger um die rein finanzielle Sicht. Sondern darum, nicht zu verlieren. Als Mann muss ich leider gestehen, dass ich bei Trennungen (nicht Ehen) mich in dem Moment auch nicht immer fair verhalten habe. Aber da ging es eigentlich um verletzten Stolz (ich weiss nicht wie ich es besser ausdrücke) Macht und Angst vor Kontrollverlust. Das braucht aber ein paar Jahre, bis man das selber reflektieren kann. Aber egal, was mir damals angeboten worden wäre, ich hätte es immer als ungerecht empfunden und nen anderen Grund zum streiten gefunden. Daher ist mein Rat, dass Du dich auf keinen Kompromiss einlässt, sondern einfach auf Deinen Anteil bestehst.

    Sollte wir uns mal scheiden, werde ich das vermutlich ganz anders sehen ;).

    Hey Newb,

    vielen Dank! Ich glaube, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Umso wertvoller dein Tipp an mich! Ich hoffe nur, dass es keine Jahre dauert, bis er sich wieder eingefangen hat.

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