Ehegattensplitting

  • Bei der Alleinverdienerehe würde das zu einer massiven Verschlechterung im Vergleich zum derzeitigen Ehegattensplitting führen. Bei 50/50 würde es eine spürbare Entlastung bringen. Wenn das zu versteuernde Einkommen über dem Grundfreibetrag ist, wirkt es sich auch effektiv bei einer Aufteilung zwischen 50/50 und 100/0 aus. Da kommt es dann aber auf den individuellen Fall an. Mir ist die Zeit zu schade das im einzelnen auszurechen (dafür gibt es dann auch zu viele denkbare Fallkonstellationen), aber soweit das zu versteuernde Einkommen des geringer verdienenden Ehegatten über Grundfreibetrag zzgl. "Ehegattenfreibetrag" liegen würde, würde es sich grds. voll auswirken. Natürlich wirkt ein Freibetrag mehr, wenn der Steuersatz höher ist. Bis zur Grenze Grundfreibetrag + "Ehegattenfreibetrag" wäre das dann komplett steuerfrei und würde so quasi positive Anreize schaffen, dass auch der geringer verdienende Ehegatte mehr verdient.

    Kann man machen. Ich verstehe einfach nicht, warum man das tun sollte. Die Ehefrau, die mit ihren 50k Verdienst ihre 2 Kinder und ihren Langzeitarbeitslosen Mann durchfüttern muss, stellst Du damit halt um knapp 4k netto im Jahr schlechter. Das DINKs Ehepartner mit 100k/100k Einkommen stellst Du damit nochmals besser als sie jetzt schon stehen. Nenn mich linksradikal, aber ich find das nicht cool.

  • Wollt ihr alle mal kurz Luft holen?

    90 Prozent Aktien und britty, Ihr mögt zwar respektable Motive haben oder zumindest vorschützen. Aber die besseren Argumente kommen von z. B. Newb , dude oder Prima523.

    Aus der Nummer kommt ihr nicht mehr raus, trotz zuletzt versuchter Ausweichmanöver. Allenfalls noch mit der Erkenntnis "Die letzlich klug Gewordene gibt irgendwann einmal auf.". Aber diese Kurve kriegt ihr nicht (mehr).

    Mit der Befürchtung, dass Ihr beiden es weiterhin diametral anders sehen werdet: Gute Nacht 8).

    Grüße von
    Alexis

    Auch das kleinere von zwei Übeln kann ein größeres sein.

  • Newb Der Unterschied dürfte bei dieser Konstellation gar nicht so hoch sein. Aber gehen wir einen Schritt zurück. Den meisten Kritikern geht es nicht darum, Familien schlechter zu stellen, wie Du durch Deine Fragestellung unterstellst. Wenn es nach mir ginge, würden Familien

    Bis auf Deinen Beitrag hier (und den von Dude), lese ich eigentlich nur, dass man Ehepaare schlechter stellen will, damit die Frau mehr arbeitet.

    Nun ist das Splitting eine Art von Steuervorteil von Ehepaaren gegenüber einem unverheirateten Paar, sobald die Partner unterschiedlich viel verdienen.


    Da hast Du Recht.

    Es benachteiligt aber auch alle Ehepaare, die in etwa gleich viel verdienen. Warum werden eigentlich nur die mit dem unterschiedlichen Verdienst gefördert? Ist die Ehe der anderen weniger schützenswert?

    Naja, es gleicht nen Nachteil aus. Da die "Gleichverdiener" keinen Nachteil haben, gibt es halt nix auszugleichen.

    Wenn es nach mir ginge, würden Familien mit Kindern stärker entlastet als heute. Und da meine ich nicht nur Familien mit verheirateten Eltern sondern alle Familien. Da man aber nicht mehr Geld ausgeben kann als man hat (jedenfalls nicht als vernünftig wirtschaftende Hausfrau), muss man dieses Geld irgendwo finden, bzw. einsparen.

    Ich finde es gibt deutlich bessere Wege Steuern zu erheben. Zum Beispiel Ausnahmen bei Betriebsvermögen bei der Erbschaftssteuer. (Aber bitte lass uns das Fass nicht hier aufmachen). Oder wenn man Ehen mehr besteuern will, dann halt einfach die Steuersätze pauschal anheben. Dann trifft es wenigstens alle Ehen fair und nicht nur die, die aus irgendwelchen Gründen das Pech haben, nicht gleich zu verdienen. Für mich erscheint diese Steuerhöhung einfach willkürlich.

    Aber danke (und das meine ich ehrlich) für die ausführliche Antwort.

  • Nun ist das Splitting eine Art von Steuervorteil von Ehepaaren gegenüber einem unverheirateten Paar, sobald die Partner unterschiedlich viel verdienen. Es benachteiligt aber auch alle Ehepaare, die in etwa gleich viel verdienen. Warum werden eigentlich nur die mit dem unterschiedlichen Verdienst gefördert? Ist die Ehe der anderen weniger schützenswert?

    Die anderen haben es auch schon geschrieben, aber diese Annahme ist einfach nicht richtig.

    Ja, im Vergleich zu einem nicht verheirateten Paar wird jede Ehe mit unterschiedlichem Einkommen steuerlich besser gestellt. Das ist so und dafür gibt einige gute, aber auch ein paar weniger gute Begründungen. Diskutieren kann und darf man hier natürlich über den Vergleich zwischen einem verheiratetem Paar mit Kindern und unterschiedlichlichen Einkommen auf Grund der Care-Arbeit und einem unverheiratetem Paar mit gleicher Situation.

    Im Vergleich zu einer 50/50 Ehrle gibt es aber keine Bevorteilung des Ehepaares mit unterschiedlichem Einkommen, da für das Splitting das gemeinsame Einkommen relevant ist.

    Hier wird immer davon gesprochen, dass ungleich verdienende Ehepartnern bevorteilt werden. Aber wo ist dieser angebliche Vorteil? Ein Ehepaar mit einem zvE von 50k/50k zahlt genau 21.096 Euro Steuern. Und ein Ehepaar mit einem zvE von 100k/0 zahlt was? Genau, dank Splitting ebenfalls 21.096 Euro.


    Nun wenn es keinen Nachteil gibt ohne Splitting, könnte man es wohl ersatzlos streichen (Vorsicht Ironie!)

    Auch wenn es Ironie ist. Bei einer Abschaffung des Splitting gibt es Nachteile für Ehepaare mit unterschiedlichem Einkommen im Vergleich zu einem Ehepaar mit gleichem Einkommen.

    Bei dem obigen Beispiel würde die Steuerlast für das Paar mit 100k/0 auf 32.115,16 (inkl. Soli) ansteigen. Also eine Benachteiligung Gegenüber dem 50k/50k Ehepaar um gut 11k Euro.

  • Newb Der Unterschied dürfte bei dieser Konstellation gar nicht so hoch sein. Aber gehen wir einen Schritt zurück. Den meisten Kritikern geht es nicht darum, Familien schlechter zu stellen, wie Du durch Deine Fragestellung unterstellst. Wenn es nach mir ginge, würden Familien mit Kindern stärker entlastet als heute. Und da meine ich nicht nur Familien mit verheirateten Eltern sondern alle Familien. Da man aber nicht mehr Geld ausgeben kann als man hat (jedenfalls nicht als vernünftig wirtschaftende Hausfrau), muss man dieses Geld irgendwo finden, bzw. einsparen.

    Nun ist das Splitting eine Art von Steuervorteil von Ehepaaren gegenüber einem unverheirateten Paar, sobald die Partner unterschiedlich viel verdienen. Es benachteiligt aber auch alle Ehepaare, die in etwa gleich viel verdienen. Warum werden eigentlich nur die mit dem unterschiedlichen Verdienst gefördert? Ist die Ehe der anderen weniger schützenswert?

    Ich meine das Ehegattensplitting ist nicht fair. Das ist kein Vorwurf gegen Männer sondern die logische Folge einer Förderung, die in einer Zeit ausgedacht wurde als das Alleinverdienermodell die Standardlösung für Familien war. Das ist nicht mehr zeitgemäß und für mich sollte diese Ungerechtigkeit (unzureichende Förderung von Familien mit Kindern und Benachteiligung von Ehepaaren mit ähnlichem Verdienst) korrigiert werden.

    1. Zu Rechtfertigung der "Besserstellung" von Ehepaaren gegenüber nichtehelichen Lebensgemeinschaften wurde bereits alles gesagt (Art. 6 Abs. 1 GG)

    2. Zur Rechtfertigung des Splittings für die Ehe selbst ebenso (s.o. alle anderen); insbesondere dass es keine Benachteiligung oder Bevorteilung darstellt, sondern Benachteiligung verhindert.

    3. Den hervorgehobenen Teil halte ich für schlicht weg falsch, aus folgenden Gründen:

    a) Ab einer größeren, vom Staat zu präferierenden Geburtenrate (>Sterberate) (und damit Kinderzahl) besteht fast schon die Notwendigkeit, dass jemand - sofern finanziell leistbar - viel Zeit dafür hat. In jedem Fall ist es aber ohnehin die Entscheidung der Eheleute selbst, § 1356 BGB.

    b) Das Splitting ist ungeachtet von Kindern notwendig (schon oben geklärt, Art. 6 GG). Familie (auch kinderlos) ist (ursprünglich) der Kern der Gesellschaft, bei dem man aufeinander bauen können soll.

    c) Auch das Scheidungsfolgenrecht ist auf den gesetzgeberischen Normalfall des Alleinverdienermodells ausgerichtet. Deshalb gibt es überhaupt Zugewinnausgleich oder Versorgungsausgleich und nicht Kindes bezogene Unterhaltsleistungen.

  • 1. Zu Rechtfertigung der "Besserstellung" von Ehepaaren gegenüber nichtehelichen Lebensgemeinschaften wurde bereits alles gesagt (Art. 6 Abs. 1 GG)

    Du hast juristisch recht, deshalb halte ich eine Änderung für kaum realistisch, ob das jenseits der reaktionären Kreise allerdings noch eine Mehrheit der Bevölkerung finden würde, weiß ich nicht, werden wir auch kaum klären können.

    gesetzgeberischen Normalfall des Alleinverdienermodells ausgerichtet.

    Das Sehnen nach der Adenauerzeit ist ungebrochen, damals als die Welt noch in Ordnung und so schön übersichtlich war.

  • Das Sehnen nach der Adenauerzeit ist ungebrochen, damals als die Welt noch in Ordnung und so schön übersichtlich war.

    Du hast den Beitrag offensichtlich nicht verstanden. Das VersAusglG ist eine Folge der großen Eherechtsreformen der Nachkriegszeit, die insbesondere der Verwirklichung des Art. 3 Abs. 2 S. 2 GG dienten. Zu diesen Reformen zählten auch die Einführung des Zerrütungsprinzips, Reform des Eheinnenrechts (wie § 1356 BGB), Namensrechts usw. Den Versorgungsausgleich hat der Gesetzgeber also gerade geschaffen, da er

    a) vom Normalfall der Alleinverdienerfamilie mit Kindern ausgeht, die betreuungsbedürftig sind

    b) durch die erleichterte Scheidungsmöglichkeit der andere Partner (Nichterwerbstätige) geschützt werden müsse.

    Wenn man also meint zu vertreten, dass dieses Modell archaisch sei, dann wäre es konsequent sich zugleich auch von diesen Regelungen zu verabschieden bzw. sie lediglich zur "Wahl-Regelung" (Opt-in) zu machen. Das will aber gleichzeitig wohl auch niemand.

  • Ich habe das schon verstanden und mir ist durchaus bewusst, dass dieses ein ganzes juristisches Prinzip ist und wie tief das in verschiedensten Gesetzen verankert ist, deshalb wird sich da auch eher nichts daran ändern.

    Diskutieren darf man es trotzdem und sich fragen, ob es noch den Realitäten und Vorstellungen einer modernen (?) Gesellschaft entspricht. Davon lebt das Forum und die Demokratie als solches. Ich hatte diesen Faden genau deshalb gestartet.

    Es ist nicht verwunderlich, dass in dieser ziemlich konservativ geprägten Bubble hier, der Status quo verteidigt werden würde.

  • Es ist nicht verwunderlich, dass in dieser ziemlich konservativ geprägten Bubble hier, der Status quo verteidigt werden würde.

    Bisher hatte ich eigentlich nicht den Eindruck, dass es hier im Forum „ziemlich konservativ“ geprägt ist.

    Mir scheint es eher so zu sein, dass sich gerade bei diesem Thema hier nur etwa eine kleine Handvoll von absoluten Hardcorys täglich ihre „Dosis“ geben muss…Andere nehmen doch gar nicht mehr teil und lesen die dauernden Wiederholungen gar nicht mehr.

  • Ja, im Vergleich zu einem nicht verheirateten Paar wird jede Ehe mit unterschiedlichem Einkommen steuerlich besser gestellt. Das ist so und dafür gibt einige gute, aber auch ein paar weniger gute Begründungen. Diskutieren kann und darf man hier natürlich über den Vergleich zwischen einem verheiratetem Paar mit Kindern und unterschiedlichlichen Einkommen auf Grund der Care-Arbeit und einem unverheiratetem Paar mit gleicher Situation.

    Im Vergleich zu einer 50/50 Ehrle gibt es aber keine Bevorteilung des Ehepaares mit unterschiedlichem Einkommen, da für das Splitting das gemeinsame Einkommen relevant ist.

    Wenn man eine Seite besser stellt impliziert es, dass eine andere Seite diese Vorteile nicht hat. Es ist eine Frage des Blickwinkels. Man gewährt einer Teilgruppe von Ehepaaren einen jährlichen fünfstelligen finanziellen Vorteil und begründet das mit dem Schutz der Ehe und spricht oft von Familie. Für mich eine eklatante Ungleichbehandlung.

    Dass die aktuelle Regelung den Gesetzen entspricht ist kein Hinderungsgrund eine Änderung anzustreben, wenn sie denn gewollt wäre. Zumindest hier scheint das nicht der Fall zu sein, ganz gleich ob diese Regelung als gerecht oder ungerecht in der Lebensrealität des 21. Jahrhunderts empfunden wird. Vielleicht haben sich aber wie so oft bei solchen Fragen nur die lautesten Diskussionsteilnehmer durchgesetzt.

  • Bisher hatte ich eigentlich nicht den Eindruck, dass es hier im Forum „ziemlich konservativ“ geprägt ist.

    Mir scheint es eher so zu sein, dass sich gerade bei diesem Thema hier nur etwa eine kleine Handvoll von absoluten Hardcorys täglich ihre „Dosis“ geben muss…Andere nehmen doch gar nicht mehr teil und lesen die dauernden Wiederholungen gar nicht mehr.

    Man kann nur die wahrnehmen, die sich äußern, das prägt das Bild, das muss natürlich keine absolute Wahrheit sein, nur kann man mit einer schweigenden Mehrheit schlecht diskutieren.

  • Bisher hatte ich eigentlich nicht den Eindruck, dass es hier im Forum „ziemlich konservativ“ geprägt ist.

    Mir scheint es eher so zu sein, dass sich gerade bei diesem Thema hier nur etwa eine kleine Handvoll von absoluten Hardcorys täglich ihre „Dosis“ geben muss…Andere nehmen doch gar nicht mehr teil und lesen die dauernden Wiederholungen gar nicht mehr.

    Ad-hominem - top Stil! Vielleicht müssten wir Hardcorys ja nicht so viel schreiben, wenn Du und andere hier nicht täglich einfach immer wieder Falschbehauptungen aufstellen würden. Klassisches Henne-Ei Problem.

  • Es ist nicht verwunderlich, dass in dieser ziemlich konservativ geprägten Bubble hier, der Status quo verteidigt werden würde.

    Jetzt werde mal nicht persönlich. 8o

    Man darf auch innerhalb einer linken Bubble mal anderer Meinung sein, insbesondere, wenn es um Gerechtigkeitsfragen geht.

    Und ich suche ernsthaft mach der Begründung, warum es fair ist, das 80/20 mehr Steuern zahlen soll als 50/50. Trotz diversester Rückfragen, konnte das noch keiner beantworten. Jeder der es versucht hat, hat eigentlich nur gezeigt, dass er es nicht verstanden hat.

    Und darum geht es doch in unserer Linken Bubble. Verteilungsgerechtigkeit - Oder?

  • Und ich suche ernsthaft mach der Begründung, warum es fair ist, das 80/20 mehr Steuern zahlen soll als 50/50. Trotz diversester Rückfragen, konnte das noch keiner beantworten. Jeder der es versucht hat, hat eigentlich nur gezeigt, dass er es nicht verstanden hat.

    Auch wenn ich nicht DIE LÖSUNG im Ärmel habe, die normale Besteuerung für Leuten mit unterschiedlichem Einkommen erfolgt nach ihrer Leistungsfähigkeit. Jemand mit 80 k zahlt mehr als einer mit 50 k. Das Ehegattensplitting weicht vom normalen ab. Warum soll das fair sein, wenn nur eine kleine Gruppe der Ehepaare davon massiv profitiert?

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