Ehegattensplitting

Das bringt eine gemeinsame Steuererklärung für Ehepaare

Das Wichtigste in Kürze

  • Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können eine gemeinsame Steuererklärung abgeben. Sie können zwischen der Zusammenveranlagung und der Einzelveranlagung wählen.
  • Entscheiden sich die Partner für die Zusammenveranlagung, gilt für sie der Splittingtarif. Das Ehegattensplitting bringt gegenüber der Einzelveranlagung meistens einen erheblichen Steuervorteil.
  • Je größer die Einkommensdifferenz der Partner und je höher der Steuersatz, umso größer der finanzielle Vorteil, der sich aus der Zusammenveranlagung ergibt. Keinen Splittingvorteil gibt es, wenn beide gleich viel verdienen.
  • Das Ehegattensplitting gilt nur für in Deutschland nicht dauernd getrennt lebende Ehepartner. Das heißt, Sie müssen verheiratet sein und dürfen nicht das komplette Jahr von Ihrem Partner getrennt leben.

So gehen Sie vor

  • Beantragen Sie die Zusammenveranlagung auf der ersten Seite des Mantelbogens der Steuererklärung. Dies ist dann eine gemeinsame Steuererklärung, die beide Partner unterschreiben müssen.
  • Es gibt einige Ausnahmefälle, in denen zwei Einzelveranlagungen unterm Strich zu weniger Steuern führen.
  • Im Jahr der Trennung können Sie und Ihr (Noch-)Partner das Ehegattensplitting noch nutzen.
  • Auch ein ernsthafter Versöhnungsversuch führt dazu, dass das Paar als nicht dauernd getrennt lebend gilt und sich zusammen veranlagen lassen darf.
  • Verwitwete profitieren in dem Kalenderjahr, das dem Todesjahr des Partners folgt, letztmals vom Splittingtarif (Witwensplitting).
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Mit dem Ehegattensplitting können verheiratete oder verpartnerte Steuerzahler ihre Zahlungen an den Fiskus deutlich reduzieren. Davon profitieren können Ehepaare und eingetragene Lebenspartner. Sie können bei der Steuererklärung zwischen der Einzel- oder Zusammenveranlagung wählen. Für sie gibt es insgesamt vier Veranlagungsvarianten: 

  • Einzelveranlagung mit Grundtarif,
  • Zusammenveranlagung mit Ehegattensplitting,
  • Sondersplitting im Scheidungsjahr und
  • Einzelveranlagung mit Verwitwetensplitting.

Welche Voraussetzungen gelten für die Zusammenveranlagung?

Gemäß Paragraf 26 Absatz 1 Einkommensteuergesetz (EStG) können Ehegatten zwischen Einzelveranlagung und Zusammenveranlagung wählen, wenn beide unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben. 

Entscheiden sich die Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner für die Zusammenveranlagung zur Einkommensteuer, gilt für sie der günstigere Splittingtarif. Ein Alleinstehender wird hingegen nach dem Grundtarif besteuert. Das Ehegattensplitting bringt Steuervorteile, insbesondere wenn sich die Einkünfte der beiden Partner stark unterscheiden. Das Veranlagungswahlrecht erfordert jedoch, dass das Ehepaar die folgenden drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt.

Nur mit Trauschein

Ausschließlich Paare mit Trauschein, ob gleich- oder verschiedengeschlechtlich, dürfen sich zusammen veranlagen lassen. Es kommt dabei auf die standesamtliche Trauung oder Eingehen einer Lebenspartnerschaft bei gleichgeschlechtlichen Paaren an. Die kirchliche Hochzeit allein zählt nicht.

Für die Zusammenveranlagung genügt es, wenn Sie auch nur einen Tag im Jahr verheiratet sind. Beispiel: Sie heiraten am 31. Dezember 2018. Damit können Sie mit Ihrem Partner für das gesamte Jahr 2018 die Zusammenveranlagung bei der Steuererklärung wählen und – je nach Einkommen – Ihre Steuerschuld dank Splitting unter Umständen deutlich senken.

Unverheiratete Paare haben keine Chance, sich zusammen veranlagen zu lassen. Das musste ein Geschäftsführer einsehen, der mehr als 110.000 Euro verdiente, während seine mit ihm zusammenlebende Partnerin nur gut 2.000 Euro im Jahr einnahm. Das Paar, das mit drei gemeinsamen und einem weiteren Kind der Frau in einem Haushalt lebt, wollte eine gemeinsame Steuererklärung abgeben. Das Finanzgericht Münster lehnte dies in seinem Urteil vom 18. Mai 2016 ab (Az. 10 K 2790/14 EF).

Auch der Bundesfinanzhof versagt Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft den Splittingtarif (BFH, Beschluss vom 26. April 2017, Az. III B 100/16).

Mit demselben Anliegen scheiterte auch die Klage einer verwitweten Alleinerziehenden (BFH, Urteil vom 29. September 2016, Az. III R 62/13). Sie legte hiergegen Beschwerde ein, über die das Bundesverfassungsgericht noch nicht entschieden hat (Az. 2 BvR 221/17).

Unbeschränkte Steuerpflicht

Beide Ehepartner müssen ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Sie müssen mehr als die Hälfte des Jahres hier wohnen, um unbeschränkt steuerpflichtig zu sein.

Wohnt ein Partner im Ausland, dann ist er beschränkt steuerpflichtig. Er kann beantragen, dass er fiktiv unbeschränkt steuerpflichtig behandelt wird. Dann wäre auch in diesem Fall eine Zusammenveranlagung möglich.

Nicht dauernd getrennt lebend

Normalerweise ist es erforderlich, dass das Paar, das eine gemeinsame Steuererklärung abgeben möchte, eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft bildet. Die meisten Eheleute leben in einem Haushalt zusammen, eine Zusammenveranlagung ist dann immer möglich.

Paragraf 26 Absatz 1 Nummer 2 EStG schreibt vor, dass die Ehegatten „nicht dauernd getrennt“ leben. Das bedeutet nicht, dass die Eheleute oder eingetragenen Partner den gleichen im Melderegister eingetragenen Wohnsitz haben müssen. Beispielsweise kann einer der Partner aus beruflichen Gründen einen anderen Wohnsitz haben.

Die Formulierung bezieht sich vor allem auf Paare, die vor der Trennung stehen. Trennen sich Eheleute im Laufe des Jahres, dann dürfen sie sich im Jahr der Trennung noch einmal gemeinsam veranlagen lassen. Leben Sie aber ein komplettes Jahr auseinander, dann muss jeder seine eigene Steuererklärung erstellen und abgeben; selbst dann, wenn die Ehe noch gar nicht geschieden ist.

Nicht selten unternehmen zerstrittene Paare einen Versöhnungsversuch. Dies honoriert der Fiskus. Probieren beide ernsthaft wieder ein gemeinsames Zusammenleben, dürfen sich die Eheleute auch in diesem Jahr wieder zusammen veranlagen lassen. Mindestens einen Monat lang sollten die beiden wieder zusammenwohnen. Ein gemeinsamer Urlaub genügt dem Finanzamt nicht als Versöhnungsversuch.

Eine Zusammenveranlagung ist sogar möglich, wenn der demente Ehepartner im Pflegeheim wohnt und der gesunde Partner bereits gemeinsam mit einer neuen Lebensgefährtin in einem gemeinsamen, neugebauten Haus lebt, inklusive Gemeinschaftsbankkonto. Dies entschied das Finanzgericht Niedersachsen in einem rechtskräftigen Urteil vom 23. Juni 2015, Az. 13 K 225/14. Das unterlegene Finanzamt hat zunächst Revision eingelegt, diese aber zurückgenommen.

Im konkreten Fall erkrankte die Ehefrau 2002 an Demenz. Ihr Mann pflegte sie bis 2008 zu Hause. Die zu 100 Prozent schwerbehinderte Frau musste jedoch dann in ein Pflegeheim verlegt werden. 2010 zog die neue Lebensgefährtin in die Wohnung des Manns ein. Ende 2010 begannen beide den Bau eines gemeinsamen Hauses, in das sie 2011 einzogen. 2014 verstarb die Ehefrau. Für die Jahre 2011 bis 2013 beantragte er die Zusammenveranlagung mit seiner im Pflegeheim lebenden Frau – ohne offenzulegen, dass er mit einer neuen Lebensgefährtin lebt.

Das Finanzamt erfuhr jedoch davon und lehnte nachträglich die Zusammenveranlagung ab. Zu Unrecht, entschieden die Finanzrichter. Sie stellten fest, dass die Trennung auf der Krankheit der Frau beruhte. Der Mann habe nie die Absicht gehabt, seine Frau zu verlassen. Er kümmerte sich über all die Jahre persönlich und finanziell um sie, zahlte die Pflegeheimkosten sowie weitere krankheitsbedingte Zusatzkosten und war zudem ihr Betreuer. Er habe daher die persönliche und geistige Gemeinschaft mit ihr soweit wie möglich aufrechterhalten. Das Gericht kam daher zu dem Schluss: „Die Zusammenveranlagung mit einem in einem Pflegeheim lebenden Ehegatten ist bei Vorliegen einer – krankheitsbedingten eingeschränkten – Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft auch dann möglich, wenn der Steuerpflichtige mit einer neuen Lebensgefährtin zusammenlebt.“

In einem anderen vergleichbaren Fall, in dem die Frau im Wachkoma lag, lehnte das Finanzgericht Köln hingegen die Zusammenveranlagung mit dem Mann ab. Dieser hatte jedoch mit seiner neuen Lebensgefährtin ein gemeinsames Kind (Urteil vom 16. Juli 2011, Az. 10 K 4736/07).

Sind homosexuelle Paare gleichgestellt?

Das Ehegattensplitting gilt auch für eingetragene Lebenspartner. Das hat das Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 7. Mai 2013 (Az. 2 BvR 909/06) entschieden.

Ehepaare und gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartner werden seit 2013 vom Fiskus steuerrechtlich gleichgestellt. Seitdem gewährt das Finanzamt auch eingetragenen Lebenspartnern das Ehegattensplitting.

Die Verfassungsrichter haben entschieden, dass die Gleichstellung der Lebenspartnerschaften sogar rückwirkend bis 2001 gilt, als das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft getreten ist. Es ordnete eine Beseitigung der Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare in noch nicht bestandskräftigen Fällen an. Eine Änderung ist demnach möglich, wenn noch kein Steuerbescheid erlassen wurde oder wenn er noch offen ist.

2017 ist zudem das Eheöffnungsgesetz in Kraft getreten, die sogenannte Ehe für alle. Demnach können gleichgeschlechtliche Paare vor dem Standesamt zivilrechtlich eine Ehe eingehen. Diese ist einer Ehe zwischen Mann und Frau gleichgestellt.

Aktuell können sich gleichgeschlechtliche Paare Hoffnung machen, dass für sie der Splittingtarif rückwirkend bis 2001 anzuwenden ist. Dies liegt an einem Urteil des Finanzgerichts Hamburg (Urteil vom 31. Juli 2018, Az. 1 K 92/18).

Zum Fall: Ein Paar ging 2001 eine Lebenspartnerschaft ein. Bis einschließlich 2012 hat das Finanzamt die beiden Partner einzeln veranlagt. Ab 2013 profitierten sie von der Änderung im Einkommensteuergesetz und wurden zusammen veranlagt. Im Herbst 2017 wandelten sie ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe um. Daraufhin beantragten sie, dass sie auch für die Jahre 2001 bis 2012 zusammen veranlagt werden. Dies lehnte das Finanzamt ab, weil die Steuerbescheide bestandskräftig und damit nicht mehr änderbar seien.

Die hiergegen gerichtete Klage des Ehepaares war erfolgreich. Das FG Hamburg entschied, dass die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe ein rückwirkendes Ereignis im Sinne von Paragraf 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Abgabenordnung sei.

Die beiden Steuerpflichtigen seien nach der Umwandlung ihrer Lebenspartnerschaft in eine Ehe so zu stellen, als ob sie bereits beim Eingehen der Lebenspartnerschaft geheiratet hätten. Deshalb hat das FG Hamburg das Finanzamt angewiesen, die Steuerbescheide von 2001 bis 2012 dahingehend zu ändern, dass das Ehepaar für alle Jahre ihrer Lebenspartnerschaft zusammen veranlagt wird.

Das unterlegene Finanzamt hat allerdings Revision eingelegt. Nun muss der Bundesfinanzhof entscheiden (BFH, Az. III R 57/18). Bestätigt dieser das Urteil, bekommt das Paar wegen des Ehegattensplittings eine hohe Steuererstattung. Dann eröffnet die Umwandlung der Lebenspartnerschaft in eine Ehe die Chance auf eine rückwirkende Zusammenveranlagung. Mit einer Entscheidung des BFH ist erst im Laufe des Jahres 2020 zu rechnen.

Was bringt die Zusammenveranlagung?

Vor allem die Anwendung des Splittingverfahrens zur Ermittlung der Steuerschuld ist für viele Paare finanziell attraktiv und daher der größte Vorteil einer Zusammenveranlagung. Ihre wichtigsten Merkmale sind:

  • Im Rahmen der Zusammenveranlagung werden die Einkünfte der Ehegatten/Lebenspartner zwar getrennt ermittelt, dann aber zusammengerechnet und als gemeinsame Einkommensteuererklärung beim Finanzamt abgegeben. Beide gelten als ein Steuerpflichtiger und erhalten einen gemeinsamen Steuerbescheid.
  • Die Steuer wird für die Ehegatten/Lebenspartner zusammen nach dem Splittingverfahren berechnet. Das heißt: Für die Hälfte des gemeinsamen Einkommens wird die Steuer gemäß Grundtabelle berechnet und dann verdoppelt. Dadurch ergibt sich in der Regel eine niedrigere Steuerschuld als bei der Einzelveranlagung.
  • Das Splittingverfahren gewährt den größten Vorteil gegenüber der Einzelveranlagung, falls nur ein Ehegatte/Lebenspartner Einkünfte erzielt. Kein Vorteil ergibt sich, wenn beide Partner gleich hohe Einkünfte erzielen.
  • Beide haften gemeinsam für die insgesamt zu zahlende Einkommensteuer. Der eine Partner muss also für die Steuerschuld geradestehen, die rechnerisch auf den anderen Partner entfällt.

Wie wird die Steuer beim Splittingtarif berechnet?

Haben Sie sich für die Zusammenveranlagung entschieden, wird die Einkommensteuer nach dem Splittingverfahren auf der Grundlage von Paragraf 26b und Paragraf 32a EStG berechnet. Hierbei wird die Splittingtabelle herangezogen.

Die Steuerschuld nach dem Splittingtarif können Sie folgendermaßen ermitteln:

Zunächst berechnen Sie für beide Partner das gemeinsame zu versteuernde Einkommen. Frei- und Pauschbeträge werden verdoppelt. Werbungskosten und alle anderen steuerlich abzugsfähigen Positionen wurden abgezogen. Das so ermittelte zu versteuernde Einkommen halbieren Sie. Auf diesen Betrag wenden Sie den Grundtarif an. Das heißt, Sie übernehmen die Einkommensteuer aus der Grundtabelle des jeweiligen Steuerjahres. Der doppelte Betrag ergibt die Steuer nach dem Splittingtarif.

In den meisten Fällen führt die Zusammenveranlagung nach der Splittingtabelle dazu, dass die zu zahlende Einkommensteuer niedriger ist als bei Einzelveranlagungen der beiden Partner. Der Grund hierfür ist die Steuerprogression: Mit der Höhe der Einkünfte steigt die Einkommensteuerlast nicht linear, sondern überproportional.

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Wann sich die Zusammenveranlagung richtig lohnt

Je größer der Einkommensunterschied zwischen den Ehepartnern ist, desto höher ist der finanzielle Vorteil, der sich aus einer gemeinsamen Veranlagung in der Einkommensteuererklärung im Vergleich zur Einzelveranlagung ergibt. Besonders lukrativ ist die Zusammenveranlagung, wenn ein Partner ein sehr hohes Einkommen hat und der andere gar keins.

Am höchsten fällt der Splittingvorteil aus, wenn zu der Einkommensdifferenz noch ein hoher Steuersatz kommt. Bei sehr hohem Einkommen kann der Steuervorteil über 9.000 Euro betragen – in Extremfällen kann daraus sogar ein fünfstelliger Betrag resultieren.

Für die Mehrheit der Ehepaare ist die Zusammenveranlagung vorteilhafter. Die beantragen Sie im Mantelbogen der Steuererklärung. Kreuzen Sie als Paar nichts an, dann wird das Finanzamt Sie zusammen veranlagen. Wenn Sie Papierformulare ausfüllen, dann müssen beide Partner unterschreiben.

Es gibt jedoch einige Konstellationen, in denen steuerlich die Einzelveranlagung günstiger ist, als wenn sich das Paar zusammen veranlagen lässt. Zum Beispiel, wenn ein Ehegatte Elterngeld oder eine andere Lohnersatzleistung bezogen hat. Wann noch, können Sie im Ratgeber Einzelveranlagung lesen.

Bei der Einzelveranlagung wird die Einkommensteuer nach der Grundtabelle berechnet, bei der Zusammenveranlagung nach der Splittingtabelle.

Die folgende Tabelle bietet einen Vergleich von Grund- und Splittingtabelle für verschiedene zu versteuernde Einkommen:

Zu versteuerndes EinkommenGrundtabelleSplittingtabelle
10.000 €149 €0 €
20.000 €2.467 €298 €
30.000 €5.348 €2.382 €
40.000 €8.670 €4.934 €
50.000 €12.432 €7.704 €
60.000 €16.578 €10.696 €
70.000 €20.778 €13.908 €
80.000 €24.978 €17.340 €

Quelle: Einkommensteuerrechner des BMF, Grund- und Splittingtabelle für das Jahr 2018

Ein Alleinstehender, der ein zu versteuerndes Einkommen von 50.000 Euro hat, wird einzeln veranlagt und zahlt 12.432 Euro Einkommensteuer. Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner zahlen bei Zusammenveranlagung und einem gemeinsamen Einkommen von 50.000 Euro nur 7.704 Euro Einkommensteuer – und damit 4.728 Euro weniger (Werte beziehen sich auf das Steuerjahr 2018).

Zusammen veranlagte Partner können ihre zu zahlende Einkommensteuer aus der Splittingtabelle ablesen. Für jedes Jahr gibt es eine neue. Einige Anbieter stellen solche Tabellen im Internet kostenlos zur Verfügung. Die Tabellenwerte beziehen sich auf das zu versteuernde Einkommen. Dieses ist niedriger als das Bruttoeinkommen.

Sie müssen also zunächst das zu versteuernde Einkommen ermitteln oder abschätzen. Denn Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerkosten und gegebenenfalls weitere Positionen mindern die steuerliche Bemessungsgrundlage.

Ohne Hilfsmittel ist es schwierig, das genaue zu versteuernde Einkommen zu berechnen. Dieses benötigen Sie jedoch, wenn Sie den Einkommensteuerrechner des Bundesfinanzministeriums (BMF) nutzen wollen. Damit können Sie für jedes Steuerjahr Ihre Einkommensteuer und den Solidaritätszuschlag berechnen – sowohl als Verheirateter als auch als Alleinstehender. Die jeweiligen Splitting- und Grundtabellen sind hinterlegt.

Falls Sie es genauer wissen möchten, sollten Sie Steuersoftware nutzen. Gute Steuerprogramme beinhalten komfortable Rechner. Die Programme, die wir empfehlen, finden Sie im Ratgeber Steuersoftware.

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Udo Reuß
von Finanztip,
Experte für Steuern

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Wie viel kann das Ehegattensplitting bringen?

Die folgenden Beispiele verdeutlichen den finanziellen Vorteil, der sich bei unterschiedlich hohen Einkommen von Partnern aufgrund der Zusammenveranlagung gegenüber Einzelveranlagung ergibt. Das Paar hat in allen Konstellationen zusammengerechnet 60.000 Euro zu versteuerndes Einkommen.

Grundtabelle SplittingtabelleVorteil
(Einzelveranlagung) (Zusammenveranlagung)Splittingtabelle
zvE* 1Steuer 1 zvE* 2 Steuer 2 Steuer gesamt
30.000 €5.348 € 30.000 € 5.348 € 10.696 € 10.696 €0 €
40.000 €8.670 € 20.000 € 2.634 € 11.137 € 10.696 €441 €
50.000 €12.432 € 10.000 € 256 € 12.581 € 10.696 €1.885 €
60.000 €16.578 € 0 € 0 € 16.578 € 10.696 €5.882 €

* zvE = zu versteuerndes Einkommen für Partner 1 bzw. für Partner 2
Quelle: Einkommensteuerrechner des BMF, Grund- und Splittingtabelle des BMF für das Jahr 2018, eigene Berechnung  

Die Tabelle verdeutlicht, dass die Zusammenveranlagung für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner besonders vorteilhaft ist, wenn die Einkommensunterschiede zwischen ihnen sehr groß sind.

Was ist das Witwensplitting?

Verwitwete und Geschiedene müssen sich einzeln veranlagen lassen. Doch sie können dennoch in bestimmten Fällen vom Splittingtarif profitieren.

Ein solcher Sonderfall ist das sogenannte Witwensplitting, auch Gnadensplitting genannt. Stirbt einer der Gatten, gewährt das Finanzamt dem Überlebenden den Splittingtarif im Todesjahr und ein letztes Mal im Folgejahr. Dies gilt, wenn zum Zeitpunkt des Todes des Partners die Voraussetzungen für die Zusammenveranlagung gegeben waren (§ 32a Absatz 6 Nummer 1 EStG).

Beispiel: Der Ehemann stirbt 2018. Für das Jahr 2018 ist eine Zusammenveranlagung möglich, ab 2019 nur noch eine Einzelveranlagung. Die Witwe kann aber für die Jahre 2018 und 2019 den Splittingtarif nutzen.

Was ist das Sondersplitting im Scheidungsjahr?

Vierte und letzte Form der Veranlagung ist das Sondersplitting im Scheidungsjahr. Diese kommt dann vor, wenn sich ein Ehepaar scheiden lässt und einer der beiden heiratet in demselben Jahr erneut. Der Wiederverheiratete darf sich in diesem Jahr nur mit seinem neuen Partner zusammen veranlagen lassen; bezüglich seines Expartners muss er sich nach dem Grundtarif besteuern lassen.

Der unverheiratete Expartner kann sich nur einzeln veranlagen lassen. Dennoch wird bei ihm der günstigere Splittingtarif angewendet. Dies ist das Sondersplitting im Scheidungsjahr.

Wann können Sie die Veranlagungsart ändern?

Sie entscheiden jedes Jahr aufs Neue mit der Steuererklärung, ob Sie sich einzeln oder zusammen veranlagen lassen wollen. Die gewählte Veranlagungsart gilt nur für das betreffende Steuerjahr. Sie kann noch geändert werden, solange der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist. Es verbleibt demnach nur die einmonatige Einspruchsfrist für eine Korrektur.

Nachdem der Bescheid Bestandskraft erlangt hat, kann die Veranlagungsart nur noch ausnahmsweise geändert werden, sofern

  • ein Steuerbescheid der Ehegatten/Lebenspartner aufgehoben, geändert oder berichtigt wird und
  • die Änderung der gewählten Veranlagungsart dem Finanzamt mitgeteilt wird, bevor der Änderungs- oder Berichtigungsbescheid Bestandskraft erlangt und
  • die Einkommensteuer der Ehegatten/Lebenspartner nach Änderung der Veranlagungsart niedriger ist, als sie ohne diese Änderung wäre. Die Einkommensteuer der einzeln veranlagten Partner wird dabei zusammengerechnet.

Die drei Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein.

Mehr dazu im Ratgeber Steuererklärung

Udo Reuß
von Finanztip,
Experte für Steuern

Das Wichtigste zur Einkommensteuer:

  • Welche Formulare Sie bis wann ausfüllen müssen.
  • Wer eine Steuererklärung abgeben muss – und wer sollte.
  • Welche Ausgaben die Steuern mindern.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.