Unterhaltsleistungen Ex

Unterhaltsleistungen an den Ex als Sonderausgaben absetzen

Hermann-Josef Tenhagen Stand: 14. April 2014
Das Wichtigste in Kürze
  • Unterhaltsleistungen wie Trennungsunterhalt oder Ehegattenunterhalt nach der Scheidung an Ihre Expartnerin oder Ihren Expartner können Sie als Sonderausgaben von der Steuer absetzen – Fachleute sprechen vom Realsplitting.
  • Die Regelungen gelten für Ehepaare, die dauerhaft getrennt leben oder geschieden sind, aber auch für eingetragene Partnerschaften, die beendet werden oder wurden.
  • Sie können Ausgaben von bis zu 13.805 Euro im Jahr geltend machen. Hinzu kommen noch eventuelle Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung Ihres Expartners.
  • In Gegenzug muss der Empfänger der Zahlungen die Einnahmen als sonstige Einkünfte versteuern.
  • Deshalb ist ein Sonderausgabenabzug nur mit Zustimmung Ihres Expartners möglich, die Sie notfalls gerichtlich erstreiten müssen. Scheitern Sie damit, sollten Sie versuchen, Ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen geltend zu machen.

Zahlen Sie Trennungsunterhalt oder Ehegattenunterhalt nach der Scheidung an eine frühere Partnerin oder einen Partner aus einer Ehe oder einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, können Sie die Aufwendungen laut Einkommensteuergesetz als Sonderausgaben geltend machen, und zwar in Höhe von bis zu 13.805 Euro im Jahr. Hinzu kommen noch Beiträge, die Sie eventuell für die Kranken- oder Pflegeversicherung Ihres Expartners gezahlt haben.

Das geht bereits im Trennungsjahr. Nötig ist allerdings die Zustimmung des Expartners. Denn er oder sie muss im Gegenzug das erhaltene Geld als sonstige Einnahmen in der Einkommensteuererklärung angeben. Im Fachjargon heißt das Realsplitting.

Was Sie absetzen können

Grundsätzlich können Sie den Unterhalt, den Sie an Ihren Expartner überweisen, vollständig ansetzen – und zwar bereits den sogenannten Trennungsunterhalt. Sie müssen also nicht erst warten, bis die Scheidung durch ist, um Ihren Steuervorteil zu nutzen.

Sollten Sie Beiträge für Ihren Expartner in dessen Kranken- oder Pflegeversicherung gezahlt haben, können Sie auch diese Aufwendungen steuermindernd geltend machen. In diesem Fall zählt die Summe ebenfalls zu den Sonderausgaben.

Einigung mit dem Expartner nötig

Damit Sie die Ausgaben für den Unterhalt geltend machen können, müssen Sie und Ihr Expartner die Anlage U zur Einkommensteuererklärung nicht nur ausfüllen, sondern auch gemeinsam unterschreiben. Damit stimmt der Empfänger der Zahlungen gleichzeitig zu, die Summe als sonstige Einnahmen zu versteuern – sie müssen in der Anlage SO seiner oder ihrer Einkommensteuererklärung eingetragen werden. Die Zustimmung Ihres Expartners gilt mit der Unterschrift unter Ihrer Anlage U als erteilt, und zwar jeweils für ein Steuerjahr. Dieses Realsplitting kann im Laufe des Jahres nicht widerrufen werden.

Weigert sich Ihr Expartner zu unterschreiben, können Sie seine Zustimmung vor Gericht einklagen. Sinnvoller ist es aber, alles zu tun, um die Unterschrift freiwillig zu bekommen. Dazu könnten Sie zum Beispiel anbieten, ihn an Ihrem Steuervorteil durch den Sonderausgabenabzug zu beteiligen. Selbst in diesem Fall kann sich der nämlich lohnen – weil sich Ihre Steuerprogression und damit Ihre Steuerlast durch das Absetzen des Unterhalts als Sonderausgaben voraussichtlich erheblich mindern wird.

Wenn der Expartner in Ihrer Immobilie wohnt

Sollte Ihr Expartner mietfrei eine Wohnung nutzen, die Ihnen gehört, können Sie darüber hinaus den Mietwert als Sonderausgaben absetzen. Gehört die Immobilie Ihnen beiden, können Sie die verbrauchsabhängigen Kosten für den Miteigentumsanteil Ihres Expartners ansetzen, wenn Sie sie aufgrund der Trennungsvereinbarung mitgetragen haben.

Möglicherweise zahlt Ihr Expartner Ihnen auch Miete, die aber geringer ist als die, die Sie regulär erzielen könnten. Dann können Sie diesen Verlust mit anderen Einkünften verrechnen. Das geht sogar, wenn die Mietzahlungen mit dem von Ihnen zu leistenenden Barunterhalt verrechnet werden. Sie können auch dann vom Sonderausgabenabzug profitieren, wenn Sie die Wohnung Ihrem Expartner aufgrund der Trennungsvereinbarung unentgeltlich überlassen und sich dadurch der zu zahlende Barunterhalt verringert. Allerdings erkennt das Finanzamt in diesem Fall das Mietverhältnis nicht an. Verluste sind dann nicht mit anderen Einkünften verrechenbar.

Autor
Hermann-Josef Tenhagen

Stand: 14. April 2014


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