Wechsel in PKV?

  • Wenn man sich die Zahlen anschaut und du alles rchtig gerechnet haben solltest, dann hätte ich auch größte Bedenken, in die PKV zu wechseln. Über 1,5 Mio Unterschied mit 85 ist schon ne Hausnummer!

    Für mein Gefühl betrachtest du die Beitragsentwicklungen aber auch etwas zu GKV-freundlich. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass sich beide Systeme und deren Beiträge in den nächsten 20 Jahren weiter so entwickeln, wie sich sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Das große Problem der demographischen Entwicklung kommt erst in den nächsten Jahren so richtig und wird v.a. die GKV treffen. Bei deiner Berechnung driften beide Systeme ja v.a. ab Renteneintritt auseinander. Wie schon geschrieben, bezweifle ich z.B. stark, dass es die KVdR noch in der aktuellen Form gibt, wenn wir in Rente gehen werden. Aber das ist natürlich alles nur Spekulation...

  • Wie schon geschrieben, bezweifle ich z.B. stark, dass es die KVdR noch in der aktuellen Form gibt, wenn wir in Rente gehen werden.

    Das letzte Stündchen der KVdR - also der beitragsfreien Miet- und Kapitalerträge - beginnt dann zu schlagen, wenn sie sich (Bundestags-)mehrheitlich sicher sind, die PKV als "substitutive" KV zur Strecke gebracht zu haben. Spätestens in der folgenden Legislaturperode ist Feierabend - oder wenn man so will, Schluss mit Lustig - für sich wohlhabend bis reich einordnende KVdRler, die neben einer beitragssparenden Minirente noch fünf bis achtzig Vermieteinheiten ihr eigen nennen.

    Und nein, dann nix Bestandsschutz, genau wie weiland 2004 bei Betriebsrenten und BAV unter BMG Schmulla ..., sorry Ulla Schmidt.

    Wetten?8)

    Auch das kleinere von zwei Übeln kann ein größeres sein.

  • Wie schon von jemandem erwähnt verringert sich auch im Rentenalter das zu versteuernde Einkommen durch die Zahlung der PKV Beiträge. Sonstige Kosten die du evtl noch nicht einbezogen hast: Zuzahlung zu Medikamenten, Physiotherapie, Zahnarzt bzw die dann nötige Zahnzusatzversicherung.

    Ich bin selbst in der PKV. Nicht weil ich momentan weniger zahle, wie mein Partner mit gleichem Gehalt, sondern durch die bessere Versorgung. Ich habe mehrere Beispiele im Familien/Bekanntenkreis und auch an mir selbst erlebt. Ich weiß dass ich jetzt schon einrechnen und sparen muss, was später in der Rente zusätzlich auf mich zukommt, aber das ist es mir wert. Viel Glück dir, dass du die richtige Entscheidung triffst ☺️

  • Wenn man sich die Zahlen anschaut und du alles rchtig gerechnet haben solltest, dann hätte ich auch größte Bedenken, in die PKV zu wechseln. Über 1,5 Mio Unterschied mit 85 ist schon ne Hausnummer!

    Für mein Gefühl betrachtest du die Beitragsentwicklungen aber auch etwas zu GKV-freundlich. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass sich beide Systeme und deren Beiträge in den nächsten 20 Jahren weiter so entwickeln, wie sich sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Das große Problem der demographischen Entwicklung kommt erst in den nächsten Jahren so richtig und wird v.a. die GKV treffen. Bei deiner Berechnung driften beide Systeme ja v.a. ab Renteneintritt auseinander. Wie schon geschrieben, bezweifle ich z.B. stark, dass es die KVdR noch in der aktuellen Form gibt, wenn wir in Rente gehen werden. Aber das ist natürlich alles nur Spekulation...

    Ich versuche es für mich auch in alle Richtungen zu plausibilisieren - alles andere als einfach.

    Zwei Änderungen habe ich in meiner Kalkulation noch eingebaut:

    1. Ich gehe davon aus, dass es bis zu meinem Renteneintritt noch 1% Steigerung der gesetzlichen Rente gibt (bisher 0% angenommen) --> hilft der PKV im Vergleich.
    2. Die jährl. Beitragssteigerung von gesetzl. KV & PV habe ich von 0,2% auf 0,4% erhöht. Das entspricht einem Beitragssatz von 31,6% im Jahr 2053 --> hilft ebenfalls der PKV.

    Bei 900€ Startbeitrag und 5% Steigerung der PKV ist das Delta dann 1 M€ bis 2053.

    Ich frage mich natürlich, ob ich noch schlechtere Werte für die GKV einsetzen soll, aber ist das realistisch? Bei 31,6% war es das mit dem Wirtschaftsstandort. Dann bin ich wieder bei meinem vorherigen Post mit Lobbygruppen.

    Hallo Sternich,

    Danke für deine Rechnung, die Zahlen sehen erst mal eindrucksvoll aus.

    Hast du die geringere Einkommensteuer aus dem Rechner aus Beitrag 27 auch irgendwie einfließen lassen? Ich denke dieser Posten würde den Unterschied nach der Rente noch etwas abmildern.


    VG

    Ja, habe ich. Ich bin für mich von einem Steuersatz von 23% ausgegangen.


    Auch hier werden die meisten Menschen getäuscht: es gibt weder einen Arbeitgeber- noch einen Arbeitnehmerbeitrag. Beides sind Lohnkosten, die der Arbeitnehmer erwirtschaften muss. Es fühlt sich den Arbeitnehmer eben besser an, wenn der sog. AG-Beitrag auf dem Lohnzettel nicht erscheint. Man könnte ja auch ein höheres Bruttogehalt ausweisen und den wirklichen Betrag, der an die GKV geht. Aber dann würde der AN ja mitbekommen, wie hoch seine Abzüge wirklich sind.

    Stimmt, aber ändert am Ende nichts: Das ist Geld, welches der AG zusätzlich erwirtschaften muss, also zusätzliche Kosten. Wenn er das über die Beschäftigung des AN nicht schafft, dann wird er ins Ausland gehen. Also Kategorie Wertbewerbsfähigkeit.

    Wie schon von jemandem erwähnt verringert sich auch im Rentenalter das zu versteuernde Einkommen durch die Zahlung der PKV Beiträge. Sonstige Kosten die du evtl noch nicht einbezogen hast: Zuzahlung zu Medikamenten, Physiotherapie, Zahnarzt bzw die dann nötige Zahnzusatzversicherung.

    Korrekt, dafür habe ich bei der PKV keine Selbstbehalte angenommen. Wie hast du die Rechnung damals gemacht? Von welchen Annahmen bist du ausgegangen (Kosten, wie viel Geld monatlich zur Seite gelegt werden muss etc)?

    Mich würde auch interessieren, wie dein aktueller Überlegungsstand ist PapaPacini. Schon aktiv geworden oder eine Tendenz?

    Schöne Ostern euch! :)

  • Rechnung damals gemacht? Von welchen Annahmen bist du ausgegangen (Kosten, wie viel Geld monatlich zur Seite gelegt werden muss etc)?

    So genau habe ich das jetzt nicht gemacht. Ich versuche halt diese Mehrkosten in der Berechnung meiner Rentenlücke und den damit resultierenden Vermögens-Zielwert einzukalkulieren. Dabei berechne ich die Verringerung des zu versteuernden Einkommens und den Zuschuss durch die RV natürlich mit ein.

  • Mich würde auch interessieren, wie dein aktueller Überlegungsstand ist PapaPacini. Schon aktiv geworden oder eine Tendenz?

    Ich bin weiter unentschlossen und habe auch schon überlegt, eine Münze zu werfen ;)

    Ich glaube wirklich rational kann man diese Entscheidung nicht wirklich treffen, da es einfach zu viele unbekannte Variablen gibt und wir alle nicht wissen, wie es in 20 Jahren aussieht.

    Im Vergleich der beiden Systeme PKV und GKV tendiere ich aktuell eher in Richtung PKV. Ich finde die PKV (Selbstbeteiligung, Beitragsrückerstattung, Abrechnung zwischen Arzt und Patient) ist deutlich effizienter. Die PKV-Versicherten bekommen ein Gefühl dafür, was Gesundheitsleistungen wirklich kosten und überlegen sich es bei manchen Sachen auch zweimal, ob sie dafür z.B. wirklich ins Krankenhaus laufen, den Rettungsdienst rufen oder auch überhaupt zum Arzt gehen. Die GKV ist für viele ein All-inclusive Programm, bei dem man sich alles leisten kann, ohne mit finanziellen Konsequenzen leben zu müssen. Ich habe es z.B. leider im Krankenhaus oft genug erleben müssen, wie lieber der Krankenwagen gerufen wird, um in die Klinik zu kommen und nicht das Taxi, da dieser ja umsonst ist. Auch wenn es sich nicht um einen Notfall handelt und man auch gut hätte beim Hausarzt behandelt werden können.

    Dieser Punkt zusammen mit meiner Angst vor der demographischen Entwicklung (weniger Beitragszahler UND v.a. viel mehr Alte mit masssiv höheren Gesundheitskosten) lässt mich für die GKV in Zukunft einfach schwarz sehen.

    Auf der anderen Seite schrecken mit natürlich Rechnungen, wie z.B. von dir mit finanziellen Unterschieden von über 1 Mio nach 40 Jahren schon auch ab...

  • Aber vielleicht täusche ich mich und es gibt irgendwann eine Regierung, die rechtzeitig mit einer großen Gesundheitsreform interveniert.

    Für eine rechtzeitige Intervention müsste ein Zeitreise zurück in die 70 / 80-er Jahre möglich sein. Mit einer grossen Tüte "Mut und Schläue für politische Entscheider".

  • Ich weiß dass ich jetzt schon einrechnen und sparen muss, was später in der Rente zusätzlich auf mich zukommt, aber das ist es mir wert.

    -> PapaPacini, genau hier liegt das Problem. Vielleicht nimmt man sich das tatsächlich vor (ich war beim Wechsel in die PKV Mitte/Ende 20 und wer denkt in diesem Alter schon so weit?), aber dann kommt das wirkliche Leben dazwischen und man tut es doch nicht. 40 Jahre später können dann böse Überraschungen kommen.

    Auch das zutreffende Argument, dass man als PKV-Patient, womöglich noch mit hohem Selbstbehalt, nicht wegen jedem Pipifax zum Arzt rennt, kann einem auf die Füße fallen.

  • Ich bin weiter unentschlossen

    ...

    Im Vergleich der beiden Systeme PKV und GKV tendiere ich aktuell eher in Richtung PKV.

    Lausche mal in dich hinein, inwiefern du dich mit einer privaten Zusatzversicherung anfreunden kannst. Da gibt es verschiedene Leistungsumfänge. Oder du beginnst damit, Geld zu sparen für Selbstzahler-Leistungen. Mit vier...fünfstelligen Beträgen lassen sich etliche Termine oder Behandlungen aus eigener Tasche zahlen.

  • Konntest du denn immer aus deiner Praxis, also aus der Ferne, beurteilen, ob ein Taxi gereicht hätte?

    In den meisten Fällen schon. Während meiner Klinikzeit habe ich in solchen Fällen oft nachfragt, warum denn der Rettungswagen gerufen wurde. Man glaubt es kaum, aber das Argument, dass das Taxi so teuer wäre, kam immer wieder...

  • Auch das zutreffende Argument, dass man als PKV-Patient, womöglich noch mit hohem Selbstbehalt, nicht wegen jedem Pipifax zum Arzt rennt, kann einem auf die Füße fallen.

    Hatte vergessen, dass Du selbst Arzt bist ... na dann kannst Du vermutlich unterscheiden, was bei eigenen Beschwerden oder denen der Kinder Pipifax ist und was wirklich gleich abgeklärt werden sollte. Dieser Einwand von mir entfällt also.

    Ich sehe aber auch, dass Ihr noch so jung seid, dass womöglich noch ein Kind kommt, das ggf. auch privatversichert werden müsste - wie sieht die Rechnung dann aus?

  • na dann kannst Du vermutlich unterscheiden, was bei eigenen Beschwerden oder denen der Kinder Pipifax ist und was wirklich gleich abgeklärt werden sollte. Dieser Einwand von mir entfällt also.

    Ich sehe aber auch, dass Ihr noch so jung seid, dass womöglich noch ein Kind kommt, das ggf. auch privatversichert werden müsste - wie sieht die Rechnung dann aus

    Das ist natürlich die Kehrseite und auch ein Punkt, vor dem ich ehrlich gesagt ein bisschen Angst habe. Nämlich, dass man zu geizig ist und wegen SB/BRE eigentlich sinnvolle bzw. notwendige Untersuchungen aufschiebt und sich immer einredet, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Als Mediziner ist man entweder Hypochonder und lässt alles und jedes untersuchen, oder man bagatellisiert alles, macht alles selbst und geht nie zu seinen Kollegen. Wir gehören eher zur zweiten Kategorie ;)

    Mit einem dritten Kinds würde sich die Rechnung natürlich bezüglich PKV weiter verschlechtern. Im Gegensatz zu der Rechnung von Sternich wäre die PKV aktuell sogar trotz der beiden Kids etwas günstiger und wäre dann mit einem dritten (was nicht geplant ist!) etwa auf GKV-Niveau bzw. minimal drüber.

  • Ich bin weiter unentschlossen und habe auch schon überlegt, eine Münze zu werfen ;)

    Ich glaube wirklich rational kann man diese Entscheidung nicht wirklich treffen, da es einfach zu viele unbekannte Variablen gibt und wir alle nicht wissen, wie es in 20 Jahren aussieht.

    Schaut so aus, ja.

    Die PKV-Versicherten bekommen ein Gefühl dafür, was Gesundheitsleistungen wirklich kosten und überlegen sich es bei manchen Sachen auch zweimal, ob sie dafür z.B. wirklich ins Krankenhaus laufen, den Rettungsdienst rufen oder auch überhaupt zum Arzt gehen. Die GKV ist für viele ein All-inclusive Programm, bei dem man sich alles leisten kann, ohne mit finanziellen Konsequenzen leben zu müssen. Ich habe es z.B. leider im Krankenhaus oft genug erleben müssen, wie lieber der Krankenwagen gerufen wird, um in die Klinik zu kommen und nicht das Taxi, da dieser ja umsonst ist. Auch wenn es sich nicht um einen Notfall handelt und man auch gut hätte beim Hausarzt behandelt werden können.

    Die Argumentation kann ich einerseits verstehen, wenn man sehr "verantwortungsvolle" Bürger voraussetzt, die sehr sparsam sind und jede Behandlung zuvor kritisch hinterfragen. Aber im Grunde ist doch die PKV genauso ein All-Inclusive Programm (vom Selbstbehalt abgesehen). Meine Denke wäre wahrscheinlich auch eher: "Jetzt zahle ich schon so viel für die bessere Behandlung. Dann nutze ich es im Zweifel auch."

    Ich bin aber zu 100% dabei, dass die GKV deutlich mehr Eigenverantwortung fordern muss. Manche Gemeinden/Kreise haben ja schon angefangen, Pauschalen für Krankenwagentransporte zu fordern. Vermutlich genau aus dem genannten Grund.

    Auf der anderen Seite schrecken mit natürlich Rechnungen, wie z.B. von dir mit finanziellen Unterschieden von über 1 Mio nach 40 Jahren schon auch ab...

    Wobei man natürlich dazu erwähnen muss, dass 1M€ in 2071 in heutiger Kaufkraft "nur" ~400.000€ entsprechen.

  • im Grunde ist doch die PKV genauso ein All-Inclusive Programm (vom Selbstbehalt abgesehen). Meine Denke wäre wahrscheinlich auch eher: "Jetzt zahle ich schon so viel für die bessere Behandlung. Dann nutze ich es im Zweifel auch."

    In der PKV ist abgesichert, was im Vertrag vereinbart wurde. Nur das bezahlt die Versicherung. Das ist oft kein All-Inclusive.

    In meinem Fall prüfe ich:

    Wieviel der Arztrechnungen bezahle ich selber pro Jahr, um die Beitragserstattung für das nächste Jahr zu erhalten? (Da geht es um 1 bis 3 Monatsbeiträge, also ca. 700 bis 2100€) Ab wann ist es wirtschaftlich klüger, die Rechnungen einzureichen? Aus meiner Wahrnehmung hat das eine steuernde Wirkung auf die Arztbesuche. Vorsorgeuntersuchungen übernimmt meine Versicherung (Hallesche), dafür gibt es sogenannte Vorsorgegutscheine.

  • Sternich

    Könntest du mir bitte noch einmal bzgl. deiner Rechnung helfen. Ich kann deine Rechnung bzw. die im Ergebnis sehr hohen Unterschiede in der Rente so ganz nicht nachvollziehen.

    Was hast du hier angenommen?

    Wie hoch ist die monatliche Differenz bei deiner Rechnung zwischen PKV und GKV? Bzw. besser wie viel netto Unterschied hättest du in der Rente, wenn man die steuerlichen Aspekte mit einbezieht bzw. den hier dem Verlauf hinterlegten Rentenrechner nutzt.


    VG

  • Mit einem dritten Kinds würde sich die Rechnung natürlich bezüglich PKV weiter verschlechtern. Im Gegensatz zu der Rechnung von Sternich wäre die PKV aktuell sogar trotz der beiden Kids etwas günstiger und wäre dann mit einem dritten (was nicht geplant ist!) etwa auf GKV-Niveau bzw. minimal drüber.

    Wenn denn die Familienversicherung als großer Kostenblock in der GKV erhalten bleibt.

    Taxation is not charity. It is not voluntary. As we shrink the state and make government smaller, we will find that more and more people are able to take care of themselves.

    Grover Norquist

  • Wenn denn die Familienversicherung als großer Kostenblock in der GKV erhalten bleibt.

    Genau das ist das Hauptproblem, das ich mit der GKV habe! Man versucht eine Rechnung für die nächsten Jahre (bzw. Jahrzehnte) aufzustellen, versucht möglichst viele Variablen zu berücksichtigen, entscheidet sich aus finanziellen Gründen für die GKV (z.B. Stichwort 1 Mio Unterschied in der Rentenzeit) und dann werden die Bedingungen nach ein paar Jahren geändert und somit die gesamte Rechnung über den Haufen geworfen.

    Klar könnte man auch dann noch wechseln, wenn sich die Bedingungen in der GKV für einen relevant verschlechtert haben, aber der Wechsel wird mit jedem Jahr teurer und evtl. auch aufgrund von hinzugekommenen Erkrankungen nicht mehr möglich.

  • Ich mache mal zwei Rechenbeispiele. Eins vor und eins nach der Rente.

    Starten wir vor der Rente, sagen wir für das Jahr 2036, d.h. in 10 Jahren. Um eine Prognose für 2036 abzugeben, muss man natürlich ein paar Annahmen treffen.

    GKV vor Rente, Beispiel für Jahr 2036

    Die BBG sollte im Jahr 2026 bei 3,5% jährlicher Steigerung bei 69,75k * (1 + 0,035)10 = 98.389€ liegen. Der Beitragssatz für Kranken- und Pflegeversicherung sollte bei jährl. Steigerung um 0,4% bei (14.6% + 2,59% + 3.6%) + 10 * 0,4% = 24,8% liegen. D.h. brutto würden 0,248 * 98,389€ = 24.400€ fällig. Mein AG übernimmt davon die Hälfte, mein Eigenanteil beträgt dann 12.200€. Diesen Anteil kann ich vollständig von der Steuer absetzen. Da ich weit im Höchststeuersatz von 42% bin, entspricht das 5.124€ Steuerreduktion. Netto bezahle ich also 12.200€ - 5.124€ = 7.076€ im Jahr bzw. 589€ pro Monat.

    PKV vor Rente, Beispiel für Jahr 2036

    Ich gehe von einem monatlichen Start-Versicherungsbeitrag von 900€ für mich heute, also 2026, aus. Bei 5% jährl. Steigerung (ich bin Angestellter ohne Beihilfe --> halte ich für realistisch) entspräche das in 10 Jahren 900€ * (1,05)10 = 1.466€.
    Für ein Kind gehe ich von einem monatlichen Startbeitrag von 250€ im Jahr 2026 aus. Bei gleicher 5% Steigerung entspricht das im Jahr 2036 407€ pro Monat. Die monatliche Belastung bei 2 Kindern beträgt dann in Summe 1.466€ + 2*407€ = 2.280€. Der AG zahlt wie bei der GKV zu, maximal so viel wie für die GKV. Das entspricht den jährl. 12.200€ von oben bzw. 1.016€ pro Monat. Da meine eigene KV ist in diesem Szenario schon teurer als der AG-Anteil ist bleibt für die Kinder nichts übrig. Mein Anteil nach AG-Zuschuss ist dann noch 1.466€ - 1.016€ = 466€. Zusätzlich mit den Kinderbeiträgen beträgt mein monatl. Eigenanteil dann (466€ + 2 * 407€) = 1.280€. Annahme: 80% meines PKV-Eigenanteils kann ich von der Steuer absetzen, bei den Kinder 100%. D.h. absetzbar wären 0,8 * 466€ + 2 * 407€ = 1.186€. Bei 42% Steuer entspricht das einer Steuerersparnis iHv 0,42 * 1.186€ = 498€. Netto würde ich also 1.280€ - 498€ = 782€ pro Monat bzw. 9.384€ pro Jahr bezahlen.

    Das Delta PKV - GKV im Jahr 2036 beträgt also 2.308€ pro Jahr bzw. 192€ pro Monat. Im Jahr 2035 wären es ca. 2.180€ gewesen. Die jährl. Ersparnis wird in dem Jahr, in dem sie anfällt, sofort investiert mit einer angenommen Rendite von 6%. D.h. nach 10 Jahren wären aus den 2.308€ geworden: 2.308€ * 1,0610 = 4.133€ usw. Der Zinseszins hilft hier natürlich ungemein.


    GKV im ersten Jahr der Rente, Jahr 2054

    Die BBG liegt mittlerweile bei über 175k€. Da bin ich mit meiner Rente deutlich drunter. Der Beitrag für GKV und GPV liegt mittlerweile bei stolzen 32%. Da immer in der GKV gewesen fallen Beiträge "nur" für die gesetzl. Rente und die Betriebsrente an.

    Ich rechne mit 1% jährl. Rentensteigerung zu dem, was in meinem Rentenbescheid steht. Ich habe auch eine super Betriebsrente. Ich rechne mit 7750€ brutto, davon 4280€ gesetzl. Rente. D.h. pro Jahr 93.000€. Der Freibetrag für Betriebsrenten ist bei 3.5% jährlicher Steigung von 197,75€ im Jahr 2026 auf mittlerweile 484€ angestiegen, das entspricht 5808€ pro Jahr. D.h. ich muss Beiträge zahlen auf 93.000€ - 5808€ = 87.192€. Meine Abgaben sind dann 0,32 * 87.192€ = 27.901€. Die Rentenversicherung zahlt 8,75% auf die gesetzl. Rente zu. Das entspricht 0,875 * 4280€ * 12 = 4.494€. Mein Anteil beträgt dann 23.407€. Wichtige Annahme: Ich gehe jetzt von einem Steuersatz von 23% aus. Dann könnte ich von der Steuer absetzen 0,23 * 23.407€ = 5.382€. Netto-Beitrag damit 23.407€ - 5.382€ = 18.025€ pro Jahr bzw. 1502€ pro Monat.


    PKV im ersten Jahr der Rente, Jahr 2054

    Die Kinder sind raus. Nach Wegfall der 10% gesetzlichen Zuschlag mit 60 (Einsparung ca. 200€), weiteren 10% mit 65 (ca. 200€) und dem Krankentagegeld (geschätzt ebenfalls 200€) liegt mein Beitrag bei 2.716€ pro Monat. Die Rentenversicherung zahlt auch hier wie bei der GKV zu. Entspricht 4494€ / 12 = 375€. Meine Eigenbelastung beträgt damit 2.716€ - 375€ = 2341€ pro Monat. 80% absetzbar, heißt 0,8 * 2341€ * 0,23 = 430€ Steuerersparnis. Netto zahle ich 2341€ - 430€ = 1911€ pro Monat bzw. 22.932€ pro Jahr.

    Delta somit 22.932€ - 18.025€ = 4.907€ jährlich oder 408€ pro Monat.

    In Summe ist das kummulierte Delta bis zu diesem Jahr 97.000€ (reine Differenz Zahlung an PKV minus GKV). Bei Anlegen dieser Summe (jedes Jahr die Einsparung zu 6%) mit Zinseszins beträgt die Differenz 200.000€.

    Aber der Rente geht die Schere zw. PKV und GKV immer weiter auf. Bis zum Jahr 2071 entspricht es dann 350.000€ (Differenz) bzw. 973.000€ (mit Anlage).

    Ich habe leider gerade keine Zeit mehr zum Korrekturlesen. Aber so ist der Rechenweg hoffentlich klar sowie die Annahmen. Bei Fehlern bitte (unbedingt ;)) melden.

Passende Ratgeber für Dich

Von Finanztip-Experten fundiert recherchiert

Was Finanztip ausmacht
Finanztip Bewertungen